Dienstag, 6. Dezember 2016

„Durch Koksofen und Meistergang“

Der Weg der Kohle auf der Kokerei Zollverein

„Durch Koksofen und Meistergang“ ist der Titel einer Führung zur Technik und Geschichte der Kokerei im Denkmalpfad ZOLLVEREIN®, die die Produktionsabläufe der einst größten Zentralkokerei Europas unter „fachkundiger“ Begleitung vermitteln soll. Nachdem die Kokerei am 30. Juni 1993 nach nur 32 Jahren Betriebsdauer stillgelegt wurde und nicht verkauft werden konnte, zog man den Abriss in Betracht. Es ist ein Verdienst der Internationalen Bauausstellung IBA Emscher Park, die den Umbau der Kohlenmischanlage zu einem spektakulären Ausstellungsgebäude initiierte, dass dies nicht passierte. Die Kokerei wurde 2000 unter Denkmalschutz gestellt, am 16. Dezember 2001 wurde Zeche Zollverein Schacht XII und Schacht 1/2/8 sowie die Kokerei Zollverein als Gesamtensemble aus Zeche und Kokerei schließlich in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Blick vom Dach der Mischanlage auf die Kokerei Zollverein

Im ersten Viertel der zweistündigen Führung wird die Geschichte von Zollverein am Infopunkt Kokerei verhandelt, angefangen bei Adam und Eva – in diesem Fall also Franz Haniel (* 20. November 1779 in Ruhrort, † 24. April 1868 in Ruhrort), der 1834 in Essen-Schönebeck auf der Suche nach geeigneten Kokskohlevorkommen zur Produktion von Koks war. Die Kokerei Zollverein wurde jedoch erst in den Jahren 1957 bis 1961 in Anbindung an die Zentralschachtanlage Zollverein XII errichtet, als die Zeche Zollverein längst der Gelsenkirchener Bergwerks-AG zugeordnet war.

Kokerei Zollverein, Koksofendecke mit Fülllochverschlüssen

Nach dem Panoramablick über das gesamte Welterbe-Gelände vom Dach der Mischanlage folgt man dem Weg der Kohle durch die Mischanlage entlang der Verteiler-, Bunker- und Trichterebene, um im Anschluss entlang der „Blauen Allee“ und über das ehemalige Druckmaschinengleis auf das Dach der Koksofenbatterie zu gelangen. Auf der Ofendecke sind noch die Füllöffnungen vorhanden, durch die die Koksöfen mithilfe des Füllwagens befüllt wurden.

Kokerei Zollverein, Koksofentürverschluss an der Maschinenseite

Der geneigte Leser kann die Betriebsabläufe in einer Kokerei an anderer Stelle ausführlich nachlesen, beispielsweise in der freien Enzyklopädie Wikipedia. Die bei der Führung vermittelten Informationen sind leider auch nicht vollständig up to date, was allerdings nur Besuchern auffallen dürfte, die bereits eine hochmoderne Kokerei wie die Erweiterung der Kokerei der Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Duisburg-Hüttenheim in Augenschein nehmen konnten, die am 29. März 2014 ihren Betrieb aufgenommen hat und dessen Baustelle am 16. Juni 2012 beim Tag der offenen Tür zu besichtigen war.

Kokerei Zollverein, Meistergang

Kokerei Zollverein, Kunsteisfläche im ehemaligen Druckmaschinengleis


Vom 3. Dezember 2016 bis zum 8. Januar 2017 verwandelt sich das ehemalige Druckmaschinengleis entlang der Koksöfen auf einer Länge von 150 Metern in eine spiegelglatte Kunsteisfläche, und das nun schon zum fünfzehnten Mal – laut Reisemagazin Marco Polo „der wohl faszinierendste Ort zum Schlittschuhlaufen bundesweit“.

Kokerei Zollverein, Kunsteisfläche im ehemaligen Druckmaschinengleis

Kokerei Zollverein, im Inneren der Koksöfen

Leider ist das 1999 errichtete nabenlose, auf Rollen bewegte Sonnenrad nicht mehr in Betrieb, denn dieses erlaubte nicht nur einen Ausblick über das UNESCO-Welterbe Zollverein, sondern auch einen Einblick in die Koksofenbatterie, und zwar in voller Größe und Schönheit. Der im Rahmen der Führung „Durch Koksofen und Meistergang“ begehbare Raum im Inneren der Koksofenbatterie ist nämlich bei weitem nicht so eindrucksvoll.

Fahrt im Sonnenrad durch die Koksöfen am Tag des offenen Denkmals 2010

Kokerei Zollverein, Koksseite

Kokerei Zollverein, Kunsteisfläche im ehemaligen Druckmaschinengleis

Die „Blaue Allee“ trennt die Bereiche der Koksproduktion (schwarze Seite) und der chemischen Produktion zur Gewinnung der Nebenprodukte (weiße Seite) voneinander. Die 1999 installierte Illumination von Speirs + Major (1993 von Mark Major zusammen mit Jonathan Speirs als Speirs and Major Associates Limited gegründet) taucht die Kokerei Zollverein abends in rotes und blaues Licht.

Kokerei Zollverein, „Blaue Allee“

Da man die drei im Ruhrgebiet aktiven Kokereien – Kokerei Prosper in Bottrop, Kokerei Schwelgern und die Kokerei der Hüttenwerke Krupp Mannesmann – nicht ohne Weiteres besichtigen kann, ist die Führung durch die ehemalige Kokerei Zollverein sicher eine gute Gelegenheit, Technik und Geschichte selbiger kennenzulernen.

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