Montag, 1. Mai 2017

Zeche Friedrich Heinrich

Wenn weg, dann weg

Zeche Friedrich Heinrich an der Friedrich-Heinrich-Allee

Die Aktiengesellschaft Friedrich Heinrich begann 1907 auf dem heutigen Stadtgebiet von Kamp-Lintfort mit dem Bau einer Zeche, am 1. Juli 1912 wurde die Kohleförderung mit 745 Mitarbeitern aufgenommen. Mit über 8600 Mitarbeitern erreichte die Belegschaft im Jahr 1957 auf dem Bergwerk Friedrich Heinrich ihren Spitzenwert. Das Bergwerk wurde im Jahr 2001 Teil des Bergwerk West der RAG. Das letzte Jahr seiner aktiven Förderung 2012 begann das Bergwerk West mit 2.330 Beschäftigten, zum Jahresende waren es noch 1.560. Am 21. Dezember 2012 wurde die letzte Schicht gefahren, am 31. Dezember 2012 wurde das Bergwerk stillgelegt. In den gut 100 Jahren seines Bestehens sind am Standort Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort weit über 200 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert worden. Die höchste Jahresfördermenge lag im Jahr 1993 bei 4,17 Millionen Tonnen – den Anfang machten 80 Jahre zuvor im ersten vollen Jahr der Förderung rund 468.000 Tonnen. Für das letzte Jahr 2012 lag die Förderung des Bergwerks bei rund 2,5 Millionen Tonnen. Schon im August 1958 erreichte die „Versuchszeche“ Friedrich Heinrich als erste im Ruhrbergbau den vollstän­dig mechanisierten Abbau. 1998 schließlich wurde im Flöz Girondelle 5 weltweit erstmals in über 1.000 Metern Teufe ein 430 Meter langer Streb förderfertig hergerichtet. Mit 20.262 Tonnen verwertbarer Tagesförderung erzielte die Mannschaft hier im März 1998 einen Weltrekord.

Zeche Friedrich Heinrich, Eingang zur Waschkaue an der Friedrich-Heinrich-Allee

Zeche Friedrich Heinrich, die Kauen- und Verwaltungsgebäude an der Friedrich-Heinrich-Allee sollen auch nach der Schließung erhalten bleiben

Zeche Friedrich Heinrich, Tor 2 an der Friedrich-Heirich-Allee

Zeche Friedrich Heinrich

Zeche Friedrich Heinrich, Turmförderanlage Schacht 1

Zeche Friedrich Heinrich, Fördergerüst Schacht 2

Zeche Friedrich Heinrich, Schächte Friedrich Heinrich 1 und 2

Zeche Friedrich Heinrich, im Vordergrund die Zechenmauer an der Ringstraße

Auf dem Areal des ehemaligen Bergwerks West ist der Abbruch von Gebäuden und Betriebsanlagen in vollem Gange. Die Arbeiten sind erforderlich, um auf der 65 Hektar großen Fläche die Landesgartenschau zu ermöglichen und anschließend zukunftsorientierte und auf städtebaulich sinnvolle Folgenutzungen ausgerichtete wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln. Ab 2020 soll im neuen Gewerbe- und Wohnquartier „Friedrich Heinrich“ durch die Landesgartenschau ein dauerhafter innenstadtnaher Park als zentrales Element entstehen.

Zeche Friedrich Heinrich

Zeche Friedrich Heinrich


Alt-Siedlung Friedrich Heinrich

Alt-Siedlung Friedrich Heinrich, Ringstraße

In unmittelbarer Nähe zur Schachtanlage und in mehreren Bauphasen entstand zwischen 1910 und 1930 auf rund 76 ha eine der größten Zechensiedlungen des Rheinisch-Westfälischen Industriegebiets. Insgesamt bietet die Alt-Siedlung Friedrich Heinrich, die den Gestaltungsprinzipien der Gartenstadt folgt, ein abwechslungsreiches Bild. In der ersten Bauphase wurden östlich hinter der hohen Zechnemauer anderthalb- und zweigeschossige Häuser zu Doppel- oder Vierfamilienhäusern zusammengestellt. Sie stehen in lockerer Bebauung auf vergleichsweise großen Grundstücken und sind mit Vor- und Nutzgärten sowie Kleinviehställen ausgestattet. Die zweite Bauphase umfasste die Jahre bis zum Ersten Weltkrieg und fiel zusammen mit einem starken Anwachsen der Belegschaft. In den 1920er-Jahren wurde die Siedlung um weitere neue Viertel ergänzt. Nach erfolgter Sanierung schätzen die heutgen Bewohner die Wohnqualität ihrer Alt-Siedlung Friedrich Heinrich.

Alt-Siedlung Friedrich Heinrich, Wilhelminenstraße

Alt-Siedlung Friedrich Heinrich, Wilhelminenstraße

Alt-Siedlung Friedrich Heinrich, Milchhäuschen am Markt

Am Rand der Alt-Siedlung wurde 1912 die Katholische Volksschule Lintfort II am De-Montplanet-Platz errichtet, die in den 1920er-Jahren in Barbaraschule umbenannt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg zogen Teile der Stadtverwaltung in die Schule, die so zum „Rathaus“ wurde.

„Altes Rathaus“

Der ehe­ma­lige Ma­te­rial­lager­platz der Zeche Friedrich Heinrich und ein weit­eres brach­lie­gen­des RAG-Grund­stück wurden für den Bau eines Stan­dortes der Hoch­schule Rhein-Waal und Stu­den­ten­woh­nun­gen genutzt.

Hochschule Rhein-Waal

Parallel zur Alt-Siedlung für die Bergleute entstand westlich der Zeche eine Siedlung für die leitenden Angestellten (Steiger u. a.), im Volksmund „Beamtensiedlung“ genannt. Nach dem Ersten Weltkrieg erbaute das Bergwerk Doppelhäuser im Stil des Backstein-Expressionismus, in der Bertastraße und der Maria-Theresien-Straße entstanden in den frühen 1920er-Jahren 14 Doppelhäuser im Stil des Backstein-Expressionismus. Die Gebäude stehen auf großen Grundstücken und sind um die Parklandschaft des Pappelsees gereiht.

„Beamtensiedlung“, Bertastraße

Pappelsee, im Hintergrund die Turmförderanlage Friedrich Heinrich Schacht 1

Entlang der Großen Goorley führt der Wandelweg zum Kamper Berg mit der ehemaligen Zisterzienserabtei, auf dem man sich anhand von Schautafeln am Wegesrand mit den wesentlichen Stationen der Stadtgeschichte vertraut machen kann.

Kloster Kamp, Terrassengarten


Schacht Norddeutschland

Zeche Friedrich Heinrich, Schacht Norddeutschland

Etwa zweieinhalb Kilometer in südsüdöstlicher Richtung von Schacht 1 befindet sich Schacht 3, auch als Schacht Norddeutschland bekannt. Dieser wurde ab 1931 als Wetterschacht und zur Seilfahrt genutzt und 2007 abgeworfen und verfüllt.

Zeche Friedrich Heinrich, Schacht Norddeutschland

Zeche Friedrich Heinrich, Schacht Norddeutschland

Blick von der Halde Norddeutschland auf Zeche Friedrich Heinrich, Schacht Nord­deutsch­land

Keine Kommentare: