Donnerstag, 18. Mai 2017

Das „Tor zur Zukunft“ öffnet sich

„gate.ruhr – die neue Victoria“ in Marl-Hamm

Auf dem rund 90 Hektar großen Gelände des Bergwerks Auguste Victoria 3/7 im Marl soll in den nächsten Jahren unter dem Namen „gate.ruhr – die neue Victoria“ ein Industrie- und Gewerbegebiet entstehen. Das Areal soll schnellstmöglich entwickelt und ab 2020 vermarktet werden. Mittelfristig könnten hier bis zu 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Ein frommer Wunsch, zumal mit der Schließung der Zeche am 18. Dezember 2015 noch rund 2.000 Bergleute auf Auguste Victoria gearbeitet und Anfang 2016 lediglich rund 700 Beschäftigte eine Tätigkeit in den beiden verbliebenen RAG-Bergwerken Prosper-Haniel und Anthrazit Ibbenbüren aufgenommen haben. Mit der Schließung der Zeche endete nach rund 116 Jahren Bergbaugeschichte die Steinkohlenförderung in Marl. Im letzten Jahr der Förderung wurden auf Auguste Victoria rund 2,1 Mio. Tonnen Steinkohle gefördert, im März 2015 wurde mit 18.687 Tonnen Steinkohle täglich eine neue Bestmarke bei der durchschnittlichen Tagesförderung eines Monats erzielt.

Zeche Auguste Victoria 3/7, Fördergerüst Schacht 3 und Turmförderanlage Schacht 7

Am 17. Mai 2017 hatten die Stadt Marl und RAG Montan Immobilien unter dem Motto Das „Tor zur Zukunft“ öffnet sich zur Expedition und Foto-Tour über das Gelände des künftigen Industrie- und Gewerbeparks eingeladen, um den Besuchern die Hintergründe zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Standortes zu vermitteln. Nun ist das mit der Vermittlung der Zukunft eines Standortes so eine Sache, die existiert schließlich bisher nur auf dem Papier. Dementsprechend sollte man womöglich in drei Jahren erneut eine Führung über das Areal anbieten, um dann zu zeigen, was aus den Plänen geworden ist. Was das „Umklappen“ der brachliegenden, bewaldeten Bergehalde am Hafenweg auf die Brache des ehemaligen BASF-Kraftwerks anbelangt, um so den Höhenunterschied vom mehreren Metern zwischen Bergehalde, Hafenfläche und Kraftwerksfläche auszugleichen, so konnte man mir auf Nachfrage nur so ungefähr andeuten, wo sich diese Plateau-Halde denn überhaupt befindet. Durch diese Maßnahme soll nämlich der nördliche Teil des Areals bereits ab 2020 als Industrie- und Gewerbegebiet zur Verfügung stehen. Die Bergwerksfläche im Süden des Areals, wo Bestandsgebäude erhalten bleiben sollen, wird zurzeit weiterhin vom Bergbau genutzt. Und so war es dann womöglich auch die Intention vieler Besucher, nochmals ihren alten Arbeitsplatz in Augenschein zu nehmen oder zu schauen, was davon überhaupt noch übrig ist. Denn ähnlich wie in Kamp-Lintfort wird hier bereits fleißig zurückgebaut.

Zeche Auguste Victoria 3/7, Lampenstube

Zeche Auguste Victoria 3/7, Markenkontrolle war früher, auf AV gab es elektronische Zeiterfassung

Zeche Auguste Victoria 3/7, unterirdischer Mannschaftsgang vom Kauengebäude zur Seilfahrt

Zeche Auguste Victoria 3/7, Schacht 3, Hängebank

Zeche Auguste Victoria 3/7, Schacht 3, Schachthalle

Zeche Auguste Victoria 3/7, Wasserturm

Zeche Auguste Victoria 3/7, Turmförderanlage Förder- und Wetterschacht 7

Zeche Auguste Victoria 3/7, Fördergerüst Schacht 3

Zeche Auguste Victoria 3/7

Zeche Auguste Victoria 3/7, Kohlenmischhalle

Die ehemalige, 245 Meter lange Kohlenmischhalle diente bereits 2016 als Spielort für die Ruhrtriennale, Intendant Johan Simons inszenierte hier „Die Fremden“ nach dem Roman „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud. Dabei bezog Johan Simons auch den mächtigen Rücklader in seine Inszenierung ein. Weiterhin zu erwähnen ist die 2012 auf dem Dach der seinerzeit noch in Betrieb befindlichen Kohlenmischhalle installierte Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 1,3 MW.

Zeche Auguste Victoria 3/7, Rücklader vor der Kohlenmischhalle

Zeche Auguste Victoria 3/7, Rücklader vor der Kohlenmischhalle

Zeche Auguste Victoria 3/7, Kohlenmischhalle

Blick über das Gelände der Zeche Auguste Victoria 3/7 Richtung Süden

Zeche Auguste Victoria 3/7, Vergleichmäßigungsbecken

Bevor das Wasser aus der Hauptwasserhaltung in die Lippe geleitet werden konnte, wurde es in einem Vergleichmäßigungs­becken gesammelt.

Zeche Auguste Victoria 3/7, Ersatzentnahmestelle Vergleichmäßigungsbecken 2

Zeche Auguste Victoria 3/7

Zeche Auguste Victoria 3/7, Kaue

Zeche Auguste Victoria 3/7, Kaue

Zeche Auguste Victoria 3/7, Kaue

Nördlich des Wesel-Datteln-Kanals und der Lippe befindet sich in Haltern-Lippramsdorf das Fördergerüst über dem bereits verfüllten Schacht 8, der erst 1982 zum Seilfahrtsschacht ausgebaut wurde und nicht Teil der Tour über das Gelände des künftigen Industrie- und Gewerbeparks war, schließlich wird sich dieses nur bis zum Wesel-Datteln-Kanal erstrecken.

Zeche Auguste Victoria, Fördergerüst über Schacht 8 in Haltern-Lippramsdorf

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