Sonntag, 11. September 2011

Tag des offenen Denkmals 2011

„Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“

Seit 1993 öffnen in Deutschland am zweiten Sonntag im September zum Tag des offenen Denkmals mehrere tausend historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, ihre Türen, 2010 nahmen über 2.600 Kommunen mit mehr als 7.500 Denkmalen teil. Rund 4,5 Millionen Besucher wurden an diesem Tag bundesweit gezählt. Dieses Jahr stand der Tag des offenen Denkmals am 11. September unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“.

Alte Dreherei in Mülheim an der Ruhr-Broich

Historische Straßenbahn, Gelenktriebwagen 1753

Eher zufällig begegnete mir auf der Duisburger Straße in Broich der Gelenktriebwagen 1753 der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V., dieser war heute auf der Tramtour „Auf Meterspur durch Stadt und Flur“ quer durch das Ruhrgebiet für die Tour de Ruhr GmbH unterwegs.

Alte Dreherei

Die 1874 errichtete, dreischiffige Halle wurde zuletzt von der Deutschen Bundesbahn als Dreherei des Eisen­bahn­aus­besserungs­werkes Speldorf genutzt. Sie verfügt über eine in Deutschland einzigartige Holzdachkonstruktion und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Zur langfristigen Erhaltung des Industriedenkmals wurde 2008 der „Trägerverein Haus der Vereine in der Alten Dreherei e. V.“ gegründet. Das Konzept des Vereins sieht neben Ausstellungen eine teilweise Nutzung der 2.000 m² großen Halle für Veranstaltungen vor.

Alte Dreherei, Innenansicht

Ein für die Dachentwässerung erforderlicher Kanal durchquert die Halle augenblicklich von West nach Ost. Gleichzeitig wird an der Sanierung der Holzdachkonstruktion am Südgiebel gearbeitet.

Alte Dreherei, Innenansicht

Alte Dreherei, Innenansicht

Alte Dreherei, Restaurierung der Rundbogenfenster

Die Sanierung der Fensterrahmen an der Westseite der Halle ist bereits abgeschlossen, an den Rahmen an der Ostseite haben die Schweißarbeiten begonnen.

Alte Dreherei, Restaurierung der Rundbogenfenster

Alte Dreherei

Alte Dreherei


Deilbachhammer in Essen-Kupferdreh

Historische Arbeiterhäuser

Das am Deilbach gelegene Gebäudeensemble aus Hammergebäude, dem so genannten Meisterhaus und zwei Arbeiterhäusern hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert. In der Hammerschmiede wurden bäuerliche Arbeitsgeräte, Beschläge für Kohlewagen und Steinbruchwerkzeuge gefertigt.

Deilbachhammer

Der Antrieb der Schwanzhämmer, der Blasebalganlage und einer Stahlschere erfolgte über unterschlächtige Wasserräder, von denen aktuell aber nichts zu sehen ist. Der Deilbachhammer ist Außenstelle des Ruhr Museums Essen. Beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals lag der Schwerpunkt auf restauratorischen Aspekten bei der Instandsetzung der Arbeiterhäuser.

Deilbachhammer

Deilbachhammer, Antriebswelle

Deilbachhammer, Schwanzhämmer


Kirche, Kloster und Schule B. M. V. in Essen-Holsterhausen

1652 kamen Schwestern aus dem Kloster des Ordens der Augustiner Chorfrauen der Congregatio Beatae Mariae Virginis (der seligen Jungfrau Maria, B. M. V.) nach Essen und eröffneten die „französische Schule“, eine höhere Schule für Mädchen, und die „deutsche Schule“, eine Art Volksschule. Die Gebäude befanden sich am heutigen Hischlandplatz. Nachdem Schule und Kloster 1931 nach Essen-Holsterhausen verlegt und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, fand der Wiederaufbau der Gebäude von 1945 bis 1963 statt. Die heutige B. M. V.-Kirche entstand in den Jahren 1954/55 und wurde am 6. November 1955 eingeweiht.

B. M. V.-Kirche, Innenansicht

Ein Teil der ornamentale Farbverglasungen in der 1931 errichteten Kirche wurde vom niederländischer Künstler Johan Thorn Prikker (* 5. Juni 1868 in Den Haag, † 5. März 1932 in Köln) geschaffen, sie wurden im Krieg gesichert und beim Neubau der Kirche 1954/55 von Ursula Graeff-Hirsch (* 1929 in Düsseldorf) in der ursprünglichen Form restauriert.

Die Fenster im Schwesternchor

Die roten Fenster auf der rechten Seite des Schwesternchors zeigen Ornamente mit den Christussymbolen A (Alpha) und Ω (Omega), der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, als Zeichen für den Anfang und die Vollendung des Glaubens.

Fenster im Altarraum, Detail

Für die Gestaltung der Fenster im Kirchenschiff und im Altarraum wählte Thorn Prikker die Worte ΦΟΣ/ΖΟΗ (Licht und Leben) in griechischer Sprache und Schrift in der Kreuzform als Leitmotiv.

Fenster im Altarraum

Zwei der mittleren Fenster auf der rechten Seite im Kirchenschiff tragen die Inschrift HABEMUS BONUM DOMINUM ET BONAM DOMINAM (Wir haben einen guten Herrn und eine gute Herrin), wobei es sich ein Lieblingswort des Hl. Pierre Fourier (* 30. November 1565 in Mirecourt, Lothringen; † 9. Dezember 1640 in Gray, Freigrafschaft Burgund) handeln soll, dem Gründer der Augustiner Chorfrauen der Congregatio Beatae Mariae Virginis.

Fenster im Kichenschiff

Ebenfalls zum Besichtigungsprogramm gehörte die Besteigung des Turms der B. M. V.-Schule, ursprünglich mit einer Kuppel für eine Sternwarte versehen, die aber bei der Restaurierung durch eine klassische Turmhaube ersetzt wurde. Der 40 Meter hohe, markante Turm beherbergt eine Ausstellung über die Geschichte der B. M. V.-Schule.

Essener Skyline, links das Rathaus, rechts der RWE Turm


Auferstehungskirche, Essen-Südostviertel

Ev. Auferstehungskirche

Die Auferstehungskirche wurde 1929 nach Plänen des Architekten Otto Bartning (* 12. April 1883 in Karlsruhe, † 20. Februar 1959 in Darmstadt) errichtet. Der Zentralbau mit kreisförmigem Grundriss wurde in Skelettbauweise aus betonummanteltem Kruppstahl errichtet, zwischen den Pfeilern befindet sich Ziegelwerk.

Ev. Auferstehungskirche, Innenansicht

Die ursprüngliche Verglasung der Auferstehungskirche wurde ebenfalls vom niederländischen Künstler Johan Thorn Prikker geschaffen, allerdings wurde diese im Krieg zerstört. Sie wurde von den Werkstätten für Glasmalerei, Mosaik und Restaurierungen Hein Derix KG nach Originalunterlagen rekonstruiert.

„Ich bin das Brot des Lebens“

Neben der ornamentalen Verglasung der drei übereinanderliegenden Fensterringe sind drei besonders aufwendig gestaltete Fenster unter der Orgelempore zum Thema „Ich bin das Brot des Lebens“ hervorzuheben.

„Ich bin das Brot des Lebens“

„Ich bin das Brot des Lebens“


ChorForum Essen in St. Engelbert, Essen-Südviertel

Kirche St. Engelbert, Westseite

Die Kirche St. Engelbert im Südviertel von Essen wurde vom Architekten Dominikus Böhm (* 23. Oktober 1880 in Jettingen, † 6. August 1955 in Köln) als Backsteinbasilika entworfen und 1935 geweiht. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zwischen 1953 und 1955 erneut nach Plänen von Dominikus Böhm in veränderter Form wiederaufgebaut. Nachdem am 27. Januar 2008 der letzte Gottesdienst in der St.-Engelbert-Kirche stattfand und keine finanziellen Mittel mehr für den Unterhalt der Kirche zur Verfügung standen, wurde zu Beginn des Jahres 2011 zwischen dem Bistum Essen und dem ChorForum Essen e. V. ein Überlassungsvertrag für das Gebäude unterzeichnet.

Kirche St. Engelbert, Fenster in der Westfassade von Gottfried Böhm

Nach umfassenden Sanierungs- und Renovierungsrabeiten werden die Räumlichkeiten des ehemaligen Kirchengebäudes als generationsübergreifende Probenstätte von Chor- und Orchestervereinigungen sowie als Veranstaltungsstätte für Konzerte und Ausstellungen umgenutzt.

Kirche St. Engelbert, Fenster im Dach der Taufkapelle

Das ChorForum Essen wurde am 10. September 2011 mit Carl Orffs „Carmina Burana“ offiziell eröffnet, am 11. September wurden am Tag der offenen Tür diverse Konzerte und Workshops angeboten. Bei einem Konzert von Chor und Orchester der B. M. V.-Schule unter Leitung von Hermann Godland mit Songs aus dem Andrew Llyod Webber-Musical „Jesus Christ Superstar“ konnte ich mir einen Eindruck von der Akkustik im ehemaligen Mittelschiff der Kirche verschaffen.

Kirche St. Engelbert, neue Nutzung durch den Verein
ChorForum Essen e. V.



Christuskirche Bochum/Platz des europäischen Versprechens

Am 15. Mai 1877 wurde der Grundstein für die neugotische Christuskirche Bochum gelegt, die Bauausführung nach Plänen der Architekten August Hartel (* 26. Februar 1844 in Köln, † 18. Februar 1890 in Straßburg) und Theodor Quester (* 1843 in Köln) lag beim Bochumer Baumeister Heinrich Schwenger (* 14. Juli 1840 in Rheda; † 13. März 1906 in Bochum). Der 72 Meter hohe Turm wurde im Oktober 1878 fertiggestellt, im Mai 1879 wurde die Kirche eingeweiht. 1931 wurde im Sockelgeschoss des Turmes die „Heldengedenkhalle“ nach Plänen des Bochumer Baumeisters Heinrich Schmiedeknecht (* 9. Mai 1880 in Bochum, † 4. August 1962 in Bochum) gestaltet, der 1906 das Büro des Baumeisters Heinrich Schwenger übernommen hatte. In der Nacht vom 13. zum 14. Mai 1943 wurde die Kirche bis auf den Turm zerstört. Damit gilt sie noch heute als Mahnmal gegen den Krieg. Am 15. Mai 1957 wurde die neue Christuskirche gegründet. Bis 1959 entstand nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen (* 5. April 1911 in Heidenheim an der Brenz, † 6. April 1994 in Hannover) ein zeitgemäßes neues Kirchenschiff.

Leere Rahmen auf dem Platz vor der Christuskirche

Ausgehend von der „Heldengedenkhalle“ im Sockelgeschoss des Turmes sollte im Kulturhaupstadtjahr 2010 auf dem Platz vor der Christuskirche in unmittelbarer Nähe des Rathauses eine Vision des Konzeptkünstlers Jochen Gerz (* 4. April 1940 in Berlin) Realität werden, der so genannte „Platz des europäischen Versprechens“. 25 Basaltbodenplatten aus Armenien (5,40 × 3,80 m²) sollen sich über den Vorplatz ausbreiten, auf denen die Namen der Autoren zu lesen sein sollen, die Europa ein persönliches Versprechen gegeben haben, das jedoch unveröffentlicht bleibt. Am 31. Dezember 2010 sollte der Platz eingeweiht werden und jederzeit zugänglich sein. Doch daraus wurde nichts, Versprechen gebrochen. Wegen Lie­fer­eng­päs­sen beim Stein­ma­te­rial muss­ten die Arbei­ten Anfang Novem­ber 2010 unter­bro­chen wer­den, und der Winter machte in der Folge weitere Arbeiten unmöglich.

Goldenes Mosaik im Eingangsbereich des Turms

Im Februar 2011 kamen die Bagger zurück, und inzwischen ist der technische Ausbau des Platzes abgeschlossen. Von den 24 Basaltbodenplatten auf dem Platz vor der Kirche fehlt jede Spur … lediglich steinmarkierte Felder kennzeichnen die für die Namensplatten vorgesehenen Flächen. Eine einzige Namensplatte liegt in der „Heldengedenkhalle“.

Namenstafel im Eingangsbereich des Turms

Gedenkhalle im Eingangsbereich des Turms

Die neue Christuskirche ist bilderlos, sie setzt sich damit von der „Heldengedenkhalle“ und dem vom Krieg gezeichneten Bild ab. Heute wird die Kirche als öffentlicher Raum für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Zusammen mit der St.-Petri-Kirche in Dortmund, der Bleckkirche in Gelsenkirchen, der Marktkirche in Essen und der Salvatorkirche in Duisburg bildete sie im RUHR.2010-Projekt „Kirche der Kulturen“ die StadtKirchenPassage A40.

Christuskirche, Innenansicht

Durch das Lichtkonzept sieht der Platz vor der Kirche zumindest im Dunkeln bereits ansprechend aus, die fehlenden Namensplatten fallen dann nicht so auf.

Platz des europäischen Versprechens mit dem Turm der Christuskirche

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