Donnerstag, 1. Juni 2017

Vorschau: „Die Hatzfeld – Die rote Gräfin“

„Die Hatzfeld – Die rote Gräfin“ – Musik, Liedtexte, Musikalische Leitung: Paul Graham Brown; Buch, Idee, Deutsche Übersetzung (Songtexte), Regie: Birgit Simmler; Musical Staging: Tim Zimmermann; Bühnenbild: N. N.; Kostüm Design: Anja Klaus; Lichtdesign: Der Lala; Ton: Florian Bursche; Darsteller: Vasiliki Roussi (Sophie, Gräfin von Hatzfeldt), Gunnar Frietsch (Ferdinand Lassalle, Student der Philosophie, später Arbeiterführer), Ephraim Josua Espeter (Paul, Sophies Sohn), Markus Pol (Wilhelm Rüstow, preußischer Militär), Peter Hohenecker (Karl Marx, revolutionärer Journalist und Philosoph), Carlotta Bach/Lina Dittmann/Enya Mevius/Louise Reuter (Lisbeth, Sophies Mündel und Zofe als Kind), Manuel Böhm/Thomas Löscher/Luis Reuter/Tim Struck (Joseph, Zeitungsjunge), Carsten Wenzel (Otto von Bismarck), Erich Gratz (Edmund, Graf von Hatzfeldt), Sarah Strunk (Lisbeth als Erwachsene), Christoph Donhauser (Joseph als Erwachsener), Elke Albert, Hamza Al Lahmad, Franziska Althaus, Stefan Althaus (Bauernführer, Fabrikarbeiter), Anita Bald, Benedikt Bernshausen (Lisbeths Vater, Mendelssohn, Minenarbeiter), Ali Bezan, Talea Funk, Tanja Gaiswinkler, Claudia Groß, Karim Hassan (1. Gendarm), Meike Hirschl (Helene von Dönniges, Ferdinand Lassalles Verlobte), Hakim Jamali (Racowitza), Birgit Klinkert (Frau), Ralf Kuntscher (Richter), Laura Lipensky (1. Mätresse von Graf Edmund), Regina Löscher, Jennifer Mevius (Jenny Marx, Ehefrau von Karl Marx), Maresa Nieländer (Mädchen), Morteza Rizai, Ibrahim Safdarian, Rosi Sawczuk, Mareiker Schäfer (Arbeitermutter), Marlen Schäfer, Jana Schmidt (Baronin Meyendorf, Mätresse von Graf Edmund), Reinhard Schwender, Jegr Nihad Tairo, Ali Reza Yaghobi (Oppenheim, Gräfin Sophies Rechtsbeistand), Ahmad Zargoon. Band: Paul Graham Brown (Piano), Sascha Christ (Schlagzeug), Hans-Jürgen Rindfuß (Bass), Silvia Salzbauer (Synthesizer), Thomas Salzbauer (Klarinette, Alt-, Sopran- und Tenorsaxophon). Uraufführung: 11. August 2017, Schlosshof Biedenkopf.



„Die Hatzfeld – Die rote Gräfin“


Uraufführung im Schlosshof Biedenkopf


Nach „Eingefädelt – Das Musical“ (Uraufführung 23. August 2013, Schlosshof Biedenkopf) und „Der Postraub – Das Musical“ (Uraufführung 21. August 2015, Schlosshof Biedenkopf) bringen die Schlossfestspiele der Stadt Biedenkopf zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren eine Musical-Uraufführung auf die Open-Air-Bühne im Landgrafenschloss: Vom 11. bis 27. August 2017 erzählt „Die Hatzfeld“ die Geschichte der Gräfin Sophie von Hatzfeldt (* 10. August 1805 in Trachenberg, † 25. Januar 1881 in Wiesbaden), die wegen ihres Engagements für die Arbeiter in der Zeit des Deutschen Vormärz (Epoche in der Geschichte des Deutschen Bundes vor der Märzrevolution von 1848/1849) als „die rote Gräfin“ in die Annalen eingegangen ist.

Sujet „Die Hatzfeld“. © Freizeit, Erholung & Kultur, Eigenbetrieb der Stadt Biedenkopf

Gemeinsam mit dem späteren Arbeiterführer Ferdinand Lassalle (* 11. April 1825 in Breslau, † 31. August 1864 in Carouge) ist die fast vergessene Gestalt der Hatzfeldt auf verschiedenste Weisen revolutionär:
• In einem im 19. Jahrhundert spektakulären Scheidungsfall versucht sie sich von ihrem Ehemann zu lösen und als eine der ersten Frauen überhaupt ihr Vermögen aus der Ehe mitzunehmen.
• Niemand Geringeres als Karl Marx berichtet über den von Aufruhr und Arbeiteraufmärschen begleiteten Prozess und stilisiert den Fall zum Appell für den Kampf der Unterdrückten gegen die Unterdrücker.
• Sophies Beziehung zu dem 20 Jahre jüngeren Juden Ferdinand Lassalle löst Empörung und Spekulationen aus. Später wendet sie sich zusätzlich dem ebenfalls deutlich jüngeren Revolutionär Wilhelm Rüstow (* 25. Mai 1821 in Brandenburg an der Havel, † 14. August 1878 in Aussersihl bei Zürich) zu.
• Während Sophie selbst politisch im Arbeiterkampf aktiv wird, wendet sich ihr Sohn Paul von Hatzfeldt (* 8. Oktober 1831 in Düsseldorf, † 22. November 1901 in London) nach den wilden Jahren der Revolution der „Reaktion“ zu und gilt eine Zeit lang als Otto von Bismarcks wichtigster Diplomat.
Ein wildes Stück deutscher Geschichte wird zum neuen Musical in Biedenkopf.

Landgrafenschloss Biedenkopf, Bergfried

Das Besondere dabei: Der erzählte Stoff beruht auch auf einer historischen Begebenheit aus der Region, die namensgebende Hatzfeldt lebte nur wenige Kilometer vom Aufführungsort des Musicals entfernt. Dies ist ein zentraler Punkt des Konzepts der Schlossfestspiele: Die Musicals greifen jeweils Elemente aus der regionalen Geschichte auf. Ein großes Ensemble um die 50 Darsteller in historischen Kostümen spielt, tanzt und singt – begleitet von einer Live-Band. Eine weitere Besonderheit: In Biedenkopf stehen stets regionale Talente und Musical-Profis Seite an Seite auf der Bühne und erarbeiten die Aufführung gemeinsam.

Auch in diesem Jahr zeichnet wieder das Duo Birgit Simmler (Idee, Buch, Übersetzung Liedtexte) und Paul Graham Brown (Komposition, Liedtexte) verantwortlich für das Stück.

Die Schlossfestspiele der Stadt Biedenkopf haben sich innerhalb weniger Jahre zu einem echten Geheimtipp für Fans neuer deutschsprachiger Musicals entwickelt: In den vergangenen beiden Spielzeiten sahen mehr als 7.000 begeisterte Zuschauer das Musical „Der Postraub – Das Musical“, alle 22 Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Die Plätze sind durch die Gegebenheiten im Biedenkopfer Landgrafenschloss begrenzt, und auch die Anzahl der Vorstellungen ist durch den Einsatz von regionalen Talenten, die die Arbeit an den Stücken in ihrer Freizeit erbringen, limitiert – nicht zuletzt darauf beruht der Kult-Faktor der Schlossfestspiele.

Vasiliki Roussi
Foto Marcus Staab
Auf der Schlossbühne stehen im Sommer 2017 drei Musical-Profis. Vasiliki Roussi spielt Sophie von Hatzfeldt. Sie erhielt ihre Ausbildung am Studio des Theaters an der Wien, wo sie auch ihre Karriere in „Cats“ begann. Anschließend war sie als Schauspielerin am Theater Basel tätig und blieb dem Schauspiel mit Produktionen wie „Gott des Gemetzels“ und „Der Mentor“ bis heute treu. Auch in Film und Fernsehen war Vasiliki Roussi bereits zu sehen. Im Musicalbereich verkörperte sie u. a. Anita in der „West Side Story“, Sally Bowles in „Cabaret“ (Wien, Berlin), Aldonza/Dulcinea in „Der Mann von La Mancha“, Lucy in „Jekyll & Hyde“, Charity in „Sweet Charity“, sowie Fosca in der deutschsprachigen Erstaufführung von Stephen Sondheims „Passion“. Die Rolle der Edith Piaf prägt seit 2012 ihr Oeuvre. Sie verkörperte den Charakter in der Stückfassung von Pit Holzwarth (Theater Lübeck), in einem Ballett von Silvana Schröder (Bühnen Gera), in Pam Gems Bühnenstück (Schauspielbühnen Stuttgart), für das sie den Publikumspreis erhielt, sowie in ihrem Soloabend „L’hymne à l’amour“. An der Staatsoperette Dresden wird sie die Rolle der Maria in „Maria de Buenos Aires“ gestalten.

Der im Nordschwarzwald geborene Bariton Gunnar Frietsch ist in Biedenkopf als Sophies junger jüdischer Anwalt Ferdinand Lassalle zu sehen. Er ließ sich zunächst an der Schule für Schauspiel Hamburg zum staatlich anerkannten Schauspieler ausbilden. Noch vor seinem Abschluss spielte er in einer Tournee-Produktion von Schillers „Die Räuber“ die Rolle des Franz Moor in Deutschland und der Schweiz, die ihm glänzende Kritiken einbrachte. Weitere Engagements führten Gunnar Frietsch unter anderem an das Thalia Theater Hamburg, das Landestheater Schleswig-Holstein und das Theater Gütersloh. 2012 begann Gunnar Frietsch sein Gesangstudium an der Hochschule für Musik Detmold. Im Rahmen der Jahresproduktion der Hochschule für Musik im Juni 2014 war er im Landestheater Detmold in Mozarts „Zauberflöte“ als Papageno zu erleben. Im September 2015 gab der junge Bariton sein Debüt am Staatstheater Darmstadt als Fiorello im „Barbier von Sevilla“, wo er auch in der Spielzeit 2016/2017 als Conférencier in Kander & Ebbs „Cabaret“ auf der Bühne stand.

Markus Pol
Foto Benedikt Bernshausen
Der Wiener Schauspieler und Sänger Markus Pol spielt Wilhelm Rüstow. Er ist dem Biedenkopfer Publikum bereits aus den Produktionen „Eingefädelt – Das Musical“ (2014) und „Der Postraub – Das Musical“ (2015/16) bekannt, wo er auch die Abendspielleitung übernahm. Markus Pol studierte Schauspiel und Gesang am Performing Center Austria und spielte u. a. den Kaiser Franz Joseph im Musical „Elisabeth“ (Theater des Westens, Berlin; Zürich, Japantournee der Vereinigten Bühnen Wien). Bei den Bregenzer Festspielen führte er als Erzähler durch Benjamin Brittens Operette „Paul Bunyan“. Er ist Tourleiter beim Kindermusicalunternehmen „Theater mit Horizont“ und Sprecher für Hörbücher. Daneben tritt Markus Pol mit seinem Soloprogramm „brel-à-porter“ mit Chansons von Jacques Brel in neuer deutscher Übersetzung auf. Beim Deutschen Rock & Pop Preis erreichte er 2016 für seine Rolle des Heinrich Geiz im Musical „Der Postraub – Das Musical“ in der Kategorie „Bester Musical-Sänger“ den zweiten Platz.

An ihrer Seite spielt ein großes Ensemble aus mehreren Dutzend regionaler Talente, das mit viel Spielfreude und beeindruckendem Klang aufwartet und etliche stimmliche Entdeckungen bietet. Angeleitet werden die Darsteller von Birgit Simmler (Regie), Paul Graham Brown (Musikalische Leitung) und Tim Zimmermann (Choreograph).

Intendantin Birgit Simmler, die die Schlossfestspiele Biedenkopf im Jahr 2013 ins Leben gerufen hatte, ist diesen Sommer zum letzten Mal dabei. Sie wechselt im Herbst als künstlerische Leiterin zu den Luisenburg-Festspielen nach Wunsiedel.

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