Samstag, 22. Juli 2017

FilmSchauPlätze NRW 2017: Nottuln

„Die Päpstin“ auf dem Kirchplatz Stiftsplatz

„The same procedure as last year? The same procedure as every year!“ FilmSchauPlätze NRW, das bedeutet, dass bei freiem Eintritt an besonderen Orten auf die Location abge­stimmte Filme auf der Open Air-Leinwand gezeigt werden. 2017 findet die Veranstaltungsreihe im 20. Jahr statt, daher gibt es dieses Jahr 20 FilmSchauPlätze in Nordrhein-Westfalen. Angefangen hat alles in Südfrankreich, dort initiierte Centre Jean Vigo Événements in Bordeaux 1990 das Cinésites Festival, bei dem außergewöhnliche Filme an ungewöhnlichen Orten mit einem inhaltlichen Bezug zu selbigen bei freiem Eintritt gezeigt werden. Als Cinésites Organisator Alain Marty 1997 Nordrhein-Westfalen besuchte, zeigte ihm das Filmbüro NW ausgewählte Veranstaltungsorte, und am 30. Juli 1998 wurde schließlich in Mülheim an der Ruhr am Ufer der Ruhr eine aufblasbare Leinwand vor der Stadthalle aufgestellt und der europäische Opernfilm „Farinelli“ präsentiert, die Geburtsstunde der FilmSchauPlätze NRW. Seitdem gibt es die Sommerkinoreihe „FilmSchauPlätze NRW“ jedes Jahr in den Sommerferien in NRW.

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus

Den Anfang beim Kinoprogramm macht jeden Abend ein Kurzfilm, der in Nordrhein-Westfalen und mit Unterstützung der Film- und Medienstiftung NRW entstanden ist. Für den passenden Rahmen, der sowohl zu dem gezeigten Film wie auch zu dem Ort passt, an dem die Open Air-Kinoreihe veranstaltet wird, sind die lokalen Partner verantwortlich. Nun ist das mit dem Sommer in Nordrhein-Westfalen so eine Sache, in Nottuln hat man sogar Sandsäcke vor die Kirchentüre gelegt, damit die Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus bei Starkregenereignissen nicht überschwemmt wird. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, ich hätte es für einen Scherz gehalten.

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus

Doch das Wetter war an diesem Freitag ausnahmsweise einmal sommerlich und trocken, daher stand einem ungetrübten Kinoabend im Freien nichts entgegen. Das Rahmenprogramm hatte der Verein Kunst + Kultur Nottuln e. V. (zur Feier des 25-jährigeen Bestehens) in Kooperation mit der Gemeinde Nottuln und der Pfarrgemeinde St. Martin auf die Beine gestellt: Es wurden Führungen durch den historischen Ortskern und auf den Kirchturm der Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus angeboten, dabei wurde von den „Klocklüders“ (plattdeutsch für Läuteküster) gebeiert, d. h. die Glocken manuell angeschlagen, wobei die größte Glocke Ursula aus der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher durch Schwingen zum Läuten gebracht wurde. Seit der Elektrifizierung des Geläutes im Jahr 1970 war das Amt des Glöckners obsolet, 1990 wurde das heutige Läutebrauchtum durch „De Klocklüders“ wiederbelebt und so wird seit dem 1. Fastensonntag 1990 in St. Martinus unter der Regie der „Klocklüders“ wieder an Feiertagen und besonderen Anlässen mit der Hand geläutet. Zum Abschluss des Rahmenprogramms gab Hans-Martin Limberg (* 1961 in Münster) ein etwa halbstündiges Konzert auf der Stockmann-Orgel. Hans-Martin Limberg interpretiert ausschließlich seine eigene Musik, in Nottuln brachte er seine Kompositionen „Himmelwärts“, „Traumkathedrale“, „In Paradisum“ und „Lumen de Lumine“ zu Gehör.

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, zugemauertes Turmportal

Mit der Errichtung der heutigen Hallenkirche war 1489 unter Leitung der Äbtissin Anna von Dorsweiler-Criechingen begonnen worden. Die Gründung der Urpfarrkirche St. Martinus um das Jahr 800 geht jedoch auf den Heiligen Liudger, den ersten Bischof von Münster zurück. Im Laufe des 9./10. Jahrhunderts entstand an dieser Pfarrkirche ein Kloster. Dieses wurde 1493 in ein hochadeliges freiweltliches Damenstift umgewandelt. Am 3. Mai 1748 wurden die alte Klosteranlage, das Kirchendach und der Kirchturm durch einen großen Brand zerstört, jedoch nach Plänes Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun (* 5. Juni 1695 in Nörde, Fürstbistum Paderborn, † 21. Oktober 1773 in Münster) wiederaufgebaut. Der Hauptschluss der außerordentlichen Reichsdeputation vom 25. Februar 1803 bestimmte die Aufhebung des Stiftes zu Gunsten des Königreichs Preußen, das am 14. November 1811 das Stift auflöste.

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, der „Teufel“

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Blick durch das Mittelschiff zum Chor

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Kanzel

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Epitaph der Stiftsdame Anna Mechtildis von Galen-Assen

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Stockmann-Orgel

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Taufbecken

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, VII. Station des Kreuzweges mit dem Porträt des Reichskanzlers Otto von Bismarck als römischen Legionär (3. v. l.), der Christus nach Golgatha führt

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Glocken „Ursula“ (links, teilweise verdeckt, Durchmesser 115 cm) und „Martinus“ (Durchmesser 130 cm)

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Glocke „Maria“ aus der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher (Durchmesser 159 cm)

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Dachstuhl

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Gewölbe

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Blick durch das Mittelschiff zum Chor

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Stockmann-Orgel

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus, Fenster in der Turmkapelle

Pfarr- und Stiftskirche St. Martinus

Nottuln, Kirchplatz

Nottuln, Kirchplatz, Kirchhofspeicher und „alte Küsterei“

Nottuln, Domherrengasse

Nottuln, Stiftsstraße

Der Mond von Nottuln am Stiftsplatz

Nach dem Kurzfilm „Ich lebe in Nottuln, in Europa weil…“ (2017, Regie Ulla Wolanewitz) stand das Historiendrama „Die Päpstin“ (2009, Regie Sönke Wortmann) mit Johanna Wokalek als Johanna/Johannes Anglicus/Papst Johannes nach dem historischen Roman „Die Päpstin“ der amerikanischen Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross aus dem Jahr 1996 auf dem Programm, das die im Hochmittelalter entstandene Legende von der Päpstin Johanna schildert, die im 9. Jahrhundert den Heiligen Stuhl besetzt haben soll.

FilmSchauPlatz Nottuln

Drehbuchautorin Ulla Wolanewitz hatte sich mit dem Filmprojekt „Ich lebe in Nottuln, in Europa, weil…“ an der Europawoche 2017 beteiligt, in dem 12 Männer und Frauen unterschiedlichen Alters aus Weißrussland, Polen, Armenien, Syrien, Irak, Vietnam, Kongo, Thailand, Eritrea, Island Jordanien und Pakistan in Interviews zu Wort kommen, warum sie Nottuln als neue Heimat gewählt haben.

FilmSchauPlatz Nottuln

Wer nun ebenfalls Lust bekommen hat, einen der FilmSchauPlätze NRW 2017 zu besuchen, hat dazu bis Dienstag, 29. August 2017 Gelegenheit. Die kommenden Veranstaltungen:
  • Samstag, 22. Juli 2017: „Gefährten“ mit Jeremy Irvine (2011, Regie Steven Spielberg), Reitstadion am Schloss Wocklum, Balve (Märkischer Kreis),
  • Sonntag, 23. Juli 2017: „Birnenkuchen mit Lavendel“ mit Virginie Efira, Benjamin Lavernhe, Lucie Fagedet, Léo Lorleach, Hervé Pierre, Hiam Abbass, Laurent Bateau und Nathalie Beder (2015, Regie Éric Besnard), Kurpark Freudenberg (Siegerland),
  • Montag, 24. Juli 2017: „Tschick“ mit Tristan Göbel und Anand Batbileg (2016, Regie Fatih Akin), Wiese am Spieker, Senden-Ottmarsbocholt (Münsterland),
  • Dienstag, 25. Juli 2017: „Goethe!“ mit Alexander Fehling, Miriam Stein und Moritz Bleibtreu (2010, Regie Philipp Stölzl), Vorburg Schloss Hardenberg, Velbert-Neviges (Bergisches Land),
  • Mittwoch, 26. Juli 2017: „Junges Licht“ mit Charly Hübner, Peter Lohmeyer, Nina Petri (2016, Regie Adolf Winkelmann), Panoramabad Pappelsee, Kamp-Lintfort (Niederrhein),
  • Donnerstag, 27. Juli 2017: „Willkommen bei den Hartmanns“ mit Senta Berger, Heiner Lauterbach, Florian David Fitz, Elyas M’Barek und Uwe Ochsenknecht (2016, Regie Simon Verhoeven), Burgtheater, Dinslaken.
FilmSchauPlatz Nottuln

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