Samstag, 2. Juli 2016

„Ich will keine Schokolade“

Bürgerpicknick auf dem Ickerner Marktplatz

Ich muss gestehen, dass ich in diese Veranstaltung des Vereins Mein Ickern e. V. eher zufällig hineingeraten bin, die früher recht guten Kontakte zum Westfälischen Landestheater (WLT) sind mit dem Ausscheiden von Frau B. völlig abgerissen und das WLT ist damit aus der Berichterstattung an dieser Stelle herausgefallen. Wie heißt es so schön, „neue Besen kehren gut… aber die alten wissen, wie man in die Ecken kommt.“ Egal… der Abend in Ickern ließ sich jedenfalls gut mit dem vorherigen Besuch des LWL-Industriemuseums Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop verbinden. Der Verein Mein Ickern e. V. veranstaltete am Freitagabend (1. Juli) auf dem Ickerner Marktplatz „umsonst und draußen“ ein Bürgerpicknick, zu dem das Westfälische Landestheater den musikalischen Rahmen lieferte, oder so ähnlich. Diverse Sponsoren hatten Geld locker gemacht, damit die Sause überhaupt steigen konnte, na klar, wer schaut für seine Arbeit schon gern durch die Finger!? Doch irgendjemand wollte noch mehr, das kennt man von Audrey II, daher hatte man Oscar seine Tonne weggenommen, die hätte man womöglich gern voller Geld gehabt. Ein Hut wäre vielleicht wirklich voll geworden, aber Oscars Tonne? No way! Wer sich die ganze Zeit fragt, wo um alles in der Welt denn Ickern liegt, Ickern ist der größte und einwohnerstärkste Stadtteil von Castrop-Rauxel.

Bürgerpicknick auf dem Ickerner Marktplatz

Unter den Besuchern des Bürgerpicknicks gab es offensichtlich routinierte Profis, da wurde mit Bollerwagen das halbe Garten-Mobiliar herangeschafft und entsprechend aufgetischt. Lediglich mit einem Klappstuhl ausgerüstet kam man sich unter den Profis beinahe ein wenig verloren vor.

Der verzauberte Jazz-Pianist

Das WLT steuerte mit Samira Hempel, Stefanie Kirsten, Vera Marhold und Thomas Zimmer sein Programm „Ich will keine Schokolade“ unter der Musikalischen Leitung von Tankred Schleinschock bei, im wesentlichen eine Schlagersause, wo die meisten Besucher mehr oder minder gut mitsingen konnten. Was den richtigen Text anbelangt, da sorgte Tankred Schleinschock mit seinen Episoden aus Axel Hackes Büchern über lustige/absurde „Verhörer“ zwischen den Schlagern für kurzweilige Unterhaltung. Wäre ich gemein, so schriebe ich nun, dass das Beste am Abend das Wetter gewesen sei, denn rechtzeitig zum Abend hatten sich die Regenwolken verzogen und es kam sogar noch die Sonne zum Vorschein… Aber am Ende dürfte es das Gesamtpaket aus gutem Wetter, guter Stimmung und guter Unterhaltung gewesen sein, das an diesem Abend für zufriedene Gesichter auf dem Ickerner Marktplatz sorgte.

Bürgerpicknick auf dem Ickerner Marktplatz

Die Zusammenstellung des Programms „Ich will keine Schokolade“, welches das WLT seit 28. April 2015 als „Dinner Theater“ in seinem Angebot hat, scheint wohl von Auftritt zu Auftritt ein wenig zu variieren, denn Tankred Schleinschock nannte bei seiner Aufzählung der Original-Interpreten der Songs die französische Sängerin France Gall viel häufiger, als es dann tatsächlich Songs von ihr zu hören gab. Seine Aufzählung sollte wohl an die im letzten Jahrhundert recht beliebte ZDF-Hitparade erinnern, doch vom Sprechtempo des ersten Moderators der Musiksendung, Dieter Thomas Heck war er noch „Lichtjahre“ entfernt. Dafür kam aber die Musik zu etlichen Songs – wie bei der ZDF-Hitparade – tatsächlich aus der Konserve. Mag vielleicht bei einer „umsonst und draußen“-Veranstaltung nicht verwundern, fällt aber dem auf Live-Entertainment bedachten Theatergänger dann doch auf. Knapp drei Stunden und 36 Schlager später gelüstete es dem Publikum nach bereits zwei Zugaben noch nach mehr, doch wie war das mit Oscars voller Tonne, no way.

Oscars Tonne und der verzauberte Jazz-Pianist

Wer noch ein wenig in Erinnerungen schwelgen mag, die nachfolgenden Notizen fanden sich am Ende auf meinem Notizzettel:
  • Samira Hempel, „Ein Schiff wird kommen“ (Lale Andersen)
  • Stefanie Kirsten, „Guten Morgen Sonnenschein“ (Nana Mouskouri)
  • Vera Marhold, „Ich will keine Schokolade“ (Trude Herr)
  • Stefanie Kirsten, „Der Computer Nr. 3“ (France Gall)
  • Samira Hempel, „Ein bißchen Goethe, ein bißchen Bonaparte“ (France Gall)
  • Vera Marhold, „Schöner fremder Mann“ (Connie Francis)
  • Samira Hempel, „Ich will ’nen Cowboy als Mann“ (Gitte Hænning)
  • Thomas Zimmer, „Ham’ se nich’ ’ne Braut für mich“ (Bully Buhlan)
  • Stefanie Kirsten, „Willst du mit mir geh’n“ (Daliah Lavi)
  • Thomas Zimmer, „Und es war Sommer“ (Peter Maffay)
  • Stefanie Kirsten, „Nichts haut mich um – aber du“ (Daliah Lavi)
  • Vera Marhold, „Ich liebe das Leben“ (Vicky Leandros)
  • Samira Hempel, „Die Frau, die dich liebt“ (Gitte Hænning)
  • Stefanie Kirsten, Vera Marhold, „Im Wagen vor mir“ (Henry Valentino)
  • Thomas Zimmer, Samira Hempel, „Das ganz große Glück im Zug nach Osnabrück“ (Cliff & Rexonah)
  • Vera Maraold, „Wunder gibt es immer wieder“ (Katja Ebstein)
  • Vera Marhold, Ensemble, „Downtown“ (Petula Clark)
  • Thomas Zimmer, „Souvenirs Souvenirs“ (Bill Ramsey)
  • Stefanie Kirsten, „Aber bitte mit Sahne“ (Udo Jürgens)
  • Thomas Zimmer, „Ein ehrenwertes Haus“ (Udo Jürgens)
  • Stefanie Kirsten, „Ich war noch niemals in New York“ (Udo Jürgens)
  • Vera Marhold, „Merci Chérie“ (Udo Jürgens)
  • Samira Hempel, „Hohe Berge“ (Fräulein Menke)
  • Vera Marhold, „Ein Student aus Uppsala“ (Kirsti Sparboe)
  • Stefanie Kirsten, „Moskau“ (Dschinghis Khan)
  • Tankred Schleinschock, „Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“ (Bill Ramsey)
  • Thomas Zimmer, „Santa Maria“ (Roland Kaiser)
  • Vera Marhold, „Schuld war nur der Bossa Nova“ (Manuela)
  • Stefanie Kirsten, „Kriminal-Tango“ (Hazy Osterwald-Sextett)
  • Vera Marhold, „Egon“ (Friedel Hensch und die Cyprys)
  • Samira Hempel, „Liebeskummer lohnt sich nicht“ (Siw Malmquist)
  • Vera Marhold, „Er gehört zu mir“ (Marianne Rosenberg)
  • Samira Hempel, „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“ (Juliane Werding)
  • Thomas Zimmer, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ (Drafi Deutscher)
  • Samira Hempel, „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“ (Dorthe Kollo)
  • Stefanie Kirsten, „Wir wollen niemals auseinander geh’n“ (Heidi Brühl)
Ach ja, um noch wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern, der verzauberte Jazz-Pianist sieht eher aus wie Kermit, der Frosch, da der klügeren der beiden Schwestern, die ihn gefunden haben, sofort klar war, dass man mit einem sprechenden Frosch viel mehr Geld verdienen kann als mit einem Jazz-Pianisten, weshalb sie den Frosch in ihre Tasche gesteckt hat, bevor ihn ihre beeindruckend schöne Schwester küssen konnte. So, nun isses endlich raus…

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