Donnerstag, 1. September 2016

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“

Fotografien von Gerd Lübbering und Thomas Pflaum auf Zeche Nachtigall

Zeche Nachtigal, Werkstattgebäude

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“ heißt die Ausstellung mit Fotos von Gerd Lübbering und Thomas Pflaum, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe ab Samstag, 3. September 2016 bis 1. Oktober 2017 in seinem Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten präsentiert. 39 Bilder aus den Jahren 1970 bis 1977 sind im Werkstattgebäude des Wittener Bergwerks ausgestellt. Das LVR-Industriemuseum präsentierte Gerd Lübberings und Thomas Pflaums Fotografien bereits vom 16. Oktober 2014 bis 21. Dezember 2014 in der Zinkfabrik Altenberg, in Witten sind nun erstmals auch sieben Fotos von Dampflokomotiven auf Zechenanlagen zu sehen, wodurch der lokale Bezug zum Bergbau mehr als augenfällig ist.

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“, Blick in die Ausstellung

Als ein Symbol der industriellen Revolution gingen Dampflokomotiven in die Geschichte ein. Über 140 Jahre lang zogen die majestätischen Schienenfahrzeuge Güterzüge oder beförderten Passagiere an ihr Reiseziel. Noch 1970, zur Zeit der Hochkonjunktur, unterhielt die Deutsche Bundesbahn (DB) über 1.600 Dampflokomotiven. Bereits sieben Jahre später endete die Ära der rauchenden Zugmaschinen bei der DB.

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“, Blick in die Ausstellung. Links 0044 443-0, Ausfahrt Hof, Oberfranken, 1972, rechts Kreuzkopf, 001 133-8, Trier Hbf, 1971

Bis heute übt die Welt der Dampfgiganten mit ihren unverwechselbaren Klängen, Gerüchen und Betriebsabläufen eine besondere Faszination aus. Eine Anziehungskraft, die auch Gerd Lübbering und Thomas Pflaum bereits in früher Jugend in ihren Bann zog. Zwischen 1968 und 1977 gingen die beiden Schulfreunde mit ihren Kleinbildkameras – Contaflex, Leicaflex und Nikon – auf Reisen zu den letzten Dampflokomotiven Deutschlands und Österreichs.

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“, 0044 443-0, Ausfahrt Hof, Oberfranken, 1972. Foto Gerd Lübbering

Ähnlich der Dampftechnik erscheint auch das Fotografieren damals wie eine „versunkene Welt“. „Filmtransport per Handaufzug, Autofocus unbekannt. Mit Teleobjektiven mussten wir uns vor dem Heranrollen des Zuges ein Bild über die optimale Position zum Fotografieren machen. Eine Korrekturmöglichkeit gab es nicht. Im heimischen Badezimmer, vollständig verdunkelt, wurden die Filme entwickelt und die Negative anschließend im Heizungskeller vergrößert“, so die Fotografen.

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“, 03 131, Ausfahrt Bahnhof Laupheim-West, Oberschwaben, 1972. Foto Thomas Pflaum

Mehrere Tausend Schwarz-Weiß-Negative entstanden in dieser Zeit. Vier Jahrzehnte schlummerten diese fotografischen Schätze in Kisten, bevor sie von Gerd Lübbering und Thomas Pflaum wiederentdeckt und digitalisiert wurden. Mit modernen Bildbearbeitungsmethoden entlockten sie den historischen Aufnahmen zudem bis dahin verborgene Details.

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“, 038 711-8 (preußische P 8), Bahnbetriebswerk Freudenstadt, Schwarzwald, 1972. Foto Thomas Pflaum

Mit der jetzt gezeigten Auswahl wollen die Fotografen das „typisch Andersartige und atmosphärisch Einmalige des Dampfzeitalters“ in Erinnerung rufen. So führen die Bilder von Gerd Lübbering und Thomas Pflaum zurück in eine längst vergangene Ära: Lokomotiven vor dunstverhangenen Zechen, im Bahnbetriebswerk auf ihren nächsten Einsatz wartend, bei der Einfahrt in rußgeschwärzte Bahnhöfe oder mit mächtigem Dampfschweif auf freier Strecke. Aber auch dem Lokpersonal und seiner alltäglichen Arbeit, die körperliche Höchstleistungen erforderte, setzen die fotografischen Arbeiten ein Denkmal. Den Zechenbahnen ist in der Ausstellung ein eigener Bereich gewidmet. Es ist schon erstaunlich, was damals alles möglich war. Heute würde der Werkschutz das Betreten von Firmengelände konsequent verhindern, die Deutsche Bahn verbietet sogar die Nutzung von Stativen für Fotogafien von Zügen auf ihren Bahnsteigen. Da ist es kein Wunder, dass man schnell zu dem Schluss kommt, dass früher eben doch alles besser war.

„Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“, 064 438-5, Bahnbetriebswerk Heilbronn, 1971. Foto Gerd Lübbering


Die Fotografen

Gerd Lübbering (* 1955 in Bad Honnef) studierte Jura im In- und Ausland. Nach Tätigkeiten in Bundesverbänden und der Personalzentrale in einem DAX-Unternehmen arbeitet er heute als selbständiger Rechtsanwalt. Bereits mit 13 Jahren entdeckte Gerd Lübbering die Liebe zur Fotografie, seither ist seine Begeisterung für die Arbeit mit der Kamera ungebrochen. Gerd Lübbering lebt in Bad Honnef.

Thomas Pflaum (* 1956 in Braunschweig) studierte nach einem Semester Bauingenieurwesen Visuelle Kommunikation in Dortmund und Bielefeld. Seit Anfang der 1980er-Jahre arbeitet er als freischaffender Fotograf. Zu Thomas Pflaums Auftraggebern zählen namhafte Magazine wie „Geo“, „Focus“ oder „Bild der Wissenschaft“. Für seine Technik- und Wissenschaftsbilder erhielt er mehrere Auszeichnungen. Thomas Pflaum lebt in Castrop-Rauxel.

Museumsleiter Michael Peters, Gerd Lübbering, Thomas Pflaum und Nancy Schumacher, wissenschaftliche Volontärin der Zeche Nachtigall, mit dem Bildband „Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten. Fotografien 1970 – 1977“

Die Fotos von Gerd Lübbering und Thomas Pflaum sind 2012 als Bildband im Lehmstedt Verlag erschienen. Er ist im Museumsshop und unter www.dampfzeit-buch.de erhältlich: „Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten. Fotografien 1970 – 1977“. 144 Seiten mit 80 großformatigen Duotone-Abbildungen, 24 × 30 cm, ISBN 978-3-942473-42-2, 9,95 Euro.

Die Ausstellung „Dampfzeit – Als die Loks noch rauchten“ ist vom 3. September 2016 bis 1. Oktober 2017 im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2016 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt ins Museum ohne Besucherbergwerk. Gilt nicht bei Veranstaltungen mit Sondereintritt.

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