Freitag, 21. Oktober 2016

„Aquaworld“ im Tunnel Grunertstraße

Was ein wenig Farbe und Licht doch ausmachen können

Nahezu jede Stadt hat ihre „dunklen Ecken“, entweder gibt es dort wirklich wenig Licht, oder aber eine dunkle Vergangen­heit. Auf den „Tunnel Grunertstraße“ (51° 27’ 17,87” N, 6° 57’ 33,23” O) in Essen-Frohnhausen, der die Raumer­straße unter der Haupteisenbahnstrecke Dortmund – Duisburg mit der Grunertstraße verbindet, trifft womöglich beides zu: Auf der nördlichen Seite des Tunnels auf dem Gelände des ehemaligen Freibades West in der Nöggerath­straße befand sich Anfang 1944 ein Kriegsgefangenenlager, in dem 644 Franzosen untergebracht waren, die in verschiedenen Krupp-Betrieben Zwangsarbeit verrichten mussten. Als das Gefangenenlager am 27. April 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, wurden 170 französische Kriegsgefangene in diesem Eisenbahntunnel einquartiert, die anderen Überlebenden wurden auf dem Gelände der Krupp Gussstahlfabrik in Notunterkünften untergebracht. Auf dem heutigen Gelände der Helmut-Rahn-Sportanlage an der Raumerstraße südlich des Tunnels gab es außerdem ein Kriegsgefangenenlager für bis zu 1.500 sowjetische Kriegsgefangene.

Gedenktafel am Südeingang zum Tunnel Grunertstraße: „Während des Zweiten Weltkriegs war dieser Tunnel die Unterkunft für 170 Kriegsgefangene“

Heute kann sich womöglich niemand mehr vorstellen, wie die von Dunkelheit, Kälte und Feuchtigkeit geprägten Lebens­bedingungen der Gefangenen in dem Tunnel ausgesehen haben mögen. Eine dunkle Ecke war es dennoch lange Zeit, und die spärliche Beleuchtung brachte auch nur wenig Licht ins Dunkel. Farbe allein bringt zwar auch noch kein Licht ins Dunkel, aber zumindest erscheint der Tunnel nach ein paar Dosen und Eimern Farbe längst nicht mehr so grau und trist wie noch vor einigen Monaten. Verantwortlich für die Gestaltung der Tunnelwände ist Graffiti-Künstler Pascal Maßbaum, der bereits diverse Transformatorenstationen in Essen-Altendorf und auch die Tunnelwände des südlichen Zugangs zum Gleispark Frintrop sowie die Ruine des Bunkers im hinteren Teil des Geländes neu gestaltet hat. Motive einer Unter­wasser­land­schaft mit Delfinen, Haien, Kraken, Meeresschildkröten, Rochen, Schwertwalen, einem gesunkenen Schiff mit einem Goldschatz und sogar einer Meerjungfrau zieren nunmehr die Tunnelwände. Zusammen mit einigen Leuchtstofflampen schaffen sie zumindest ein freundliches Ambiente, kann man nur hoffen, dass die neu gestalteten Tunnelwände von Vandalismus verschont bleiben, nur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. Und die dunkle Vergangenheit sollte man IMHO irgendwann auch ruhen lassen, ohne sie zu leugnen, ändern kann man sie sowieso nicht mehr.

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Tunnel Grunertstraße

Keine Kommentare: