Mittwoch, 29. Juni 2016

Erweiterung der Fotografischen Sammlung des Ruhr Museums mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums stärkt mit dem Ankauf von drei Konvoluten der Fotografen Diether Münzberg, Klaus Sannemann und Joachim Schumacher ihren Sammlungsbestand. Insgesamt wurden 111.118 Negative und zahlreiche Vintage- und Modern-Prints erworben. Sie erweitern mit bedeutenden wie qualitativ hochwertigen Aufnahmen den Bestand und schließen wichtige Sammlungslücken.

Die drei Konvolute, die in die Fotografische Sammlung übergehen, sind Teil eines gemeinsamen Ankaufs des Ruhr Museums, der nur durch die erneute großzügige Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in Höhe von 27.000 Euro möglich wurde. Zuletzt war 2012 der Ankauf des Fotoarchivs des Essener Fotografen Henning Christoph mit dem Schwerpunkt zum Thema Migration durch die Stiftung realisiert worden.

Der im Sommer 2016 abgeschlossene, komplexe Ankauf wurde von der Fotografischen Sammlung zusammen mit den drei Fotografen mit großem Engagement über vier Jahre vorbereitet.


Die Fotografische Sammlung

Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums versteht sich als Bildgedächtnis des Ruhrgebiets. Sie existiert seit 1989, wird seitdem in Ausstellungen präsentiert und ständig erweitert. Mittlerweile ist sie das größte und bedeutendste Archiv historischer und zeitgenössischer Fotografien der Region, ihrer Landschaften und Städte, der Menschen, der Arbeit und der Freizeit, des Alltags und der Feste. Zu den Beständen mit etwa vier Millionen Negativen und einigen zehntausend Abzügen und Dias zählen umfangreiche Fotografen-Nachlässe und Archive. Der in den Fotografien dokumentierte Zeitraum reicht vom Beginn der Fotografie im 19. Jahrhundert bis heute, mit Schwerpunkten in den fünfziger bis siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts.


Diether Münzberg

Diether Münzberg wurde 1946 geboren. Er studierte an der Werkkunstschule Köln bei Arno Jansen und an der FH Bielefeld bei Gottfried Jäger Fotografie. Seit 1982 unterrichtete er Fotografie und historische fotografische Verfahren. Er erhielt 1998 eine Honorarprofessur an der FH Bielefeld und 2005 eine ordentliche Professur für visuelle Medien an der privaten FH des Mittelstandes in Bielefeld. Seit 1985 nimmt er an Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil.

Trinkhalle, Stapeltor, Duisburg, Ende 1970er Jahre
(© Fotoarchiv Ruhr Museum; Foto: Diether Münzberg)

Münzbergs Bildsprache ist in seinen frühen Fotografien bildjournalistisch, später dann streng dokumentarisch. Einige seiner Stadtansichten ähneln oberflächlich jenen Joachim Schumachers oder Wilhelm Schürmanns – was einzig und allein der gemeinsamen Auffassung einer zurückgenommenen Dokumentation zu verdanken ist. Herausragend sind seine Kinderporträts, die mit Arbeiten Rosalind Solomons, Diane Arbus und jenen weiterer US-amerikanischer Fotografen verglichen werden können. Seine Panoramen, die in Kooperation mit dem Museum Folkwang und ursprünglich als Auftrag für die Ruhrkohle AG, entstanden sind, stellen einen weiteren Höhepunkt seines Schaffens dar. Diese Panoramen sind mit den 360-Grad-Sichten herausragende Dokumente aus Ruhrgebietsstädten Mitte der 1980er-Jahre. Sie provozieren geradezu einen „Retake“. Die Panoramen laden zu urbanistischen, soziologischen und historischen Forschungen ein.


Klaus Sannemann

Klaus Sannemann wurde 1951 geboren. Er studierte Vermessungstechnik, um dann ein Volontariat bei der WAZ und der Westfälischen Rundschau in Dortmund zu absolvieren. Es folgte eine freiberufliche und angestellte Tätigkeit bis 1987. 1987 bis 2006 war er Werksfotograf bei der Ruhrkohle AG.

Bergleute der Zeche Minister Stein, Dortmund 1980
(© Fotoarchiv Ruhr Museum; Foto: Klaus Sannemann)

Durch die Breite seiner Themen und die relativ gute Aufbereitung des vorhandenen Materials, ist ein Ankauf des Konvoluts Sannemann eine notwendige Ergänzung des Fotoarchivs mit dem Schwerpunkt „östliches Ruhrgebiet“, das schon lange ein Desiderat darstellte. Besonders interessant sind Sannemanns Dokumentationen aus dem Bergbau sowie seine Milieubilder des Ruhrgebiets der 1980er Jahre.


Joachim Schumacher

Joachim Schumacher, geboren 1950, studierte nach einem Fotopraktikum bei Prof. Otto Steinert visuelle Kommunikation/Schwerpunkt Fotografie an der Gesamthochschule Essen. Er arbeitete für das Presseamt/Amt für Stadtwerbung der Stadt Essen (1978 – 1980) und ist seitdem freiberuflich tätig. Er war an zahleichen regionsfotografischen Projekten beteiligt: Untertage-Übertage, Bergarbeiterleben heute (1984); Endlich so wie überall? (1985) und Vis-a-vis (1993). Schumachers Auftraggeber waren und sind u. a. der Regionalverband Ruhr, die Emschergenossenschaft und privatwirtschaftliche Unternehmen im Ruhrgebiet. Er nimmt an zahlreichen nationalen Ausstellungen teil und vertritt vor allem im Ruhrgebiet eine zentrale dokumentarfotografische Position.

Am Hauptbahnhof, Essen-City 1977
(© Fotoarchiv Ruhr Museum; Foto: Joachim Schumacher)

Joachim Schumacher ist einer der bekanntesten fotografischen Chronisten des Ruhrgebiets, der seit den 1970er Jahren bis heute konsequent seine Themen und Bildsprache beibehalten hat. Er erforscht auf äußerst sachliche Art und Weise die Landschaften und Städte des Ruhrgebiets in seiner Gänze. 77 Schwarzweiß-Vintage-Prints befinden sich bereits in der Sammlung des Ruhr Museums.

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