Dienstag, 1. November 2016

Reformationstag 2016: Beginn des Reformationsjubiläums

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, † 18. Februar 1546 in Eisleben) seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Der Tag gilt bis heute als der Beginn der Reformation. Am 31. Oktober 2017 jährt sich der Thesenanschlag zum 500. Mal. Aus dem Grund wird von 2008 bis 2017 die Lutherdekade „Luther2017 – 500 Jahre Reformation“ begangen. 2017 wird der Reformations­tag einmalig ein bundeseinheitlicher Feiertag sein.

Eisenach, Lutherdenkmal von Adolf von Donndorf. Das Denkmal wurde am 4. Mai 1896, dem 375. Jahrestag der Ankunft Martin Luthers unter dem Decknamen „Junker Jörg“ auf der Wartburg, eingeweiht.

In Berlin wurde das Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2016 mit einem Festgottesdienst in der Marienkirche und einem anschließenden Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt eröffnet. Es folgen eine Vielzahl von Veranstaltungen, die in allen Regionen Deutschlands ausgerichtet werden. Ausstellungen, Musikaufführungen und Diskussionen begleiten das Reformationsjubiläum bis zum 31. Oktober 2017, dem bundesweiten Höhepunkt zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags in der Lutherstadt Wittenberg. Drei nationale Sonderausstellungen in Berlin („Der Luthereffekt. 500 Jahre Protestantismus in der Welt“, 12. April bis 5. November 2017, Deutsches Historisches Museum im Martin-Gropius-Bau), Eisenach („Luther und die Deutschen“, 4. Mai bis 5. November 2017, Wartburg) und der Lutherstadt Wittenberg („Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“, 13. Mai bis 5. November 2017, Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Augusteum) bereiten das Thema Reformation in all seinen Facetten und Ausprägungen mit jeweils eigener inhaltlicher und methodischer Schwer­punkt­setzung auf. Unter dem Titel „Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr“ haben das Forum Kreuzeskirche Essen, das Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck und das Essener Ruhr Museum auf Zollverein am 30. Oktober 2016 gemeinsam eine Reihe mit insgesamt 134 Veranstaltungen gestartet, das größte Projekt zum Reformationsjubiläum in Nordrhein-Westfalen.

Eisenach, Wartburg

Zum Auftakt des 500. Reformationsgedenkens widmet sich das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, im Kreis Paderborn vom 31. Oktober 2016 bis 12. November 2017 der Figur Martin Luther in der jüngeren deutschen Geschichte: „Luther. 1917 bis heute“ ist bundesweit eine der ersten großen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsgedenken, die ihre Besucher auf rund 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche in sechs Themeneinheiten (Leben und Wirken Martin Luthers, 1917 – 400 Jahre Reformation, Luther im Nationalsozialismus, Luthers Rolle in der DDR, Luthers Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland, Luthergedenken 2017) durch die vergangenen 100 Jahre führt, beginnend mit der 400-Jahrfeier der Reformation im Kriegsjahr 1917 über die Zeit des Nationalsozialismus und das geteilte Deutschland bis in die Gegenwart. Am 31. Oktober 2016 konnte die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur bei freiem Eintritt besucht werden.

Kloster Dalheim, Aposteltor

Freier Eintritt ist natürlich immer prima, und pünktlich zum offiziellen Beginn der Ausstellung waren auch fast alle der rund 300 Exponate, die aus renommierten Museen, Archiven, Kirchen und von Privatleihgebern im ehemaligen Kloster Dalheim zusammengetragen wurden, an Ort und Stelle zu sehen. Sie zeigen, was den Reformator bis heute zu einer Schicksalsfigur der Deutschen macht, zeigen aber auch die Schattenseiten auf, dass Martin Luther zentrale Einsichten seiner Theologie mit judenfeindlichen Denkmustern verknüpfte und die judenfeindlichen Ratschläge beispielsweise in der Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 für den nationalsozialistischen Antisemitismus in Anspruch genommen und von den Nationalsozialisten als Rechtfertigung für ihre Verbrechen genutzt wurden.

Porträt aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä.: Martin Luther, um 1539.
Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultur (Westfälisches Landesmuseum), Münster/Sabine Ahlbrand-Dornseif

Über die Inhalte der Ausstellung wurde bereits im Rahmen der Vorbesichtigung berichtet, beim Besuch am Reformationstag 2016 war nun Gelegenheit, Begleittexte und Exponat­beschreibungen in Ruhe durchzulesen und sich die Exponate ausführlich anzuschauen. Aus konservatorischen Gründen ist das Licht in den Ausstellungsräumen an die Exponate angepasst, aber nicht in jedem Fall an das menschliche Auge und die Erfordernisse an die Sehleistung: Wenn man die Exponatbeschreibungen lesen möchte und sich diesen auf entsprechende Entfernung annähert, verstellt man sich in vielen Fällen bereits das spärliche Licht. Natürlich kann man die Beschreibungen auch in dem im Ardey-Verlag erschienen Katalog (ISBN 978-3-87023-393-8) nachlesen, aber das kann schließlich nicht der Sinn und Zweck der in der Nähe der Ausstellungsstücke angebrachten Beschreibung sein. Hinzu kommt, dass helle Schrift auf dunklem Grund schwieriger zu erkennen ist als schwarze Schrift auf weißem Grund. Das Aufsichtspersonal in der Ausstellung wird von den diesbezüglichen Kommentaren der Besucher bereits nach dem ersten Tag ein Lied singen können. Dies soll keine generelle Kritik an der Ausstellung selbst oder der Ausstellungs­gestaltung darstellen, sondern lediglich zu einem grund­sätzlichen Nachdenken über die Beleuchtungssituation (nicht nur) in dieser Ausstellung anregen.

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