Donnerstag, 28. Juli 2016

FilmSchauPlätze NRW 2016: Recklinghausen

„Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ am Stadthafen

Es geht schon wieder rund: „Sky-Lounge-Wheel“ auf dem Cranger Kirmesplatz

Nach „Buena Vista Social Club“ von Wim Wenders (1999) im vergangenen Jahr und „The Beach“ von Danny Boyle (2000) im Original mit deutschen Untertiteln im Kulturhauptstadtjahr 2010 fanden die FilmSchauPlätze NRW dieses Jahr meines Wissens zum dritten Mal am Stadthafen in Recklinghausen statt. An dieser Stelle zu erklären, was die FilmSchauPlätze NRW sind und wie diese Veranstaltungreihe funktioniert, wäre womöglich ebenso langweilig wie einfach nur zum Stadthafen Recklinghausen zu fahren und sich dort „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ anzuschauen. Ersteres ist bereits in ’zig Blogeinträgen nachzulesen, und auf dem Weg zum Stadthafen stolpert man ja augenblicklich beinahe über die Aufbauarbeiten zur Cranger Kirmes, bei der es ab 5. August 2016 wieder rund geht, da kann man auch einmal einen Blick riskieren.

Schloss Strünkede

Den nächsten Blick kann man sicherlich am Wasserschloss Strünkede in Herne-Baukau riskieren, auch wenn das dort ansässige Emschertal-Museum bereits um 17 Uhr schließt und man daher das Gebäude nur von außen in Augenschein nehmen konnte, ebenso wie die Schlosskapelle, angeblich Hernes ältestes Bauwerk.

Schloss Strünkede, Wappen und Inschrift über dem Rundbogenportal

Schloss Strünkede, Schlosskapelle

Schollbrockhaus

Umspannwerk Recklinghausen, 110-kV-Trafos

Jedem dürfte die Fassade des Umspannwerks Recklinghausen mit dem markanten Schriftzug „VEW Umspannwerk Recklinghausen“ an der Bochumer Straße bekannt sein, in dem sich heute das Museum Strom und Leben befindet. Die beiden Transformatoren, die die Hochspannung von 110 kV auf eine Mittelspannung von 10 kV für die Verteilung in der Stadt transformieren, befinden sich außerhalb des Gebäudes an der Seite zur Emscher. Dort befindet sich im Rahmen der Emscherkunst 2016 auch das eigentlich erklärungsbedürftige Kunstwerk „Analyse“ von Roman Signer, man könnte aber auch einfach behaupten, dort wird sauberes Wasser in die Kloake eingeleitet, während aus einem Lautsprecher chemische Verbindungen monoton „heruntergenudelt“ werden. Der Kloakenbrunnen „Waste Water Fountain“ der dänischen Künstlergruppe SUPERFLEX war gänzlich außer Betrieb, vielleicht auch besser so, denn auch so war bereits aufgrund der Wetterlage olfaktorisch wahrzunehmen, was als Ergebnis einer qualitativen Analyse der Zusammensetzung der Emscher bei der Arbeit von Roman Signer zu hören ist.

„Analyse“ von Roman Signer

Stadthafen Recklinghausen

Im vergangenen Jahr wurden im Stadthafen Recklinghausen die FilmSchauPlätze NRW bei tropischen Temperaturen mit „Buena Vista Social Club“ von Wim Wenders eröffnet, in diesem Jahr wollte der Sommer aber nicht so richtig mitspielen, im Gegenteil, das Wetter orientierte sich wohl eher an dem Untergang des Frachters in dem Oscar-prämierten Abenteuer-Drama „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ von Ang Lee nach dem Roman „Life of Pi“ von Yann Martel, auch wenn Slogans wie „The sunny side of life“ auf den Liegestühlen anderes erwarten ließen…

Stadthafen Recklinghausen

Stadthafen Recklinghausen

The sunny side of life im Stadthafen Recklinghausen

Matthes Fechner und seine Band

Während das von Matthes Fechner und seiner Band gestaltete Rahmenprogramm sowie der Kurzfilm „Das Leben ist hart“ (2015, Regie Simon Schnellmann) noch ohne Regen zu erleben waren, gab es bei „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ schließlich in der erwähnten Szene, in der Pi Patel übermütig die himmlischen Mächte herausfordert, auch am Stadthafen Recklinghausen einsetzenden Regen, so dass es die ersten Zuschauer vorzogen, verfrüht den Heimweg anzutreten. Tatsächlich blieb es dann im weiteren Verlauf des Abends trocken, aber die zwischenzeitliche Dusche hätte auch nicht unbedingt sein müssen…

Stadthafen Recklinghausen

Stadthafen Recklinghausen

Abschließend ein Wort zu nicht-öffentlichen Veranstaltungsorten, der „Stadthafen Recklinghausen“, also der ehemalige „Lemon Beach Club“, ist ein solcher nicht-öffentlicher Veranstaltungsort, was bereits durch die Einzäunung deutlich wird. Natürlich kann der lokale Veranstalter an einem solchen Veranstaltungsort sein Hausrecht ausüben, kann am Eingang Security-Personal postieren und entscheiden, wer das Gelände betreten darf, kann das Mitbringen von Speisen und Getränken untersagen, um die finanziellen Interessen des Gastronomiebetriebes zu wahren… kann man alles machen, muss man aber nicht. Es gibt in der Metropole Ruhr das Erlebnisprogramm „Unter freiem Himmel“, bei der jeder Besucher sogar aufgefordert ist, zu den entsprechenden Picknick-Veranstaltungen im Emscher Landschaftspark eigene Speisen und Getränke mitzubringen, was natürlich bestens zu dem Motto „umsonst und draußen“ passt. Und gerade diese ungezwungene Atmosphäre erfreut sich bei den Besuchern größter Beliebtheit. Man sollte daher als Veranstalter immer gut abwägen, was einem wichtig ist und welchen Eindruck man damit bei den Besuchern hinterlässt.

Stadthafen Recklinghausen

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