Donnerstag, 17. November 2016

„Lila für Frühchen“

Essen setzt (Licht-)Zeichen

Rund 60.000 Kinder werden in Deutschland pro Jahr vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. Damit ist jedes zehnte Kind ein „Frühchen“. Es ist die größte Patientengruppe in der Kinderheilkunde – und eine ganz spezielle noch dazu: Viele „Frühchen“ benötigen eine besondere Betreuung, um sich optimal entwickeln zu können. Und das nicht nur beim Start ins Leben, auch im Kindergarten und in der Schule brauchen sie mehr Unterstützung als „normal“ geborene Kinder. Eltern hierbei zu helfen und Erzieher und Lehrer auf diese Situation aufmerksam zu machen, ist sehr wichtig. Daher wurde vor acht Jahren der „Internationale Weltfrühgeborenentag“ von der „European Foundation for the Care of Newborn Infants“ (EFCNI) ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Purple for Preemies“ unterstützen weltweit Gemeinden, Unternehmen und Privatleute den Einsatz für eine verbesserte „Frühchen“-Versorgung, in dem sie Monumente, Geschäftsgebäude oder Häuser in Lila – der offiziellen Farbe des „Weltfrühchentags“ – beleuchten. Auf Initiative der Elternberatung „Frühstart“/Bunter Kreis der Kinderklinik I am Universitätsklinikum Essen beteiligen sich in diesem Jahr erstmals Essener Einrichtungen an der Aktion: Besondere Landmarken, darunter das Aalto Theater, die Grugahalle, die VHS, Einrichtungen der EVAG, das Wehr am Baldeneysee und weitere markante Gebäude erstrahlen am 17. November 2016 eine Nacht lang in Lila.

„Die Idee zur Beleuchtung von exponierten Gebäuden auf der ganzen Welt stammt ursprünglich von der amerikanischen Organisation ‚March of Dimes‘, die auch das Motto ‚Purple for Preemies‘ – auf Deutsch: ‚Lila für Frühchen‘ – geprägt hat, und erfreut sich eines immer größer werdenden Zuspruchs. Auch in Deutschland erstrahlten in den vergangenen Jahren bereits einige Gebäude in Lila, darunter das Heidelberger Schloss. Doch eine solch große Aktion wie in Essen gab es bisher meines Wissens noch nicht. Das ist schon etwas ganz Besonderes“, so Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser, Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde I am Universitätsklinikum Essen.

Aalto-Theater

Gemeinsam mit Margarete Reimann, Pflegerische Leitung der Elternberatung „Frühstart“/Bunter Kreis, sowie dem Essener Architekten und Lichtgestalter Peter Brdenk konnte sie viele Unterstützer für ihr Anliegen gewinnen: „Am 17. November erstrahlen das Aalto Theater, die Grugahalle, die VHS, das Wehr am Baldeneysee, die Dachbeleuchtung am Busbahnhof Steele, die Deckensegel am Berliner Platz, das Riesenrad auf den Essener Lichtwochen sowie weitere markante Gebäude für eine Nacht in Lila. Damit setzt Essen ein Zeichen, auf das wir alle sehr stolz sein können“, so Margarete Reimann. „Die Stadt steht den Frühchen und ihren Eltern in ihrem Kampf um ihr Leben zur Seite. Das ist einmalig – und entsprechend dankbar sind wir den Partnern Architekturbüro Dipl. Ing. Peter Brdenk, Messe Essen, TUP Essen, VHS Essen, EMG Essen Marketing Gesellschaft, EVAG, Ruhrverband sowie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dieses ‚Lichtzeichen‘ erst möglich machen. Auch dem Team der Kinderklinik I um Prof. Felderhoff-Müser so wie dem Team ‚Frühstart‘/Bunter Kreis gilt mein Dank, dass Sie diese Aktion organisiert haben“, ergänzt Thorsten Kaatze, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Essen.

Als er von der Aktion hörte, war Berger Bergmann, Geschäftsführer der Theater und Philharmonie Essen GmbH, sofort bereit, mitzumachen: „Die Theater und Philharmonie Essen ist selbstverständlich gerne dabei, wenn es darum geht, auf das wichtige Thema Frühgeburtlichkeit aufmerksam zu machen. Das Aalto-Theater eignet sich als weit über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Bauwerk für die eindrucksvolle Lichtgestaltung besonders gut. Wir hoffen, mit diesem starken Zeichen zu einer Verbesserung der Frühchen-Versorgung beitragen zu können.“ Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen, war ebenfalls begeistert von der Aktion: „Die Idee, exponierte Gebäude in einer ungewöhnlichen Farbe zu beleuchten, um auf ein so wichtiges Thema wie die Frühgeburtlichkeit aufmerksam zu machen, hat uns sofort überzeugt. Wir unterstützen diese Aktion daher sehr gerne und setzen mit der Grugahalle als lilafarbene Landmarke ein unübersehbares Zeichen für den Kampf hinein ins Leben“, so der „Messechef“. Auch für Dirk Miklikowski, Geschäftsführer der TBE Gemeinnützige Theater-Baugesellschaft Essen mbH, war es leicht, sich für eine Teilnahme zu entscheiden: „Da sich mit dem Aalto-Theater eines der markantesten und schönsten Gebäude der Stadt in unserem Eigentum befindet, war es für uns selbstverständlich diese Aktion zu unterstützen.“ Und Markus Rüdel, Pressesprecher des Ruhrverbands, ergänzt: „Wasser und Licht sind die Grundlagen unseres Lebens. Daher passt die Beleuchtung des Wehrs mit den Farbreflexen auf dem Ruhrwasser wunderbar zur Frühchenaktion“.

U-Bahnhof-Ebene des Hauptbahnhofs

Die „Frühchen“ können die Unterstützung gut gebrauchen: „Bei ihrer Geburt sind viele dieser Kinder gerade einmal so groß wie eine erwachsene Hand und 500 Gramm leicht. Ihre Versorgung ist eine Herausforderung – schließlich können die meisten von ihnen zunächst weder selbstständig atmen noch Nahrung zu sich nehmen“, erläutert Prof. Felderhoff-Müser. Modernste Intensivmedizin sichert zwar das Überleben der „Frühchen“, doch Ärztinnen und Ärzte, Pflegende und Wissenschaftler wissen auch, dass neben einer sofortigen medizinischen Versorgung elterliche Nähe und Fürsorge bei zu früh geborenen Kindern sehr wichtig sind. Die Eltern geraten in dieser Situation oft an ihre Grenzen und benötigen eine spezielle Betreuung. Am Universitätsklinikum Essen wurde 2007 deshalb die Elternberatung „Frühstart“/Bunter Kreis Essen ins Leben gerufen. Hier übernimmt ein Team aus Ärzten, zehn Kinderkrankenschwestern sowie Sozialpädagogen, Psychologen, Case Managern und Pflegeberatern der Essener Kinderklinik die stationäre Betreuung und Nachsorge von Eltern und Frühgeborenen bis zu drei Monate nach der Entlassung ins häusliche Umfeld. Pro Jahr kümmert sich das Team um rund 700 Früh- und Neugeborene. „Wir betreuen die werdenden Eltern schon vor der Geburt intensiv und beziehen sie in unsere Pflege mit ein, damit diese im Fall einer Frühgeburt die alleinige Betreuung möglichst kompetent fortsetzen können. Denn wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass eine gute Eltern-Kind-Bindung sich sehr positiv auf die neurologische Entwicklung des Kindes auswirkt“, ergänzt Dr. Britta M. Hüning, Oberärztin Neonatologie und Ärztliche Leitung Elternberatung „Frühstart“/Bunter Kreis am Universitätsklinikum Essen.

Riesenrad auf dem Burgplatz

„Es ist wichtig, dass werdende Eltern über unsere Angebote informiert sind, damit sie im Fall der Fälle wissen, dass sie nicht alleine gelassen werden und an wen sie sich wenden können. Deshalb nutzen wir den ‚Internationalen Weltfrühgeborenen-Tag‘, um mit unserer Aktion auf das Thema ‚Frühgeburt und die Folgen‘ aufmerksam zu machen und um Unterstützung zu werben. Da ist die Aktion am 17. November ideal, denn sie hat einen hohen Aufmerksamkeitsfaktor“, so Prof. Ursula Felderhoff-Müser abschließend.

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