Sonntag, 16. Juli 2017

Vorschau: „Musical Academy“ im Capitol Theater Düsseldorf

Ein Projekt zur Förderung des besonders talentierten Musical-Nachwuchses

Nachwuchsförderung im Bereich Musical scheint im deutschsprachigen Raum ein recht schwieriges Kapitel zu sein: Der 1966 gegründete und seit 1979 jährlich ausgeschriebene Bundeswettbewerb Gesang Berlin hat sich die Förderung des Nachwuchses und das Auffinden stimmlich, musikalisch und darstellerisch überdurchschnittlicher Begabungen zum Ziel gesetzt. Die Karrieren von Preisträgern wie Adrian Becker, Katja Berg, Vera Bolten, Isabel Dörfler, Andreas Gergen, Frederike Haas, Karim Khawatmi, Katharine Mehrling, Max Raabe, Veit Schäfermeier, Uli Scherbel, Anke Sieloff, Christian Struppeck und Bodo Wartke – um nur einige bekannte Namen zu nennen – haben durch die Teilnahme am Bundeswettbewerb Gesang Berlin entscheidende Impulse bekommen. Übrigens, der Anmeldezeitraum für den 46. Bundeswettbewerb Gesang Berlin in den Sparten Musical/Chanson läuft noch bis 1. September 2017. Seit 1994 gab es den Jugend kulturell Förderpreis der HypoVereinsbank zur individuellen Förderung für besonders talentierte Nachwuchskünstler, der abwechselnd in einer der vier Kategorien „A cappella“, „Musical“, „Kabarett & Co.“ und „Popmusik“ verliehen wurde, letztmalig 2016 in der Kategorie „Acoustic Pop“. Daneben gibt es verschiedenste Formen der Nachwuchsförderung wie Stipendien oder auch Engagements, die Außenstehende womöglich gar nicht als solche wahrnehmen. Auf der anderen Seite stellt bereits die Ausbildung an einer staatlichen Hochschule eine nicht unerhebliche Förderung dar: Beispielsweise zahlen die Studierenden an der Folkwang Universität der Künste in Essen pro Semester für Sozialbeitrag und Semesterticket „nur“ 293,38 €, an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien sind 319,20 € an Semesterbeitrag und Studierendenbeitrag zu zahlen, obwohl die Kosten für einen Studienplatz im Durchschnitt ca. 19.000 € jährlich betragen. Die Studienbeiträge liegen deutlich unter denjenigen vergleichbarer nationaler und internationaler Institute. Die Stage School Hamburg – um ebenfalls ein Bespiel zu nennen – erhebt einen Voraus­zahlungs­betrag von jährlich 7.800 € und einen Stundungsbetrag von 2.750 € pro Studienjahr, zahlbar nach Beendigung der Ausbildung. Hinzu kommt eine jährliche Verwaltungsgebühr in Höhe von 350 €, macht summa summarum 10.900 € jährlich. Nicht ohne Grund versuchen viele Studienplatzanwärter zunächst, einen der begehrten Studienplätze an den fünf staatlichen Hochschulen im deutschsprachigen Raum zu ergattern.

Die Initiative UPTEMPO e. V. hat es sich zum Ziel gesetzt, die künstlerische Entwicklung des überdurchschnittlich begabten Musical-Nachwuchses nachhaltig zu fördern. Dafür hat UPTEMPO e. V. das Projekt „Musical Academy“ initiiert, bei dem jeweils zwei von den staatlichen Hochschulen nominierte Musical-Absolvent/innen unter professioneller Anleitung von Regisseur Stefan Huber, Hardy Rudolz, Lior Kretzer (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) und Christian Stadlhofer in einem Workshop vom 22. bis 26. August 2017 im Düsseldorfer Capitol Theater ihre künstlerischen Fähigkeiten in Gesang, Schauspiel und Tanz vervollkommnen können. Als Paten und Coach werden sie von Lisa Antoni, David Arnsperger, Milica Jovanović und Bettina Mönch unterstützt. Höhepunkt des Projekts ist die öffentliche Bühnenshow „Musical Academy“ am Samstag, 26. August 2017 um 19.30 Uhr im Club des Capitol Theaters, inszeniert von Christian Stadlhofer und unter der Musikalischen Leitung von Lior Kretzer, bei der die 10 für das Projekt nominierten Musical-Absolvent/innen gemeinsam mit Lisa Antoni, David Arnsperger, Milica Jovanović, Bettina Mönch und Hardy Rudolz auf der Bühne stehen werden.

Folgende Musical-Absolvent/innen wurden von ihren Hochschulen für die „Musical Academy“ nominiert:

Universität der Künste Berlin, Studiengang Musical/Show:
Sophia Euskirchen (Meeresgöttin Rân in „Vom Fischer und seiner Frau – Das Musical“, „Brüder Grimm Festspiele“ Hanau, Sally Bowles in Cabaret, TIPI AM KANZLERAMT)
Dennis Weißert (Action, Cover Riff in „West Side Story“, DomplatzOpenAir Magdeburg)

Sophia Euskirchen

Folkwang Universität der Künste Essen, Studiengang Musical:
Karen Müller (Graziella in „West Side Story“, DomplatzOpenAir Magdeburg)
Philipp Nowicki (Harry Frommermann in „Jetzt oder nie – Die Comedian Harmonists Teil 2“ und Joey in „Saturday Night Fever“, 59. Gandersheimer Domfestspiele)

Karen Müller

Philipp Nowicki

Bayerische Theaterakademie August Everding München, Studiengang Musical:
Robert Henry Lankester (Snowboy in „West Side Story“, Stadttheater Bozen)
Laura Pfister („3 Musketiere Das Musical“, Freilichtbühne Altusried)

Hochschule Osnabrück, Institut für Musik, Studiengang Musical/Vokalpädagogik:
Maurice Daniel Ernst („3 Musketiere Das Musical“, Freilichtbühne Altusried)
Kara Kemeny (“The Adams Family”, Theater Osnabrück, Nina Rosario in „In den Heights von New York“, Theater Hagen)

Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Studiengang Musikalisches Unterhaltungstheater:
Daniel Eckert (Simon Zelot in „Jesus Christ Superstar, Felsenbühne Staatz)
Cornelia Mooswalder („Birdland. Das Glück is a Vogerl““, Sommerspiele Melk)

Robert Henry Lankester und Laura Pfister konnten sich bereits beim 44. Bundeswettbewerb Gesang Berlin für die zweite Finalrunde im Junior­wett­bewerb qualifizieren, Laura Pfister konnte sich einen Förderpreis sichern. Sophia Euskirchen, Karen Müller und Dennis Weißert haben sich im Hauptwettbewerb für die zweite Finalrunde in der Sparte Musical qualifiziert, Dennis Weißert hat sich dort den ersten Preis gesichert, Sophia Euskirchen und Karen Müller konnten ebenfalls Preise für sich verbuchen.

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