Mittwoch, 24. August 2016

„Arbeitskämpfe“ – Fotografien von Michael Kerstgens

Sonderausstellung im LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg

„Arbeitskämpfe“ – Fotografien von Michael Kerstgens

Das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg zeigt vom 25. August bis 18. Dezember 2016 auf der Galerie Fotografien von Micheal Kerstgens. Sie zeigen den Arbeitskampf der britischen Bergarbeiter von 1984/85, den Michael Kerstgens als junger Student von innen heraus miterlebt hat. Dieser Dokumentation werden Bilder von Arbeitskämpfen im Ruhrgebiet, insbesondere dem Kampf um den Erhalt des Hüttenwerks Rheinhausen 1987/88, gegenüber gestellt. Gezeigt werden etwa 60 seiner Fotografien.

„Cole not Dole“ – Britischer Bergarbeiterstreik 1984/85

Im März 1984 begann der britische Bergarbeiterstreik (Miners’ Strike), der fast genau ein Jahr dauern sollte. Als der Bergarbeiterstreik in Großbritannien auf seinem Höhepunkt ankam, beschloss Michael Kerstgens, damals noch Student der Fotografie, den Streik zu fotografieren, was ihm in Wales jedoch nicht gelang.

Streikende Bergarbeiter, insgesamt wurden während des Streikjahres 9000 verletzt. Yorkshire, 1985. Foto: Michael Kerstgens

Michael Kerstgens beschloss, in das Zentrum des Streiks im nordenglischen Yorkshire zu fahren. Dort bekam er Kontakt zu den Aktivisten Marsha und Stuart „Spud“ Marshall, die ihn in ihre Familie einluden. Der Kontakt zu den Marshalls änderte alles, jetzt war er mitten im Geschehen. Er erhielt die Möglichkeit, das Streikgeschehen und die Folgen jenseits der Demonstrationen dirket mit der Kamera zu begleiten. Michael Kerstgens fotografierte Suppenküchen, Versammlungen hinter verschlossenen Türen und Familien im privaten Kreis, sowie die Auseinandersetzungen mit der Polizei.

„Poundland“ South Yorkshire – 30 Jahre danach

Michael Kerstgens Fotos berühren, sie machen betroffen, gerade weil er Menschen in ihrem privaten Umfeld fotografiert hat. Der Betrachter wird in die Welt der Streikenden hineingezogen. Michael Kerstgens Verbundenheit und Vertrautheit zu den Arbeitern ist spürbar. Er selbst bezeichnet diese Bilder als „die mit zu meinen wichtigsten Fotografien gehören und die mir den Weg in die professionelle Fotografie ebneten“.

„Aufruhrgebiet“ Rheinhausen 1987/88

Die zweite große Serie der Fotografien zeigt Bilder des Kampfes um das Stahlwerk Rheinhausen. Am 26. November 1987 wurde bekannt, dass die Krupp-Stahl AG die Werksschließung des Stahlwerks Rheinhausen plnate. Über 6.000 Arbeitsplätze waren gefährdet. Es begann ein langer Arbeitskampf mit zahlreichen z. T. spektakulären Aktionen um den Erhlat des 1897 gegründeten Stahl- und Hüttenwerks. Auch hier endete der Streik mit der Schließung des Hüttenwerks, aber auch mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Stahlarbeiter auf dem Gelände der Krupp-Stahl AG in Rheinhausen während des Streiks. Duisburg-Rheinhausen, Dezember 1987. Foto: Michael Kerstgens

Auch hier war Michael Kerstgens ein genauer Beobachter des Streiks mit viel Empathie für die Betroffenen. Er fängt Stimmungen wie die Wut und die Trauer der Streikenden ein, konzentriert sich aber auch auf das Streikgeschehen selbst. Er lichtet die Betroffenen bei ihren Aktionen ab. Mit seinen s/w Fotos bewahrt Michael Kerstgens die Erinnerung an die Ereignisse, aber vor allem an die betroffenen Menschen.

Auf dem Rhein grüßen streikende Stahlarbeiter einen Binnenfrachter, der sie mit der Sirene gegrüßt hat. Duisburg-Rheinhausen, 14. Dezember 1987. Foto: Michael Kerstgens

Darüber hinaus dokumentieren einige Fotos die Arbeitskämpfe bei Krupp-Hoesch in Hagen im Jahr 1993.

„Die letzte Schicht“ Krupp-Hoesch, Hagen 1993

Michael Kerstgens wurde 1960 in Llanelli (South Wales, Großbritannien) geboren und wuchs ab 1965 in Mülheim an der Ruhr auf. Er studierte Fotografie an der Folkwang-Hochschule in Essen und arbeitet seit 1985 freiberuflich als Dokumentar-Fotograf. Seit 2007 lehrt es als Professor für Dokumentar-Fotografie am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt. 2014 wurde Michael Kerstgens mit dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr ausgezeichnet. Seit 2009 lebt er mit seiner Frau und den drei Kindern in Oberhausen.

Michael Kerstgens

Das LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Sonderausstellung „Arbeitskämpfe“ ist im Ticket für die Dauerausstellung „Schwerindustrie“ (5 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt) enthalten. Das LVR-Industrie­museum Zinkfabrik Altenberg ist „Eintritt frei“-Partner der RUHR.TOPCARD 2016 und bietet den Inhabern der Erlebniskarte für das Ruhrgebiet einmalig freien Eintritt in die Dauerausstellung.

Zum Thema „Arbeitskämpfe“ sind zwei Bücher mit Fotografien von Michael Kerstgens bei Peperoni Books, Berlin erschienen: „Coal not Dole: The Miners’ Strike 1984/1985“ (2014, 132 Seiten, 57 Tritone- und 14 Farbabbildungen, ISBN 978-3-941825-61-1) und „Aufruhrgebiet“ (2016, 160 Seiten, ISBN 978-3-941249-02-8) mit Texten von Theo Steegmann und Christoph Fasel und einer Einführung von Stefan Berger. „Arbeitskämpfe“ für das heimische Bücherregal.

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