Sonntag, 9. Oktober 2016

St. Antony-Fest im LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte

„Wiege der Ruhrindustrie“

Die St. Antony-Hütte in Oberhausen-Osterfeld ist die Geburts­stätte der Ruhrindustrie und Keimzelle des Welt­konzerns Gutehoffnungshütte: 1758 floss hier erstmals im Ruhrgebiet Roheisen. Heute erzählt sie mit einer Dauer­aus­stellung vom spannenden Beginn der Eisen- und Stahl­industrie, von bedeutenden Innovationen und vom harten Leben der Menschen, die dort arbeiteten. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Entwicklung der St. Antony-Hütte als ein faszinierender Wirtschaftskrimi mit schillernden Persönlichkeiten bis hin zu allerlei Schlitzohren und Ganoven. Aber vor allem machten Geschäftssinn, Unternehmergeist und Ingenieurkunst den Stoff aus, aus dem sich die „Wiege der Ruhrindustrie“ entwickelte. Auf der Hütte lebten und arbeiteten Protagonisten, ohne die das Ruhrgebiet nicht das geworden wäre, was es heute ist: Gottlob Jacobi (* 28. Dezember 1770 in Winningen, † 25. Januar 1823 in Sterkrade), die Brüder Franz (* 20. November 1779 in Ruhrort, † 24. April 1868 in Ruhrort) und Gerhard Haniel (* 21. November 1774 in Ruhrort, † 23. August 1834), Friedrich Krupp (* 17. Juli 1787 in Essen, † 8. Oktober 1826 in Essen), Franz von der Wenge (* 23. August 1707, † 5. September 1788) – sie alle sind bedeutende Persönlichkeiten der Schwerindustrie.

LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte

Die Anfänge der St. Antony-Hütte gehen auf das Jahr 1740 zurück. 13 Jahre später erhielt ihr Gründer Franz von der Wenge, Domkapitular des Hochstiftes Münster, vom Kölner Erzbischof die Genehmigung, am Elpenbach in Osterfeld eine Eisenhütte zu errichten, um die örtlichen Erzvorkommen zu verhütten. Am 18. Oktober 1758 wird dann ein bedeutendes Kapitel der Geschichte des späteren Ruhrgebiets aufgeschlagen: Rot glühend fließt kochend heißes Eisen aus dem ersten Hochofen im Ruhrgebiet. „Nun iß endlich die hütte in ihre arbeyt, der liebe Gott gebe mir seynen seegen dazu", verkündet der Aufseher freudig seinem Chef. Die St. Antony-Hütte ist in Betrieb gegangen. Mit einer Unterbrechung von wenigen Jahren läuft der Hüttenbetrieb auf St. Antony bis 1843. Dann wird der Hochofen endgültig ausgeblasen. Als Eisengießerei blieb die Hütte aber noch bis 1877 in Betrieb, dann wurde sie stillgelegt.

LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte, Lack- oder Bodenprofil vom Raseneinsenerz, Fundort Kerlener Bruch am linken Niederrhein

Ein großer Teil der Gebäude wurde unmittelbar nach der Stilllegung abgerissen. Ein Werkstattgebäude, die Schmiede und die Lehmformerei wurden in Wohnungen umgewandelt. Das Wohnhaus des Hüttendirektors mit seinen beiden Anbauten blieb ebenfalls erhalten. Die St. Antony-Hütte wurde zum Wohnort von Arbeitern, Angestellten und Direktoren des Oberhausener Konzerns Gutehoffnungshütte.

LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte, Wohnen auf der St. Antony-Hütte

Heute beherbergt das ehemalige Direktorenhaus die Dauerausstellung, in der die Besucherinnen und Besucher auch Funde aus der Ausgrabung finden.

LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte, Grabungsfund der St. Antony-Hütte, Bierflaschen, vermutlich 1920er-Jahre

Noch bis zum 29. Januar 2017 ist die Sonderausstellung „Maloche – Arbeiten auf der Gutehoffnungshütte“ mit Aufnahmen von Arbeitern in den Zechen und Werken der Gutehoffnungshütte (GHH) im LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte zu sehen.

„Maloche – Arbeiten auf der Gutehoffnungshütte“, Arbeiter beim Hochofenabstich auf Eisenhütte Oberhausen I, 1939
© LVR-Industriemuseum

LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte, Teufenanzeiger

LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte, Dampfturbinenläufer


LVR-Industriearchäologischer Park

Im ersten industriearchäologischen Park Deutschlands können die Besucherinnen und Besucher auf der Ausgrabungsstätte der St. Antony-Hütte einmalige Relikte aus der Frühzeit der Eisenhütte entdecken. Vier Jahre lang wurden Mauerreste, Fundamente und Teile der Produktionsanlagen der St. Antony-Hütte vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) ausgegraben. Auf dem Grabungsgelände werden die Gäste durch die Ursprünge der Eisen- und Stahlindustrie geführt. Eine Audioführung erklärt, wann hier welche Gebäude standen und wie aus der einst kleinen Eisenhütte mit nur wenigen Bauten ein Industriebetrieb wurde, in dem rund hundert Menschen arbeiteten. In 3D-Animationen und Schautafeln wird die einst pulsierende St. Antony-Hütte zu neuem Leben erweckt. Ein Hochofen, ein Kupolofen und eine Gießerei werden virtuell rekonstruiert und veranschaulichen, wie hier einst Produkte wie Pfannen und Töpfe, Munition und Maschinenteile entstanden.

LVR-Industriearchäologischer Park

Das 1.000 Quadratmeter große Stahldach, das die Ausgrabungen überspannt, wurde vom Stahl-Informations-Zentrum in Düsseldorf mit dem „Stahlinnovationspreis 2012“ ausgezeichnet. Entworfen wurde die selbsttragende Dachschale vom Architektenbüro Ahlbrecht, Felix, Scheidt, Kasprusch aus Essen.

LVR-Industriearchäologischer Park


Der Hüttendirektor lädt ein

Hüttendirektor Gottlob Jacobi

Jedes Jahr im Oktober lädt Hüttendirektor Gottlob Jacobi zum großen St. Antony-Fest mit buntem Programm für große und kleine Besucher ein, mit dem das LVR-Industriemuseum an die Anfänge der ersten Eisenhütte im Revier und das dortige Leben erinnern möchte.

Modell-Dampfmaschine

Modell-Dampfmaschine

Herstellung historischer Kostüme

historische Singer Nähmaschine Modell 28 K, Schwingschiffmaschine

Vorführung des Sandformverfahrens

Vorführung des Sandformverfahrens

Museumsschmiede

St. Antony-Fest

historische Fahrräder, Laufmaschine, 1818, Deutschland

Besucher im Steampunk-Outfit

Poffertjes

Hüttendirektor Gottlob Jacobi

Herbstliche Blütenpracht

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