Donnerstag, 16. Juni 2016

Mit Linie zum guten Klima

Betriebsbesichtigung der Vestischen Straßenbahnen GmbH im Rahmen der KLIMAWOCHEN RUHR 2016

Historische Straßenbahn Triebwagen 314, Hersteller Eisen- & Stahlwerke Egge bei Volmarstein, Baujahr 1929, von 1929 bis 1971 im Linienverkehr der Vestischen eingesetzt

Im Rahmen der KLIMAWOCHEN RUHR 2016 bot das Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung der Lokalen Agenda 21 eine Betriebsbesichtigung des Hertener Hauptbetriebshofs der Vestischen Straßenbahnen GmbH an. Hinterfragt man das ein wenig genauer, so war dort neben der überparteilichen Arbeitsgruppe auch irgendwie die VHS mit im Boot, und als Ausrichter natürlich die Vestische Straßenbahnen GmbH, kurz Vestische. Die Vestische ist mit ca. 976 km² und 880.000 Einwohnern hinsichtlich des Bedienungsgebietes einer der größten Verkehrsbetriebe Deutschlands. Geografisch reicht das Bedienungsgebiet von Haltern am See im Norden bis Herne im Süden und von Oberhausen im Westen bis Dortmund-Mengede und Lünen-Brambauer im Osten. Der Straßenbahnbetrieb wurde am 3. Oktober 1982 eingestellt. Heute erinnert lediglich der Triebwagen 314 vor dem Hertener Betriebshof an das „Straßenbahn-Zeitalter“.

Verwaltung der Vestischen Straßenbahnen GmbH in Herten-Scherlebeck

Der Fuhrpark der Vestischen umfasst 142 Standard-Linienbusse, 72 Gelenkbusse und 2 Dieselhybrid-Großraumbusse, insgesamt 216 Fahrzeuge. Von Mai 2009 bis Oktober 2014 waren zwei Midi-Brennstoffzellen-Hybridbusse als Teil eines europaweiten Forschungsprojekts zum Test von Wasserstoff als alternative Antriebstechnologie im Einsatz, diese befuhren auch die Halde an der Beckstraße in Bottrop zum Tetraeder. Nach einem Feuer im Bottroper Busdepot, bei dem im Dezember 2011 sämtliche dort abgestellten Busse zerstört wurden, errichtete die Vestische in Bottrop ein neues Busdepot und ersetzte die vernichteten Busse durch Neufahrzeuge, was das Durchnittsalter der Fahrzeugflotte dementsprechend nach unten korrigierte. 36 Fahrzeuge der Busflotte fahren bereits sauber mit Euro-6-Dieselmotoren…

Abrüstplatz

Alle Fahrzeuge auf dem Hertener Hauptbetriebshof werden jeden Tag durch die Waschanlage gefahren. Eine biologische Abwasserbehandlungsanlage reinigt und bereitet das Abwasser so auf, dass es im Anschluss zur Reinigung der Fahrzeuge wiederverwendet werden kann.

Waschanlage

In den Werkstätten werden die Fahrzeuge gewartet und instandgesetzt, dies umfasst auch Karosserie- und Lackierarbeiten. In der Lackiererei kommen wasserbasierte Lacke zum Einsatz, auch dies ein Beitrag zum Umweltschutz.

Werkstatt

Karosseriewerkstatt

Lackiererei

Fahrersitz

Im vergangen Jahr wurde in den Bus-Abstellhallen die vorhandene Beleuchtung mit Leuchtstofflampen durch LED-Lichtbänder ersetzt. Das Sanierungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Fördervoraussetzung war eine CO2-Einsparung von mindestens 50 % gegenüber der alten Anlage.

Bus-Abstellhalle

Angeschts klammer Kassen der Kommunen muss natürlich auch ein Unternehmen wie die Vestische betriebs­wirt­schaft­lich handeln, auf der anderen Seite sind umweltfreundliche Alternativen nicht immer die günstigste Lösung. So sind beispielsweise bei Hybridbussen die Zusatzkosten für die Busbeschaffung zum Teil recht hoch, und die Treib­stoff­ein­sparung kompensiert diese Zusatzkosten bei Weitem nicht. Die Technologie in Hybridbussen stellt auch erst einen ersten Schritt in Richtung Elektromobilität im ÖPNV dar, weshalb es nicht weiter verwunderlich ist, dass bei der Vestischen lediglich zwei Dieselhybrid-Großraumbusse im Einsatz sind.

Da die Klimawochen Ruhr 2016 mit der letzten Veranstaltung am 19. Juni 2016 beendet sind, ist es Zeit für ein kleines Resümee. Rund 250 Veranstaltungen sollten den Blick auf lokale und regionale Strategien, Projekte und Lösungsvorschläge zu Klimaschutz und Klimaanpassung lenken. Den großen Durchbruch habe ich persönlich bei keiner der besuchten Veranstaltungen gesehen, aber viel wichtiger scheinen mir die kleinen Schritte, denn wenn niemand etwas unternimmt, dann passiert auch nichts. Dennoch scheint mir das Thema noch lange nicht bei jedem einzelnen angekommen zu sein. Wenn selbst Teilnehmer einer Veranstaltung zum Klimaschutz aus voller Überzeugung die Meinung vertreten, um ein Beispiel zu nennen, eine Start-Stop-Automatik im Individualverkehr lohne nicht, da die Anschaffung zu teuer sei, so zeugt dies IMHO von einer „Geiz ist geil, nach mir die Sintflut“-Mentalität. Klimaschutz ist nicht nur Aufgabe von Unternehmen, die hierfür entsprechende Fördermöglichkeiten nutzen können, Klimaschutz ist auch die Sache jedes einzelnen, und jeder investierte Euro wird sich womöglich zwar nicht in einer Ersparnis in der eigenen Geldbörse niederschlagen, dürfte aber eine Investition in die Zukunft nachfolgender Generationen sein, die mit den Folgen der jetzt und hier verursachten Klimakatastrophe leben müssen.

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