Montag, 19. Juni 2017

20 Jahre FilmSchauPlätze NRW: Anna Fantl im Gespräch

Im Sommer ist es wieder so weit: Die von der Film- und Medienstiftung NRW in Kooperation mit den lokalen Partnern veranstalteten FilmSchauPlätze NRW machen sich wieder auf den Weg durch das Land Nordrhein-Westfalen. Seit 20 Jahren werden bei freiem Eintritt an besonderen Orten auf der Open Air-Leinwand auf den Schauplatz abgestimmte Filme mit einem passenden Rahmenprogramm gezeigt, dabei kümmert sich die Film- und Medienstiftung NRW um das Filmprogramm und die örtlichen Partner organisieren das kulinarische und kulturelle Rahmenprogramm. Zusätzlich gibt es zur Einstimmung einen von der Film- und Medienstiftung NRW geförderten Kurzfilm zu sehen. Die Idee, Filme und Veranstaltungsorte zueinander in einen Zusammenhang zu bringen, stammt aus Südfrankreich, dort initiierte Centre Jean Vigo Événements in Bordeaux 1990 das Cinésites Festival, bei dem außergewöhnliche Filme an ungewöhnlichen Orten mit einem inhaltlichen Bezug zu selbigen bei freiem Eintritt gezeigt werden. Als Cinésites Organisator Alain Marty 1997 Nordrhein-Westfalen besuchte, zeigte ihm das Filmbüro NW ausgewählte Veranstaltungsorte, zu der Zeit war Anna Fantl als stellvertretende Geschäftsführerin im Filmbüro NW für die kulturelle Filmförderung in NRW verantwortlich. Am 30. Juli 1998 wurde schließlich in Mülheim an der Ruhr am Ufer der Ruhr eine aufblasbare Leinwand vor der Stadthalle aufgestellt und der europäische Opernfilm „Farinelli“ präsentiert, die Geburtsstunde der FilmSchauPlätze NRW unter der Projektleitung von Anna Fantl. Im ersten Jahr 1998 gab es zunächst fünf FilmSchauPlätze, 1999 ging es schon zu acht FilmSchauPlätzen und 2000 wurde die Open Air-Leinwand bereits an 17 Orten errichtet. Seit 2003 werden die FilmSchauPlätze NRW unter der Projektleitung von Anna Fantl von der Filmstiftung NRW organisiert, die 2011 in Film- und Medienstiftung NRW umbenannt wurde.

„Aller Anfang ist schwer“, sagt man. Haben Sie es vor 20 Jahren als schwierig empfunden, das Format der FilmSchauPlätze NRW zu etablieren, oder haben Sie bei lokalen Partnern und Publikum offene Türen eingerannt? Waren Sie selbst von Beginn an „Feuer und Flamme“ für das Projekt, oder standen Sie der Idee des Cinésites Festivals eher skeptisch gegenüber, bezogen auf die Umsetzung in NRW?

Anna Fantl: Anläßlich einer Tagung über Filmkultur in Europa am Goethe-Institut in Lille haben die Franzosen mir das Konzept der Cinésites bei einem Abendessen – typisch für Franzosen! – vorgestellt und warben dafür, auch in Deutschland mit diesem Konzept Aufführungsorte zu bespielen. Ich war von Anfang an total begeistert von dem Ansatz und habe „zuhause“ in NRW als erstes den Vorstand des Filmbüros NW – dort war ich damals stellvertretende Geschäftsführerin, wir waren zuständig für so genannte kulturelle Filmförderung und als selbstverwalteter Verein musste der Vorstand derartige Vorhaben genehmigen – gewinnen können für die Idee, und man genehmigte mir bei aller gebotenen Skepsis für ein Projekt, das originär nicht zu unseren Aufgaben zählte, zunächst einen „Probelauf“. Die Franzosen begleiteten mich auf einer Tour an verschiedene mögliche Austragungsorte, die ich wiederum mit Hilfe der Bezirksregierung Düsseldorf kontaktiert hatte. Davon wurden 5 ausgewählt – und die Franzosen waren übrigens begeistert von den ihnen völlig unbekannten Locations in NRW. – Nach diesem ersten Durchgang im Jahr 1997 habe ich nie wieder Acquise betrieben – mit jedem Jahr gab es zahlreichere Bewerbungen. (Die Franzosen haben übrigens versucht, daraus ein europäisches Projekt zu entwickeln, aber schon nach 2 dürftigen Jahren in Belgien, Holland, Luxemburg wurde der Plan fallen gelassen – dort fehlte die notwendige Verve.)

Wie groß ist inzwischen das Interesse von potentiellen Partnern, einen Kinoabend im Rahmen der FilmSchauPlätze auszurichten? Dazu muss man wissen, dass sich die lokalen Partner natürlich an den Kosten des Abends beteiligen und ein Rahmenprogramm auf die Beine stellen müssen. Aus wie vielen Bewerbern konnten Sie dieses Jahr auswählen?

Anna Fantl: Die Zahl der Bewerbungen nimmt jährlich zu, weil erstmalige Besucher in ihren Heimatstädten davon begeistert berichten und den Wunsch äußern, oder weil Kulturamtsmitarbeiter darauf aufmerksam werden. In diesem Jahr waren es anfänglich über 30 Anfragen, wovon einige aus den unterschiedlichsten Gründen auf nächstes Jahr vertagt werden mussten und andere langjährige Mitveranstalter zugunsten von Neuanmeldungen nicht berücksichtigt werden konnten – wir haben natürlich ein bestimmtes Budget für die Reihe und bei einer zu hohen Anzahl müssen die „alten“ zugunsten der „neuen“ dann mal verzichten. – Sie erkennen an der hohen Anzahl ganz neu kooperierender Orte (nämlich 11 in diesem Jahr) die vielen Erstanfragen.

Im vergangenen Jahr fand im westlichen Münsterland die Regionale 2016 statt, acht von 19 FilmSchauPlätzen wurden von Gemeinden organisiert, die im Rahmen einer regionalisierten Strukturpolitik gemeinsam neue Wege in die Zukunft suchen. 2010 nahmen neun Städte entlang des Rhein-Herne-Kanals als Kooperation mit dem RUHR.2010-Projekt Kultur-Kanal an den FilmSchauPlätzen NRW teil. Spielen Ihnen solche Programme besonders in die Hände, da dort entsprechende Fördergelder für die Ausrichtung zur Verfügung stehen?

Anna Fantl: Ja und Nein!
Ja, weil die jeweiligen Organisationen nach kulturellen Projekten forschen und das nötige Budget dafür mitbringen – wie letztes Jahr eben die Regionale.
Nein, weil eine Kooperation vor Ort durch die zwischengeschalteten „übergeordneten“ Strukturen in der Regel komplizierter wird – jeder verlässt sich gerne auf den anderen, und es bedarf einer zusätzlichen Motivationskraft.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht die FilmSchauPlätze NRW gegenüber anderen Sommerkino-Festivals aus, was macht das Format beim Publikum so beliebt?

Anna Fantl: Es ist ganz sicher nicht nur der freie Eintritt! – Ein Großteil der Klientel ist darauf nicht angewiesen. Allerdings zieht es durchaus (junge) Familien an, für die ein Kinoabend mit Kind und Kegel finanziell überlegt sein will. Auch deshalb ergibt sich eine fruchtbare Mischung der Besucherstruktur, was wiederum den Ausrichtern gut gefällt, weil sie eine bestimmte Klientel sonst bei kulturellen Events nicht erreichen. Stichwort: Einbindung aller sozialen Schichten. Auffallend ist, dass Kino das immer noch leisten kann!
Bei den Preisen der angebotenen Speisen und Getränke achten wir in der Regel auf „soziale Verträglichkeit“. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass es jedem freigestellt ist, seine eigenen Picknickkörbe mitzubringen – da, wo diese Vorgabe mal nicht eingehalten wurde, führte es sofort zu Beschwerden von seiten der Besucher. Vermutlich ist das Gefühl der freien Entscheidung dann beeinträchtigt.
Durch das Zusammenspiel von Ort und Film (Sie haben es ja sehr treffend eingangs beschrieben) erleben die Zuschauer beides neu bzw. anders; dadurch wird das „kulturelle Erlebnis“ noch intensiviert, zumal die emotionale Ebene durch den Film deutlich angesprochen wird.
Für viele Besucher ist das vorgeschaltete Rahmenprogramm eine wichtige Attraktion: in einer lockeren Atmosphäre das gemeinsame Entdecken eines Standortes, wobei es häufig zum gegenseitigen Kennenlernen und zu Verabredungen für die nächsten Abende kommt.
Und zusätzlich gilt: Die Kurzfilme werden immer beliebter! Auch das ist ja auf den FilmSchauPlätzen eine einzigartiges Angebot.

Die örtlichen Kooperationspartner machen Vorschläge für die Veranstaltungsorte der FilmSchauPlätze, da dürften Sie in 20 Jahren NRW recht gut kennen gelernt haben. Was war für Sie der ungewöhnlichste Vorschlag? Autobahn, Eisenbahnstrecke, oder etwas völlig anderes?

Anna Fantl: Ja, ich selbst stamme aus NRW und hatte schon etliche Jahre hier zugebracht und war immer wieder total überrascht von den Veranstaltungsorten. Dadurch lernt man das Land wirklich gut kennen – und schätzen.
Ungewöhnlich waren viele Orte im Laufe der 20 Jahre, eigentlich habe ich jede Location mit ihrer Besonderheit einzigartig wahrgenommen. Spektakulär war in der Tat das stillgelegte Eisenbahnstück, das man auch mit einer Draisine anfahren konnte! Da musste ja alles Nötige mit großem Aufwand hingeschafft werden. Das Gegenteil – wenn man so will – wurde so häufig in Velen geboten: rund um das wunderschöne Schloßhotel gab es jedesmal außergewöhnliche Vorprogramme. Und einer meiner persönlichen Lieblingsorte war Reken mit dem Benediktushof, weil es immer wieder beeindruckend war, den Abend mit den vielen Rollstuhlfahrern und die echt gelebte Inklusion mitzuerleben.

FilmSchauPlatz Velen, Schloss Velen

Häufig haben die Partner auch Wünsche, was den Film anbelangt. Was war bisher aus ihrer Sicht der außergewöhnlichste Filmwunsch?

Anna Fantl: Oha, da fällt mir jetzt bestimmt der außergewöhnlichste so spontan gar nicht ein…
Sehr ungewöhnlich für einen FSP-Abend war sicherlich „Banksy“; das war den Jugendlichen geschuldet, die dort Mitveranstalter waren und den Film vorgeschlagen haben und dazu ein passendes Rahmenprogramm erarbeitet hatten – ganz toll!

FilmSchauPlatz Bönen, Breakdance-Performance

Wurden auch Wünsche an Sie herangetragen, wo sie von vornherein gesagt haben, nein, das geht beim besten Willen nicht?

Anna Fantl: Ja, sogar häufig! Da hatte ich manchmal den Verdacht, dass man einfach gerne einen aktuellen Blockbuster von uns präsentiert bekommen wollte… und wenn es nicht passend zu dem Umfeld ist, entspricht es einfach nicht dem Konzept.

Versuchen Sie, aktuelle Themen wie in diesem Jahr „500 Jahre Reformation“ in die FilmSchauPlätze NRW einzubinden? Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 durfte ja auch der Spielfilm „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann nicht fehlen.

Anna Fantl: Nein, nicht unbedingt, nur wenn es mit dem Ort übereinstimmt. Dann allerdings gerne! Für „Das Wunder von Bern“ hatte man sich in Velen ja korrekterweise das passende „Feld“ ausgesucht.

Thema Pleiten, Pech und Pannen: Was war in 20 Jahren die lustigste Panne bei den FilmSchauPlätzen NRW, was die peinlichste? Dem Vernehmen nach soll es einen FilmSchauPlatz gegeben haben, an dem es gar keinen Film zum Vorführen gab?

Anna Fantl: Erstaunlicherweise gab es im Laufe der 20 Jahre eine sehr überschaubare Zahl an Pleiten und Pannen.
Peinlich war natürlich der einmalige Vorfall, dass wir den Film nicht dabei hatten. Wo Menschen arbeiten, kann das mal passieren – und im Endeffekt waren die Besucher ganz froh, als sie bei der Wiederholung des Abends einige Wochen später eine deutlich angenehmere Witterung erlebten. Da hatte uns Petrus in die Hände gespielt, als an dem eigentlichen Termin der Regen nur so prasselte und sowieso nur ganz wenige Besucher gekommen waren.
Eine etwas lustigere Panne hat sich vor vielen Jahren in Kamen zugetragen: wir hatten über 1000 Besucher an einem schönen Sommerabend, alle freuten sich auf den Film, wir hatten großmundig "Film ab" verkündet – und nix erschien auf der Leinwand. Nach etlichen erfolglosen Versuchen des Technikers, den Fehler zu beheben, kam der Bürgermeister auf die Idee, die zufällig in der Stadt weilenden WDR-Techniker aus dem Hotel zu holen und um Hilfe zu bitten. Und tatsächlich war einer unter ihnen, der sich mit exakt unserer damals noch 35 mm Technik des Vorführwagens auskannte und das Gerät reparieren konnte. Am nächsten Tag stand in der Zeitung: „WDR rettet Filmstiftung!“
Pech hatten wir neben den „normalen“ Regenabenden einige Male, als die Technik ausgefallen ist wegen Blitzeinschlag oder falscher Stromlieferung, vielleicht 3 Mal insgesamt.

Die ungelegenste Absage eines FilmSchauPlatzes dürfte am 14. Juli 2010 die NRW-Premiere von „Renn, wenn Du kannst“ im Beisein von Regisseur Dietrich Brüggemann und den Darstellern Robert Gwisdek, Anna Brüggemann und Jacob Matschenz – ursprünglich geplant auf der Schurenbachhalde in Essen – gewesen sein, die wegen Gewitters in die Apollo Cinemas in Gelsenkirchen verlegt wurde. War die Schurenbachhalde womöglich ein zu ungewöhnlicher Ort? Danach gab es meines Wissens nie wieder einen FilmSchauPlatz in derartig exponierter Lage.

Anna Fantl:
Oben auf der Schurenbachhalde schlug das Unwetter natürlich besonders heftig zu: die Stühle flogen durch die Luft usw., so dass wir eine Vorführung nicht verantworten konnten. Allerdings war es Zufall, und wir würden uns weiterhin in exponierte Lagen trauen, sofern wir sie angeboten bekommen. Übrigens gab es Ähnliches an anderen weniger exponierten Standorten, wie z. B. in Lünen mitten in der Stadt.

Können Sie sich an die längste Kinonacht im Rahmen der FilmSchauPlätze NRW erinnern? Wie kam es 2003 zu dem „Herr der Ringe“ Double Feature? Mit 171 Minuten („Der Herr der Ringe: Die Gefährten“) und 172 Minuten („Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“) Laufzeit ist jeder einzelne Film nicht unbedingt ein Kurzfilm, und trotz beinahe sechs Stunden Vorführungsdauer sollen an dem Abend an die 4.000 Zuschauer zur Burg Hülshoff bei Havixbeck gekommen sein.

Anna Fantl: Und ob ich mich daran erinnere! Ein Teil meiner Familie, die mit dem Auto anreisten und mehreren Wiesen voller geparkter Autos sahen, wollten umkehren, weil sie überzeugt waren, dass sie falsch sein mussten – sie kannten die FilmSchauPlätze und konnten sich derart viele Besucher nicht vorstellen. Der Abend war eine absolute Ausnahme. Die rührige Verwalterin hatte uns mit mehreren Leckerbissen überzeugt: die Burgherrin wurde 90 Jahre alt und wünschte sich so sehr ein besonderes Event auf ihrem Anwesen, die Rahmenbedingungen ließen eine lange Nacht zu, und last but not least wollte sie ganz früh morgens ein Bauernfrühstück nach Münsterländer Art anbieten, ganz zu schweigen von der beeindruckenden Location gerade für „Herr der Ringe“. Das sind wir vielleicht etwas naiv angegangen, hatten wir doch selbst mit einem solchen Paradigmenwechsel des Abends nicht gerechnet – kleine Kinder suchten heulend ihre Eltern, dauernd meldete jemand eine verlorene Sache usw., so dass das Mikro ununterbrochen für diese Ansagen benötigt wurde. An dem Abend hätte man in der Tat professionelle Aufpasser gebrauchen können. Es war für alle sehr berührend, wie viele Jugendliche bis morgens durchgehalten haben und soviel Freude hatten!

Mitunter ist der Zusammenhang zwischen Veranstaltungsort und gezeigtem Film für Außenstehende nicht immer sofort ersichtlich. In diesem Jahr wird beispielsweise „Junges Licht“ von Adolf Winkelmann im Panoramabad Pappelsee gezeigt, der bereits am 23. August 2016 im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten für einen fulminanten Abschluss der FilmSchauPlätze NRW 2016 gesorgt hat. In Sichtweite befindet sich die ehemalige Zeche Friedrich Heinrich, die im Dezember 2012 nach über 100 Betriebsjahren geschlossen wurde und deren Tagesanlagen augenblicklich der Landesgartenschau 2020 weichen müssen. Nicht nur für ehemalige Bergleute ein trauriger Anblick. Wie kommt da das nach 14-monatiger Bauzeit am 15. April 2012 eröffnete Panoramabad Pappelsee ins Spiel?

Anna Fantl: Das Panoramabad ist ganz einfach vom Kulturamt der Stadt Kamp-Lintfort auserkoren worden. Bei der Besichtigung war ich auch erstaunt über den Filmwunsch „Junges Licht“. Die Begründung dafür lag allerdings einige wenige 100 Meter in Sichtweite: die Zeche Friedrich Heinrich. Und die städtische Delegation erklärte wirklich gut, wie sehr Kamp sich dem Ruhrgebiet zugehörig fühlt und die Mentalität des Filmes auch diesen Ort geprägt hat. – Damit war die Sache rund!

Pappelsee, im Hintergrund die Turmförderanlage Friedrich Heinrich Schacht 1

Zu jedem FilmSchauPlatz gehört auch ein Rahmenprogramm. Um bei Kamp-Lintfort als Beispiel zu bleiben, hier wird das Big Band Orchester Niederrhein spielen und die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition linker Niederrhein e. V. wird bergbaurelevante Gegenstände ausstellen. Ich persönlich hätte mir auch eine Besichtigung des Lehrstollens in fußläufiger Entfernung zum Panoramabad Pappelsee als Begleitprogramm vorstellen können, im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall war die Besichtigung des Original Drehorts ja ausgesprochen beliebt. Für das Rahmenprogramm sind natürlich die lokalen Partner verantwortlich, aber Sie wären ja sicher nicht erheitert, wenn jemand mit ein paar Kisten Bier und einem Ghettoblaster (ohne Breakdance) als Rahmenprogramm ankäme. Welchen Anspruch haben Sie an das Rahmenprogramm? Was waren in 20 Jahren aus Ihrer Sicht die spektakulärsten Rahmenprogramme?

Anna Fantl: Leider ist die Zeche momentan – so die Auskunft – nicht zu besichtigen.
Klar gehören die Rahmenprogramme – wie oben beschrieben – zur Attraktion des Gesamtabends. Und in allen Fällen bemühen sie die Verantwortlichen vor Ort um gute Umsetzungen. Wie gesagt, Velen war immer sehr speziell engagiert und passend zum Film. Witzigerweise würde ich den Abend in Erftstadt aus jüngster Vergangenheit als einen der spektakulärsten bezeichnen: mitten in einem etwas farblosen Industriegebiet trat die so genannte „Joe Cocker Band“ auf und hat uns alle in ein feeling der 70er-Jahre versetzt mitsamt dem Dahinschmelzen und Tanzen – da hätte ich zum ersten Mal in der FSP-Geschichte am liebsten den Film wieder eingepackt und die ganze Nacht mit diesen Gefühlen der Erinnerungen an die Jugend verbracht, und es ging spürbar den meisten so.
Die Draisinen-Fahrt auf dem Gleis gehört sicher zu den ungewöhnlichen Erfahrungen. Und immer wieder sind die „German Silver Singers“ in Oberhausen allein schon die Anreise wert!

FilmSchauPlatz Marienheide, Handhebeldraisine

Üblicherweise stehen die FilmSchauPlätze NRW unter der Schirmherrschaft der NRW-Ministerpräsidentin/des NRW-Ministerpräsidenten. Als Schirmherr/Schirmherrin wird im heutigen Sprachgebrauch eine meist prominente Persönlichkeit bezeichnet, die mit ihrem Namen eine Veranstaltung unterstützt, wobei Schirmherrschaft üblicherweise nicht mit Geldflüssen verbunden ist. Geld fällt aber auch nicht einfach vom Himmel, und nichts im Leben ist umsonst. Auf der anderen Seite lassen sich die FilmSchauPlätze NRW bei einem durchschnittlichen jährlichen Fördervolumen von rund 35 Mio. Euro (Angabe lt. Website der Film- und Medienstiftung NRW) doch fast aus der Portokasse finanzieren, oder?

Anna Fantl: Die Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten/der Ministerpräsidentin ist uns eine Ehre, aber Geld fließt da natürlich nicht.
Die FilmSchauPlätze gehören ja nicht zu unserem originären Förderbereich, also muss das Budget jedes Jahr wieder dafür in den Haushalt der Film- und Medienstiftung eingestellt und abgesegnet werden.
Darf ich zum Schluss noch hinzufügen, dass es uns immer wieder freut, wenn ehemalige Teilnehmer der FilmSchauPlätze aufgrund der positiven Erfahrungen über einige Jahre quasi selbstständig jährliche open air Kinonächte in ihr Sommer-Kulturprogramm mit aufnehmen. So bleibt Kino lebendig!
Danke im übrigen für die umfangreiche Recherche und aufwendige Vorarbeit zu den detaillierten Fragen. Das zeugt von einer langjährigen Kenntnis der Veranstaltung – und vielleicht auch ein wenig Freude daran?
Man sieht sich auf den FilmSchauPlätzen vom 16. Juli bis 29. August in diesem Jahr.

Auf gutes Gelingen und unverminderten Zuspruch bei den FilmSchauPlätzen NRW in den kommenden Sommerferien.

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