Montag, 26. September 2011

„Backstage“ im „LUKAS“

Drew Sarich im alten Bahnhof Kupferdreh

Der Königlich Preußische Bahnhof zu Kupferdreh wurde am 27. Juli 1898 an der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn eröffnet. Heute fahren die Züge der S-Bahn Rhein-Ruhr ohne Halt an dem alten Gebäude vorbei, nur die historische Hespertalbahn beginnt hier am vorderen Bahnsteig ihre Fahrt. Das Gebäude wird heute unter dem Namen „LUKAS“ als „kulinarischer Bahnhof“ genutzt und gehört zur Route der Industriekultur, Themenroute 12 – Geschichte und Gegenwart der Ruhr.

Museumszug am alten Bahnhof Kupferdreh

Direkt am Eingang stolperte man über den ersten „Aufreger“ des Abends. Dort wurde mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht, falls gegen das Verbot von Audio-, Video- und Fotoaufnahmen verstoßen wird. Jeder wird Verständnis dafür haben, dass bisher nicht veröffentlichtes Songmaterial geschützt werden soll, aber auch hier „macht der Ton die Musik“. Zumal es sich bei einer Zuwiderhandlung allenfalls um ein zivilrechtliches Vergehen handeln dürfte und nicht um einen Straftatbestand nach dem deutschen Strafgesetzbuch.

In der Denkmalliste der Stadt Essen ist zu den Merkmalen des alten Bahnhof Kupferdreh folgendes zu lesen: „Die Fensterdisposition, die dekorativ aufwendige Außenarchitektur in rotem Backstein sowie der rundbogige, mit ockerfarbigen, differenziert gearbeiteten Werksteinelementen gegliederte Vorhalleneingang verleihen dem Außenbau ein außergewöhnliches und reizvolles Erscheinungsbild.“ Bedauerlicherweise hat sich das Erscheinungsbild eben jener Vorhalle, in der sich heute die Kneipe des „LUKAS“ befindet, im Inneren durch den Einbau eines Traversensystems sehr zu seinem Nachteil verändert.

Nachdem die Konzerte der „Backstage“-Konzertreihe im alten Bahnhof Kupferdreh in diesem Jahr gleich reihenweise ausgefallen sind, fand das Konzert mit Drew Sarich am 25. September 2011 tatsächlich statt, obwohl Drew augenblicklich als Mafioso Curtis Jackson im Musical „Sister Act“ engagiert ist, das erst am 15. September 2011 Premiere im Ronacher in Wien hatte. Im Gepäck hatte er lediglich seine akustische Gitarre und seine eigenen Songs aus den verschiedenen Soloprojekten („I. V.“, „Silent Symphonie“ und „Ugly Nina“).

Drew Sarich

Nach (viel zu) langer Vorrede von Philippe Ducloux, dem Veranstalter der „Backstage“-Konzertreihe, betrat Drew Sarich schließlich die Bühne und brachte im ersten Set als Vorgriff auf sein neues Solo-Album, das am 21. Oktober 2011 veröffentlicht wird, diverse Songs aus „Silent Symphonie“ zu Gehör. Darin erzählt er Geschichten aus seiner eigenen Vergangenheit während der Zeit in New York City, hier hat er seine eigenen Erlebnisse als junger Darsteller auf der Suche nach Arbeit in den unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen „verarbeitet“. Das Album wurde von Titus Vadon produziert, der Drew schon in dessen Band International Victim am Schlagzeug begleitete.

Nach der Pause wurde das zweite Set gemeinsam von Drew Sarich und Philippe Ducloux mit „Unchained Melody“ von Alex North (Musik) und Hy Zaret (Text) eröffnet. Im weiteren Verlauf lag der Schwerpunkt dann eher auf Songs aus dem „Ugly Nina“-Projekt, das von einem Mädchen handelt, das in einem Keller lebt und irgendwann vom Opfer zum Täter wird. Eine Mischung aus „The Juliet Letters“ von Elvis Costello und „Kill Bill“ von Quentin Tarantino, wie sich Drew Sarich selbst ausdrückte. Der Songzyklus wurde bereits vom Klemens Bittmann für das „Dead Poet Quartet“ arrangiert, mit dem Drew Sarich schon im vergangenen Jahr „The Juliet Letters“ präsentiert hat. Als Zugabe gab es schließlich noch „Silent Symphonie“ aus dem neuem Album, mit dem sich Drew Sarich leise von der Bühne im alten Bahnhof Kupferdreh verabschiedete. Für seine Fans stand Drew Sarich anschließend noch im „gelben Saal“, dem ehemaligen Wartesaal der 3. und 4. Klasse für Autogramme und Fotos zur Verfügung.

Am Rande sei noch bemerkt, dass das Konzert von Drew Sarich am Sonntag nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft war, und die männlichen Besucher an maximal zwei Händen abzuzählen waren. Nicht genug damit, in einer erdrückenden Unterzahl vertreten zu sein, konnte man sich nicht einmal auf dem „stillen Örtchen“ vor derartiger Frauenpower in Sicherheit bringen.