Dienstag, 10. Mai 2016

Vorschau: „Schikaneder – Die turbulente Liebes­ge­schichte hinter der Zauberflöte“

„Schikaneder – Die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ – Musik, Songtexte: Stephen Schwartz; Buch: Christian Struppeck; Deutsche Fassung: Michael Kunze; Regie: Sir Trevor Nunn; Choreografie: Anthony van Laast; Bühne, Kostüme: Anthony Ward; Licht-Design: Paul Pyant; Sound-Design: Gareth Owen; Orchestrierung: David Cullen; Musikalische Leitung: Koen Schoots. Darsteller: Mark Seibert (Emanuel Schikaneder), Milica Jovanović (Eleonore Schikaneder, seine Frau), Florian Peters (Johann Friedel, Schauspieler, Bühnenautor und Schriftsteller), Katie Hall (Maria Anna Miller, Sängerin und Schauspielerin, Emanuels Geliebte), Franziska Schuster (Barbara Gerl, Schauspielerin und Sängerin, Eleonores beste Freundin, Cover Eleonore Schikaneder), Hardy Rudolz (Franz Moser, Leiter einer Theaterwandertruppe und Emanuels Mentor und Förderer, Josef von Bauernfeld, Schikaneders Vermieter und später auch Geldgeber für die „Zauberflöte“), Reinwald Kranner (Karl Marinelli, Leiter des Leopoldstädter Theaters und Schikaneders größter Konkurrent), Armin Kahl (Benedikt Schack, Schauspieler und Sänger, Emanuels bester Freund und Darsteller des „Tamino“ in der Uraufführung der „Zauberflöte“), Katja Reichert (Josepha Hofer, Sängerin und Schauspielerin, erste Interpretin der „Königin der Nacht“ in der Uraufführung der „Zauberflöte“), Ricardo Frenzel Baudisch (Cover Emanuel Schikaneder), Oliver Floris (Cover Emanuel Schikaneder), Marle Martens (Cover Eleonore Schikaneder), Tobias Joch (Cover Johann Friedel), Andreas Bongard (Cover Johann Friedel, Benedikt Schack), Lillian Maandag (Cover Maria Anna Miller), Andreja Zidaric (Cover Maria Anna Miller), Ulrich Talle (Cover Franz Moser, Josef von Bauernfeld), Fernand Delosch (Cover Karl Marinelli, Josef von Bauernfeld), Jon Geoffrey Goldsworthy (Cover Franz Moser), Jana Stelley (Cover Barbara Gerl), Karoline Gable (Cover Barbara Gerl), Daniela Braun (Cover Josepha Hofer), Jil Clesse (Cover Josepha Hofer), Stefan Poslovski (Cover Benedikt Schack, Karl Marinelli), Peter Kratochvil, Jill Tessa Brockhoff, Shari Lynn Stewen (Swing), Rebecca Soumagné (Swing), Livia Wrede (Swing), Shane Dickson (Swing), Ronnie Veró Wagner (Swing, Dance Captain), Stef van Gelder (Swing). Uraufführung: 30. September 2016, Raimund Theater, Wien.



„Schikaneder – Die turbulente Liebes­ge­schichte hinter der Zauberflöte“


Uraufführung im Wiener Raimund Theater


Mark Seibert (Emanuel Schikaneder) und Milica Jovanović (Eleonore Schikaneder, seine Frau). © VBW/Rafaela Pröll

„Schikaneder – Die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ ist eine romantische Musical-Komödie über eines der wohl schillerndsten Theater-Ehepaare des 18. Jahrhunderts, die am 30. September 2016 ihre Weltpremiere feiert. Die VBW schließen somit an die Tradition der Eigenproduktionen an und bringen mit „Schikaneder“ die insgesamt dreizehnte Musical-Uraufführung des Unternehmens im Herbst auf die Bühne des Raimund Theater. Intendant Christian Struppeck stellte heute im Beisein von Komponist und Liedtexter Stephen Schwartz Produktion und Hauptdarsteller vor.

Katie Hall, Florian Peters und Milica Jovanović

Das Musical erzählt von der anfangs jungen, unbekümmerten Liebe von Emanuel und Eleonore Schikaneder, die sich zu einer echt gereiften Partnerschaft mit Höhen und Tiefen entwickelte und die Theaterwelt Wiens maßgeblich beeinflusst hat. Ohne sie wäre eines der größten Werke der Opernliteratur – „Die Zauberflöte“ – nie zustande gekommen.

Florian Peters, Milica Jovanović und Mark Seibert

Synopsis
Der junge, vielfach begabte Schauspieler, Sänger, Dichter, Regisseur und Theaterdirektor Emanuel Schikaneder begeistert von Anfang an sein Publikum. Seine Strahlkraft auf der Bühne steht seinem Charme abseits des Theaters in nichts nach – vor allem die Frauen liegen ihm reihenweise zu Füßen. Sein Herz erobert aber nur Eleonore, mit der er fortan nicht nur auf der Bühne glänzt. Den steilen Aufstieg von Emanuel und Eleonore Schikaneder scheint nichts aufhalten zu können. Mit ihrer eigenen Theatertruppe begeistern sie die Menschen zwischen Augsburg und Wien. Ihr Gespür für das Theater und ihr Publikum lässt sie allerorts Beifallsstürme ernten. Bald eilt ihnen ihr Ruhm voraus, wo immer sie Station machen. Schikaneder kann nun auch als Regisseur seine großen Träume für die Bühne verwirklichen und die gekonnte Mischung aus Dichtung und Spektakel begeistert die Menschen über alle sozialen Schichten hinweg.

Der gemeinsame Zauber wird jedoch durch eines getrübt: Die rastlose Untreue Schikaneders. Daher beschließt Eleonore, gemeinsam mit Johann Friedel, einem jüngeren Ensemblekollegen, eigene Wege zu gehen und die Leitung des „Theater auf der Wieden“ zu übernehmen. Diese Unternehmung ist aber keineswegs von Erfolg gekrönt. Als auch noch ihr Partner stirbt, steht sie vor der Entscheidung, entweder das Theater aufzugeben oder ihren Noch-Ehemann Emanuel Schikaneder als Theaterleiter an ihre Seite zu holen und schließlich mit ihm einen der größten Theatererfolge aller Zeiten zu kreieren.

Ihre einstige große Liebe wird erneut auf die Probe gestellt: Nur gemeinsam, wenn sie ihr Vertrauen wiedergewinnen, werden sie an ihren vergangenen Bühnenzauber anknüpfen und zu neuen Höhenflügen ansetzen können. Eine Gratwanderung zwischen Vergeben und Vertrauen beginnt. Die beschwingte Musicalkomödie verbindet romantische, komische, aber auch ernsthafte und bewegende Szenen und entführt uns in die farbenprächtige, turbulente Wiener Theaterwelt des ausgehenden 18. Jahrhunderts.


Castpräsentation und Interviews

von Gregor-Anatol Bockstefl

Florian Peters, Milica Jovanović, Christian Struppeck, Stephen Schwartz, Mark Seibert, Katie Hall und Reinwald Kranner

Während mit Mark Seibert der Hauptdarsteller von „Schikaneder – Die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte“ schon seit längerem feststand, wurde die Bekanntgabe der restlichen Cast schon von vielen mit großer Spannung erwartet. Am 10. Mai 2016 wurde nun im Rahmen einer Castpräsention im Raimund Theater das Geheimnis um die Hauptdarsteller gelüftet. Musicalkenner sprechen schon jetzt von einer absoluten Traumcast, die ihresgleichen sucht, die Vieles erwarten lässt, aber natürlich auch die Erwartungen entsprechend hochschraubt. Den Namen der Darsteller nach zu schließen sieht es aber jedenfalls so aus, als hätte man für die jeweilige Rolle eine Idealbesetzung gefunden: Milica Jovanović, die mit ihrer Darstellung der Christine in der konzertanten Aufführung von „Love Never Dies“ und der Winifred Banks in „Mary Poppins“ (beide im Ronacher) Kritik und Publikum restlos für sich einnahm, wird als Emanuel Schikaneders resolute Ehefrau Eleonore zu sehen sein. Florian Peters, der die Titelrolle in „Mozart!“ im Raimund Theater mit großem Erfolg gecovert hat, wird als ihr Verehrer, Wegbegleiter und Geliebter Johann Friedel zu sehen sein. Mit Reinwald Kranner (Karl Marinelli), Franziska Schuster (Barbara Gerl/Cover Eleonore Schikaneder) und Armin Kahl (Benedikt Schack) konnten weitere Wiener Publikumslieblinge verpflichtet werden. Der deutsche Schauspieler, Sänger und Regisseur Hartwig „Hardy“ Rudolz verkörpert die Rollen von Franz Moser und Josef von Bauernfeld. Für Überraschung sorgt das Engagement der jungen englischen Darstellerin Katie Hall, die bereits am West End erfolgreich die Christine in „The Phantom of the Opera“ und die Cosette in „Les Misérables“ verkörpert hat. In mehreren Workshops zum Stück hat sie die Rolle der jungen Geliebten Emanuel Schikaneders Maria Anna Miller mitkreiert und wird in dieser nun auch in der Wiener Uraufführung zu sehen sein.

Stephen Schwartz

Stephen Schwartz, der bei der Castpräsentation persönlich anwesend war, ließ es sich nicht nehmen, selbst am Klavier einige Hörproben aus dem Musical vorzustellen. Die Songs sind melodiös und eingängig, wie auch das von Mark Seibert und Milica Jovanović unter Begleitung des VBW-Orchesters live vorgetragene Duett „Träum groß“ – eine im besten Sinne altmodisch zu nennende Nummer, die an legendäre Broadway-Musicals wie „Kiss Me, Kate“ oder „My Fair Lady“ erinnert. Stolz und Vorfreude auf das ambitionierte Musicalprojekt waren allen Beteiligten und insbesondere VBW-Musical-Intendanten und Buch-Autor Christian Struppeck ins Gesicht geschrieben. Die Idee, aus der Persönlichkeit Emanuel Schikaneder ein Musical zu machen, geht schließlich auf ihn zurück, noch bevor er seine Intendantenfunktion in Wien übernommen hatte. Mehrere Jahre hat er intensiv recherchiert und daraus eine turbulente Liebesgeschichte entwickelt, die nach seiner Aussage dennoch auf Tatsachen beruht. Laut Struppeck führt gerade diese Liebesgeschichte zur „Zauberflöte“ mit der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, einer der weltweit meistgespielten Opern. Vor diesem Hintergrund haben die VBW die Chance, ein Musical aus der Taufe zu heben, um das sich nicht nur die bewährten Kooperationspartner aus Fernost, sondern auch Produzenten vom Londoner West End und vom New Yorker Broadway bemühen werden. Wir wünschen toi, toi, toi für die kommenden Wochen und Monate bis zur Premiere am 30. September 2016! Im Anschluss an die Castpräsentation standen uns die Hauptdarsteller in Kurzinterviews Rede und Antwort.


Reinwald Kranner im Gespräch

Der klassisch ausgebildete Tenor stand nach seinem Engagement als Kaiser Franz Joseph in „Elisabeth“ in Musicals, Operetten und Opern auf der Bühne, u. a. als Franz Liebkind in „The Producers“ am Ronacher und Admiralspalast Berlin zuletzt als George Banks in „Mary Poppins“ am Ronacher. Im Sommer diesen Jahres ist er im Musical „Jekyll & Hyde“ am Stadttheater der Bühne Baden als Utterson engagiert.

Reinwald Kranner

Wie bist du zu dem Stück/der Rolle gekommen?
Reinwald Kranner: Ich habe die Ausschreibung gesehen und mich angemeldet. Als ich die Noten gesehen habe, dachte ich mir, das ist genau das was ich machen möchte. Aber man weiß nie, ob es gelingt.

Hattest du eine bestimmte Rolle im Blick?
Reinwald Kranner: Ich wusste Schikaneder ist vergeben (lacht). Es gab für meine Stimme zwei Rollen, die einen Tenor brauchen und habe mich für beide beworben und dachte mir der Bösewicht hat noch mehr Schmackes.

Hast du schon oft Bösewichte gespielt?
Reinwald Kranner: Hin und wieder. Ich war der Kashoggi in „We Will Rock You“ im Theater des Westens, da musste ich Menschen quälen. Das waren zwei harte Jahre, aber ich habe sie trotzdem genossen. Während meiner Ausbildung im Konservatorium musste ich immer die Liebhaber spielen. Ich habe dann aber nie die Liebhaber-Rollen bekommen, sondern meistens nur die Bösen.

Was kannst du uns über „Schikaneder“ erzählen?
Reinwald Kranner: Wir hatten jetzt eine Woche lang table readings. Wir haben sehr viel Altpapier verursacht, weil dauernd etwas ausgewechselt oder etwas Neues dazu genommen wurde. Der große Bogen ist fertig, aber im Detail wird noch bis zum Schluss gearbeitet. Das Stück ist lustig und auch berührend traurig und es hat wirklich spannende Momente.


Katie Hall im Gespräch

Katie Hall absolvierte ihre Ausbildung am National Youth Music Theatre und ist aus den West End Produktionen „The Phantom of the Opera“ am Her Majesty’s Theatre und in der Royal Albert Hall sowie „Les Misérables“ am Queen’s Theatre und der o2 Arena bekannt, in denen sie die Rollen der Christine Daaé bzw. Cosette gespielt hat. Katie Hall hat außerdem in der Verfilmung von „Les Misérables“ von Regisseur Tom Hooper mitgewirkt.

Katie Hall

Welcome to Vienna! How does it feel like to be in a production in Vienna?
Katie Hall: It’s so exciting! To be honest, I always have to pinch myself, because I think I am dreaming. It is amazing to work with such a fantastic team and Stephen and Trevor. And all the other cast is so fantastic. I’m just so excited to start rehearsals now.

I have seen you several years ago in London as Christine in „The Phantom of the Opera“. Your performance was amazing.
Katie Hall: Oh, thank you!

Does this role now also need a classical background?
Katie Hall: Yes, very much so. It’s kind of coloratura soprano. It is sort of similar to Queen of the Night but not quite as high as that. She is just a young ballet dancer, very innocent, thinking she is doing the right thing, but really is not doing the right thing at all – ever.

Have you heard of Schikaneder before you were involved in this project?
Katie Hall: Yes, both of my parents are opera singers, so I know „Die Zauberflöte“ really well. My mum has played Queen of the Night and my dad has played Monostatos. So I knew of Emanuel Schikaneder beforehand, but I didn’t know the big story. It’s such an interesting story that goes on behind it all. It’s really fantastic.

Have you already been to Vienna before?
Katie Hall: I have done the workshops here. We did the workshops in English first. So I’ve been twice before and then once for the audition and then just this last week we have been reading through the musical in German. So this is sort of my third time, but I can’t wait to move here. I’m really excited! I love this city!

What has your reaction been like when you finally got the role?
Katie Hall: I couldn’t believe it. I really hoped they would let me audition for the role in German and thankfully they let me have a go. I did lots of work on it and when I finally got the phone call saying I’ve done it, my hard work has paid off. I’m so excited and I’m really pleased that they gave me that chance.

Is it a challenge for you to play in another language?
Katie Hall: It is absolutely! It’s been bit of a baptism of fire this last week. All the rehearsals have been held in German, but I started to realize that I was understanding more and more as I was spending more time around here. The dialogue coach is absolutely fantastic! It’s a great team to be working with and it was very supportive! The other cast have been speaking to me in German and correcting me. It’s been really great!

What can you tell us about your role Maria Anna?
Katie Hall: She is a young ballet dancer, very naive and very romantic. She falls in love with Emanuel, but he has affairs with quite a few women, she is one of many. Now, I probably shouldn’t be giving away one of the big secrets, she does the big thing. She really believes that she is doing the right thing, but it is completely the wrong thing to do what it is that she does. That is all I say!


Florian Peters im Gespräch

Florian Peters schloss seine Musical-Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding 2011 mit dem Diplom ab. Am Staatstheater am Gärtnerplatz in München verkörperte er 2014 Petrus in „Jesus Christ Superstar“ und 2015 Chévalier de Danceny in der Uraufführung des Musicals „Gefährliche Liebschaften“ von Marc Schubring (Musik) und Wolfgang Adenberg (Buch und Liedtexte). 2015 wurde er mit dem Lys Symonette Award für Outstanding Performance of an Individual Number im Lotte Lenya Wettbewerb ausgezeichnet, zuletzt war er in „Mozart!“ am Raimund Theater zu sehen.

Florian Peters

Freust du dich bei „Schikaneder“ dabei zu sein?
Florian Peters: Es ist natürlich ein Traum der wahr wird. Jeder Darsteller träumt davon, am Broadway zu spielen, und das ist so, als ob der Broadway hierher kommt.

Was kannst du über deine Rolle erzählen?
Florian Peters: Diese Rolle ist eine kleine aber sehr interessante Rolle. Sie hat zwar nicht unglaublich viel zu tun, hat aber ganz schöne Momente auf der Bühne. Friedel ist ein Zweifler. Er zweifelt an sich und muss diese Zweifel überwinden, um das zu kriegen was er will. Ich erkenne mich darin auch selber, ich denke, jeder Mensch erkennt sich darin wieder. Jeder Mensch hat Zweifel, aber trotzdem auch Träume, und muss diesen Träumen treu bleiben und daran arbeiten, dass diese Träume wahr werden.

Ist es etwas Besonderes, als Schauspieler einen Schauspieler zu spielen?
Florian Peters: Schauspieler sind ja auch nur Menschen, also ist es eigentlich nichts anderes als sonst. Das Lustige an diesem Charakter: Er ist ja eigentlich nicht Schauspieler, sondern Autor. Er kommt da nur rein, weil er mit den Schikaneders zusammenarbeiten will und er daraufhin als Schauspieler engagiert wird. Aber eigentlich will er von Anfang an seine eigenen Stücke auf die Bühne bringen. Emanuel Schikaneder lässt das aber nicht zu, weil er seine Stücke selber schreibt. Und so rutscht Friedel dann in diese Schauspielschiene hinein.

Setzt man sich mit der historischen Figur und der Zeit auseinander?
Florian Peters: Durch meine letzte Rolle in „Mozart!“ habe ich mich ja schon mit der Zeit des 18. Jahrhunderts beschäftigt. Vor der Audition habe ich mich schon eingelesen. Aber die Rolle und die historische Figur sind dann doch zwei Paar Schuhe. Aber man liest natürlich um zu sehen, wo gibt es Punkte, die mich inspirieren können den Charakter zu erschaffen. Wo sind Ideen, die ich nehmen kann, wie er gelebt hat. Den Reisebericht nach Berlin, den er geschrieben hat, werde ich zum Beispiel noch lesen.

Ist es etwas Besonderes, bei einer Uraufführung beteiligt zu sein?
Florian Peters: Letzte Woche hatten wir einen Workshop. Das fand ich spannend, dass wir jeden Tag einen Stapel von Texten bekommen haben, die dann überarbeitet wurden. Das hatte ich noch nie, und das war total spannend, daran beteiligt zu sein.


Milica Jovanović im Gespräch

Milica Jovanović studierte Musical an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München und an der Royal Academy of Music in London. In der deutschsprachigen Erstaufführung von „Hello Again“ von Michael John LaChiusa am Prinzregententheater München war sie als junge Ehefrau zu sehen. Am Ronacher in Wien spielte sie Christine Daaé in der konzertanten Fassung von „Love Never Dies“ und zuletzt Winifred Banks in „Mary Poppins“. Im Sommer 2016 wird sie als Guinevere in „Artus – Excalibur“ bei den Freilichtspielen Tecklenburg zu erleben sein.

Milica Jovanović

Wie siehst du die Rolle der Eleonore?
Milica Jovanović: Sie ist für ihre Zeit eine sehr moderne, selbstbewusste Frau. Sie hatte damals schon eine Intendantenrolle gehabt. Ich finde sie sehr spannend, weil sie zwei Lieben in dem Stück hat. Sie muss auch schauen, wer sie alleine ist. Das finde ich stark für eine Frau in der damaligen Zeit, die ja damals abhängig von Männern waren. Das wollte sie gar nicht. Das ist besonders an ihr.

Es ist auch ungewöhnlich für eine Frau in der dieser Zeit den Mann sitzen zu lassen und mit einem Liebhaber wegzugehen.
Milica Jovanović: Da ist einfach so viel vorher passiert – was er ihr angetan hat. Es reicht ihr einfach. Und dann ist da dieser andere Mann, der nett zu ihr ist. Die beiden haben die Idee, ein neues Theater in Wien zu gründen. Er hat ihr dann so viel Liebe gegeben, dass Eleonore erstmals verkraften konnte, was ihr Schikaneder angetan hat.

Wusstest du vorher schon etwas über die Schikaneders?
Milica Jovanović: Von Eleonore wusste ich leider nicht so viel. Der Name Emanuel Schikaneder ist mir aufgefallen, als ich die Papagena in „Die Zauberflöte“ in München in zwei verschiedenen Inszenierungen gespielt habe. Natürlich stand da „Libretto von Schikaneder“. Da habe ich damals gelesen, wer dieser Mann war.

Wir war deine Reaktion als du erfahren hast, dass du die Rolle hast?
Milica Jovanović: Ich wusste erstmals gar nicht, was ich denken soll. Ich war wie in einem Schock, dass es geklappt hat. An dem Tag wollte ich eigentlich einen Macaron-Workshop mit meiner Schwägerin machen. Ich habe fünf Minuten vor dem Workshop erfahren, dass ich die Rolle bekommen habe. Von dem Workshop kann ich gar nichts mehr sagen. Ich weiß nur, wir haben Schokoladen-Marcarons gemacht und ich habe ca. 50 davon gegessen. Ich war einfach überwältigt von dem Gedanken, was das bedeutet.

Ein Darsteller hat gesagt, es ist wie Broadway in Wien. Ist es etwas anders, als mit einem deutschsprachigen Team zu arbeitet?
Milica Jovanović: Es gibt auch im deutschsprachigem Raum Regisseure, deren Arbeit ich liebe und mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde. Aber es ist natürlich schon etwas anders, weil es nicht so abwegig ist, dass dieses Stück wirklich an den Broadway gehen wird, dann natürlich mit englischsprachigen Kollegen. Stephen Schwartz hat ja die Musik geschrieben. Er ist ein König, und ich liebe seine Musik. Ich freue mich diese Rolle singen zu dürfen. Gestern war es auch besonders: Wir haben geschaut, in welchen Tonarten es am besten klappt und wo wir einen coolen Ton hinmachen. Das ist schon aufregend.

Wird die Rolle auf dich zugeschnitten?
Milica Jovanović: Es wird noch gefeilt daran. Es wird geschaut, wie wir das noch aufregender machen können. Am Ende habe ich ein ganz tolles Sololied, das auch noch „Solo“ heißt. Da singt sie, dass sie das nun alleine durchzieht. Da wird natürlich geschaut, wie können wir das Ende knackig machen, so dass es einfach aufregend wird. Wir haben noch einen hohen Ton reingemacht, der eigentlich nicht da war. Also es wird an uns angepasst und das ist echt aufregend.


Mark Seibert im Gespräch

Mark Seibert spielte am Raimund Theater den Tod in der Wiener Produktion von „Elisabeth“ und parallel dazu Jesus in „Jesus Christ Superstar“ an der Oper Bonn. 2013 war er als Lanzelot in der Uraufführung von Frank Wildhorns Musical „Artus – Excalibur“ am Theater St. Gallen zu sehen und ging 2014 in Shanghai und Deutschland erneut mit „Elisabeth“ als Tod auf Tournee. Zuletzt übernahm er in Wien die Rolle des Fürsterzbischof Colloredo in der Neuproduktion von „Mozart!“ am Raimund Theater. Zur Zeit steht er als Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“ im Berliner Theater des Westens auf der Bühne.

Mark Seibert

Wie war deine erste Reaktion als du erfahren hast, dass du die Rolle bekommen hast?
Mark Seibert: Ich habe damals einen Anruf von Christian Struppeck aus New York bekommen. Ich musste vorher natürlich ein Vorsingen machen, das auf Video aufgezeichnet wurde. Das Kreativteam lebt ja hauptsächlich in New York oder London. Christian Struppeck hat das dann quasi im Gepäck gehabt, ist nach New York geflogen und hat mich von New York aus angerufen und die frohe Botschaft überbracht. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, da es ein Job quasi in meinem Zuhause ist. Das ist mittlerweile die fünfte Show, die ich im Raimund Theater mache. So ein spannendes Thema und ein spannender Charakter bei einer Welturaufführung mit so einem hochkarätigem Team – da muss man nicht lange überlegen.

Ist es spannend Theater am Theater zu spielen und einen Impressario zu spielen?
Mark Seibert: Absolut, man hat beim Lesen des Buches ganz viele Déjà-vus, weil so ist es wirklich beim Theater. Es hat sich in 225 Jahren nicht viel geändert. Es ist wahnsinnig spannend. Man kann seine Erfahrung als Mitarbeiter eines Theaters, als Schauspieler auch mit auf die Bühne nehmen.

Ist es hauptsächlich Komödie, oder gibt es auch dramatische Momente?
Mark Seibert: Natürlich es ist eine Mischung aus allem. Es ist für das Publikum eher heiter, aber genauso auch berührend. Genau das soll es auch haben. Wenn von Anfang bis Ende nur ein Witz den anderen jagen würde, würde es sich auch erschöpfen. Es hat sehr viel Ernsthaftigkeit, eine gewisse Message. Gerade Eleonore ist ein Charakter, mit dem das Publikum unwahrscheinlich mitfühlen wird. Da braucht es auch mal ruhigere Momente und tiefere Gefühle als nur Lustiges und Heiteres.

Es ist nicht nur die Geschichte hinter der „Zauberflöte“, sondern auch allgemein gültige Aussage, was die Liebe zwischen den zwei Menschen betrifft.
Mark Seibert: Ja, das kann jeder in sein Privatleben übertragen, dass Beziehung ein ganzes Stück Arbeit sind und nicht immer nur Freude machen.

Wie ist das für dich, mit bekannten und neuen Kollegen zusammenzuarbeiten? Ist es ein Unterschied mit neuen Kollegen, oder mit Kollegen, die man schon kennt, zusammenzuarbeiten?
Mark Seibert: Es ist immer wieder schön als Darsteller, wenn man bekannte Darsteller von früher trifft. Es ist aber genauso schön wieder neue Leute kennen zu lernen. Die Branche ist sehr überschaubar, aber es ist schön, auch immer wieder mit andern Leuten zusammenzukommen.

Das Team ist sehr international.
Mark Seibert: Das ist eine ganz große Ehre, das sind wirklich die Top-Leute der internationalen Liga. Das ist absolut eine Ehre und große Herausforderung und auch eine schöne Chance.


Christian Struppeck im Gespräch

Christian Struppeck ist seit 2012 Musical-Intendant der Vereinigten Bühnen Wien. Er war sechs Jahre lang Künstlerischer Direktor und Leiter der deutschen Kreativabteilung von Stage Entertainment Germany. Gemeinsam mit Andreas Gergen gründete und leitete er die Produktionsfirma Creative Agency Berlin, mit ihm zusammen inszenierte er mehr als 40 Musicals und Operetten. Er entwickelte das Musical „Der Besuch der alten Dame“ und schrieb hierfür das Buch, zuletzt schrieb er zusammen mit Stephen Schwartz am neuen Musical über den österreichischen Theater-Impresario Emanuel Schikaneder, das vor dem Hintergrund der Entstehung der „Zauberflöte“ spielt.

Christian Struppeck

Wie sind Sie auf den Stoff „Schikaneder“ gekommen?
Christian Struppeck: Andreas Gergen und ich haben am Salzburger Landestheater inszeniert und dort stand eine Büste von Emanuel Schikaneder im Foyer. Da haben wir uns gedacht, das ist interessant, wir müssen uns einmal mit seinem Leben befassen. So sind wir auf diese faszinierende Geschichte gestoßen, dass er alles mit seiner Frau zusammen gemacht hat, bis sie sich zerstritten haben und für fünf Jahre getrennt waren. Sie hat mit ihrem Freund in Wien ein Theater eröffnet, der dann aber an Schwindsucht verstorben ist. Sie hat das Theater geerbt, durfte es aber als Frau nicht führen und musste sich mit ihrem Noch-Ehemann zusammenraufen und dann haben sie gemeinsam „Die Zauberflöte“ entwickelt, die sonst vielleicht nie zustande gekommen wäre, unter sehr chaotischen Umständen. Sie sind bis zu seinem Lebensende zusammengeblieben. Das fand ich eine faszinierende Geschichte, das war die Idee zu unserem Stück, wie sie sich wieder mit ihm zusammenfinden muss.

Wie war die Arbeit an der Entwicklung der Geschichte?
Christian Struppeck: Ich habe zwei Jahre lang recherchiert, bevor wir überhaupt begonnen haben. Dann haben Stephen Schwartz und ich ein Jahr lang nur über die Geschichte gesprochen und die Geschichte entwickelt. Insgesamt sind fünf Jahre seit der ersten Idee vergangen. Seit drei Jahren arbeiten wir intensiv an dem Stück.

Wie ist es Ihnen gelungen, Stephen Schwartz für dieses Projekt zu gewinnen?
Christian Struppeck: Ich kannte Stephen Schwartz, weil ich in der Weltpremiere von „Der Glöckner von Notre Dame“ gespielt habe. Da haben wir uns kennengelernt und sind in Kontakt geblieben. Wir haben immer darüber gesprochen, dass wir mal was zusammen schreiben wollen. Wir haben immer wieder verschiedene Stoffe angesprochen, wenn wir uns getroffen haben. Bei diesem Stoff hat er sofort gesagt, dass interessiert mich sehr, das finde ich toll, da möchte ich dabei sein. Wir haben mit Trevor Nunn natürlich auch einen Weltstar als Regisseur. Diese Leute müssen nicht nach Europa kommen, sie arbeiten in Hollywood, in New York und London. Meine Aufgabe ist es, sie dafür zu begeistern. Ich freue mich, dass sie gerne hier her kommen, weil sie unser Theater mögen. Sie mögen unsere Mitarbeiter, unser Orchester und sie haben Lust dazu. Es geht darum, ob ein Projekt/ein Stoff sie interessiert, weil sonst machen sie etwas anderes. Und da sind wir glücklich, dass sie diese Idee interessiert hat und dass wir ein so hochkarätiges Team zusammenstellen konnten.

Da ist die Aufmerksamkeit auch international sicher höher.
Christian Struppeck: Es gibt international eine sehr große Aufmerksamkeit. Stephen Schwartz ist ja ein weltbekannter Komponist und es ist sein erstes großes Musical seit „Wicked“. Wir orten Interesse aus New York, London, Asien und Australien. Alle schauen da natürlich darauf. Unser Ausstatter Anthony Ward ist ja auch sehr bekannt. Anthony van Last macht die Choreografie. Die kennen sich auch schon, das ist natürlich auch wichtig für ein Projekt.

Wir haben schon von einem Darsteller gehört, es ist als wäre der Broadway in Wien.
Christian Struppeck: Wir wollen Shows auf Broadway-Niveau entwickeln und dann muss man natürlich mit solchen Leuten auch zusammen arbeiten. Das ist schon außergewöhnlich, dass man so ein Team zusammenstellen kann, wie es auch in London oder New York wäre. Insofern hat er schon ein bisschen Recht was diese Konstellation betrifft, aber der Stoff ist ja sehr europäisch-österreichisch. Diese Mischung ist aufregend. Das sich diese Leute mit der österreichischen Geschichte befassen.

Aber das Stück hat auch sicher Potenzial in der Welt gespielt zu werden, auch wenn die Handlung in Wien stattfindet.
Christian Struppeck: Das war von Anfang an unser Konzept, dass wir gesagt haben, man muss Spaß haben am Stück, man muss alles verstehen können, auch wenn man sich für „Die Zauberflöte“ gar nicht interessiert und sie vielleicht noch nie gesehen hat. Es muss eine allgemeingültige Geschichte sein. Übrigens hat das Orchester fast die gleiche Besetzung wie „Die Zauberflöte“. Das ist auch Teil des Konzepts und etwas das Stephen auch gereizt hat, dass er hier das machen kann.

Mozart selbst kommt im Stück nicht vor.
Christian Struppeck: Das war eine bewusste Entscheidung. Witzigerweise kommt uns da die Wahrheit zu Hilfe, weil er nur in der ersten Woche da war, weil er in Prag den „Titus“ gemacht hat. Er war die ganze Zeit weg. Das kommt auch im Stück vor, dass er nie Zeit hat. Das Stück ist ja unter ganz chaotischen Zuständen entstanden. Das hat mich so fasziniert, das waren ja Vorstadttheater, außerhalb von Wien, und eigentlich kommerzielle Theater, die – wie man damals gesagt hat – für das einfache Volk gespielt haben, im Gegensatz zu den Hoftheatern. Sie wurden immer belächelt als die volkstümlichen Theater. Da wurde alle zwei Wochen ein neues Stück gemacht. Es waren teure Produktionen, sehr ambitioniert, aber es war natürlich nicht abzusehen, dass es so ein Erfolg werden würde. Es ist auch lustig, dass sie die Rollen eigentlich für ihre Freunde geschrieben haben, mit denen sie seit Jahren zusammen gearbeitet hatten, und was zu ihnen passt. Es gibt auch Geschichten, dass Elemente Eingang in die Oper gefunden haben, weil sie Ausstattungselemente und Kostüme schon hatten.

Wie lange wird „Schikaneder“ gespielt werden?
Christian Struppeck: Wir haben es jetzt für ein halbes Jahr angesetzt. Und dann schauen wir mal. Natürlich wäre es schön wenn wir länger spielen. Ich finde es nicht gut, wenn man sagt, wir spielen jetzt ein oder zwei Jahre auf jeden Fall, wenn man noch nicht weiß wie es funktionieren wird. Die Laufzeiten haben sich verändert, die Stücke laufen keine fünf, sechs, sieben Jahre mehr. Das ist eine bewusste Entscheidung, dass wir da erst mal so planen und dann flexibel reagieren können.

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