Mittwoch, 9. November 2016

„Henry Moore. Impuls für Europa“

Große Werkausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

Beinahe 18 Jahre nach der Kunstausstellung der Ruhrfestspiele (4. Mai bis 1. August 1999) widmet das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster vom 11. November 2016 bis 19. März 2017 mit „Henry Moore. Impuls für Europa“ dem britischen Bildhauer Henry Moore (* 30. Juli 1898 in Castleford, Yorkshire, † 31. August 1986 in Much Hadham, Hertfordshire) die umfangreichste Werkschau in Deutschland seit 18 Jahren. „Henry Moore. Impuls für Europa“ legt gleichzeitig den Fokus auf die wechselseitigen Inspirationen von Henry Moore und 16 weiteren europäischen Künstlern. 40 Jahre nach dem letzten Besuch Henry Moores in Münster am 26. September 1976 kehrt der „Picasso der Skulptur“ in das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zurück.

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

„Mit dieser Ausstellung setzen wir gemeinsam ein Zeichen für Kulturarbeit in Europa, die hoffentlich auch nach der Umsetzung der Brexit-Vorhaben solch fruchtbare und für die Kultur so notwendige Kooperationen ermöglicht“, beschrieb LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale die erstmalige Kooperation der Tate, dem Kunstmuseum in London, mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.

Henry Moore, Reclining Figure, 1945
Liegende, Bronze

64 Objekte kommen von Tate Britain, in dem die weltweit größte Sammlung britischer Kunst vom 16. bis zum 21. Jahrhundert gezeigt wird. Mit 634 Arbeiten von Henry Moore besitzt es die zweitgrößte Henry Moore-Sammlung weltweit. Als einer von zwei Kuratoren hat Dr. Chris Stephens, Tate Britain, die Auswahl der entliehenen Henry Moore-Exponate getroffen. Im engen Austausch mit der zweiten Kuratorin der Ausstellung, Dr. Tanja Pirsig-Marshall vom LWL-Museum für Kunst und Kultur, wurde der Blick geschärft für Henry Moores Werke, die Einflüsse von anderen Künstlern erkennen lassen und die besonders auf Künstlerkollegen gewirkt haben.

Henry Moore, Draped Reclining Figure, 1952/53
Liegende Gewandfigur, Bronze, Ex. 2/3

Sieben Monate vor der fünften Ausgabe der Skulptur Projekte in Münster (10. Juni bis 1. Oktober 2017) ehrt das Museum das Werk und Wirken Henry Moores, der bereits bei der ersten Edition der Ausstellung im öffentlichen Raum 1977 mit zwei Papierarbeiten vertreten war. „Moore schaffte Konkretes, wo es notwendig war, und kreierte Schemen, wo es möglich war. Damit setzte er Impulse und regte Diskussionen an, die zahlreiche europäische Künstler inspirierten. Persönlich war es mein großer Wunsch, gut ein halbes Jahr vor den nächsten Skulptur Projekten das Phänomen Moore zu beleuchten“, so Dr. Hermann Arnhold, Direktor LWL-Museum für Kunst und Kultur. Die Gegenüberstellung seines Werks mit 16 weiteren Künstlern zeige ganz konkret auf, wie seine Zeitgenossen Moores Arbeiten bewusst aufgenommen und dessen Impulse im eigenen Schaffen haben einfließen lassen.

Henry Moore, Three Piece Reclining Figure No. 2: Bridge Prop, 1963
Dreiteilige liegende Figur Nr. 2: Brückenstütze, Bronze

121 Exponate – darunter Plastiken, Skulpturen und Papierarbeiten – veranschaulichen auf rund 1.000 Quadratmeter die gegenseitigen Verbindungen der vertretenen Künstler: Neben Werken Henry Moores zeigt die Ausstellung Arbeiten von Theo Balden, Willi Baumeister, Joseph Beuys, Michael Croissant, Karl Hartung, Bernhard Heiliger, Norbert Kricke, Markus Lüpertz, Brigitte Meier-Denninghoff, Toni Stadler und Hans Uhlmann. Auch Kunstwerke von Künstlern, die Henry Moore inspirierten und mit denen er sich austauschte, sind zu sehen: Hans Arp, Alberto Giacometti, Barbara Hepworth, Henri Laurens und Pablo Picasso.

Henry Moore, Seated Mother and Child, 1979/80
Sitzende Mutter mit Kind, Radierung auf Papier und
Maquette for Madonna and Child, 1943
Modell für Madonna und Kind, Bronze, Guss/cast 1944

Henry Moore, Maquette for Madonna and Child, 1943
Modell für Madonna und Kind, Bronze. Guss/cast 1944

„Henry Moore. Impuls für Europa“ zeigt insgesamt 74 Werke von Henry Moore, davon 31 Skulpturen und Plastiken und 43 Zeichnungen. Die Ausstellung deckt seinen Schaffenszeitraum von 1921 bis 1982 ab. In seinen Werken stand stets das Bild des Menschen im Mittelpunkt. Die für seine Arbeiten typische Wechselbeziehung zwischen Figuration und Abstraktion hat die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt.

Henry Moore, Mother and Child, 1953
Mutter und Kind, Bronze auf Holzsockel/Bronze on wooden base

Die Kulturförderung des British Council verhalf Henry Moore zu zahlreichen Ausstellungen und Verkäufen, was seine Bekanntheit weltweit förderte. Viermal nahm er an der documenta in Kassel teil (1955, 1959, 1964 und 1977), Außenplastiken in vielen Metropolen der Welt sind Zeugnis seiner Popularität.

Henry Moore, Three Piece Sculpture: Vertebrae, 1968/69. Münster, LBS Westdeutsche Landesbausparkasse

In Münster steht seit 1977 Henry Moores große Bronzeplastik Große Wirbel am Aasee. Als Teil der jetzigen Ausstellung wird sie ergänzt mit temporär aufgestellten monumentalen Außenplastiken auf den beiden Vorplätzen des Museums. Die Leihgaben aus Berlin (Three Way Piece No. 2: (The) Archer, 1964/65. Staatliche Nuseen zu Berlin, Nationalgalerie), Recklinghausen (Two Piece Reclining Figure No. 5, 1963/64. Kunsthalle Recklinghausen) und Wuppertal (Draped Seated Woman, 1957/58. Kunst- und Museumsverein Wuppertal) sind Zeichen für Kunst im öffentlichen Raum, die Henry Moore bereits in den 1950er-Jahren als Vorreiter prägte. Stadtplaner, Bürgerinnen und Künstler diskutierten – nicht nur verbal – die Aufstellung seiner Arbeiten auf städtischen Plätzen. Diese Leihgaben tragen einen wesentlichen Aspekt der Rezeptionsgeschichte in sich. Wie Dr. Hermann Arnhold im Rahmen der Vorbesichtung am 9. November 2016 verlauten ließ, soll der Bogenschütze über den 19. März 2017 hinaus auf dem Museumsvorplatz Rothenburg zu sehen sein.

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, Museumsvorplatz Rothenburg

Zur Ausstellung erscheinen ein umfangreich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag mit Beiträgen von Markus Müller („Henry Moore und der Surrealismus“), Chris Stephens („Alles andere als sanft: Henry Moore – ein moderner Bildhauer“), Christa Lichtenstern („Gestaltetes Material – Geformtes Wort. Henry Moore und die Dichtung“) und Tanja Pirsig-Marshall („Hier moort die ganze Innung“) sowie ein Audioguide, beide in deutscher und englischer Sprache.

Cover „Henry Moore. Impuls für Europa“, Henry Moore, Working Model for Three Way Piece No. 2, Archer, 1964. Foto: Tate, London. Reproduced by permission of the Henry Moore Foundation.
© Hirmer Verlag GmbH, München

„Henry Moore. Impuls für Europa“ / „Henry Moore. A European Impulse“
Hirmer Verlag GmbH, München
258 Seiten, 240 Abbildungen
24 × 30 cm, gebunden
ISBN: 978-3-7774-2679-2 / 978-3-7774-2682-2
€ 39,90 (D) / sFr 48,70 / € 41,10 (A)

Henry Moore, Three Part Object, 1960
Dreiteiliges Objekt, Bronze

Im Rahmen der Ausstellung laden Führungen und Workshops ein, Henry Moores Arbeiten nachzuspüren. Für Pädagogen, Kitas und Schulen werden besondere Führungen und Fortbildungen angeboten. Die Herbststaffel der Filmgalerie lässt unter dem Titel „Sorry, we’re British!“ den schwarzen Humor der Insel hochleben. Vorträge und Konzerte runden das Rahmenprogramm ab.

Henry Moore, Three Points, 1939/40
Drei Spitzen, Bronze auf Holzsockel

Alle Interessierten sind dazu eingeladen, die Ausstellung am Donnerstag, 10. November 2016 um 20 Uhr gemeinsam mit den Verantwortlichen der Ausstellung zu eröffnen. Der Eintritt in die Ausstellung ist an diesem Abend frei.

Henry Moore, Two Piece Reclining Figure No. 9, 1968
Zweiteilige liegende Figur Nr. 9, Bronze

Am Freitag, 11. November 2016 lädt das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zum „Langen Freitag“ ein. Bei freiem Eintritt können Interessierte das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und seine Ausstellungen und Sammlung bis 22 Uhr entdecken. An diesem Langen Freitag steht die am Abend zuvor eröffnete Ausstellung „Henry Moore. Impuls für Europa“ im Zentrum. Neben einer öffentlichen Führung um 18 Uhr laden die Kuratoren Dr. Tanja Pirsig-Marshall und Malte Jung um 19 und 19.30 Uhr ein, die Sonderausstellung kennen zu lernen. Für alle Führungen gibt es begrenzt Karten, die eine Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse abgeholt werden können.

Henry Moore, Working Model for UNESCO Reclining Figure, 1957
Arbeitsmodell für Liegende Figur für die UNESCO, Bronze

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Britischen Botschafters Sir Sebastian Wood. Hauptförderer sind die LWL-Kulturstiftung, die Kulturstiftung der Länder, das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und die Rudolf-August Oetker-Stiftung. Die Stiftung Kunst³, der Stifterkreis des LWL-Museums für Kunst und Kultur, ermöglichte die Ausleihe der drei temporären Außenplastiken.

Henry Moore, Stringed Figure, 1938
Saitenfigur, Bronze und Elastikband/Bronze and elastic string

Henry Moore, Atom Piece (Working Model for Nuclear Energy), 1964/65
Atom Piece (Arbeitsmodell für Atomenergie), Bronze

Henry Moore, Working Model for Knife-Edge Two-Piece, 1962
Arbeitsmodell für zweischneidige Messerschneide, Bronze

„Henry Moore. Impuls für Europa“ ist vom 11. November 2016 bis 19. März 2017 im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zu sehen. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro, der Eintritt in die Sammlung des Museums ist inbegriffen. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am „Langen Freitag“ (11. November und 9. Dezember 2016 sowie 20. Januar, 10. Februar und 10. März 2017) von 10 bis 22 Uhr. Weitere Informationen unter www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-Landesmuseum-Muenster.

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