Sonntag, 5. Juni 2016

Fahrradsommer der Industriekultur 2016

Familienfest rund ums Rad und Radfahren an der Jahrhunderthalle Bochum

Jahrhunderthalle Bochum

Am 5. Juni 2016 luden der Regionalverband Ruhr (RVR) und die Bochumer Veranstaltungs-GmbH (BoVG) zum 10. Mal gemeinsam zum „Fahrradsommer der Industriekultur 2016“ an der Jahrhunderthalle Bochum ein, einem großen Familienfest rund ums Rad und Radfahren in der Metropole Ruhr.

Fahrräder

Clown Zimbo

vom Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der Hochschule Bochum zum elektrischen Lastenfahrrad umgerüstetes trioBike cargo S

Jahrhunderthalle Bochum

Die Jahrhunderthalle wurde 1901/02 vom Baubüro des „Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation“ unter Leitung des Baumeisters Otto Berndt nach Plänen des Architekten Heinrich Schumacher für die Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung errichtet. Die Außenfassade war in Form einer gotischen Kirche gestaltet. Schumacher wählte für die mehrschiffige Industriehalle mit Satteldach und Dachreiter eine im Fabrikhallenbau unübliche Bogenbinder-Konstruktion, die nicht auf Stützen gelagert, sondern bis zum Boden durchgezogen ist. Nach Ausstellungsende wurde die Halle demontiert und auf dem Fabrikationsgelände des Bochumer Vereins für die neu einzurichtende Gaskraftzentrale wieder aufgebaut, allerdings ohne den Glockenturm und die Stuckfassaden. 1968 wurden nach Stilllegung des letzten Hochofens die Maschinen in der Gaskraftzentrale demontiert. 2002/03 wurde die Jahrhunderthalle, die seit 1991 unter Denkmalschutz steht, denkmalgerecht instand gesetzt und um eine aufwändige Bühnentechnik und das zweigeschossige Foyer ergänzt. Seither ist sie das zentrale Festspielhaus der RuhrTriennale.

Jahrhunderthalle Bochum, Strebepfeiler der Bogenbinder-Konstruktion

Übrigens war das Gelände des Bochumer Vereins 1903 schon komplett bebaut, so dass die Jahrhunderthalle über die bestehenden und für den Produktionsbetrieb notwendigen Gebäude errichtet wurde. Vom ehemaligen Geländeniveau aufsteigend gemauerte Ziegelpyramiden als Fundamente der Hallenträger können im Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum in Augenschein genommen werden.

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Das Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum war in diesem Jahr erstmalig eigenständig ohne Führung frei begehbar, und schon gehörten die in den vergangenen Jahren üblichen langen Warteschlangen für die Führungen durch die Unterwelt der Jahrhunderthalle der Vergangenheit an. Warum eigentlich nicht gleich so!?

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Ein weit verzweigtes unterirdisches System von Ver­sorgungs­schächten verband im Zuge der Unter­tage­ver­lagerung die verschiedenen Produktionsstätten. Im Untergrund des Bochumer Vereins soll bereits 1880 eine der unterirdischen Anlagen bestanden haben, die Förderstollen der Zeche Präsident verliefen in etwa 35 bis 45 Meter Tiefe direkt unter dem Bochumer Verein hindurch.

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Jahrhunderthalle Bochum, ehemalige Stuck-Verzierung

Die Jahrhunderthalle war 1902 als Ausstellungshalle des Bochumer Vereins auf der Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf errichtet worden, die Außenfassade war in Form einer gotischen Kirche gestaltet und mit viel Stuck verkleidet. Beim Wiederaufbau der Halle in Bochum wurde auf die Verzierungen verzichtet, Reste davon sind jedoch erhalten.

Jahrhunderthalle Bochum, ehemalige Stuck-Verzierung

Bei der Führung „Abenteuer Dampfmaschine“ – Nomen est omen, bekanntlich ist in der Jahrhunderthalle keine Dampfmaschine erhalten – bekam man den schmalen, knapp 20 Meter hoch aufragenden Backsteinbau der Dampfgebläsehalle von 1873 (erweitert 1882 und 1890) zu sehen, in dem früher die vier aufrecht stehenden Dampfgebläsemaschinen zur Winderzeugung für die Hochöfen standen, heute ist davon nichts mehr zu sehen. Lediglich eine Kranbahn auf im Mauerwerk verankerten Holzbalken und der einzigartige, handbetriebene Brückenkran aus Holz ist noch erhalten, beides wurde jedoch im Rahmen der Führung „Abenteuer Dampfmaschine“ nicht gezeigt.

Turbinenhalle

Neben der Dampfgebläsehalle entstand 1895 eine Halle für liegende Dampfdynamomaschinen. Sie wurde bis 1922 mehrfach erweitert, später wurde hier auch Starkstrom zur Energieversorgung des Stahlwerks erzeugt. Die Halle beherbergt heute noch zwei historische Turbinen: eine Dampfturbine mit Drehstromgenerator der Firma Siemens aus dem Jahr 1938 mit einer Leistung von 20 MW, die andere Dampfturbine mit Drehstromgenerator der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (M. A. N.) aus dem Jahre 1964 mit einer Leistung von 24 MW ist die jüngste der insgesamt sieben Turbinen, die in der Halle installiert waren.

Turbinenhalle

Turbinenhalle

Turbinenhalle

Turbinenhalle

vom Bochumer Verein gegossene Glocke, 1897

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