Freitag, 22. Juli 2016

Vorschau: „Junges Licht“ bei den FilmSchauPlätzen NRW 2016

Das Beste kommt zum Schluss

Zum Abschluss der Sommerferien in NRW zeigt die Film- und Medienstiftung NRW in Kooperation mit dem LWL-Industrie­museum Zeche Nachtigall in Witten im Rahmen der FilmSchauPlätze NRW am 23. August 2016 den Spielfilm „Junges Licht“ mit Oscar Brose (Julian Collien), Charly Hübner (Walter „Waller“ Collien), Lina Beckmann (Liesel Collien), Peter Lohmeyer (Konrad Gorny), Stephan Kampwirth (Herbert Lippek), Caroline Peters (Frau Morian), Greta Sophie Schmidt (Marusha), Nina Petri (Edeltraud Gorny) und Ludger Pistor (Pfarrer Stürwald) (2016, Regie Adolf Winkelmann), eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ralf Rothmann (Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2004) über den Zustand des Ruhrgebiets in den 1960er-Jahren aus Sicht des 12-jährigen Arbeitersohns Julian Collien. Der Film wurde erst im Mai diesen Jahres erstmals in den deutschen Lichtspielhäusern gezeigt.

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall, Eingang zum Besucherbergwerk Nachtigallstollen

Zum Inhalt:
Der 12-jährige Arbeitersohn Julian Collien (Oscar Brose) wächst im Bergarbeitermilieu der 1960er-Jahre in Dortmund auf. Julians Vater Walter, genannt Waller (Charly Hübner), sorgt in kräftezehrender Nachtschicht für den Lebens­unter­halt der Familie, Mutter Liesel (Lina Beckmann) erledigt die typischen Arbeiten einer Hausfrau und kümmert sich um ihr jüngstes Kind, die kleine Sophie (Magdalena Matz). Im Umgang mit Julian wirkt Liesel überfordert, regelmäßig schlägt sie ihn mit dem Kochlöffel und demütigt ihn. Der Vermieter, Konrad Gorny (Peter Lohmeyer), zeigt pädophile Züge und stellt den Jungen in der Siedlung nach. Nach einem Nervenzusammenbruch der an ihren rollenspezifischen Aufgaben verzweifelnden Mutter Liesel wird ihr nach einer ärztlichen Untersuchung strikte Ruhe verordnet. Zusammen mit Töchterchen Sophie verbringt sie daher die Sommerferien bei der Großmutter am Meer, während Julian bei seinem Vater bleibt. An einem Sonntag besuchen Julian, Waller und Marusha (Greta Sophie Schmidt), die 15-jährige Stieftochter Konrad Gornys, Zechenkumpel Herbert Lippek (Stephan Kampwirth), der angeblich an einem Diamantenraub beteiligt war und damit das besondere Interesse Julians und vor allem Marushas weckt. Trotz Wallers Hinweis, der noch minderjährigen Marusha keinen Alkohol einzuschenken, gießt Lippek ihr während des Besuchs weiter Schnaps nach. Marusha genießt diese scheinbare Freiheit der Erwachsenen und provoziert mit ihrem Auftreten beide Männer, was Lippek sichtlich erregt. Wieder zu Hause angekommen, bedankt sich Marusha für den schönen Ausflug und verspricht, sich später bei Waller zu revanchieren.

Film-Still „Junges Licht“, Oscar Brose (Julian Collien). Foto: David Slama/Winkelmann Produktion

Als dieser sich bald darauf vor verschlossener Haustür findet, öffnet ihm Marusha ihre Zimmertür. Nach dem Beischlaf steigt Waller halbnackt aus Marushas Fenster und wird dabei von Julian und Konrad Gorny beobachtet. Julian ist verstört, Konrad Gorny über alle Maßen empört und kündigt der Familie Collien die Wohnung zum Monatsende. Als Mutter und Tochter aus dem Urlaub zurückkommen, scheint Liesels Verzweiflung noch größer zu sein als vor der Abreise. Nach einer Konfrontation mit Marusha auf dem Balkon will Liesel beim Frühstück ihren Frust wieder an Julian auslassen und droht mit dem Kochlöffel, doch er kann sie entschlossen davon abhalten. Anschließend packt er einige persönliche Gegenstände und etwas Proviant zusammen und verlässt die Wohnung. Zunächst eilt er zu Pfarrer Stürwald (Ludger Pistor) in die Kirche, um zu beichten. Doch dieser bewertet Julians Sünden als alterstypisch und harmlos. Julians Wunsch, für jemand anderen zu beichten, schlägt Pfarrer Stürwald energisch mit dem Hinweis ab, Julian könne unmöglich für jemand anderen bereuen. Später hört Julian ein Alarmsignal von der naheliegenden Zeche. Sofort rennt er besorgt dorthin, um nach seinem Vater Ausschau zu halten. Dieser hat gerade seine Schicht beendet, entdeckt Julian am Fabrikzaun und erklärt ihm, dass es im Bergwerk einen Zwischenfall gegeben hat, bei dem aber niemand verletzt wurde. Waller erfährt, dass Julian weglaufen will. Resigniert stellt er fest: „Abhauen gibt´s nicht, wäre schön, aber gibt´s nicht“.

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall, Einschienenhängebahn im Dünkelbergstollen

Als Filmkulissen dienten die Zeche Auguste Victoria in Marl, die Zeche Hannover in Bochum, das Bergwerk Ibbenbüren in Ibbenbüren, die Zeche Nachtigall in Witten-Bommern, sowie die Zechen Graf Wittekind und Zollern II in Dortmund. Weitere Drehorte waren die Straße Am Remberg in Dortmund-Hörde, das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop sowie die Magic Media Company (MMC) Studios in Köln. Ab 19 Uhr werden Kurzführungen zum Original-Drehort im Besucherbergwerk des LWL-Industriemuseums Zeche Nachtigall angeboten. Außerdem findet vor Filmbeginn ein Filmgespräch mit Filmemacher Adolf Winkelmann (u. a. „Contergan“, „Jede Menge Kohle“, „Die Abfahrer“) statt. Bis dahin gibt es im Rahmen der FilmSchauPlätze NRW noch 14 Filme in Recklinghausen, Reken, Aachen-Horbach, Roetgen-Rott, Eupen (Belgien), Oberhausen, Wulfen-Barkenberg, Bottrop, Bocholt, Porta Westfalica-Kleinenbremen, Legden, Senden, Selm und Lüdinghausen zu sehen. Eine Übersicht gibt es beispielsweise hier.

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall, Besucherstollen Nachtigall

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