Donnerstag, 18. Mai 2017

Buchbesprechung: „Zollverein Park – Staub, Stille und Spektakel“

Dokumentation zum Vorzeigestück einer neuen Art von Landschaft

Die Planer des Zollverein Parks haben zusammen mit der Stiftung Zollverein ein umfangreiches Werk über die Entwicklung und Pflege des Parks auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein herausgegeben. Das Buch mit dem Titel „Zollverein Park – Staub, Stille und Spektakel“ ist seit März 2017 im Buchhandel erhältlich.

Infopunkt am Zollvereinpark von der Künstlergruppe Observatorium, 2006

Die Zeche Zollverein ist 2002 – kurz nach der Ernennung zum UNESCO-Welterbe und der Vorstellung des Masterplans für die weitere Entwicklung des Areals – ein Labyrinth aus Ziegelmauern, überwuchert von Birkenwäldern und Brombeergebüschen, ähnlich den Pyramiden der Inkas im brasilianischen Urwald. Geheimnisse schlummern unter nassgrünen Moospolstern und dunklen Untiefen der Tümpel und Teiche.

Gleisbrache

Designer, Lichtplaner, Künstler und Landschaftsarchitekten aus Bonn, Köln, Rotterdam und Oberhausen hatten sich seinerzeit zusammengefunden, um den europaweiten Wettbewerb für den Bau des Parks auf der Zeche und Kokerei Zollverein für sich zu entscheiden. Seit 2005 planen sie im Auftrag der Entwicklungsgesellschaft Zollverein, später der Stiftung Zollverein, den Zollverein Park.

Welterbe Zollverein, Kokerei

Die Aufgabe ist komplex: Alle Zutaten, die ein „richtiger“ Park braucht, sind bereits da. Das „Schloss“ und die dazugehörigen Gebäude sind vorhanden, die Bäume und Vögel, die Wasserflächen, die Rasenachsen, blühenden Rabatten und der „Schlossplatz“, alles ist da. Mit den Wegen hapert es ein wenig, die Beleuchtung reicht nicht aus. Die Beschilderung wird den Ansprüchen nicht mehr gerecht. Skulpturen stehen im Park, aber Bänke gibt es kaum, Papierkörbe und Brücken fehlen auch. Parkplätze sind schon da. Straßennamen oder Hausnummern fehlen noch.

ZOLLVEREIN® Park

Die Kunst der Designer, Planer und Künstler besteht nun darin, die Schätze zu sichern und Fährten und Pfade zu den Geheimnissen einzurichten, so dass sie von den interessierten Besuchern gezielt oder auch beiläufig aufgespürt werden können. Das Naturwilde, vorbereitet von Menschenhand, beherrscht weiterhin die Szene und wird duch zurückhaltende Einbauten und hartnäckige Pflege fast unmerklich kultiviert.

In dem neu erschienen Buch machen die Designer, Planer, Künstler und auch die Auftraggeber einen Rundgang durch den Zollverein Park und erzählen an ausgewählten Orten mit Geschichten über das Sichtbare und Unsichtbare, wie sie den Park eingerichtet haben und wo es Besonderes zu entdecken gibt. Der Zollverein Park bietet das Passepartout für das großartige Gebäude-Ensemble von Zeche und Kokerei Zollverein und entwicklet gleichzeitig einen eigenständigen Charakter, der zu den klaren Konturen der Gebäudehüllen in wohltuendem Kontrast steht.

„Zollverein Park – Staub, Stille und Spektakel“
© Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln
Coverfotos: Claudia Dreyße

„Zollverein Park – Staub, Stille und Spektakel“
Ein Spaziergang mit 27 Stationen und 7 Essays von insgesamt 17 Autoren, plus großer Faltkarte Geländeplan mit geheimen Orten, kleinen Verstecken und Anekdoten der Macher des Zollverein Parks. Mit einem Vorwort von Stefan Rotzler.
1. Auflage März 2017
Herausgeber: Stiftung Zollverein, ARGE Zollverein Park (2005 – 2015) – Planergruppe Oberhausen, F1rstdesign, Observatorium
Redaktion: Andre Dekker, Regina Sasse, Sascha Wienecke
Autoren: Oliver Balke, Ulrike Beuter, Andre Dekker, Jörg Dettmar, Harald Fritz, Anders Gammelgaard Nielsen, Bunkhard van Gember, Ester Gunderley, Gabriele Heidner, Aysin Ipekci, Christopher Ledwig, Hermann Marth, Thomas Rother, Stefan Rotzler, Regina Sasse, Harald Siebert, Sascha Wienecke
492 Seiten, 304 (283 farbige) teils ganzseitige Abbildungen
Erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln
ISBN 978-3-96098-076-6
29,80 €


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