Freitag, 5. Mai 2017

Die Spielzeit 2017/18 am Theater Bonn

Am heutigen Freitagmorgen stellte Generalintendant Dr. Bernhard Helmich gemeinsam mit dem zukünftigen Generalmusikdirektor Dirk Kaftan und Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp das Programm der kommenden Spielzeit am Theater Bonn in Oper und Schauspiel vor. Mit acht Opernpremieren, einem neuen Musical und sechzehn Produktionen im Schauspiel, darunter zahlreiche Uraufführungen, macht das Theater Bonn auf der heutigen Pressekonferenz neugierig auf die kommende Saison.

Dirk Kaftan, der ab der Spielzeit 2017/18 die Stelle des Generalmusikdirektors übernimmt, wird sich dem Bonner Opernpublikum mit Othmar Schoecks Oper „Penthesilea“ vorstellen. Das Werk nach dem gleichnamigen Trauerspiel von Heinrich von Kleist inszeniert Peter Konwitschny. Auch im Schauspiel wird die Saison mit einem großen Regie-Namen eröffnet: Volker Lösch entwickelt mit seinem Team eine Produktion unter dem Titel „Bonnopoly – Das WCCB, die Stadtund ihr Ausverkauf“.

Neben der Vorstellung des Spielplans zog Dr. Bernhard Helmich kurz Bilanz und konnte verkünden, dass sowohl die Auslastungszahlen als auch die Abonnements in der aktuellen Spielzeit 2016/17 konstant geblieben sind.

Für das musicalaffine Publikum wird „Sunset Boulevard“ in Kooperation mit dem Theater Dortmund und als Wiederaufnahme „Evita“ gezeigt.


„Sunset Boulevard“, Opernhaus Bonn, Premiere 21. September 2017

„Sunset Boulevard“ – basierend auf dem gleichnamigen Billy Wilder-Film von 1950; Musik: Andrew Lloyd Webber; Lyrics und Buch: Don Black, Christopher Hampton; Buch: Ken Ludwig; Deutsche Bearbeitung: Michael Kunze; Regie: Gil Mehmert; Choreografie: Melissa King; Ausstattung: Heike Meixner; Tontechnische Einrichtung: N. N.; Licht: Thomas Roscher; Musikalischer Leiter: Stephan Zilias. Darsteller: Pia Douwes (Norma Desmond), Oliver Arno (Joe Gillis), Tom Zahner (Max von Mayerling), Wietske van Tongeren (Betty Schaefer), N. N. (Cecil B. DeMille), Florian Soyka (Artie Green/Manfred, Herrenausstatter/Myron), N. N. (Sheldrake/Schuldeneintreiber/Barkeeper), Sarah Wilken* (Heather/Masseurin), Aline Bucher* (Mary/Psychologin), Anneke Brunekreeft* (Ursula/Haremsgirl/Ärztin/Reporterin), Lina Gerlitz* (Lisa u. a.), Yara Hassan (Jean/Haremsgirl), Esther Conter* (Joanna/Kosmetikerin), Charlotte Katzer* (Katherine/Astrologin), Florian Caspar Minnerop* (Cliff/Verkäufer), Marvin Schütt* (John/Verkäufer), Anton Schweizer (Sammy/Verkäufer), Pascal Cremer* (Wunderkind/Orlando/Verkäufer), N. N. (Jonesy/Hog Eye), Tomas Stitilis* (Junger Pförtner), Alexander Sasanowitsch (Schulden­ein­treiber/Richard T./Verkäufer). *Studierende im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste. Uraufführung: 12. Juli 1993, Adelphi Theatre, London. Deutschsprachige Erstaufführung: 8. Dezember 1995, Rhein-Main-Theater, Niedernhausen. Premiere: 8. Oktober 2016, Theater Dortmund. 21. September 2017, Opernhaus Bonn.

„Sunset Boulevard“ ist ein amerikanisches Filmdrama von Billy Wilder aus dem Jahr 1950, das die Geschichte der fatalen Begegnung zwischen der alternden Stummfilmdiva Norma Desmond und dem jungen Drehbuchautor Joe Gillis erzählt, der auf der Flucht vor Geldeintreibern zufällig in Normas Villa am Sunset Blvd. landet. Gloria Swanson und William Holden verkörperten die Rollen von Norma Desmond und Joe Gillis, Swansons Karriere weist starke Ähnlichkeit zu der der Filmfigur Norma Desmond auf. Norma Desmond engagiert Joe Gillis als Ghostwriter für ihr Skript zu „Salome“, das ihr zu einem Comeback im Tonfilm verhelfen soll. Joe willigt nach anfänglichen Bedenken ein und läßt sich bald auch von Norma aushalten, er ersetzt quasi den Schimpansen, den er bei seiner Ankunft beerdigen sollte. Von der eigens von Norma nur für sich und Joe inszenierten Sylvesterparty flüchtet er zu seinen Freunden und der jungen Autorin Betty Schaefer, um abermals zu Norma zurückzukehren, als er von ihrem Selbstmordversuch erfährt. Die Vorkommnisse spitzen sich zu, als Norma Desmond von Joes Sympathie zu Betty Schaefer erfährt und ihn bei ihr als Gigolo denunziert. Als Joe Norma verlassen will, erschießt ihn die völlig konfuse Filmdiva, um sich schließlich, als Reporter eintreffen und ihre Kameras aufstellen, um über den Vorfall zu berichten, in Dreharbeiten zu Salome zu wähnen. „Sunset Boulevard“ ist gleichzeitig eine sarkastische Parodie auf die Traumfabrik Hollywood, was besonders in der absurden Schlussszene deutlich wird. Andrew Lloyd Webber rekonstruierte den Film beinahe akribisch, Joes sarkastische Abrechnung mit der verlogenen Traumwelt Hollywoods ist als Titelsong der Höhepunkt des Musicals.


„Evita“, Opernhaus Bonn, Wiederaufnahme 8. April 2018

„Evita“ – nach der Lebensgeschichte von Eva Perón; Musik: Andrew Lloyd Webber, Lyrics, Buch: Tim Rice; Deutsche Bearbeitung: Michael Kunze; Inszenierung: Gil Mehmert; Choreografie: Kati Farkas; Ausstattung: Beatrice von Bomhard; Licht: Thomas Roscher; Sounddesign: Stephan Mauel; Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Sandra Wissmann; Musikalische Leitung: Jürgen Grimm. Darsteller: David Jakobs (Che), Bettina Mönch (Eva Perón), Mark Weigel (Juan Perón), Eva Löser (Mistress, Peróns Geliebte vor Eva), Johannes Mertes (Agustín Magaldi), Brigitte Jung/Christina Kallergis (Mutter), Jon Runar Arason/Taras Ivaniv (Präsident, Offizier, Arbeiter), Enrico Döring, Josef Michael Linnek, Johannes Marx, Christian Specht (Offiziere, Arbeiter), Yoko El Edrisi (Dance Captain), Lara de Toscano, David Coleman, Shaw Coleman, Brady Harrison, Roberto Junior, Doreen Naß, Adriano Sanzo, Judit Szoboszlay, Hayato Yamaguchi, Chor des Theater Bonn, Kinder- und Jugendchor des Theater Bonn. Uraufführung: 21. Juni 1978, Prince Edward Theatre, London. Broadway Premiere: 25. September 1979, Broadway Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 20. Januar 1981, Theater an der Wien, Wien. Deutsche Erstaufführung: 19. Mai 1986, Theater Oberhausen. Premiere: 4. September 2016, Wiederaufnahme: 8. April 2018, Opernhaus Bonn.

Andrew Lloyd Webber und Tim Rice machten Eva Perón in ihrem Musical mit Nummern wie „Don´t cry for me, Argentina“, „Buenos Aires“ oder „High flying, adored“ unsterblich. 1974 begannen der Komponist und sein Librettist, die schon 1971 mit „Jesus Christ Superstar“ einen Welterfolg erzielt hatten, mit der Arbeit an dem Musical. Bereits vor der Londoner Premiere präsentierten sie 1976 die durchkomponierte, moderne Rockoper zunächst als Konzeptalbum der Öffentlichkeit. Am 21. Juni 1978 feierte „Evita“ mit Elaine Paige in der Titelrolle und David Essex als Che in der Regie von Herold Prince seine umjubelte Uraufführung am Prince Edward Theatre in London, und nur ein Jahr später am 8. Mai 1979 folgte die amerikanische Erstaufführung im Dorothy Chandler Pavilion des Los Angeles Music Center, am 25. September 1979 die Broadway Premiere am Broadway Theatre mit Patti LuPone als Eva und Mandy Patinkin als Che. Die Produktion wurde 1980 mit sieben Tony Awards ausgezeichnet, unter anderem als erste britische Produktion als bestes Musical. Am 20. Januar 1981 folgte die deutschsprachige Erstaufführung in der assoziationsgetreuen Bearbeitung von Michael Kunze mit Isabel Weicken in der Titelrolle und Alexander Goebel als Che in der Regie von George Martin am Theater an der Wien, und die erste deutsche Produktion ging am 19. Mai 1986 am Theater Oberhausen mit Olivia Molina als Eva Perón in der Inszenierung von Fritzdieter Gerhards über die Bühne. Der grandiose Kunstgriff, die Figur des international bekannten Revolutionärs Ernesto „Che“ Guevara (* 14. Mai 1928 in Rosario, Argentinien, † 9. Oktober 1967 in La Higuera, Bolivien) als Erzähler einzubauen, der Evas Leben und Sterben subjektiv und kritisch kommentiert, obwohl sich die beiden im realen Leben niemals begegnet sind, schafft den perfekten dramaturgischen Rahmen um die Biographie der argentinischen Polit-Legende Eva Perón. Che verleiht dem demokratischen Widerspruch einer gesichtslosen Masse als Vertreter des Volkes ein konkretes Gesicht.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lina Gerlitz fehlt in der Cast-Auflistung. Laut der Oper Bonn spielt sie die Rolle der "Lisa".

Detlef hat gesagt…

So etwas kommt vor, ist in den seltensten Fällen (böse) Absicht, und liegt in diesem Fall konkret daran, dass die Rolle der Lisa bei der Premiere in Dortmund nicht auf der Besetzungsliste stand.