Samstag, 6. August 2016

25. Tour de Ruhr 2016 der ISOR – Initiative Solarmobil Ruhrgebiet e. V.

Was lange währt…

Zinkfabrik Altenberg

Am Samstag, 6. August 2016 sollte die Tour de Ruhr der Solar- und Elektrofahrzeuge, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, auf dem Weg von Witten nach Duisburg von 12 bis 13.30 Uhr bei der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen einen Ladehalt einlegen und den Fahrerinnen und Fahrern die Möglichkeit gegeben werden, die Ausstellung „Aufgeladen! Elektromobilität zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ daselbst zu besuchen. Die Tour de Ruhr wird seit 1992 von der der ISOR – Initiative Solarmobil Ruhrgebiet e. V. als Rallye für Solar- und Elektrofahrzeuge mit dem Zweck durchgeführt, die Elektroautos in der Öffentlichkeit zu zeigen und ihre Alltagstauglichkeit zu demonstrieren. Doch was hilft ein Plan, ist er auch noch so schlau…

Opel Ampera

Es sollte noch geschlagene 90 Minuten dauern, bis die ersten Fahrer aus Witten kommend bei der Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen eintrafen. Die ersten Besucher und der Fotograf einer lokalen Tageszeitung hatten längst die Segel gestrichen, da wäre die Eisenbahn womöglich pünktlicher gewesen…

Tesla Model S

Nun könnte man meinen, was lange währt, wird endlich gut. Doch weit gefehlt: Von den angekündigten „ca. 30 Elektromobilen und einige Solarfahrzeugen“ schlugen zwischen 13.30 und 15 Uhr gerade einmal neun Elektrofahrzeuge an der Zinkfabrik Altenberg auf. Die restlichen Fahrerinnen und Fahrer waren ohne Ladehalt direkt nach Duisburg durchgefahren, um dort dem Vernehmen nach an einer Hafenrundfahrt teilzunehmen.

Seifenkiste mit elektrischem Antrieb vom LVR-Industriemuseum und CityEL, Baujahr 1991

Nun zeigte sich zumindet, dass Elektromobilität den Fahrern auch heute noch Erfindungsreichtum und Improvisationstalent abverlangt: Um die Fahrzeuge mit Strom zu versorgen, wurden allerlei Bastellösungen und Adapter hervorgekramt, schließlich verfügt die Zinkfabrik Altenberg nicht über eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge, und die Ladekabel der Elektrofahrzeuge werden typischerweise nicht einfach mit Steckern nach IEC 60309 mit dem Stromnetz verbunden. Doch das schien niemanden vor ernsthafte Probleme zu stellen, so dass jeder seine Auflademöglichkeit bekam.

CityEL

Citroën C-ZERO

Citroën C-ZERO: „Er tut den Stecker rein und alle Knöpfe auf zehn. Dann kann die tierische Post abgeh’n.“

TWIKE

Hotzenblitz „Buggy“

Seifenkiste mit elektrischem Antrieb vom LVR-Industriemuseum

BMW i3

BMW i3

Gegen 16.30 Uhr trafen schließlich die ersten Fahrer aus Duisburg kommend bei der Zinkfabrik Altenberg ein, und die ersten Fahrer der vorherigen Gruppe machten sich auf den Weg zur Ökologiestation in Bergkamen, wo sie gemeinsam den Abend verbringen wollten.

CityEL, Baujahr 1991

Hotzenblitz „Buggy“

Think City

Peugeot iOn

Hotzenblitz „City“

Tesla Model S

SolarWorld GT der Hochschule Bochum

Bei der zweiten Gruppe waren auch zwei von der Hochschule Bochum gebaute Solarfahrzeuge dabei, der SolarWorld GT und der ThyssenKrupp SunRiser. Der SolarWorld GT ist 2011 bei der Bridgestone World Solar Challenge von Darwin im Norden Australiens nach Adelaide im Süden des Kontinents mitgefahren, hat dort den 26. Platz erreicht und wurde von der Jury mit dem Design Award ausgezeichnet. Zwischen Oktober 2011 und Dezember 2012 wurden mit dem Fahrzeug auf einer solarautarken Weltumrundung 29.753 Kilometer zurückgelegt. Bei der European Solar Challenge 2014 in Zolder (Belgien) erreichte der SolarWorld GT den zweiten Platz. Der ThyssenKrupp SunRiser ist 2015 bei der Bridgestone World Solar Challenge mitgefahren, hat dort den dritten Platz erreicht und wurde von der Jury für seine Praktikabilität ausgezeichnet. Das dritte Solarfahrzeug der Hochschule Bochum, der ThyssenKrupp PowerCore SunCruiser ist augenblicklich in der Ausstellung „Aufgeladen! Elektromobilität zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ zu sehen.

SolarWorld GT der Hochschule Bochum

SolarWorld GT der Hochschule Bochum

Peugeot iOn

Renault ZOE

Nissan Leaf

Nissan e-NV200

Die letzten Fahrer trafen schließlich erst kurz vor 18 Uhr an der Zinkfabrik Altenberg ein, und da das LVR-Industriemuseum um 18 Uhr schließt, gab es für diese weder Strom zum Aufladen der Fahrzeuge, noch die Möglichkeit, die Ausstellung zur Elektromobilität zu besuchen.

ThyssenKrupp SunRiser der Hochschule Bochum

ThyssenKrupp SunRiser der Hochschule Bochum

ThyssenKrupp SunRiser der Hochschule Bochum

Meine persönliche Meinung: Augenblicklich sind es insgesamt vier Probleme, die einem breiten Zuspruch zu Elektroautos im Wege stehen: lange Ladezeiten, geringe Reichweite, eine fehlende Lade­infra­struktur und schließlich der konkurrenzlos hohe Kaufpreis. Die Frage, ob sich Elektroautos durch Fortschritte in der Batterie- und Ladetechnik auch für längere Fahrten alltagstauglich machen lassen, ist von zentraler Bedeutung. Da die Traktionsbatterien das mit Abstand teuerste Bauteil des Elektroautos darstellen, gab es bereits entsprechend ehrgeizige Pläne, großformatige Lithium-Ionen-Batteriezellen für automobile Anwendungen in Deutschland zu bauen und China damit Konkurrenz zu machen: Die Li-Tec Battery GmbH in Kamenz, Sachsen, anfänglich ein Gemeinschafts­unter­nehmen der Evonik Industries AG und der Daimler AG, stellte zum Jahresende 2015 die Batteriezellenfertigung aus wirtschaftlichen Gründen ein, das Produkt wurde nicht in ausreichend großer Stückzahl nachgefragt. Der Preis für einen „nackten“ BMW i3 – um ein Beispiel aus den auch bei der 25. Tour de Ruhr 2016 vertretenen Fahrzeugen herauszugreifen – mit 94-Ah-Speicherakku, für den BMW eine realistische Reichweite von bis zu 200 km unter Alltagsbedingungen angibt, beläuft sich lt. aktueller Preisliste auf 36.150 Euro. Zieht man hiervon die Förderung von 4.000 Euro ab, so liegt man immer noch bei einem Anschaffungspreis von deutlich über 30.000 Euro für einen Kleinwagen. Verständlich, dass unter diesen Randbedingungen im Augenblick nur Idealisten bei der Anschaffung zu einem Elektroauto greifen.

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