Dienstag, 11. Juli 2017

Offizieller Baustart für Umbau und Sanierung des Deilbachhammer-Ensembles

„Frisch, Gesellen, seid zur Hand!“

Der Deilbachhammer, der letzte im Ruhrgebiet erhaltene Eisenhammer am authentischen Standort, steht für die Anfänge der Eisen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet. Das Gebäudeensemble besteht aus einem „Meisterhaus“, einem „Arbeiterhaus“ und dem „Hammergebäude“ nebst technischem Inventar.

Deiler Eisenhammer, historische Arbeiterhäuser

Wahrscheinlich im 16. Jahrhundert als eine dem Deilmannschen Bauernhof zugehörige Schmiede gegründet, entwickelte sich diese ab dem 18. Jahrhundert zu einem Handwerksbetrieb mit eigenständigen Schmiedemeistern. Von 1831 bis 1844 fungierte der Deilbachhammer vermutlich als eine Art von „Bahnbetriebswerk“ zu der von Friedrich Harkort gegründeten „Deiltahler Eisenbahn“, einer 7,5 km langen, schmalspurigen Pferdebahn zum Kohletransport. 1911 wurde der Deilbachhammer dann von dem in unmittelbarer Nachbarschaft gebauten Kohlekraftwerk der Bergischen Elektrizitäts-Versorgungs GmbH aufgekauft und 1917 nach einem Bruch der Hammerwelle stillgelegt.

Deiler Eisenhammer, historische Arbeiterhäuser

1936/37 konnte der langsam verfallende Eisenhammer in einer konzertierten Aktion u. a. unter Beteiligung der Kraftwerksgesellschaft, der Firma Krupp, der Stadt Essen, des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute (VDEH), des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) als „technisches Kulturdenkmal“ betriebsfertig wiederaufgebaut werden. Anfang der 1960er-Jahre übernahm die Stadt Essen das erneut baufällige Denkmal von der Kraftwerksgesellschaft. Der bereits genehmigte Abriss des älteren Teils des „Arbeiterhauses“ und des „Meisterhauses“ konnte abgewendet werden.

Deiler Eisenhammer, historische Arbeiterhäuser

Ende der 1970er-Jahre wurde das technische Inventar des Deilbachhammers in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege umfassend saniert. Da ein Wasserbetrieb durch den teilweisen Abriss des ehemaligen Unterwassergrabens nicht mehr möglich war, entschied man sich für einen Elektroantrieb, um Hammer- und Blasebalganlage wieder öffentlich im Betrieb vorführen zu können. Mangelnde Bauunterhaltung und die Langzeitfolgen von Hochwasserständen machten das Denkmal in den folgenden Jahrzehnten erneut zu einem Sorgenkind.

Deiler Eisenhammer, Wasserrad

Nachdem der Rat der Stadt Essen im September 2016 den Umbau und den Baubeginn für die Sanierung des Eisenhammer-Ensembles im Deilbachtal beschlossen hat, beginnt jetzt die konkrete Planungs- und Realisierungsphase der umfangreichen Umbau- und Sanierungsmaßnahme des dreiteiligen denkmalgeschützten Eisenhammer-Ensembles unter Leitung der GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH. Das Leistungsverzeichnis für die anstehenden Sanierungsarbeiten der Arbeiterhäuser mit einem geschätzten Finanzvolumen von 476.000 Euro, deren Restaurierung den ersten Abschnitt der umfassenden Restaurierung des gesamten Gebäudekomplexes darstellt, ist verfasst. Nach Ausschreibung und Vergabe der Arbeiten kann nun mit der Sanierung der denkmalgeschützten Bausubstanz begonnen werden.

Deiler Eisenhammer, Hammergebäude

Deiler Eisenhammer, trocken gefallene „Wasserkunst“

Deiler Eisenhammer, Wasserrad

Deiler Eisenhammer, Antriebswelle

Deiler Eisenhammer

Deiler Eisenhammer, Schwanzhämmer

Deiler Eisenhammer, Schwanzhämmer

Offizieller Baustart für Umbau und Sanierung des Deilbachhammer-Ensembles

Am Dienstag, 11. Juli 2017, gab Essens Ober­bürgershy;meister Thomas Kufen bei einem gemeinsamen Termin mit Vertretern des Konsortiums Deilbachtal und der GVE den Startschuss. „Der Umbau des Deilbachhammer-Ensembles ist ein tolles Projekt für Essen und die Region. Deshalb freue ich mich sehr über die Entscheidung von Bund, NRW-Stiftung und des Landschaftsverband Rheinland (LVR), denn die Förderung bestätigt den hohen Denkmalwert des letzten erhaltenen Eisenhammers im Ruhrgebiet an einem authentischen Ort. Die Restaurierungsarbeiten können jetzt starten. Der Dank dafür, dass die Realisierung möglich ist, gilt ausdrücklich dem Konsortium Deilbachtal, ohne dessen ehrenamtliches Engagement dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre“, hätte Oberbürgermeister Thomas Kufen sagen sollen. (An dieser Stelle steht in Pressemitteilungen meist die Formulierung „Es gilt das gesprochene Wort.“ Thomas Kufen hat den Sachverhalt lediglich in eigenen Worten ein klein wenig anders zum Ausdruck gebracht.)

Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen, und Hans Schippmann, Sprecher des Konsortiums Deilbachtal

Der Abschluss der Sanierungsarbeiten an den Arbeiterhäusern ist für Anfang 2018 geplant. Bis Mitte 2018 soll dann auch die Sanierung des Hammergebäudes, das die Hauptattraktion des Ensembles birgt, abgeschlossen sein. Dafür ist ein Finanzvolumen von 293.000 Euro veranschlagt. Das Meisterhaus, dessen Restaurierung mit einem Finanzvolumen von geschätzt etwa 784.000 Euro am aufwändigsten sein wird, wird als letzte Maßnahme umgesetzt.

Deiler Eisenhammer, Arbeiterhäuser

Der Umbau und die Sanierung des Deilbachhammer-Ensembles sind maßgeblich auf die Initiative des Konsortiums Deilbachtal, bestehend aus dem Verein IDEE e. V., dem Ruhr Museum, dem Historischen Verein für Stadt und Stift Essen und der Bürgerschaft Kettwig, zurückzuführen. Nach vollständiger Sanierung des Ensembles soll dieses für öffentliche Schauvorführungen und museumspädagogische Aktivitäten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sanierung und künftiges Nutzungskonzept des letzten Hammerwerks der Region am Originalstandort überzeugten bereits den Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Förderer der Sanierung der Arbeiterhäuser, die NRW-Stiftung, die Fördermittel für die Restaurierung des Eisenhammers zur Verfügung stellt. Als weiteren Förderer konnte der Bund für die Sanierung des Meisterhauses gewonnen werden. Der Rat der Stadt Essen stellt auf 5 Jahre verteilt insgesamt auch 500.000 € zur Verfügung.

Deiler Eisenhammer, Hammergebäude

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