Freitag, 27. Januar 2017

„Zweite Generation – Graphic Novel von Michel Kichka“ im Kunstmuseum Gelsenkirchen

Originalzeichnungen der Graphic Novel und Ausschnitte eines Dokumentarfilms über die Beziehung von Vater und Sohn Kichka

„Graphic Novel“ ist eine seit den 1980er-Jahren populäre Bezeichnung für Comics im Buchformat, wobei sich diese aufgrund ihrer erzählerischen Komplexität häufig an eine erwachsene Zielgruppe richten. Der amerikanischer Cartoonist und Comic-Autor Art Spiegelmann (* 15. Februar 1948 in Stockholm) wurde 1992 für den Holocaust-Comic „Maus. A Survivor’s Tale“ („Maus. Die Geschichte eines Überlebenden“), der üblicherweise als Graphic Novel bezeichnet wird und größere Bekanntheit erlangt hat, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

„Zweite Generation – Graphic Novel von Michel Kichka“, Blick in die Ausstellung im Kunstmuseum Gelsenkirchen

Das Kunstmuseum Gelsenkirchen zeigt im Begleitprogramm zur Oper „Die Passagierin“ von Mieczysław Weinberg am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen rund 50 originale Zeichnungen aus der ersten Auflage der Graphic Novel „Deuxième génération. Ce que je n’ai pas dit à mon père“ („Zweite Generation. Was ich meinem Vater nie gesagt habe“) von Michel Kichka, die 2012 in Frankreich erschien. Übersetzungen der französischen Texte neben den ausgestellten Zeichnungen gibt es nicht, wer also des Französischen nicht mächtig ist und nicht nur Bilder anschauen möchte, sondern auch die Texte verstehen möchte, kommt nicht umhin, die deutsche Übersetzung von Ulrich Pröfrock zur Hand zu nehmen, die man gebraucht bei einem bekannten Internet-Versandhändler für knapp 8 Euro erstehen kann. Wer möchte kann sich auch in eines der beiden Ansichtsexemplare im Museum vertiefen. Die ausgestellten, hinter spiegelndem Glas gerahmten Zeichnungen stehen im Kontext zu kurzen, 2016 in Belgien, Israel und Polen aufgenommen Filmsequenzen: Gespräche zwischen Vater und Sohn über die Kriegs- und Nachkriegszeiten, Michel Kichkas Lehrveranstaltung in der Bezalel Academy in Jerusalem, Henri Kichka als Überlebender der Shoah in einer Schule in Tournai, sowie Michel Kichkas Zeichenperformance im MOCAK Museum für Gegenwartskunst in Krakau. Der Dokumentarfilm, eine polnisch-deutsche Koproduktion, erscheint 2018.

Michel Kichka (* 1954 in Lüttich, Belgien) gewährt in „Zweite Generation“ einen persönlichen Einblick in die Beziehung zu seinem Vater Henri (* 14. April 1926 in Brüssel, Belgien). Dieser wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und musste miterleben, wie seine gesamte Familie von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sind im Familienleben der Kichkas präsent, beeinflussen das Alltagsleben und die Erziehung der Kinder, zum Beispiel am Esstisch, in der Schule und auf Familienfeiern. Für Michel Kichka ist es eine lebenslange Aufgabe geworden, sich mit der Biografie seines Vaters und mit dem Trauma seiner Eltern, das durch die Shoah verursacht wurde, auseinanderzusetzen.

Michel Kichka emigrierte 1974 nach Israel und soll zu den wichtigsten Comic-Künstlern und Karikaturisten Israels gehören. Michel Kichka ist Professor an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem und beeinflusste zahlreiche Künstlerinnen und Künstler. Er arbeitet regelmäßig für internationale Zeitungen und Nachrichtenagenturen, z. B. für CNN, Courrier international und Herald Tribune. Außerdem engagiert er sich in der Organisation Cartooning for Peace.

Die Ausstellung „Zweite Generation – Graphic Novel von Michel Kichka“ ist vom 29. Januar bis 2. April 2017 im Kunstmuseum Gelsenkirchen zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung am 29. Januar 2017 um 11.30 Uhr werden Michel Kichka und sein Vater Henri entgegen der ursprünglichen Ankündigung nicht anwesend sein. Zugesagte Pressefotos einzelner Blätter der Ausstellung standen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Blogeintrags ebenfalls nicht zur Verfügung. („Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“)

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