Donnerstag, 5. Mai 2016

Vatertag an der Emscher

Was macht man(n) an Vatertag? Eine so genannte Herrenpartie, also meist eine Wanderung, bei der dem Alkohol über die Maßen zugesprochen wird. Um die Getränke besser transportieren zu können, werden diese häufig in einem Bollerwagen mitgeführt. So weit, so gut. Wenn man nun aber ein entfernteres Ziel mit dem Auto ansteuert, lässt man tunlichst die Finger von alkoholischen Getränken, und in dem Fall ist ein Bollerwagen nur unnötiger Ballast. Exakt in 30 Tagen, am 4. Juni 2016 soll die Ausstellung Emscherkunst 2016 am Phoenix-See eröffnet werden, der rund 50 Kilometer lange Ausstellungsparcours wird sich diesmal im östlichen Ruhrgebiet in Stadt und Natur zwischen den Städten Holzwickede, Dortmund, Castrop-Rauxel, Recklinghausen und Herne erstrecken. Neugierig habe ich also 30 Tage vor der Eröffnung schon mal nachgeschaut, ob es bereits etwas zu sehen gibt. Da das Gelände des Hoch­wasser­rück­halte­beckens Mengede-Ickern aktuell nicht begehbar ist, habe ich mir den Weg dorthin ebenso wie zur Kokerei Hansa und zum Unionviertel in Dortmund erspart.


Emscherquelle in Holzwickede

Emscherperlen am Emscherquellhof

Der 1801 an der Quelle der Emscher gebaute Emscherquellhof (ehem. Lünschermannshof) ist seit über 200 Jahren Zeitzeuge einer bewegten Flussgeschichte. Vom einst natürlichen Flusslauf über die wasserwirtschaftlich notwendig gewordene Begradigung bis hin zum heutigen Umbau des Emscher-Systems symbolisiert die Quelle den Wandel einer gesamten Flussregion.

Emscherperlen am Emscherquellhof

Die Emschergenossenschaft hat entlang der Emscher an zehn ausgewählten Orten die so genannten „Emscherperlen“ aufgestellt. Dabei handelt es sich um einheitlich gestaltete Vermittlungsmodule in Form eines Kanalrohres, zugleich „Landmarke“ und Informationsquelle. Sie nehmen deutlich Bezug auf die über 400 Kilometer an unterirdischen Abwasserkanalrohren, die im Zuge des Emscher-Umbaus entstehen. Die Emscherperlen bieten allgemeine textliche Informationen zur Emschergenossenschaft und eine Karte des gesamten Streckenverlaufs mit allen Stationen der Emscherperlen. Darüber hinaus gibt es auch eine kurze Einleitung zur Geschichte des Standorts, die komplette Story erzählt dann Herbert Knebel am Telefon. An allen Standorten wird die jeweilige ortsbezogene Geschichte über eine Telefonnummer hinterlegt. Bei Anruf auf dieser kostenlosen Rufnummer „meldet“ sich Herbert Knebel bzw. ein Audio-Track mit der jeweiligen Geschichte des Standorts.

Emscherquellhof


Phoenix-See in Dortmund-Hörde

Phoenix-See

Auf dem Gelände des seit Oktober 2010 aufgestauten Phoenix-Sees befand sich früher das Stahl- und Eisenwerk Hermannshütte. Diese wiederum wurde 1852 zum zentralen Bestandteil des Hörder Bergwerks- und Hütten-Vereins. Ein Thomas-Konverter mit einer Höhe von 7 Metern und einem Gewicht von 64 Tonnen erinnert noch heute an das ehemalige Stahlwerksareal Phoenix-Ost.

Phoenix-See

Emscherperlen am Phoenix-See

Renaturierte Emscher

Brunnen am SWAN-Gebäude am Südufer des Phoenix-Sees

Thomas-Konverter


Phoenix-West in Dortmund

Industrieruine Hochofenanlage Phoenix-West

Wo es ein Stahlwerksareal Phoenix-Ost gibt, wird es wohl auch Phoenix-West geben. Richtig, hier erhielt der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein 1853 die Genehmigung zur Errichtung einer Hochofenanlage, 1854 fand der erste Hochofenabstich statt. Die Anlage bestand zunächst aus vier Kokshochöfen, und wurde später auf sechs Hochöfen erweitert.

„Hüttenmann“ von Friedel Dornberg vor der Industrieruine Hochofenanlage Phoenix-West

Der ehemalige Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein fiel 1992 an den Krupp-Konzern, und mit der Fusion von Thyssen und Krupp zur ThyssenKrupp AG entschied man sich, den Stahlstandort Dortmund zugunsten Duisburg aufzugeben. Die Hochofenanlage Phoenix-West wurde 1998 stillgelegt, die Hermannshütte folgte 2001.

Ehemaliges Schalthaus 101

Heute wird das Gelände von dem sanierten Hochofen 5, dem komplett entkernten Hochofen 6 und dem Hoesch-Gasometer für Gichtgas dominiert. Daneben sind eine Reihe von Gebäuden wie die Gießhalle, die Gasgebläsehallen I und II und das ehemalige Schalthaus 101 erhalten. Die Anlagen und Gebäude stehen teilweise unter Denkmalschutz. Der von der Dortmunder Künstlerin Friedel Dornberg (1910 – 1989) im Jahr 1953 geschaffene „Hüttenmann“ mit seinem hochgeklappten Hitzeschutzschild am Helm und langer Lederschürze wurde im Mai 2009 am Phoenixplatz aufgestellt.

Ehemaliges Schalthaus 101

Ehemaliges Schalthaus 101

Ehemaliger Kühlturm


Wasserkreuz Castrop-Rauxel

Wasserkreuz Castrop-Rauxel

Das so genannte Wasserkreuz in Castrop-Rauxel wird umgangssprachlich auch „Emscher-Düker“ genannt und ist eine Art Brücke – während oben auf dem Rhein-Herne-Kanal die Schiffe fahren, fließt unten die Emscher. Der Emscher-Düker in Castrop-Rauxel ist das größte Bauwerk seiner Art im Emschergebiet.

Emscherperlen am Wasserkreuz Castrop-Rauxel

Emscherperlen am Wasserkreuz Castrop-Rauxel

„Walkway and Tower“ von Tadashi Kawamata

Bernd Zamel, „Bilder am Kanal – Ein künstlerisches Leitsystem“, 14/15


Stadthafen Recklinghausen

Umspannwerk Recklinghausen

Am Stadthafen in Recklinghausen habe ich schließlich doch noch einen ersten Hinweis auf die Emscherkunst 2016 im öffentlichen Raum in Form eines Werbebanners an der Brücke über die Emscher gefunden.

Werbebanner für die Emscherkunst

„Glückauf.Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet“ von Silke Wagner am Faulturm der ehemaligen Kläranlage in Herne

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