Donnerstag, 16. Juni 2016

Designierter Intendant der Gandersheimer Domfestspiele stellt Spielplan 2017 vor

Achim Lenz übernimmt Nachfolge des scheidenden Intendanten Christian Doll

Nachdem Christian Doll bereits im Herbst diesen Jahres die Nachfolge des scheidenden Intendanten bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall, Christoph Biermeier antreten wird, Christian Doll hatte in Bad Gandersheim noch einen Vertrag bis 2017, stellten die Gandersheimer Domfestspiele am Mittwoch den Schweizer Regisseur Achim Lenz als Nachfolger für Christian Doll vor. Achim Lenz wird sein Amt bereits zum 1. Oktober 2016 antreten und ab diesem Zeitpunkt den bisherigen Intendanten Christian Doll ablösen. Im Rahmen der Pressekonferenz am 15. Juni 2016 gab Achim Lenz auch das künstlerische Programm für die Spielzeit 2017 bekannt: Mit „Jetzt oder Nie – Die Comedian Harmonists Teil 2“, dem Schauspielklassiker „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller, dem Tanzmusical „Saturday Night Fever“ und dem Kinder- und Familienstück „Die kleine Hexe“ kommen vom 4. Juni bis 30. Juli 2017 vier Neuproduktionen auf der Freilichtbühne vor der Gandersheimer Stiftskirche zur Aufführung. Dazu kommt das Schauspiel „Das Interview“ in einer zweiten Spielstätte auf dem Gelände des Klosters Brunshausen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Gandersheimer Domfestspiele, Uwe Schwarz, MdL, nannte die Verpflichtung von Achim Lenz einen „großen Glücksfall“, da Lenz sämtliche Kriterien erfülle, die der Aufsichtsrat für die Findung eines neuen Intendanten der Gandersheimer Domfestspiele aufgestellt habe: Er besitze bereits umfassende Freilichterfahrung und kenne die Domfestspiele durch seine bisherigen, äußerst mitreißenden Inszenierungen in Bad Gandersheim und seine Mitarbeit in der Festspielleitung hervorragend. Sogar seinen deutschen Wohnsitz habe der Schweizer bereits nach Bad Gandersheim verlegt. Zudem habe Lenz mit der Folkwang Universität in Essen, an der er seit Jahren unterrichte, eine starke Verbindung zu einem Ausbildungsinstitut, was für die Verpflichtung eines hochkarätigen Ensembles für die Gandersheimer Domfestspiele von großem Vorteil sei. Schwarz berichtete, dass sowohl er selbst als auch der bisherige Festspielintendant Christian Doll den Schweizer Regisseur unabhängig voneinander als idealen Kandidaten für die Künstlerische Leitung der Festspiele identifiziert hätten und die Wahl von Achim Lenz durch den Aufsichtsrat bereits am 2. März einstimmig erfolgt sei. Um eine Beeinflussung der derzeit laufenden Spielzeit zu vermeiden, sei dann bewusst der 15. Juni als Tag der offiziellen Verkündung seiner Verpflichtung gewählt worden.

Achim Lenz; Foto Gela Megrelidze

Der im Schweizerischen Chur geborene Achim Lenz (* 1978 in Chur) studierte zunächst Klassische Philologie und Alte Geschichte in Basel, begann aber zur selben Zeit bereits mit zahlreichen Regiearbeiten in der Freien Szene. Im Anschluss absolvierte er ein Regiestudium an der Folkwang Universität der Künste in Essen, mit der er als Dozent bis heute eng verbunden bleibt und dort auch immer wieder inszeniert. Insgesamt inszenierte Achim Lenz in seiner erfolgreichen Karriere als Regisseur bereits knapp 40 Produktionen in Deutschland und der Schweiz und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Max-Reinhart-Preis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung der Republik Österreich. Zuletzt feierte er insbesondere an den Theatern in Nordhausen und Chur immer wieder große Erfolge, unter anderem mit der Oper „Die verkaufte Braut“, und der Dreibündner Groschenoper „Bergpiraten“.

In den kommenden Jahren möchte sich Achim Lenz jedoch ganzjährig den Gandersheimer Domfestspielen widmen, wie er in seiner Antrittsrede am Mittwoch betonte. In seiner Rede legte er seine Faszination für die Festspiele dar, die er ja gewissermaßen „von der Pike auf“ miterlebt habe und skizzierte seine Visionen für die kommenden Jahre. Dabei ging er sowohl auf die künstlerischen als auch auf die wirtschaftlichen Herausforderungen ein, die ihn in seiner zukünftigen Position erwarten würden. Besonders liege ihm aber auch die intensive Zusammenarbeit mit Bürgern und Institutionen vor Ort in Bad Gandersheim am Herzen, die es erst ermögliche, die Festspiele zu einem außergewöhnlichen und unvergesslichen Event für Besucher zu machen: Er sehe die Festspiele als „einen Treffpunkt, einen kommunikativen Teil des Gemeinwesens, einen innovativen und kreativen Mittelpunkt und Motor in Bad Gandersheim“.

Im künstlerischen Bereich werde sich Lenz für ein äußerst abwechslungsreiches Programm stark machen, mit mitreißenden Musiktheater-Inszenierungen, einem anspruchsvollen und mutigen Schauspielklassiker und einer großen Produktion für junge Zuschauer, wie auch aus seinem Spielplan deutlich wurde, den er am Ende der Pressekonferenz verkündete. Dabei strebe er allerdings nicht zwei Großproduktionen im Bereich Musical an, sondern werde für eine Produktion – ganz nach dem Vorbild seiner Inszenierung von „Die Comedian Harmonists“ – nach einem hervorragenden Schauspiel mit Musik suchen. Im Schauspiel interessiere er sich für Bad Gandersheim insbesondere für die deutschen Klassiker und nannte Namen wie Schiller, Goethe oder Kleist – auch weitere europäische Klassiker, etwa von Ibsen oder Raimund, könne er sich jedoch gut auf der Festspielbühne vorstellen.

Besonders großes Interesse zeigte Lenz auch daran, die Festspiele mit seinen bisherigen Erfahrungen als Kulturmanager in wirtschaftlicher Hinsicht erfolgreich weiterzuführen und Arbeitsbereiche behutsam neu zu strukturieren und somit zu optimieren. Ein marketingstrategisch besonders wichtiges Highlight und Ziel sei für ihn das Jubiläumsjahr der 60. Gandersheimer Domfestspiele im Jahr 2018. Bereits jetzt bemühe sich Lenz darum, diese Spielzeit so vorzubereiten, „dass wir noch Jahre später davon zehren werden“. Dazu gehöre es auch, sowohl künstlerische als auch politische und wirtschaftliche Prominenz wieder nach Bad Gandersheim zu locken.


Die Comedian Harmonists kehren zurück

Für die offizielle Spielzeiteröffnung am 9. Juni 2017 will Achim Lenz an seinen großen Erfolg der Inszenierung „Die Comedian Harmonists“ bei den Gandersheimer Domfestspielen anknüpfen. „Jetzt oder nie – Die Comedian Harmonists Teil 2“ stammt aus der Feder von Gottfried Greiffenhagen, der bereits für den ersten Teil verantwortlich zeichnete. Im zweiten Teil steht die Frage im Mittelpunkt, was aus den fantastischen Sängern der Gesangsgruppe nach ihrer Auflösung im Dritten Reich wurde: „Wir erleben eine Geschichte um die ganze Welt mit viel Musik und bekannten Melodien wie ‚Ich wollt‘ ich wär ein Huhn‘, ‚Wenn der Wind weht‘ und vielen mehr“, so Achim Lenz. „Was passiert mit der Musik, wie verändert sich das Leben der beiden nun getrennten Gruppen und was wurde aus Gruppengründer Harry Frommermann? Liebevoll, tragisch und begeisternd will ich an den Erfolg des ersten Teiles anknüpfen.“


Liebestragödie von Schiller

Als Schauspielklassiker wählt Achim Lenz die große Liebestragödie „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller, die am 16. Juni 2017 Premiere feiern wird. Das Drama handelt von der Liebesbeziehung zwischen Luise Miller, der Tochter eines bürgerlichen Stadtmusikanten, und Ferdinand von Walter, dem Sohn des adeligen Präsidenten von Walter. Durch ein Intrigenspiel von Ferdinands Vater und dessen Sekretär Wurm wird diese Liebe unmöglich und endet in einer Katastrophe. Lenz sieht das Stück zum einen als Kritik an den Mächtigen und ihren Machenschaften, aber auch als Spiegel typisch menschlicher Gefühle und Verhaltensweisen. Das Stück sei jedoch, so Lenz, „trotz des ernsten Themas auch beschwingt, leicht, hell und voller komischer Momente“.


Tanz auf der Festspielbühne

Ein Ensemble mit herausragenden Tänzern und spektakulären Choreografien kündigt Achim Lenz für das große Tanzmusical „Saturday Night Fever“ an, das (voraussichtlich ) ab dem 23. Juni 2017 auf der Festspielbühne zu erleben sein wird. Das Musical mit der mitreißenden Musik der Bee Gees ist vielen sicherlich noch in der Verfilmung mit John Travolta in der Hauptrolle als Tony Manero ein Begriff. Es spielt in den Superdiskotheken von New York, und erzählt die Geschichte des smarten Tony, der sich in ein zartes Mädchen namens Stefanie verliebt und mit ihr an einem Discowettbewerb teilnimmt, um mit dem Preisgeld in ein neues Leben zu starten.


„Die kleine Hexe“ verzaubert vor der Stiftskirche, ein intensiver Interview-Showdown findet in Brunshausen statt

Als Kinder- und Familienstück nimmt Achim Lenz den wunderbaren Klassiker „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler ins Programm und freut sich darauf, die Abenteuer der erst 127 Jahre alten Hexe mit ihrem frechen Raben Abraxas bereits ab dem 4. Juni vor der Stiftskirche zu erleben. Eine weitere Spielstätte wird Lenz auf dem Gelände des Klosters Brunshausen eröffnen. Dort wird er das packende Drama „Das Interview“ nach dem gleichnamigen Film von Theo van Gogh auf die Bühne bringen, „einen gefährlich-intensiven Showdown, eine verbale Zimmerschlacht zweier hochintelligenter Medien-Menschen, denen alle MIttel der Lüge, der Täuschung, des Vorspiegelns recht sind, um die eigene Rolle in der Mediengesellschaft zu rechtfertigen“. In den Rollen als Kriegsberichterstatter Pierre Peters und als Soap-Darstellerin Katja Schuurmann, die sich in diesem Stück mit Worten bekriegen, wird Lenz zwei prominente Schauspieler aus der Schweiz nach Bad Gandersheim bringen.


Die 59. Gandersheimer Domfestspiele finden vom 4. Juni bis 30. Juli 2017 statt. Der Vorverkauf wird voraussichtlich im November 2016 beginnen. Weitere Informationen, auch zur noch bis zum 24. Juli 2016 laufenden 58. Spielzeit, finden sich unter www.gandersheimer-domfestspiele.de

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