Mittwoch, 2. August 2017

Kokerei Zollverein

Sanierungsmaßnahmen schreiten voran

Kokerei Zollverein

Als UNESCO-Welterbe Zollverein hat die ursprüngliche Zeche und Kokerei weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus als Industriedenkmal Bekanntheit erlangt. Am 23. Dezember 1986 wurde nach 135 Jahren die Steinkohleförderung auf Zollverein eingestellt. Am 30. Juni 1993 wurde nach nur 32 Jahren Betriebsdauer auch die Kokerei geschlossen. Nachdem diese nicht verkauft werden konnte, zog man den Abriss in Betracht. Es ist ein Verdienst der Internationalen Bauausstellung IBA Emscher Park, die den Umbau der Kohlenmischanlage zu einem spektakulären Ausstellungsgebäude initiierte, dass dies nicht passierte. Bereits 1999 rückte die ehemalige Industrieanlage mit der Ausstellung „Sonne, Mond und Sterne – Zur Kulturgeschichte der Energie“ erstmals in das Bewusstsein einer großen Öffentlichkeit. Innerhalb von zwei Jahren kamen 300.000 Besucher zur Kokerei, die 2000 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Am 14. Dezember 2001 wurde Zeche Zollverein Schacht XII und Schacht 1/2/8 sowie die Kokerei Zollverein als Gesamtensemble aus Zeche und Kokerei schließlich in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Kokerei Zollverein, Schornsteine

Die Mischanlage wird im kommenden Jahr von Ende April/Anfang Mai bis Ende Oktober/Anfang November Schauplatz der Sonderausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ des Ruhr Museums und des Deutschen Bergbau-Museums Bochum zum Kohleausstieg sein, bis dahin soll auch die Standseilbahn saniert sein, mit der die Besucher letztmalig bei der Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ vom südlich vorgelagerten Wiegeturm dem Weg der Anthrazit-, Fett- und Glasflammkohle folgend zur Kopfstation in der 35 Meter hohen Mischanlage gelangt sind.

Kokerei Zollverein, der 80 Meter hohe Schornstein wird neu aufgemauert

Nach Abschluss der denkmalgerechten und energetischen Sanierung und Umnutzung des Kammgebäudes auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein im Sommer 2016 sind die Hallen des markanten Industriekomplexes des Architekten Fritz Schupp an sechs Unternehmen der Kreativwirtschaft vermietet. IMHO wird dieser Begriff ein wenig inflationär benutzt: Jeder ehemalige Zechenstandort wird heutzutage entweder als Logistikstandort oder eben als Kreativquartier genutzt. Nach Definition des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ist der verbindende Kern jeder kultur‐ und kreativwirtschaftlichen Aktivität ein schöpferischer Akt. Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Wirtschaftssektor, der sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befasst. Der Duden gibt als Bedeutung für das Adjektiv kreativ „schöpferisch; Ideen habend und diese gestalterisch verwirklichend“ an.

Kammgebäude

Auf insgesamt 570 Quadratmetern Büro- und 1.300 Quadratmetern Werkfläche haben sich das Produktentwicklungsbüro MMID, der Möbelhersteller MÖBELLOFT, die Fliesenmanufaktur Golem, der Trockenseife-Produzent Sapor, der Metalldesigner Reiner Barzel und das Atelier Burkamp eingerichtet. Für den Umbau zeichnet das Architekturbüro planinghaus architekten aus Darmstadt verantwortlich.

Kammgebäude

Kammgebäude

Kammgebäude

Bergauf Hautschutzseife

Kokerei Zollverein, Werksschwimmbad

Der aus zwei aneinander geschweißten Überseecontainern bestehende Pool der Frankfurter Künstler Dirk Paschke und Daniel Milohnic eröffnete im Rahmen des Kunstprojekts „Zeitgenössische Kunst und Kritik“ erstmals im Jahr 2001 die Badesaison auf Zollverein. Seither ist der Pool ein fester Bestandteil des Sommerprogramms auf Zollverein. Bis zum 3. September 2017 können Besucher in diesem Jahr täglich von 12 bis 20 Uhr im Werksschwimmbad inmitten der ehemaligen Kokerei Zollverein die Seele baumeln lassen und sich an heißen Tagen abkühlen. Der Poolbesuch ist kostenfrei. Das 2,40 Meter tiefe Becken ist nur für Schwimmer geeignet, ein Schwimmmeister ist vor Ort. Bei schlechtem Wetter bleibt das Werksschwimmbad geschlossen.

Kokerei Zollverein, Werksschwimmbad

Kokerei Zollverein, Werksschwimmbad

Der ehemalige Leitstand der Kokerei Zollverein wird heute als Besprechungsraum des Erwin L. Hahn Institutes für Magnetresonanz genutzt. Dort gibt es einen 7-Tesla-Ganzkörper-Magnet­resonanz­tomograph von der Siemens AG, Healthcare Sector, Erlangen, der sich von den heute in der klinischen MRT-Bildgebung weltweit eingesetzten 1,5-Tesla-Magnet­resonanz­tomographen durch eine höhere Sensitivität für strukturelle und funktionelle Messungen im menschlichen Körper unterscheidet.

Kokerei Zollverein, ehemaliger Leitstand, heute Besprechungsraum des Erwin L. Hahn Institutes für Magnetresonanz

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle

Zur historischen Ausstattung der ehemaligen Kompressoren- und Saugerhalle gehörten Turbokompressoren, Schaltstände und Überwachungseinrichtungen, von denen bei der Sanierung und dem Ausbau zur Grand Hall ZOLLVEREIN® einige wenige am ursprünglichen Aufstellungsort erhalten geblieben sind. Die Gassauger und Kompressoren wurden auf der „weißen“ Seite der Kokerei eingesetzt, um das bei der Verkokung entstehende Rohgas von der Gasvorlage abzusaugen und dann durch die Nebengewinnungsanlagen zu fördern. Leider war mir ein Besuch der ehemaligen Kompressoren- und Saugerhalle vor der Sanierung nicht vergönnt, womöglich wird mir das gleiche Schicksal auch bei der Salzfabrik widerfahren, die zum Schau- und Zentraldepot des Ruhr Museums umgebaut und 2020 zum zehnjährigen Jubiläum des Ruhr Museums eröffnet werden soll. Die Grand Hall ZOLLVEREIN® wurde am 24. Juni 2017 offiziell als erste multifunktionale Eventlocation für 25 bis 2.500 Personen auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein eröffnet.

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, heute Grand Hall ZOLLVEREIN®

Das aus 81 einzelnen Tafelbildern bestehende Triptychon „Die Städte sind für dich gebaut“ von Klaus Armbruster (* 1942 in Tübingen) ist dauerhaft in der Grand Hall ZOLLVEREIN® zu sehen. Nach der ersten öffentlichen Präsentation vom 15. April bis 27. Mai 2011 in der ehemaligen Zentralwerkstatt auf Zollverein und anschließend in der NRW-Vertretung in Berlin ist die 16 × 5 Meter große Tafelbildmontage nun dauerhaft auf das Welterbe-Gelände zurückkehrt. Übereignet an die Stiftung Zollverein mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen ist es ab sofort im Obergeschoss der Grand Hall ZOLLVEREIN® zu sehen. Der Eintritt ist frei. Der Titel „Die Städte sind für dich gebaut“ geht auf Bertolt Brechts Gedichtband „Lesebuch für Städtebewohner“ zurück. RUHRWERK, Ausgangsproduktion für die Tafelbildmontage, entstand in Anlehnung an das „Ruhrepos“, einer aufgrund von nationalsozialistischer Hetze verhinderten Musiktheaterproduktion, an der Bertolt Brecht, Kurt Weill und Carl Koch in den 1920er-Jahren arbeiteten.

Kokerei Zollverein, ehemalige Kompressoren- und Saugerhalle, „Die Städte sind für dich gebaut“ von Klaus Armbruster, 2007 – 2011

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