Mittwoch, 15. Juni 2016

„Die Welt in 1000 Teilen – Zur Geschichte des Puzzlespiels“

Ausstellung zur Geschichte des Puzzlespiels im LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach

Puzzeln ist ein beliebter Zeitvertreib. Ständig kommen neue Motive auf den Markt. Dieses Geduldsspiel blickt aber auch auf eine lange Tradition zurück. Die Ausstellung „Die Welt in 1000 Teilen – Zur Geschichte des Puzzlespiels“ zeichnet diese Geschichte vom 19. Juni 2016 bis 29. Januar 2017 in der Papiermühle Alte Dombach des LVR-Industriemuseums in Bergisch Gladbach mit zahlreichen Objekten aus der umfangreichen Sammlung von Betsy und Geert Bekkering aus Enschede in den Niederlanden nach.

„Zersägte Landkarten“

„Zersägte Landkarten“


Betsy und Geert Bekkering, Puzzle-Experten und -sammler

Seit vielen Jahrzehnten sammeln und restaurieren Betsy und Geert Bekkering Puzzles, erforschen ihre Geschichte und fertigen Holzpuzzle an. Ihre Sammlung umfasst über 4.000 Objekte. Die Puzzleleidenschaft der beiden begann, als Geert Bekkering bei der Heirat in der Familie seiner Frau auf Puzzles stieß, die aus der Zeit der ersten „Puzzlewelle“ um 1910 stammen. Schnell waren beide so fasziniert von den Geduldsspielen, dass sie mit dem Sammeln begannen und systematisch Bestände in Museen und Privatbesitz untersuchten. 1988 erschien begleitend zu ihrer ersten Ausstellung die erste Publikation (Geert und Betsy Bekkering, „Stukje voor stukje“, Amsterdam: van Soeren, 1988). Bis heute haben sie ihre Sammlung in 14 Ausstellungen gezeigt. Beide sind Biologen und Lehrer, zum Beruf ist das Puzzlen für sie nie geworden. Im Juni diesen Jahres fand ihre Tätigkeit auch internationale Anerkennung: Die Association of Games & Puzzle Collectors hat Geert Bekkering mit dem „Spilsbury Award“ ausgezeichnet und ehrt damit die Forschungen und Ausstellungen zur europäischen Puzzle-Geschichte.

„Die Büssende – Ballade von Friedrich Leopold Grafen zu Stollberg“

„Schloß Stolzenfels am Rhein“


Zersägte Landkarten

Zunächst stand das Vermitteln von geografischen Kenntnissen im Vordergrund. Im 18. Jahrhundert benutzten Lehrer und Erzieher auf Holz aufgezogene und dann zersägte Landkarten beim Unterricht. Die englische Bezeichnung ist „jigsaw puzzle“ („Laubsägenrätsel“). 1763 wird John Spilsbury (1739 – 1769) als „Londoner Graveur und Zersäger von Karten auf Holz“ erwähnt, die Puzzleproduktion wurde also professionalisiert. Dabei waren die Teile noch nicht wie heute üblich verzahnt. Häufig wird John Spilsbury auch als Erfinder des Puzzles genannt, Geert Bekkering stieß im Rahmen seiner Forschungen jedoch auf ein Dokument des Deutschen Georg Huber aus dem Jahr 1720, in dem beschrieben ist, wie zersägte Landkarten verwendet werden können, um Kindern geografisches Wissen zu vermitteln. Ohne Zweifel hat John Spilsbury die Kommerzialisierung seiner „dissected maps for teaching geography“ vorangetrieben, und nach seinem frühen Tod am 3. April 1769 betrieb seine Frau das Geschäft weiter. Im 19. Jahrhundert erweiterte sich das Spektrum der Motive, und neue Druck- und mechanische Sägetechniken machten die Spiele preiswerter. Neben Holz wurde auch Pappe verwendet. Man sägte die Teile in verschiedene Formen und suchte nach solchen, die sich miteinander verzahnten, so dass das gelegte Bild zusammenhielt. Die Vielfalt der Sägemuster ist erstaunlich.

„Das königliche Schloß Hohenschwangau“

„jigsaw puzzle“


Puzzlemanie

Anfang des 20. Jahrhundert wurde Sperrholz als weiteres preiswertes Trägermaterial entdeckt und es kam zur ersten „Puzzlemanie“. Für die Puzzles aus Pappe lohnten sich jetzt auch Stanzmaschinen, die die Herstellung weiter verbilligten. In dieser Zeit wurde auch die Bezeichnung „Puzzle“ in Deutschland übernommen. Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet Rätsel, Tüftelei. Die Begeisterung hielt an: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden erstmals Puzzles mit über tausend Teilen produziert und seit 1964 verkauft der Ravensburger Otto Maier Verlag vielteilige Stanzpuzzles in guter Qualität.

„jigsaw puzzle“

L’oiseau Bleu Eventail 20eme Siecle, Puzzle Michèle Wilson, 150 Teile


Der Reiz des Spiels

Die Herausforderungen der Riesenpuzzles ziehen bis heute viele Puzzlefreunde in ihren Bann. Die Spieler haben jedes Mal, wenn sie ein Teil finden, ein Erfolgserlebnis – das macht laut Psychologen den Reiz des Spiels aus. Das fieberhafte Suchen lässt die Puzzlerin oder den Puzzler alles andere vergessen und wirkt dadurch entspannend. Das Spiel fördert Geduld, Konzentration und die Fähigkeit, Formen zu erkennen – deshalb wird es auch aus pädagogischer Sicht geschätzt. Schon um 1800 wurde es übrigens auch als Geduldsspiel, französisch Patience, bezeichnet.

„Fishbowl Frenzy“ von Edith Bingham, Stave Puzzles, 85 Teile

Stave Puzzles ist ein amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Norwich, Vermont, das 1974 von Steve Richardson und Dave Tibbetts gegründet wurde. Der Name ist eine Kombination aus den beiden Vornamen. Stave Puzzles ist der größte Hersteller handgeschnittener Puzzle in den USA, möglicherweise sogar weltweit. Alle Stave Puzzles enthalten die Silhouette des Clowns als Markenzeichen des Unternehmens. Steve Richardson hat das so genannte Trick Puzzle erfunden, bei dem einige Teile an zwei oder mehr verschiedenen Stellen passen, aber nur eine der Lösung ist korrekt.

„Fishbowl Frenzy“ von Edith Bingham, Stave Puzzles, 85 Teile


Puzzeln in der Ausstellung

In der Ausstellung sind nicht nur viele historische Puzzles zu sehen, die die Vielfalt der Motive und Schnittformen der Puzzleteile zeigen. Natürlich kann auch gepuzzelt werden. Das Angebot reicht vom Zusammensetzen eines der größten Puzzles der Welt mit 33.600 Teilen („Wild Life“ des spanischen Puzzle-Herstellers Educa Borras), welches zusammengesetzt eine Fläche von 570 × 157 cm beansprucht, über Wettbewerbe im Schnellpuzzeln bis zur Möglichkeit für Kinder und Erwachsene, sich an Großpuzzles zu versuchen.

Ravensburger 3D-Puzzle „Brandenburger Tor“, 917 Teile, leuchtet im Dunkeln

„Wild Life“ des spanischen Puzzle-Herstellers Educa Borras, 33.600 Teile

„Wild Life“ gilt augenblicklich als das größte Puzzle der Welt mit 33.600 Teilen. Es zeigt Elefanten, Giraffen, Löwen, Famingos, Schmetterlinge und exotische Vögel in einer farbenprächtigen Regenwald-Umgebung. Am Samstag, 20. August und Sonntag, 21. August können Groß und Klein unter dem Motto „Bergisch Gladbach puzzelt!“ von 11 bis 18 Uhr puzzeln und dabei entsteht hoffentlich das weltgrößte Puzzle. Für Puzzler und Puzzlerinnnen ist der Eintritt frei.

„Wild Life“ des spanischen Puzzle-Herstellers Educa Borras, 33.600 Teile

„Die Welt in 1000 Teilen – Zur Geschichte des Puzzlespiels“ im LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach ist vom 19. Juni 2016 bis 29. Januar 2017 dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 3 €, ermäßigt 2,50 €, das Kombiticket für den gleichzeitigen Besuch der Dauerausstellung kostet 6 €. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

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