Sonntag, 4. Dezember 2016

„Reformation und Ruhrgebiet“

Ausstellung im Martin Luther Forum Ruhr

Martin Luther Forum Ruhr

Die evangelische Markuskirche in Gladbeck-Ost wurde 1966 bis 1968 nach Plänen der Architekten Albrecht E. Wittig aus Marl und Fred Janowski aus Gelsenkirchen gebaut und im Mai 1968 eingeweiht. Nach der Profanierung am 11. Mai 2008 wurde sie am 1. August 2008 dem Martin Luther Forum Ruhr zur Nutzung überlassen. Nach umfangreichen Umbauarbeiten wurde das Martin Luther Forum Ruhr am Vorabend des Reformationstages 2009 feierlich eröffnet. Das Projekt wurde im August 2008 von der RUHR.2010 GmbH als Kooperationsprojekt in das offizielle Programm der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 aufgenommen und ist seit 2008 Ankerprojekt von Luther 2017 in der Region Ruhr. Im Rahmen des umfangreichen kulturellen und wissenschaftlichen Programms mit dem Titel „Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr“ werden zahlreiche Themenführungen durch die Ausstellung „Reformation und Ruhrgebiet“ angeboten, nächster Termin am 12. Januar 2017 mit dem thematischen Schwerpunkt „Zur Stellung der Frauen in der evangelischen Kirche“.

„Luther und seine Welt“: Fegefeuer und ewige Verdammnis sowie nachgebildete Pestarzthaube

Die Dauerausstellung „Reformation und Ruhrgebiet“ wurde im April 2010 eröffnet, 2012 erweitert und 2016 in einem dritten Schritt abgeschlossen. Mit einer Mischung aus aktueller Medien-, Audio- und Lichttechnik, Texten, Bildern und Exponaten aus der Zeit der Reformation bis ins 21. Jahrhundert thematisiert sie die Suche nach den Spuren der Reformation im Ruhrgebiet. Durch die regionale Akzentuierung unterscheidet sich von den auf Deutschland oder Europa ausgerichteten Ausstellungen und Präsentationen über die Reformation. Auf über 200 m² gewährt sie auf vier Ebenen mit den Themen „Luther und seine Welt“, „Am Anfang war das Wort“, „Alltagswelt und Sonntagskirche“ und „Wurzeln und Früchte“ Einblicke in die Entwicklungslinien der Reformation an Rhein und Ruhr, Mentalitäts-, Sozial-, Wirtschafts- und Alltagsgeschichte. Traditionen und Herkunft der Zuwanderer sowie protestantische Ethik der Unternehmer aus dem Ruhrgebiet sind nur einige der Themen, welche die Besucher erwarten.

Glaubensflüchtlinge im Ruhrgebiet, davor „Lutherzwerge“ von Ottmar Hörl

Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, † 18. Februar 1546 in Eisleben) übte öffentlich Kritik an den damaligen kirchlich-religiösen Verhältnissen und der Macht der römisch-katholischen Kirche. Sein Ziel war es, dem einfachen Volk das Wissen um die Heilige Schrift zugänglich zu machen. Mit seinen 95 Thesen, Lehrsätze gegen den Ablasshandel, leitete Martin Luther 1517 in Wittenberg die Reformation ein.

„Am Anfang war das Wort“: Handschrift

Am Beispiel der Bibel wird der historische Bogen der Vervielfältigung und Verbreitung von Informationen von der Handschrift über den Druck bis hin zur Digitalisierung und zum Internet in der Gegenwart gespannt.

„Am Anfang war das Wort“: Der Handsatz nach Gutenberg

Johannes Gutenberg (* um 1400 in Mainz, † 3. Februar 1468 in Mainz) hat Mitte des 15. Jahrhunderts den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden. Im Zusammenwirken mit der Reformation löste der Buchdruck eine Medienrevolution aus. Der Buchdruck förderte die Ausbreitung der reformatorischen Ideen, da nun Bücher und Flugschriften in großer Stückzahl hergestellt werden konnten.

„Am Anfang war das Wort“: Lettern aus Blei

Die von Tischlermeister Dankmar Bumblis (Barth bei Stralsund) angefertigte Druckerpresse Gutenbergscher Konstruktion in der Ausstellung ist voll funktionsfähig.

„Am Anfang war das Wort“: Druckerpresse

Dieser Teil der Ausstellung zeigt, dass die Bibel und seine Inhalte den Menschen auf vielen Wegen zugänglich gemacht wird. Da heute die neuen Medien eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von Informationen spielen, gibt es die Bibel hier auch online, als Film oder auch als Hörbuch.

„Am Anfang war das Wort“: 7. Theil aller deutscher Buecher und Schriften des theuren seligen Manns Gottes Doct. Mart. Lutheri, Altenburg 1662

„Wort und Sakrament“: „Das Buch der Bücher“ aus Carrara-Marmor von Ludger Hinse (Recklinghausen)

„Alltagswelt und Sonntagskirche“: Luther-Rose als Teil eines Kirchenfensters der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kreuzkirche aus Dorsten

Der Protestantismus hat seit der Reformationszeit in vielfältiger Hinsicht nicht nur die Form des Gottesdienstes verändert, sondern auch die Gestaltung der alltäglichen Lebenswelt geprägt. Spuren evangelischen Wirkens lassen sich beispielsweise in der Bildung, in der Musik, aber auch im Unternehmertum und der Diakonie finden.

„Alltagswelt und Sonntagskirche“: Die Welt der protestantischen Musik

„Alltagswelt und Sonntagskirche“: „An Gottes Segen ist Alles gelegen“

Friedrich Alfred Krupp, Statue aus Bronze und Marmor

„Von weltlicher Obrigkeit“, Martin Luther, 1523 (restauriert 2009)

Konfirmationsrede, Pastor Leich, 25. März 1934, Bochum-Harpen

Unter der Überschrift „Wurzeln und Früchte“ werden die Themen „Politische Ethik“, „Die Kirche wird weiblich“, „Protestanten in der Politik“ und „Leuchtfeuer der Zukunft“ behandelt.

Medientisch

Der interaktive Medientisch im letzten Raum der Ausstellung gibt in einzeln aufzurufenden Kapiteln in Wort und Bild einen Überblick über die Geschichte des Protestantismus im Ruhrgebiet von 1517 bis heute.

„BotschaftenRaum“: Im sonst leeren Raum wird „Fürchtet Euch nicht“ (aus dem Lukas-Evangelium) in Zusammenhang mit „Reformation ist Freiheit“ gestellt. Raum und Botschaft werden erst nach Betätigung des Lichtschalters sichtbar.

Die Ausstellung „Reformation und Ruhrgebiet“ im Martin Luther Forum Ruhr ist Mittwoch von 19 bis 21 Uhr, Donnerstag von 10 bis 12 Uhr und Freitag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.lutherforum-ruhr.de.

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