Dienstag, 23. Mai 2017

Theaterfest im Folkwang Theaterzentrum Bochum

Ein Blick hinter die Kulissen der Ausbildung an der Folkwang Universität der Künste

Am 19. und 20. Mai 2017 lud das Folkwang Theaterzentrum zum vierten Mal seit seiner Eröffnung am 8. Mai 2014 zum traditionellen Tag der offenen Tür ein, bei dem die Besucher im ganzen Haus Aufführungen, Musik und Tanz erwarteten. Die im Theaterzentrum Bochum beheimateten Studiengänge Schauspiel und Regie zeigten Ausschnitte aus ihren Arbeiten und hatten die Studiengänge Musical, Physical Theatre, das Institut für Zeitgenössischen Tanz und das Institut für Populäre Musik zu Gast.

Folkwang Theaterzentrum

Nun fanden am 20. Mai 2017 am Campus Essen-Werden aber auch die Studieninfoveranstaltungen Schauspiel, Musical und Physical Theatre statt, und natürlich können sich Objekte gleichzeitig an mehreren Orten aufhalten, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für große Objekte wie Menschen verschwindend gering, gleichzeitig am Folkwang Theaterzentrum in Bochum und am Campus Essen-Werden anzutreffen zu sein. Einfacher Sachverhalt – kompliziert beschrieben. Jedenfalls war aus diesem Grund der zweite Jahrgang des Studiengangs Musical in Bochum angetreten, um einen Einblick in die Musicalausbildung an Folkwang zu geben.

In der Blackbox präsentierten Aline Bucher, Alejandro Nicolás Firlei Fernández, Nico Hartwig, Lara Hofmann, Florian Sigmund und Jessica Trocha ihr Ensembleprojekt „Frühlingserwachen (Live Fast – Die Young)“ nach einem Werk von Nuran David Calis, inspiriert von Frank Wedekinds gleichnamigem Drama. Unter der Leitung von Anita Iselin Soubeyrand, Professorin für Schauspiel im Studiengang Musical, hatten sich die Studierenden von der hochmodernen Fassung von Autor, Film- und Theaterregisseur Nuran David Calis inspirieren lassen, die zwar nah bei Wedekinds Figuren und ihrer Geschichte bleibt, sich jedoch an der Lebenswirklichkeit heutiger Jugendlicher orientiert. Das etwa einstündige Projekt zeigt ausgewählte Episoden daraus, die Erwachsenen bleiben außen vor. Mitunter geht es auch freizügig zu, mehr als 100 Jahre nach dem Skandal um Wedekinds Drama im Schauspiel fast schon Normalität.

Für die unmittelbar folgende, gut einstündige Veranstaltung „Werkstatt Musical“ hatten Aline Bucher, Alejandro Nicolás Firlei Fernández, Lara Hofmann, Florian Sigmund, Marvin Schütt (4. Jahrgang) und Jessica Trocha ein bunt gemischtes Programm mit Musicalmelodien und einem Chanson einstudiert und wurden dabei kongenial von Patricia M. Martin am Flügel begleitet. Im einzelnen sah das Programm wie folgt aus:
  • Lara Hofmann: „Speaking French“ aus „Lucky Stiff“ von Stephen Flaherty und Lynn Ahrens
  • Alejandro Nicolás Firlei Fernández: „What Kind of Foll am I“ aus „Stop the World – I Want to Get Off“ von Leslie Bricusse und Anthony Newley
  • Aline Bucher: „A Little Bit in Love“ aus „Wonderfull Town“ von Leonard Bernstein
  • Marvin Schütt: „Stil und Dekor“ aus „Kuss der Spinnenfrau“ von John Kander und Fred Ebb
  • Jessica Trocha: „Losing my Mind“ aus „Follies“ von Stpehen Sondheim
  • Florian Sigmund: „Ein Mann von Kultur“ aus „The New Mel Brooks Musical: Young Frankenstein“ von Mel Brooks
  • Lara Hofmann und Alejandro Nicolás Firlei Fernández: „Damm it, Janet“ aus „The Rocky Horror Show“ von Richard O’Brian
  • Jessica Trocha: „Still Hurting“ aus „The Last Five Years“ von Jason Robert Brown
  • Aline Bucher: „Look what happened to Mable“ aus „Mack and Mabel“ von Jerry Herman
  • Marvin Schütt: „Wer viel wagt, der gewinnt“ aus „Aida“ von Elton John und Tim Rice
  • Lara Hofmann: „Once you lose your Heart“ aus „Me and my Girl“ von Noel Gay, Douglas Furber und L. Arthur Rose
  • Alejandro Nicolás Firlei Fernández: „Der Anruf“ aus „Lucky Stiff“ von Stephen Flaherty und Lynn Ahrens
  • Jessica Trocha: „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“, Chanson von Oscar Strauss
  • Florian Sigmund: „Why, God, Why?“ aus „Miss Saigon“ von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil
  • Lara Hofmann: „The Girl in 14-G“ von Jeanine Tesori
  • Aline Bucher: „I never knew his Name“ aus „Brooklyn“ von Mark Schoenfeld und Barri McPherson
  • Florian Sigmund und Alejandro Nicolás Firlei Fernández: „What you own“ aus „Rent“ von Jonathan Larson
  • Ensemble: „Light“ aus „Next to normal“ von Tom Kitt und Brian Yorkey
Eindrucksvoll haben die Studierenden gesanglich, schauspielerisch und tänzerisch unter Beweis gestellt, was sie bereits nach einjähriger (!) Ausbildung im Studiengang Musical zu leisten imstande sind. Ich möchte an dieser Stelle niemanden explizit hervorheben, denn im Laufe des Programms konnte jeder seine Talente präsentieren. Die Freude und der Jubel der Studierenden nach der gelungenen Veranstaltung war beinahe lauter als der Applaus des Publikums im Konzertsaal.

KunstLichtTor 15 – Wohin/Woher (2014) von Christoph Hildebrand

Wer diesen Weblog ab und an liest und nicht nur die Fotos anschaut, dem dürfte längst aufgefallen sein, dass es hier nicht nur uneingeschränkte Lobhudelei gibt, sondern dass auch Punkte angesprochen werden, die mir persönlich negativ auffallen. Und tatsächlich gibt es auch in diesem Fall einen solchen Punkt, der mir bereits seit sieben Jahren unangenehm auffällt. Das betrifft weder den Studiengang Musical, über dessen Veranstaltungen hier häufiger berichtet wird, noch den Studiengang Schauspiel, der als Gastgeber das Theaterfest im Folkwang Theaterfest ausrichtet. Dieser Punkt betrifft einzig und allein die Herrschaften, die mit Verweis auf das Hausrecht Fotoaufnahmen zur Berichterstattung untersagen und dafür um Verständnis bitten. Die angehenden Darstellerinnen und Darsteller sind früher oder später auch auf öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen, und vielen Leuten prägen sich Gesichter sehr viel leichter ein als Namen. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, das dürfte jedem ein Begriff sein. Der „Mehrwert von Bildern gegenüber ausschließlichem Text“ scheint sich aber offensichtlich noch nicht überall herumgesprochen zu haben. Wo das hinführt? Darüber darf sich jeder seine eigenen Gedanken machen… Die Frage nach dem Wohin wird in Form einer Lichtinstallation auch unter der Eisenbahnbrücke über die Universitätsstraße gestellt, dort aber in einem gänzlich anderen Zusammenhang.

KunstLichtTor 15 – Wohin/Woher (2014) von Christoph Hildebrand

Keine Kommentare: