Montag, 7. August 2017

„Essener Aussichten“

Was kostet die Welt?

Es war einmal eine Idee: Im Rahmen des Projekts „Essener Aussichten“ der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 sollte eine „Ela-Plattform“ im Schellenberger Wald „eine gute Sicht auf das durch das Sturmereignis Ela stark geschädigte Waldstück und teilweise auf den Baldeneysee“ ermöglichen, etwa 50.000 € sollte die Errichtung dieser Plattform kosten. Ich habe nie verstanden, warum man das Geld nicht lieber für die Beseitigung der Sturmschäden und die Aufforstung des Waldstückes verwenden wollte, aber glücklicherweise wurde die Errichtung der umstrittenen Ela-Plattform im Schellenberger Wald am 7. Februar 2017 im Ausschuss für Umwelt, Verbraucherschutz, Grün und Gruga einstimmig (bei zwei Enthaltungen) abgelehnt. Was geblieben ist, sind die „Essener Aussichten“, und die sorgen seit vergangener Woche für einigen Wirbel in der Stadt.

Schellenberger Wald

Die Korte Klippe, ein beliebter Aussichtspunkt in Essen-Heisingen oberhalb des Baldeneysees, war bisher mit einem Gedenkstein gekennzeichnet, auf dem zu lesen ist, dass die Korte Klippe Rudolf Korte (* 8. Juni 1878 in Herford, † 15. August 1950 in Essen) gewidmet ist, Erbauer der Gruga und 1921 bis 1938 Gartendirektor der Stadt Essen. Früher gab es dort auch mindestens zwei Ruhebänke, die sind nämlich auf einem Foto in der freien Enzyklopädie Wikipedia zu sehen. Die Ruhebänke sind längst verschwunden, wer sich hinsetzen möchte, setzt sich auf die Mauer am Hang.

Korte Klippe, Gedenkstein zur Erinnerung an Rudolf Korte

Die Korte Klippe wurde nun im Rahmen des Projekts „Essener Aussichten“ mit einer Stele aus Recycling-Beton markiert, die das Logo der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 trägt. Insgesamt 31 „Essener Aussichten“ wurden von Grün und Gruga ausgewählt und sollen bis Ende September 2017 nach und nach mit einer Stele oder einem Sitzblock und einer Infotafel ausgestattet werden. Über QR-Codes sollen Handynutzer zudem auf eine Website gelangen können, auf der weitere Informationen zu den Orten hinterlegt sind. Da die Infotafel an der Korte Klippe noch fehlt, kann augenblicklich auch niemand sagen, ob das auch tatsächlich funktioniert. Und es wird auch danach nur so lange funktionieren, wie die Infotafel nicht mit Farbe beschmiert ist.

Korte Klippe mit der Stele der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017

Dies sind die 31 „Essener Aussichten“:
  1. Krupp-Park Nord (Westviertel)
  2. Fünfkirchenblick (Bergerhausen)
  3. Niederfeldsee/Alter Brückenkopf Grieperstraße (Altendorf)
  4. Beekmannstraße/Scheidtstraße (Fulerum)
  5. Niederfeldsee/Alter Brückenkopf Niederfeldstraße (Altendorf)
  6. Volkspark Phoenixhalde (Bochold)
  7. Heißener Straße/Brausewindhang (Schönebeck)
  8. Grünanlage Münstermannstraße (Gerschede)
  9. Schurenabachhalde (Altenessen-Nord)
  10. Gewerbepark M1 (Altenessen-Süd)
  11. Halde Matthias Stinnes (Karnap)
  12. Friedhof am Hallo (Schonnebeck)
  13. Hangetal (Stoppenberg)
  14. Aussichtspunkt am Hallo (Stoppenberg)
  15. Mechtenberg Bismarckturm West (Kray)
  16. Mechtenberg Bismarckturm Ost (Kray)
  17. Steeler Stadtgarten (Steele)
  18. Charlottenstraße (Burgaltendorf)
  19. Byfanger Wasserturm (Byfang)
  20. Korte Klippe (Heisingen)
  21. Ruhrblick (Überruhr-Hinsel)
  22. Rehmanns Hof (Kupferdreh)
  23. Kirchstraße (Burgaltendorf)
  24. Heissiwald (Bredeney)
  25. Friedhof Werden II (Werden)
  26. Am Bilstein (Kettwig)
  27. Kettwiger Stadtwald (Kettwig)
  28. Bucholz-Hof (Schuir)
  29. Am Schmalscheid (Fischlaken)
  30. Baldeneysee oberhalb Schloss (Bredeney)
  31. Aussichtspunkt auf dem Pasberg (Kettwig)

Korte Klippe mit der Stele der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017

Die „Essener Aussicht“ an der Korte Klippe wurde in der vergangenen Woche offiziell vorgestellt, und prompt hagelte es im Netz bei der Berichterstattung über die Beton-Stelen Kritik, und nicht nur das: die Stele an der Münstermannstraße in Gerschede ist spontan umgefallen (worden), kurz nachdem sie aufgestellt wurde. Das wird die Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 natürlich nicht daran hindern, diese wieder aufzustellen, das Land bezuschusst das Projekt schließlich mit 280.000 €.

Korte Klippe mit der Stele der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017, nur echt mit Knopf im Sockel… darauf haben sich auch gleich die Herrschaften von Grün und Gruga namentlich verewigt

Korte Klippe mit der Stele der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017

Korte Klippe, ein beliebter Aussichtspunkt in Essen-Heisingen oberhalb des Baldeneysees

Korte Klippe, ein beliebter Aussichtspunkt in Essen-Heisingen oberhalb des Baldeneysees

Wer sich im Schellenberger Wald ein wenig auskennt, wird bei gutem Wetter den Weg von der Korte Klippe zur Neuen Isenburg nicht scheuen, einer Burgruine in Essen-Bredeney.


Neue Isenburg

Neue Isenburg, Ringmauer

Die Essener Isenburg wurde um das Jahr 1240 erbaut und nur 48 Jahre später, 1288, wieder zerstört. Sie ist mit ca. 135 × 45 Metern eine der größten Burganlagen in der Region. Die Hauptburg bildet ein Oval von etwa 45 × 37 Metern. Sie wird fast vollständig von der bis über zwei Meter dicken Ringmauer umgeben. Von der Vorburg ist sie über eine Brücke erreichbar, an die sich ein sehr schmaler, abknickender Durchgang (Zwinger) anschließt, der zum inneren Burgtor führt. Um den kleinen Innenhof gruppieren sich der Hauptturm (Bergfried), das Wohngebäude (Palas) und ein kleineres Nebengebäude. Zwischen Turm und Wohnbau sind noch Kellerreste erhalten, die ebenfalls zu kleineren Anbauten gehört haben.

Neue Isenburg, inneres Burgtor

Neue Isenburg, Innenhof

Neue Isenburg, Reste des Palas, Fensternische mit Sitzbank

Neue Isenburg, Narrenhände beschmieren Tisch und Wände

Neue Isenburg, Blick über den Baldeneysee

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