Donnerstag, 26. Januar 2017

Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015

Ausstellung des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW im Mies van der Rohe Business Park

Mies van der Rohe Business Park, HE-Gebäude und Uhrenturm der „VerSeidAG“

Der Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur, bis 1998 Mies van der Rohe Award for European Architecture, zählt zu den begehrtesten Architekturpreisen in Europa. Der 1987 von der Europäischen Kommission, dem europäischen Parlament und der Stiftung Mies van der Rohe in Barcelona ins Leben gerufene Architekturpreis würdigt herausragende, innovative aktuelle Baukunst und visionäre Architekten. Der mit 60.000 Euro dotierte Preis ist nach dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe (* 27. März 1886 in Aachen, † 17. August 1969 in Chicago) benannt, wird alle zwei Jahre vergeben und gilt als der renommierteste europäische Architekturpreis. Eine Ausstellung zeigt die Highlights der europäischen Architektur nun erstmalig in einem Originalgebäude des Architekten Mies van der Rohe. Vom 19. Januar bis 12. Februar 2017 präsentiert das M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurskunst NRW im HE-Gebäude (HE steht für Herrenfutterstoffe) der Vereinigten Seidenwebereien AG ausgezeichnete Architektur in meisterhafter Architektur.

Mies van der Rohe Business Park, HE-Gebäude und Uhrenturm der „VerSeidAG“

Das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW verfügt selbst nicht über Ausstellungsräume, oft finden die Ausstellungen in Gebäuden statt, die einen direkten Bezug zum Thema haben. So wird der Mies van der Rohe Business Park in diesem Jahr selbst zum größten Exponat der Ausstellung. Das Industrie- und Baudenkmal, welches den heutigen Business Park ausmacht, ist eng verbunden mit dem Architekten Mies van der Rohe und der industriellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Krefeld. Gebaut wurden die Industriegebäude für die Vereinigten Seidenwebereien AG, kurz „VerSeidAG“, ein Zusammenschluss mehrerer Seidenwebereien im Rheinland mit Hauptsitz in Krefeld, die 1920 von den Krefelder Textilfabrikanten Hermann Lange und Josef Esters gegründet und später zu einem Großunternehmen der Textilindustrie wurde. Ludwig Mies van der Rohe wurde mehrfach zur Planung und Realisierung der Fabrikbauten hinzugezogen. Ab 1930 beschäftigte er sich vor allem mit der Gestaltung des Büro- und Lagergebäudes für Herrenfutterstoffe sowie der Färberei. Die VerSeidAG-Bauten in Krefeld bleiben weltweit die einzigen Industriebauten des Architekten. Das Gebäudeensemble der VerSeidAG wurde 1999 unter Denkmalschutz gestellt und daraufhin maßgeblich durch den Krefelder Architekten Karl-Heinrich Eick unter Mithilfe der Innenarchitekten des Büros „raumkontor“ restauriert, Fertigstellung 2003. Mit der Wirtschaftskrise 2009 musste der zu dem Zeitpunkt in dem Gebäudeensemble ansässige Textilveredler Voss-Biermann, Lawaczeck Insolvenz anmelden, woraufhin das Areal plötzlich keinen Mieter mehr hatte. Der Krefelder Unternehmer Wolf-Reinhard Leendertz kaufte das gesamte Areal und restaurierte nach und die Gebäude im „Mies van der Rohe Business Park“. Augenblicklich werden die Shedhallen saniert, in denen die Färberei der VerSeidAG untergebracht war.

Mies van der Rohe Business Park, HE-Gebäude und Uhrenturm der „VerSeidAG“

Mies van der Rohe Business Park, alte Schlichterei der „VerSeidAG“

Mies van der Rohe Business Park, Wasserturm der „VerSeidAG“

Mies van der Rohe Business Park, HE-Gebäude und Färberei-Hallen der „VerSeidAG“

Mies van der Rohe Business Park, HE-Gebäude und Färberei-Hallen der „VerSeidAG“

Mies van der Rohe Business Park, Färberei-Hallen der „VerSeidAG“

Mies van der Rohe Business Park, erhaltene Toilette in der Färberei-Halle der „VerSeidAG“

Mies van der Rohe Business Park, Blick aus der ehemaligen Arbeiterkantine auf das Kesselhaus der „VerSeidAG“


Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015, Blick in die Ausstellung

Die Ausstellung zum Mies van der Rohe Award 2015 ist eine Video- und Audiotour, die mit einem Überblick der besten gebauten Projekte aus den vergangenen zwei Jahren eine kritische Bilanz zeitgenössischer europäischer Architektur zieht. Die Besucher erfahren mehr über aktuelle Architekturpositionen, lernen Bauherren und Nutzer kennen und können sich in die Geräuschkulisse der jeweiligen Orte vertiefen. So entwirft die Ausstellung ein emotionales Bild von Architektur. Gleichzeitig ist ein Fokus auf Fakten der Objekte gerichtet. Auftrag, Maßstäblichkeit und Raumprogramm sowie geografische Details ermöglichen eine kritische Meinung zur heutigen Architektur. Ergänzend zum Award widmet sich ein Ausstellungsbereich exklusiv aktuellen Forschungsergebnissen zur Baugeschichte und Erhaltung der VerSeidAG.

Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015, Blick in die Ausstellung

Am 7. Mai 2015 wählte die internationale Jury unter dem Vorsitz des italienischen Architekten Cino Zucchi den Preisträger und den Emerging Architect Gewinner des Preises der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015. Das Siegerprojekt ist die Kunsthalle der Philharmonie Stettin in Polen nach Entwürfen der italienischen Architekten Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga (unter Mitarbeit von Studio A4). Neben dem eigentlichen European Union Prize for Contemporary Architecture wird noch eine weitere mit 20.000 Euro dotierte Besondere Anerkennung für ein junges Architekturteam vergeben. Der Emerging Architect Preis ging an das von ARQUITECTURA–G geplante Haus Luz in Cilleros, Caceres, Spanien.

Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015, Blick in die Ausstellung

Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015, Blick in die Ausstellung

Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015, Gewinner: Philharmonie Stettin in Polen nach Entwürfen der italienischen Architekten Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga, Konzertsaal. © Simon Menges

Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award 2015, Finalist: Kunstmuseum Ravensburg nach Entwürfen des Stuttgarter Architekturbüros Lederer Ragnarsdóttir Oei. © Roland Halbe


Haus Lange und Haus Esters

Haus Lange (rechts) und Haus Esters, Straßenansicht

Hermann Lange (1874 – 1942), Kunstsammler und Direktor der „VerSeidAG“, und Dr. Josef Esters (1884 – 1966), ebenfalls Direktor der „VerSeidAG“, beauftragten 1927 den Architekten Ludwig Mies van der Rohe, die Wohnhäuser für beide Familien zu entwerfen. Alle südlich orientierten Fenster der zwischen 1928 und 1931 im Sinne der klassischen Moderne errichteten zweistöckigen Villen sind als ungeteilte Glasflächen ausgebildet, die bis auf eine geringe Brüstungshöhe im Boden versenkt werden können. Heute nutzt das Kunstmuseen Krefeld das Villenensemble Haus Lange und Haus Esters auf der Wilhelmshofallee zur Präsentation von Sonderausstellungen.

Haus Esters, Straßenansicht

Haus Lange, Parkansicht

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