Mittwoch, 22. Juni 2016

„Alles geklaut? Von Prometheus bis Snowden“

LWL-Industriemuseum zeigt Ausstellung zu Wissenstransfer, Plagiaten und Spionage

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) plant an den acht Standorten seines Industriemuseums zwei besondere Ausstellungsprojekte: 2018 beteiligen sich die Ruhrgebietsstandorte an einem großen Verbundprojekt zum Ende des Steinkohlebergbaus. 2019 zeigt das LWL-Industriemuseum auf der Zeche Zollern in Dortmund unter dem Titel „Alles geklaut?“ (März bis Oktober) eine Ausstellung rund um das Thema Wissenstransfer. „Im Mittelpunkt stehen dabei die Industriegeschichte, die Technikentwicklung, Plagiate, Spionage und Überwachung“, sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale am Mittwoch (22. Juni) im LWL-Kulturausschuss in Herne. Begleitet wird die Ausstellung durch Satellitenausstellungen an den anderen sieben Museumsstandorten.

„Die Ausstellung will zeigen, dass die Entwicklung moderner Gesellschaften davon beeinflusst wird, wie Wissen erlangt, geteilt und geschützt wird“, so Rüschoff-Thale. „Ob jemand Industriespion oder Industriepionier ist, liegt im Blick des Betrachters. Das gilt auch für die Einschätzung, ob der Versuch, ein Produkt zu kopieren, als Plagiat oder Weiterentwicklung ist.“

Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung zur Wissens- und Informationsgesellschaft nach, angefangen bei der vorindustriellen Gesellschaft, in der Handwerker das technische Wissen weitergaben. Im 18. und 19. Jahrhundert begann die Industriespionage. Ausländische Reisende, die sich über technische Fortschritte informieren wollten, wurden in Großbritannien aus Angst vor Konkurrenten argwöhnisch beäugt. Seit 1887 mussten in Großbritannien alle industriellen Produkte mit ihrem Herkunftsland gekennzeichnet sein. Was als Abwehr gegen ausländische Billigprodukte und Plagiate gedacht war, entwickelte sich in eine andere Richtung. „Made in Germany“ wurde zum Qualitätsbegriff.

Daneben beschäftigt sich die Ausstellung mit der Spionage in den Weltkriegen und während des Kalten Krieges und spricht auch die „dunkle Seite der Technik“ in Form von Atombomben, Raketen und Düsenjäger an. Ebenso geht es um den nicht immer freiwilligen Wissenstransfer nach dem Zweiten Weltkrieg.

Über die Reportagen von Günter Wallraff zu gefährlichen Arbeitsverhältnissen kommt die Ausstellung schließlich bei „Whistleblowern“ wie Edward Snowden an. Dabei geht es um die Rolle der Medien zwischen Aufklärung, „Geheimnisverrat“ und sensationsheischender Enthüllung.

Zusätzlich zu den Objekten sollen auch Medien zum Einsatz kommen, denn das Thema ist ein beliebtes Sujet im Film wie in Multimediaspielen. Im Sinne eines inklusiven Ausstellungskonzepts wird jede Ausstellungseinheit zudem handlungsorientiert und „begreifbar“ umgesetzt.

Neben der Hauptausstellung in Dortmund gibt es die Satelliten-Ausstellungen „Industriedemontage im Strukturwandel“ in der Henrichshütte Hattingen (Kreis Ennepe-Ruhr), „Ziegelkunst: Backsteingotik und Historismus“ in der LWL-Ziegelei Lage (Kreis Lippe), „Am Werkstor vorbei – und nun im Museum?“ in der Zeche Hannover in Bochum, „Geraubte Technik und gefälschtes Glas“ in der Glashütte Gernheim in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke), „Das Ende des Raubbaus“ in der Zeche Nachtigall in Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis), „Spionage und Aufklärung auf See: U-Boote“ im Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop (Kreis Recklinghausen) und „Mode zwischen Kollektion und Kopie“ im Textikwerk Bocholt (Kreis Borken).

Im Rahmen des Verbundprojektes zum Ende des Steinkohlenbergbaus 2018 wird das LWL-Industriemuseum an seinen Ruhrgebietsstandorten in Dortmund, Bochum, Witten, Hattingen und Waltrop Ausstellungen zu Besucherbergwerken, Ruhrgebietsfolklore, Industriedenkmalpflege und Lebenserinnerungen aus dem Bergbau zeigen. „Dabei wollen wir den Fokus vor allem auf das Erbe des Bergbaus und die Pionierrolle richten, die der LWL bei der Erhaltung von Industriedenkmälern übernommen hat“, so Rüschoff-Thale.

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