Montag, 26. September 2016

„Making a Difference/A Difference in Making“

Sonderausstellung über 3D-Druck im Red Dot Design Museum Essen

Das Red Dot Design Museum Essen präsentiert vom 27. September bis 30. Oktober 2016 die Ausstellung „Making a Difference/A Difference in Making“. Die Kollektion vereint wegweisende 3D-gedruckte Werke aus Kunst, Design, Technik und Wissenschaft. Die Ausstellung wurde von Marta Malé-Alemany, Architektin und anerkannte Forscherin auf dem Gebiet der digitalen Fertigungstechniken, kuratiert und von Materialise, einem 3D-Druck-Unternehmen mit Sitz in Belgien, realisiert.

„Agrieborz“ von Nick Ervinck, 2009
Die Skulptur entstand nach dem Studium vieler Medizinhandbücher und der inspirierenden Zusammenarbeit des Künstlers mit zwei Medizinprofessoren. „Agrieborz“ glich daraufhin der Anatomie eines über die ganze Figur hinweg „explodierten“ Kehlkopfes

3D-Druck, nach dem Aufbauprinzip auch als additive Fertigung bezeichnet, wurde 1983 von dem US-Amerikaner Charles W. Hull (* 12. Mai 1939 in Clifton, Colorado) erfunden. 3D-Druckverfahren nehmen heute Einfluss auf unser Leben und unsere Kultur. Ihr Einfluss ist bereits größer als die meisten Menschen denken. Einige britische Wissenschaftler sehen die Technik sogar als Grundlage für eine erneute so genannte industrielle Revolution, was von Kritikern für übertrieben gehalten wird. Die Besucher erhalten durch die Ausstellung „Making a Difference/A Difference in Making“ einen realistischen Eindruck darüber, was den 3D-Druck heute ausmacht und inwieweit er sowohl hinsichtlich seiner Gefahren als auch seiner Möglichkeiten die Zukunft beeinflusst.

„Escapism collection dress“ von Iris Van Herpen, 2011
Das „Escapism Kleid“ erforscht die hoch komplizierten (digital erstellten) Geometrien rund um den weiblichen Körper. Es handelt sich hierbei um ein Gewand, das weltweit Anerkennung gefunden hat. Mit diesem Arbeitsstück verschieben sich die Grenzen der 3D-Drucktechnologie.

Die Kuratorin, Frau Marta Malé-Alemany, hat über 80 Projekte weltweit ausgewählt. Mit diesen Projekten soll veranschaulicht werden, warum der 3D-Druck eine revolutionäre Technologie ist, die für „ein komplett anderes Herstellungsverfahren“ sorgt, und inwieweit ihre Anwendungen „einen Unterschied machen“. Diese im 3D-Druckverfahren hergestellten Objekte wurden sorgfältig ausgewählt, denn sie lösen konkrete Probleme. Sie zeigen auf, wie die Technologie im Bereich der Umwelt, des Lebens des Einzelnen und der Gesellschaft für einen Mehrwert sorgen kann.

„Kinematics dress“ von Nervous System, 2014
Dieses Kleid besteht aus Tausenden ineinandergreifenden Komponenten. Es bewegt sich mit der Trägerin. Es ist ständig in Bewegung. In diesem Stück kommen Design, Simulation und digitale Produktion zusammen. Das Kleid wurde als einfach gefaltetes Stück im 3D-Druck-Verfahren hergestellt. Man muss es nicht zusammenbauen.

Das große Interesse für die Ausstellung in Brüssel im renommierten BOZAR Centre for Fine Arts und der sich daraus ergebende Erfolg haben Materialise dazu ermutigt, hieraus eine Wanderausstellung zu machen. Materialise ist sehr stolz darauf, „Making a Difference/A Difference in Making“ („Das macht den Unterschied/Ein komplett anderes Herstellungsverfahren“) im Red Dot Design Museum in Essen auszustellen. Denn dort wird die weltweit größte Ausstellung an zeitgenössischem Design gezeigt, das den Industriedesignern als Referenz dient.

„Solid C2 Chair“ von Patrick Jouin, 2005
Der Solid-C2-Stuhl war der erste 3d-gedruckte Stuhl, der in einem Guss hergestellt wurde. Die Idee zu diesem Stuhl ist angelehnt an Grashalme, die sich beim Hochwachsen biegen und zusammenlaufen.


Über die Ausstellung „Making a Difference/A Difference in Making“

Die Ausstellung ist in zwei Hauptbereiche aufgeteilt. Der erste Bereich „A Difference in Making“ („Ein komplett anderes Herstellungsverfahren“) umfasst beeindruckende und faszinierende Designkreationen, mit denen die Materialmöglichkeiten, die mittels der Erfindung und Entwicklung der 3D-Drucktechnologie möglich wurden, ausgelotet wurden. In diesem Rahmen werden Werke bedeutender Designer wie unter anderem Patrick Jouin, Iris van Herpen, Jan Wertel, Gernot Oberfell und Daniel Widrig gezeigt.

„Lilly.MGX“ von Janne Kyttanen, 2002
Das Design der Lampe „Lilly.MGX“ wurde von der Lilie inspiriert, der eleganten Blume, die mit ihrem Namen Pate stand. Durch die vielen Blütenblätter wird das Licht in einziartiger Art und Weise gestreut. Die Blütenblätter sind ein gutes Beispiel dafür, wie Biomimikry zu einem ausdrucksstarken Design beitragen kann.

Der zweite Bereich, „Making a Difference“ („Das macht den Unterschied“), befasst sich mit drei verschiedenen kuratorischen Bereichen: „Umwelt“, „der Einzelne“ und „Gesellschaft“. In jeder Kategorie werden im 3D-Druckverfahren hergestellte Objekte aus den Bereichen medizinische Implantate, Prothesen, Automobil- und Flugzeugteile, Möbelstücke, Haushaltsgeräte und vieles mehr gezeigt. Damit soll verdeutlicht werden, inwieweit diese Technologie unser Leben weltweit bereits umgibt.

„Gamete.MGX“ von Xavier Lust, 2010
Die Optik der Lampe „Gamete.MGX“ ist den Blüten eines Ahornbaums nachempfunden, die von einer lauen Frühlingsbrise in die Welt getragen werden. Die Lampe wurde mittels der selektiven Lasersintertechnologie hergestellt.

In der Kategorie „Umwelt” werden Objekte gezeigt, für die das 3D-Druckverfahren im Speziellen mit dem Augenmerk auf Einsparungen von Material und Energiequellen zum Einsatz kam, sowie Designs, die die Frage beantworten, wie die 3D-Drucktechnologie selbst nachhaltiger und umwelt­technisch verantwortlicher eingesetzt werden kann.

„Adidas Futurecraft“, Adidas, 2015
Mit dem „Futurecraft“ reagiert Adidas auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Trägers. Denn die Form des Schuhs sorgt mit der innovativen Dämpfungsanpassung geradezu für einen Leistungsboost. Die komplexe gitterartige Struktur der lasergesinterten Zwischensohle des Schuhs ist eine Mischung aus Flexibilität und Steifigkeit.

In der Kategorie „der Einzelne” wird veranschaulicht, in welcher Form der 3D-Druck die Produktion individuell angepasster Objekte und Teile auf Grundlage persönlicher Daten ermöglicht. Die in dieser Kategorie ausgestellten Objekte beziehen sich auf die persönlichen Geschichten von Menschen, die mit dieser Technologie dahingehend in Berührung gekommen sind, dass sie für einen jeweils einmaligen Fall eine individuelle Lösung abgeliefert hat.

Protype of a car seat structure, Toyota Central R&D Labs, Toyota Motor Corporation Inc., 2012
Dieser im 3D-Druckverfahren hergestellte Autositz hat seinen traditionell gefertigten Gegenstücken gegenüber einige umwelttechnische Vorteile. Er muss nicht zusammengebaut werden. Bei seiner Herstellung wurde weniger Strom und Material verbraucht. Dadurch ist das Fahrzeug leichter, wodurch sich auch der Kraftstoffverbrauch reduziert.

In der Kategorie „Gesellschaft” im Bereich „Das macht den Unterschied” werden verschiedene Wege aufgezeigt, mittels derer der 3D-Druck zur Formgebung der Gesellschaft beiträgt. Auch hierbei zeigen die ausgewählten Projekte eine facettenreiche Perspektive bezüglich des Mehrwerts dieser Technologie. Aber sie werfen auch unausweichliche Fragen auf. Die Ausstellung befasst sich mit verschiedenen Themen wie: der Einsatz des 3D-Drucks zur Bewahrung unserer Vergangenheit und unseres zukünftigen Erbes, seine Rolle in der Wiederbelegung verloren gegangener Handwerke, seine Auswirkungen als wichtiges Instrument in der Emanzipation und sozialen Mitwirkungsmöglichkeit, sein Potenzial im Ausbau von Bildung usw.

„Fix3D“, James Novak, Griffith University, 2014
Dieser Fahrradrahmen wurde in einem Stück im 3d-Druckverfahren hergestellt. Er besteht aus Gitterstrukturen. Somit ist er leichter und solider als als ein üblicher Fahrradrahmen. Hinzu kommt, dass durch das 3d-Druckverfahren der Aufwand an Material und Strom reduziert wird.

Am besten soll man sich die Ausstellung über das Tablet anschauen können, das man am Eingang des Museums erhält. Man soll über das Tablet eine App aufrufen können, die für die Ausstellung maßgeschneidert wurde. Sie umfasst ergänzende Informationen zu allen mehr als 80 Arbeiten in der Ausstellung. Die Besucher finden, wenn sie den QR-Code, der mit einer bestimmten Arbeit verbunden ist, einscannen, Fotos, eine detaillierte Beschreibung des Projekts, die Biografie des Autors/der Autoren und ggf. ein Video. Darüber hinaus beinhaltet dies für einige Projekte ein interaktives 3D-Modell der Arbeiten in der Ausstellung.

3d-printed prosthetic hand, e-NABLE Community, 2014 – 2015
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der e-NABLE Community (eine weltweite Bewegung von Herstellern, Fachleuten und Enthusiasten) haben sich auf die Erstellung von 3D-gedruckten Prothesen für Kinder und Erwachsene spezialisiert, denen Hände oder Finger fehlen.

Patient-spezific 3D-printed acetabular implant, Dr. Rydholm, Skane University Hospital & Mobelife, 2012
Ein 15 Jahre altes Mädchen leidet an Neurofibromatose, eine angeborene Erkrankung, die ihr Becken zerstört und mit großen Schmerzen verbunden ist. Das Mädchen konnte nach zwei Jahren. nachdem sie ein patientenspezifisches, im 3D-Druckverfahren hergestelltes azetabuläres Implantat erhalten hatte, sogar ohne Krücken wieder zur Schule gehen.

Patienten-spezifische Anaplastologie, Vigo (CCE)
Der Anaplastologe Dr. Jan De Cubber setzte einem Patienten, nachdem diesem aufgrund eines bösartigen Tumors ein erheblicher Teil seines Gesichts entfernt werden musste, eine Patienten-spezifische im 3D-Druckverfahren hergestellte Prothese ein, die mit den Knochen verankert wurde. Anschließend erstellte er zur Veranschaulichung der Rekonstruktion dieses Silikon-Modell.

Brustimplantat, no further information available

„Hibbot“, Dirk Wenmakers, Ria Cuppers und Jos Seyler, Medical Robots, 2015
Beim „Hibbot“ handelt es sich um einen leichten Roboter, der das Becken von Kindern mit einer Zerebralparese oder anderen Handicaps steuert und deren Gang korrigiert. Kinder mit Behinderungen können sich mithilfe dieses Roboters besser bewegen. Dadurch haben die Kinder die Möglichkeit, besser mit beiden Händen interagieren zu können. Und das wiederum wirkt sich positiv auf ihr Sozialverhalten und ihre Psyche aus.

Resting-state blood flow correlation patterns, Erik Ziegler, Prevue Medical, 2012
Dieses farbige 3D-gedruckte Modell zeigt die sauerstoffangereicherte Durchblutung in Korrelation zur tatsächlichen Form des Gehirns auf. Gibt man die analytischen Daten in 3D wieder und versieht diese mit einem Farbcode, ist es möglich, die Gehirntätigkeiten zu visualisieren und so nachzuvollziehen.

„Human Motion“ von Peter Jansen, 2007
Dieses Werkstück fängt die Bewegung einer Läufers in Raum und Zeit ein. Das Objekt stammt auf der Modellage vieler Abläufe eines Körpers in Bewegung, die dann in einem komplexen Objekt miteinander kombiniert wurden. Das Objekt nur mittels des 3D-Druckverfahrens hergestellt werden.

Woolly Mammoth, Smithsonian X 3D/Digitilization Program Office, 2013
Smithsonian X 3D bringt die Sammlungen in den Museen ins Zuhause und in die Klassenzimmer, indem sie die innovative 3D-Technologie für einmalige Objekte verwendet. So haben die Online-Besucher die Möglichkeit, sich diese Exponate in 3D anzuschauen, herunterzuladen und dann bei sich zuhause auszudrucken.

„Sniburtat“ von Nick Erinck, 2011 – 2012
„Sniburtat“ versucht, inspiriert von der Sinnlichkeit der „Rubensfrau“, einen Dialog zwischen Alt und Neu zu erzeugen. Indem man die Positionen von Fleisch und Skelett innen und außen verschoben hat, zeigt es, wie die neuen Technologien eingesetzt werden können, um historische Kunst aufzufrischen oder neu zu erfinden.

Kuratorin Marta Malé-Alemany erläutert die 3D-Druckreproduktion des Gemäldes „Blumen in blauer Vase“ von Vincent van Gogh

3D reproduction of „Flowers in a blue vase“ (1997) by Vincent van Gogh, Delft University of Technology, 2013
Das 3D-Scanning und die moderne 3D-Farbdrucktechnik bringen die Bewahrung und Reproduktion von Kunst auf ein neues Level. Es ist in dieser 3D-Druckreproduktion des Gemäldes von Vincent van Gogh sogar möglich, die farbigen Pinselstriche in drei Dimensionen erkennen zu können.

„Making a Difference/A Difference in Making“ ist vom 27. September bis 30. Oktober 2016 im Red Dot Design Museum Essen zu sehen. Das Museum auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, an Feiertagen und während der Schulferien in Nordrhein-Westfalen auch am Montag. Es ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2016 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt.

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