Mittwoch, 7. September 2016

„Technophilia“ – Gerhard Hahn in der Henrichshütte Hattingen

Eröffnungsausstellung im historischen Gebläsehaus

„Technophilia“ heißt die Ausstellung mit Werken des Künstlers Gerhard Hahn, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zur Eröffnung des historischen Gebläsehauses der Henrichshütte Hattingen zeigt. Die Schau mit 100 Arbeiten – vorwiegend keramische Objekte und Plastiken aus Eisen – wird am 13. September 2016 um 19.30 Uhr im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen eröffnet.

Künstler Gerhard Hahn, LWL-Direktor Matthias Löb, LWL-Museumsdirektor Dirk Zache und Robert Laube, Leiter Henrichshütte Hattingen

Im Alter von 27 Jahren gab Gerhard Hahn seinen Beruf als Ingenieur für Verfahrenstechnik auf. „Ich wollte die Idee und Umsetzung meiner Arbeit selbst bestimmen und ihr Ergebnis genießen können“, sagt er. Bis heute geht es dem Designprofessor um die „Verknüpfung der in aller Regel getrennten Ebenen menschlichen Schaffens.“ Hier das anonym erzeugte Industrieprodukt, dort das authentische Kunstwerk. „Technophilia findet im Gebläsehaus seine kongeniale Heimat: gestern Ort der Produktion, heute Bühne für Kunst und Kommunikation“, erklärt LWL Museumsleiter Robert Laube.

„Technophobia“: „Wohin kommen wir? Wohin gehen wir? II“, Ton, Schwarzbrand, und „Wohin kommen wir? Wohin gehen wir? I“, gebrannter Ton

Gerhard Hahn experimentiert seit 1996 mit Werkstoffen der Groß- und Schwerindustrie. Werkshallen wandeln sich zu Ateliers für seine Kunstwerke. In der Henrichshütte Hattingen präsentiert der 60-Jährige einen Querschnitt seines Schaffens – damit ist „Technophilia“ zugleich eine Retrospektive. Gerhard Hahns Arbeiten aus Keramik, Eisen, Siliziumcarbid, Folien, Wind und Licht verbergen nicht die Spuren ihrer Produktion. Skulpturen und Wandarbeiten geben Auskunft über ihre Entstehung, zitieren auch gestalterisch den industriellen Kontext. Robert Laube: „Zugleich gelingt es dem Künstler immer wieder, den anorganischen Werkstoffen gleichsam Leben einzuhauchen: Texturen, Risse, Faltungen, organische Formen und atmende Installationen führen über das Technisch-Handwerkliche hinaus und regen zur Kontemplation und Assoziation an.“

„Stigma“: „Inhalator“, gebrannter Ton, Rußfärbung, Verbrennungsrückstände, Palette

Die im Gebläsehaus gezeigten Arbeiten von Gerhard Hahn stammen aus seinen Projekten „Stigma“ (Realisation an der Hochschule der Künste Berlin, 1993), „Technophobia“ (Projektpartner Ziegelwerk Megalith Berlin/Deutsche Proton GmbH, 1996), „The Language of Iron“ (Kohler Co. Eisengießerei Sheboygan, Wisconsin/USA, 1997), „Repro Duktus“ (Projektpartner Norton/Saint Gobain IndustrieKeramik GmbH, Bexbach/Saar, 1998), „Entropy of Dreams“ (Projektpartner Kohler Co. Eisengießerei Sheboygan, Wisconsin/USA, 2002), „Sub Urban“ (Realisation in den Berliner Bildhauerwerkstätten, 2005 – 2007), „Pneuma“ (Projektpartner HELIOS Ventilatoren GmbH, Villingen-Schwenningen, 2008/2009), „Pyrographien“ (Realisation an der Hochschule Niederrhein, Krefeld, 2011/2012) und „Adoratio“ (Projektpartner Kohler Co. Eisengießerei Sheboygan, Wisconsin/USA, 2013).

„Technophobia“: „Membranen“, drei Arbeiten der neunteiligen Bodeninstallation, Ton, Schwarzbrand

„Pneuma“: „Ganglion“, ETFE-Folie, Ventilatoren, Seile, Aluminiumbeschläge, Schwarzlicht, elektrische Steuerung, Lichtschranke, im Untergeschoss des Gebläsehauses

Arbeiten aus den Projekten „Adoratio“ und „Pyrographien“ im Untergeschoss des Gebläsehauses

„Adoratio“: „Beauty forever“, duktiler Eisenguss, im Untergeschoss des Gebläsehauses

„Sub Urban“: „Hybris“, vierteilig, gebrannter Ton, Stahl, im Untergeschoss des Gebläsehauses

„Sub Urban“: „Der Bauch der Stadt“, 2006, gebrannter Ton, Palette, im Untergeschoss des Gebläsehauses

„Sub Urban“: „Mobilität über alles“, 2006, gebrannter Ton, im Untergeschoss des Gebläsehauses

Der Künstler

Gerhard Hahn (* 1956 in Bendorf am Rhein) studierte von 1977 bis 1981 keramische Verfahrenstechnik an der Fachhochschule des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz und war bis 1984 als Ingenieur bei der Rosenthal Glas & Porzellan AG beschäftigt. Es folgte ein Studium für Gefäßkeramik,
Keramikdesign und keramische Plastik an der GH Kassel und der FH Niederrhein in Krefeld sowie ein Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Danach war Gerhard Hahn künstlerischer Mitarbeiter an der Hochschule der Künste Berlin, arbeitete als Gastprofessor in Dessau, Stuttgart und Kiel. Seit 2002 ist er Professor im Fachbereich Design an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Er erhielt für seine Industriekooperationen zahlreiche Förderungen. Gerhard Hahn lebt in Berlin und Krefeld.

„Sub Urban“: „Hades“, 2006, gebrannter Ton, Stahl, im Untergeschoss des Gebläsehauses

Zur Präsentation in Hattingen gehören auch zwölf Arbeiten von Studierenden der Hochschule Niederrhein in Krefeld, an der Gerhard Hahn lehrt. Die Entwürfe wurden in der Schaugießerei der Henrichshütte umgesetzt.

Nussknacker anvil von Lennart Ebert, Gusseisen

Die Ausstellung „Technophilia“ ist vom 13. September 2016 bis 26. Februar 2017 im Gebläsehaus im LWL-Industrie­museum Henrichshütte Hattingen zu sehen. Das Museum hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Freitag von 10 bis 20 Uhr. Es ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2016 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt ins Museum. Gilt nicht bei Veranstaltungen mit Sondereintritt.

Zur Ausstellung erscheint im Klartext Verlag Essen der Bildband „Technophilia – Gerhard Hahn in der Henrichshütte Hattingen“, 112 Seiten, ISBN 978-3-8375-1417-9, 19,95 €.

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