Mittwoch, 16. November 2016

Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichts­kultur übernimmt „Koepchenwerk“

Stiftungskuratorium unter NRW-Bauminister Michael Groschek beschließt die Zustiftung des national bedeutsamen Monuments der Energiewirtschaft durch die RWE Power AG

„Die Bürgerinnen und Bürger in Herdecke und im Ruhrgebiet dürfen sich freuen! Wir haben die Zustiftung des Koepchen­werks einstimmig beschlossen!“ Diese gute Nachricht übermittelte der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, heute an Dr. Katja Strauß-Köster, Bürgermeisterin der Stadt Herdecke, gleich im Anschluss an die 21. Sitzung des Kuratoriums auf der Kokerei Hansa in Dortmund. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit der RWE Power AG, der bisherigen Eigentümerin, wird das in den Jahren 1927 bis 1930 am Hengsteysee erbaute Pump­speicher­kraft­werk nun in die Obhut der Stiftung Industrie­denkmal­pflege und Geschichtskultur gegeben. Deren künftiges Eigentum umfasst die historische Maschinenhalle mit Kommandohaus inklusive der vier originalen Maschinensätze, jeweils bestehend aus Turbine, Motorgenerator, Kupplung und Pumpe, das oberhalb des Werks am Hang gelegene Schieber­haus mit dem markanten RWE-Schriftzug und die vier ebenso landschaftsprägenden Rohrleitungen.

Koepchenwerk Hengsteysee. Foto: Klaus-Peter Schneider

Schon jetzt spielt das am beliebten Ruhrradweg gelegene, seit 1986 unter Denkmalschutz stehende, Pump­speicher­kraft­werk als Landmarke auch eine touristische Rolle und ist aufgrund seiner großen Bedeutung für die Geschichte der Energiewirtschaft ein Themenrouten-Standort der erfolgreichen Route der Industriekultur, die vom Regional­verband Ruhr betrieben wird. So ist dessen Direktorin, Karola Geiß-Netthöfel, zugleich Mitglied des Vorstands der Industriedenkmalstiftung, sehr erfreut über die Entscheidung des Kuratoriums. „Wir können das hochrangige Denkmal nun intensiver in unsere Konzepte der Regional- und Landschafts­planung einbinden. Durch den dauerhaften Erhalt des Koepchenwerks behält das Ruhrtal eine zentrale Landmarke, die schon jetzt durch den markanten Schriftzug das beliebte Freizeitareal entlang der Ruhr aufwertet.“

Für den Erhalt des seit 1994 infolge eines Pumpenschadens stillgelegten Bauwerks gibt es ein breites bürgerschaftliches Engagement sowie eine einstimmige Entscheidung des Herdecker Stadtrats. Die Stadt Herdecke wandte sich daraufhin an die Industriedenkmalstiftung mit der Bitte, die Übernahme des für Herdecke und die Region so bedeutenden Monuments zu prüfen, da sie sich selbst hierzu nicht in der Lage sieht.

Aufgabe der Industriedenkmalstiftung ist es, gefährdete hochrangige Industriedenkmäler in ihr Eigentum zu übernehmen, sofern sich keine andere Lösung findet. Die Denkmäler werden damit aus dem Veränderungsdruck genommen und ihnen wird die erforderliche Zeit gegeben, mittel- bis langfristig ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept zu entwickeln; die Standortgemeinden werden so von eventuellen denkmalrechtlichen Übernahmeverlangen entlastet.

Im Falle des Koepchenwerks wurde zunächst ein stiftungs­internes Prüfverfahren eingeleitet. Eineinhalb Jahre dauerten die Gespräche der Stiftung und RWE Power, die beiderseits von großem positivem Geist geprägt waren. Das Ergebnis darf nun als Public-Private-Partnership in bestem Sinne bewertet werden. Das bestätigt auch Ludwig Kons, der Leiter der Sparte Wasserkraftwerke der RWE Power AG: „Bei unseren Überlegungen über die Zukunft des Standortes war es unser prioritäres Ziel, die historische Altanlage, die sich seit 1928 im Eigentum unseres Unternehmens befindet, dauerhaft in gute Hände zu legen. Gemeinsam mit der Stiftung ist es uns gelungen, Lösungen zu finden, die mit den betrieblichen Interessen unseres Unternehmens gut vereinbar sind“.

Eine gute Partnerschaft ist auch über die Zustiftung hinaus wichtig, denn die RWE Power AG betreibt seit 1989 unmittelbar neben dem Koepchenwerk ein modernes Pumpspeicherkraftwerk und will auch in Zukunft weiter in den Standort investieren. Und gleich nebenan möchte die Stiftung das Koepchenwerk künftig für Besucher zugänglich machen. Beide Seiten freuen sich auf eine gute Nachbarschaft, von der die Menschen in der Region profitieren sollen.


Hintergrundinformation

Das Pumpspeicherkraftwerk „Koepchenwerk“ am Ruhrstausee Hengsteysee bei Herdecke wurde in den Jahren 1927 bis 1930 von dem Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk (RWE AG), Essen, nach der Idee des damaligen Technischen Vorstandes im RWE, Arthur Koepchen (* 30. August 1878 in Velbert, † 27. Mai 1954 in Essen), gebaut und nach ihm benannt und ging am 28. Januar 1930 vollständig mit 132 MW in Betrieb. Es wurde mit Bescheid vom 11. Juni 1986 gem. § 3 DSchG NRW in die Denkmalliste der Stadt Herdecke eingetragen und nach 64 Jahren Betriebszeit 1994 von RWE nach einem Pumpen­schaden stillgelegt.

Beim Koepchenwerk handelt es sich um eines der beiden ersten Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland. Die zweite, zeitgleich errichtete Anlage „Niederwartha“ befindet sich in Dresden, ist heute Eigentum von Vattenfall und steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Das Koepchenwerk verblieb bis heute in einem authentischen Bauzustand. Es ist ein hochrangiges, national bedeutsames Denkmal der Energie­wirtschaft und ist zugleich ein Monument, das die Kulturlandschaft an der Ruhr und dem Hengsteysee in erheblichem Maße seit fast 90 Jahren prägt.

RWE betreibt seit 1989 unmittelbar neben dem Koepchenwerk ein modernes Pumpspeicherkraftwerk und will auch in Zukunft weiter in den Standort investieren und 2017 einen 6 MW-Batterie­speicher errichten und in Betrieb nehmen.


Funktionsweise des Pumpspeicherkraftwerks

Wenn im Stromnetz mehr Strom zur Verfügung steht als verbraucht wird, treibt dieser überschüssige Strom Pumpen an, die Wasser aus dem Hengsteysee in ein 160 Meter höher gelegenes Speicherbecken (Oberbecken) pumpen. Wenn mehr Strom benötigt wird, als die konventionellen Kraftwerke und erneuerbare Energien hergeben, wird das im Oberbecken gespeicherte Wasser wieder abgelassen, rauscht durch die Druckrohrleitungen am Hang herunter und treibt die Turbinen in der Maschinenhalle an. Der hier gewonnene Strom kann dann kurzfristig ins Netz eingespeist werden. Mit der Erfindung des Pumpspeicherkraftwerks konnte das Hauptproblem der Elektrizitätswirtschaft, nämlich die Bereitstellung elektrischer Spitzenenergie, gelöst werden. Heute sind die Pump­speicher­kraft­werke unverzichtbarer Partner der Energiewende und gleichen die Schwankungen der Sonnen- und Windeinspeisung aus.

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