Donnerstag, 8. September 2016

In Herne entsteht ein acht Meter hoher Tempelnachbau für die Vietnam-Ausstellung

„Schätze der Archäologie Vietnams“ ab 7. Oktober 2016 im LWL-Museum für Archäologie Herne

Wer durch den Eingang der kommenden Sonderausstellung schreiten wird, beginnt eine exotische Reise. „Schätze der Archäologie Vietnams“ zeigt ab dem 7. Oktober 2016 erstmals in Deutschland und in Europa Exponate aus allen Zeit-Epochen, aus der Archäologie, Geschichte und Kultur Vietnams. Mittelpunkt der Sonderausstellung im LWL-Museum für Archäologie in Herne ist ein acht Meter hoher und fünf Meter breiter begehbarer Tempel.

8 Meter hoch und 5 Meter breit ist Tempelnachbau, der im Maßstab 1:1 in der Ausstellungshalle für die Sonderausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“ entsteht. Foto: LWL/Burgemeister

Spezialfirmen setzen den Tempelnachbau möglichst realistisch um. Das Original ist der Po Klong Garai-Tempel der Cham-Kultur in Südvietnam, erbaut Ende des 13. Jahrhunderts auf einem mit Kakteen und Dornengestrüpp bewachsenen Hügel.

Kräftig gebaut wird auch im Inneren der Tempelkonstruktion. Foto: LWL/Burgemeister

Seit März haben die Fachleute an den Entwürfen für das Durchgangstor gearbeitet. Rund sieben Wochen hat es gedauert, bis mittels CAD-Technik und mit Wasserstrahlschnitt die einzelnen Elemente aus Leichtholzplatten entstanden. In München hat der Maler Waggi von Seidlein mit Dispersions-Wandfarbe die Illusion von Ziegeln und Spuren der Jahrhunderte auf die Oberfläche gebracht.

Maler Waggi von Seidlein vollbringt mit der Farbrolle kleine Wunder an der Tempelfassade. Foto: LWL/Burgemeister

Im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) richten sich nun 100 Quadratmeter bemalte Fläche und 800 Kilogramm Material zu einer Tempelfassade auf. Im Inneren trägt ein Stahlgerüst die Konstruktion, angefertigt von der RAG-Lehrlingswerkstatt. Insgesamt türmen sich gut 1,2 Tonnen Gewicht zu der Inszenierung auf.

Der Durchgang des Torbaus ist stark für den Einbau der letzten Einzelteile frequentiert. Foto: LWL/Burgemeister

Die Tempel dieser Kultur, von denen nur noch 20 bis 40 überwiegend als Ruinen erhalten sind, waren relativ gleichförmig angelegt. Durch den Eingangspavillon (gopura) erfolgte der Zutritt zum Heiligtum, das von einer Umfassungsmauer (antarmandala) umgeben war. Im Zentrum stand der meist nach Osten oder Westen ausgerichtete Haupttempel (kalan), der bis zu 25 Meter hoch sein konnte und die zentrale Kultfigur beherbergte. Weitere Elemente waren die Schatzkammer (kosagrha), in der die Kultgeräte und heiligen Schriften aufbewahrt waren, ein kleiner überdachter Schrein (posha) mit dem Stein der Gründungsinschrift und die große Versammlungshalle (mandapa) für die Opferzeremonien.

Die bedeutendste Tempelstätte der Cham ist My Son, das inmitten des Dschungels verborgene UNESCO-Weltkulturerbe. Hier wurden vom 4. bis ins 14. Jahrhundert hinein die hinduistischen Tempelanlagen errichtet, immer wieder erweitert und erneuert. Die ersten Heiligtümer waren Holz-Pagoden mit Statuen der hinduistischen Götter Schiva, Vishnu oder der Ahnen der Cham-Herrscher in ihrem Inneren. Ab dem 7. Jahrhundert bauten die Cham gewaltige Tempelanlagen aus Ziegelsteinen, die mit „Baumharzkleber“ fast fugenlos verbunden waren.

Reliefs und Skulpturen aus Sandstein machen die Anlage, die in ihrer größten Ausdehnung acht Tempelgruppen mit mehr als 70 Gebäudeteilen umfasste, zu einem Erlebnis – auch wenn nur noch 20 Prozent davon erhalten sind. Nach dem Zerfall des Champa-Reiches war die Anlage völlig in Vergessenheit geraten. Die französischen Kolonialherren entdeckten sie wieder, und Archäologen untersuchten unter Henri Parmentier die Tempelstätte. 2002 begannen Ausgrabungen, um die Bauten zu retten - darunter ehemals 24 Meter hohe Türme, die mit Löwen und Elefanten verziert waren.

Der Tempel Po Klong Garai in Vietnam ist das Vorbild für den Nachbau. Foto: LWL/Leenen

Die Sonderausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“ zeigt vom 7. Oktober 2016 bis 26. Februar 2017 im LWL-Museum für Archäologie in Herne Zepter aus Stein, Fabelwesen aus Terrakotta, Trommeln aus Bronze. Die Funde sind erstmals in Deutschland und Europa zu sehen. Sie stammen von historisch bedeutsamen Fundplätzen wie der Tempelstadt My Son im Dschungel Mittelvietnams und dem Kaiserpalast Thang Long in der Hauptstadt Hanoi, beides UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten. Die Ausstellung wagt erstmals in Deutschland einen umfassenden Blick auf dieses kulturell wie geschichtlich reiche Land, seine fernöstliche Lebenswelt zwischen dem Delta des Roten Flusses im Norden und dem Mekong im Süden.

Kein Land in Südostasien hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten so viele Ausgrabungen durchgeführt, so viele Museen gebaut wie Vietnam. Anhand der archäologischen Entdeckungen begibt der Besucher sich auf eine Reise durch mehr als zehn Jahrtausende Kulturgeschichte Vietnams von der Steinzeit bis zur Gegenwart.

Aus acht Museen des Landes hat die Sonderausstellung archäologische Kostbarkeiten zusammengeführt: älteste Steinzeitfunde, Beispiele exzellenten Bronzehandwerks und Goldobjekte. Sie stammen aus bizarren Höhlen-Landschaften, aus Gräbern versteckt im Dschungel, aus Siedlungen in Flusstälern und Hochebenen.

Die Ausstellung wird vom LWL-Museum für Archäologie Herne, vom Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz und den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim in enger Zusammenarbeit mit der Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) entwickelt.

Weitere Informationen unter www.vietnam-ausstellung.de.

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