Donnerstag, 2. Juni 2016

Cirque Bouffon präsentiert „Quilombo“

Gefeierte Premiere auf dem Kennedyplatz in Gelsenkirchen

Das Zirkuszelt von Cirque Bouffon auf dem Kennedyplatz

Da das Große Haus des Musiktheater im Revier ab dem 1. Juni 2016 wegen Umbau und Renovierungs­arbeiten geschlossen ist, bietet das MiR zusammen mit dem Cirque Bouffon ein außergewöhnliches Zusatzangebot: Vom 1. bis 26. Juni 2016 hat die Kompagnie ihr charmantes Chapiteau (Zirkuszelt) auf dem Vorplatz des Opernhauses am Kennedyplatz aufschlagen und präsentiert dort ihre neue Show „Quilombo“, die seit dem Frühjahr 2015 zum zehnjährigen Jubiläum des Cirque Bouffon nach Stationen in Münster (1. bis 26. April 2015 am Schlosspark), Köln (30. April bis 21. Juni 2015 am Schokoladen­museum), Mainz (24. September bis 18. Oktober 2015 an der Reduit) und einer Frankreichtournee erstmals im Ruhrgebiet gastiert.

Alexander Veligosha (Equilibristik)

In Frankreich entstand um 1970 eine neue Form des Zirkus, wo man mit theatralischen und akrobatischen Aspekten sowie Live-Performances Vorstellungen aufführte, die als Cirque Nouveau bzw. Zeitgenössischer Zirkus bekannt worden. Mittels dieser Darbietungen fand man teilweise so eine neue Form und Möglichkeit, das Publikum wieder verstärkt für den Zirkus zu interessieren und zurückzugewinnen. Das Genre ist inzwischen recht bekannt, fast jeder hat schon einmal eine Aufführung von Cirque du Soleil aus Kanada gesehen. Aber auch Flic Flac kann diesem Genre zugerechnet werden, wobei deren Shows mit hohem technischen Aufwand umgesetzt werden. Cirque Bouffon ist ein internationales Show-Format im Stile des französischen Cirque Nouveau. In „Quilombo“ präsentieren Musiker, Artisten und Clowns eine Show voller Magie, Rhythmus und Leidenschaft – in der live gespielten Musikkulisse entstehen unvergessliche Bilder und magische Geschichten aus der Welt unserer Träume. „Quilombo“ ist ein zeitgenössisches Wort aus den Bantu-Sprachen Kikongo und Kimbundu, es bedeutet „Zuflucht“ oder „Versteck“, aber auch „Wohnsiedlung“. Wie sich Regisseur Frédéric Zipperlin diesen Ort vorstellt, zeigt er mit seiner neuen Regiearbeit in Kooperation mit dem Musiktheater im Revier.

Erika Nguyen am Aerial Hoop

Bereits über 10 Jahre verzaubert das Ensemble seine Zuschauer mit seinen Ideen von Entschleunigung in poetischen Inszenierungen und lässt mit seinen Shows Träume Wirklichkeit werden. So entstanden in den vergangenen 10 Jahren unter der Regie von Fréderic Zipperlin die Produktionen „Novo“, „Angell“, „Angell Vol. 2“, „SOLVO“, „Nandou“ und die neue Show „Quilombo“, in denen die Besucher mit allen Sinnen angesprochen werden: Musik, Artistik und Clownerie bilden stets ein abendfüllendes Erlebnis.

Sergey Lukashov (Knopfakkordeon) und Sergej Sweschinskij (Kontrabass)

In „Quilombo“ wechseln sich artistische Zirkusnummern wie die kraftvolle Equilibristik von Alexander Veligosha aus Kiew, Erika Nguyen aus Kanada am Aerial Hoop, Lea Mäuer aus Deutschland und Andrea Schulte aus Argentinen am Chinese Pole oder Jimmy Gonzalez aus Kanada mit seiner artistischen Jonglage mit clownesken Nummern von Mariano Carneiro aus Argentinien oder Ernesto Terri aus Argentinien ab, der sowohl mit Seiltanz als auch mit pantomimischer Zauberei das Publikum zum Staunen bringt, zumeist vom musikalischen Leiter von „Quilombo“, Sergej Sweschinskij aus der Ukraine am Kontrabass, Sergey Lukashov aus der Ukraine am Knopfakkordeon, Adam Tomaszewski aus Polen am Xylophon und Percussion und Aziz Kuyateh aus Senegal an der Kora (westafrikanische Stegharfe) und Percussion begleitet, die aber auch in eigenständigen musikalischen Nummern zu hören sind. Viele Nummern werden auch von Anja Krips begleitet, nicht am Klavier, denn das trägt sie in Teilen als Schmuck auf dem Kopf und um den Hals, sondern mit ihrem lautmalerischen Gesang.

Mariano Carneiro (Clown)

Das etwa 400 Zuschauer fassende Zelt war am Premierenabend bis zu letzten Platz gefüllt. Die Besucher gruppieren sich um die kreisrunde Bühne mit lediglich 6 Metern Durchmesser und erleben die Artisten so aus nächster Nähe, werden auch mal Teil des Aufführung. So wird ein Besucher zu Mariano Carneiros Amigo und bekommt als „Geschenk“ einen bunten Karton überreicht, in dem sich Requisiten – hier verschiedene Kreisel – befinden. Ein anderes Mal ahmen die Zuschauer mit sichtlicher Freude kreisende Bewegungen nach, die ihnen mittels eines Digeridoo angezeigt werden. Die einzelnen Nummern gehen ineinander über, der Auf- und Abbau der Geräte geschieht nahtlos und stets mit schwingvoller musikalischer Begleitung, alles fließt, dreht sich und greift ineinander. In dunstig-schwüler Zirkusluft tanzt Ernesto Terri Samba auf dem Drahtseil, Jimmy Gonzales jongliert virtuos mit weichem weißen Ton oder Ernesto Terri zaubert, ja verzaubert im Sekundentakt die Zuschauer. Mit ganz wenigen Requisiten, einem Zylinder und einem Tuch kommt dieser Magier aus, trotzdem erleben die Zuschauer wie vor ihren Augen riesige Kaninchen und Tauben aus dem Hut gezaubert werden – jedenfalls beinahe.

Andrea Schulte am Chinese Pole

Andrea Schulte und Léa Mäuer am Chinese Pole

Alexander Veligosha, Jimmy Gonzales und Erika Nguyen

Zum temporeichen Finale wurden schließlich alle Akteure und auch Zirkusdirektor und Regisseur Fréderic Zipperlin vom Premierenpublikum mit ausgiebigem Beifall belohnt. „Quilombo“ wird vom 1. bis 26. Juni 2016 Mittwoch bis Freitag um 19.30 Uhr, Samstag um 14.30 und 19.30 Uhr und Sonntag um 14.30 und 17.30 Uhr gezeigt. Tickets sind im Vorverkauf auch an der Theaterkasse des Musktheater im Revier sowie an der Abendkasse am Zirkuszelt (ab 2 Stunden vor jeder Vorstellung) erhältlich. Im Sommer 2017 möchte Cirque Bouffon mit einer völlig neuen Show nach Gelsenkirchen zurückkehren.

Cirque Bouffon, „Quilombo“

Keine Kommentare: