Dienstag, 11. Oktober 2016

Neugestaltung der Dauerausstellung im Neanderthal Museum

Nach 20 Jahren und 3,2 Mio. Besuchern ein beeindruckendes Update

Das multimediale Erlebnismuseum am legendären Fundort präsentiert ab 11. Oktober 2016 sein Update. Das heutige Neanderthal Museum an der Verbindungsstraße zwischen Erkrath und Mettmann wurde 1995/96 errichtet und am 10. Oktober 1996 eröffnet. Zum 20. Geburtstag bevölkern neue Vorfahren die Dauerausstellung. Die Besucher werden Teil der großen Menschenfamilie. Das Update wird ermöglicht mit maßgeblicher Unterstützung der NRW-Stiftung, des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), des Kreises Mettmann und der Neanderthaler Gesellschaft e.V. Es wird konzipiert und realisiert in Zusammenarbeit mit den Firmen res d – design und architektur, Köln und Blank Ausstellungsbau, Düsseldorf. Bereits vor 10 Jahren hat res d – design und architektur an der Neukonzipierung der Dauerausstellung im Neanderthal Museum mitgewirkt. Dabei war es dem Planungsteam ein Anliegen, dem Haus ein eigenes Corporate Design zu verleihen.

Neanderthal Museum

Das nunmehr 20-jährige Bestehen des Museums gibt Anlass, wichtige Ausstellungsbreiche gänzlich neu zu präsentieren. Im einführenden Teil der Dauerausstellung „Eine Reise durch die Zeit“ erwartet die Besucher eine beeindruckende Inszenierung. Den Auftakt an Neuerungen macht eine raumgreifende Holzkonstruktion aus über 300 verschieden großen Dreiecken. Sie stellt den menschlichen Stammbusch dar, der noch nie in einer solch spektakulären Weise erlebbar wurde. Darauf stehen eindrucksvolle Hominine (Rekonstruktionen unserer Vorfahren) der niederländischen Bildhauer Adrie und Alfons Kennis, darunter so berühmte Funde wie „Lucy“, eine Rekonstruktion nach dem 1974 in Hadar im Afar-Dreieck (Äthiopien) entdeckten Teilskelett eines als weiblich interpretierten Individuums der Art Australopithecus afarensis. Sie erzählen über Audiotexte ihre persönlichen Geschichten aus entscheidenden Etappen der Humanevolution. Die Dermoplastiken stehen gemeinschaftlich im Vordergrund und bekommen eine eindrucksvolle und gleichsam zurückhaltende Kulisse. Die Besucher können durch begehbare Einschnitte in die Landschaftsmodulation eintauchen und werden so ein erfahrbarer Teil der Evolutionsgeschichte.

„Eine Reise durch die Zeit“, der „menschliche Stammbusch“

Der gesamte Rundgang wird durch vielfältige Neuerungen im Bereich Text und Bild ergänzt. Das betrifft zum einen die Paneele an den Außenwänden des Rundgangs, zum anderen die rundum neu bespielten Forscherboxen. Somit entdecken auch die Besucher, die das Museum bereits häufiger frequentert haben, viele neue Vermittlungsebenen.

40.000 Jahre, Homo sapiens neanderthalensis, Rekonstruktion nach Funden aus dem Kalksteinbruch Forbes Quarry in Gibraltar, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2016

160.000 Jahre, Homo sapiens sapiens, Rekonstruktion nach Funden aus Djebel Irhoud, Marokko, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2016

1.600.000 Jahre, Homo erectus/ergaster, „Turkana Boy“, Rekonstruktion nach Funden am Nariokotome-Fluss, rund 5 km westlich des Turkana-Sees, Kenia, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2016

1.600.000 Jahre, Homo erectus/ergaster, „Turkana Boy“, Rekonstruktion nach Funden am Nariokotome-Fluss, rund 5 km westlich des Turkana-Sees, Kenia, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2016

1.900.000 Jahre, Australopithecus sediba, Rekonstruktion nach Funden aus der Malapa-Höhle, Südafrika, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2016

3.200.000 Jahre, Australopithecus afarensis, „Lucy“, Rekonstruktion nach Funden aus Hadar, Äthiopien, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2016

3.200.000 Jahre, Australopithecus afarensis, „Lucy“, Rekonstruktion nach Funden aus Hadar, Äthiopien, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2016

Die neuen Ausgrabungs- und Labormodelle im ArchäoWunderland illustrieren, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Archäologie und anderen Disziplinen unsere Vergangenheit rekonstruieren. Wir sehen eine große Ausgrabungsfläche sowie eine Höhlengrabung, auf denen fleißig gearbeitet wird und können den Weg eines Knochenfundes durch verschiedene Labore verfolgen.

„Höhlengrabung“

„3D-Labor“

Ein weiteres Highlight ist das neue Spiegelkabinett im Bereich „Leben und Überleben“. Darin begegnen die Besucher unmittelbar unserem Vetter, dem Neanderthaler, und spiegeln sich vielfach mit ihm gemeinsam. Dies verdeutlicht unsere genetische Verwandtschaft. Darüber hinaus informiert dieses Ausstellungselement über die Ursachen des Aussterbens der Neanderthaler.

Rekonstruktion des Neanderthalers aus der „Feldhofer Grotte“, Adrie und Alfons Kennis, Arnheim, 2006, im neuen Spiegelkabinett

Wer in den Forscherboxen stöbert, kann weitere Hintergrundinfos entdecken. Die Boxen wurden 2006 eingeführt und erhalten zum Update eine neue Struktur, neue Objekte und vor allem eine spezielle Kinderebene mit spielerischen Elementen und Knochen zum Anfassen.

„Forscherbox“, Schädel eines Homo sapiens-Kindes, Oafzeh 11, Israel, ca. 90.000 Jahre alt

Am Ende des Rundgangs scheint das 1 Tonne schwere Kino-Element unter der Decke zu schweben. Darin teilen uns Menschen aus aller Welt in Filmen ihre Haltung zu Grundthemen unserer Existenz mit, wie Glück, Liebe, Tod. Damit greifen wir die drei Grundfragen auf, die das Neanderthal Museum seit 20 Jahren zu beantworten versucht: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Adrie und Alfons Kennis inmitten der Menschenfamilie aus Zeitgenossen und Vorfahren auf dem Sofa

Die Fotostation am Schluss bietet die Möglichkeit, sich inmitten der Menschenfamilie aus Zeitgenossen und Vorfahren aufs Sofa zu setzen und ein Familienfoto als Erinnerung mitzunehmen.

„DUCKOMENTA“, Anas neanderthalensis (Wille 2015), Lebensechte Rekonstruktion nach Knochenfunden

Zur Museumsnacht am Freitag, 14. Oktober 2016 lädt das Neanderthal Museum von 18 bis 24 Uhr dazu ein, die neue Dauerausstellung bei freiem Eintritt zu erkunden. Das Neanderthal Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, es ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2016 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet ganzjährig einmalig freien Eintritt in die Dauerausstellung. Gilt nicht bei Sonder­veranstaltungen. Noch bis zum 30. Oktober 2016 ist auch die Sonderausstellung „DUCKOMENTA“ zu sehen.

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