Dienstag, 3. Mai 2016

„Rock und Pop im Pott“

Sonderausstellung im Ruhr Museum auf der 12-Meter-Ebene der Kohlenwäsche

Die Ausstellung „Rock und Pop im Pott“ zeigt die Geschichte der Rock- und Popmusik im Ruhrgebiet von den Rock ’n’ Roll-Jugendkrawallen in Dortmund 1956 bis in die Gegenwart des Jahres 2016. Anhand verschiedener Stilrichtungen und Bewegungen werden sechs Jahrzehnte Musikgeschichte erzählt. Die Besucher erwartet eine Reise durch die Musikszene des Reviers: vom Rock ’n’ Roll der 1950er Jahre und dem Beat der 1960er über Protestsongs und Festivals sowie Krautrock, Punk und Heavy Metal, über die Neue Deutsche Welle, Techno und Hip Hop bis hin zur Weltmusik. Die Ausstellung beschränkt sich jedoch nicht auf die Musikrichtungen, ihre Interpreten und ihre Werke. Sie zeigt vielmehr auch die Geschichte der Tonträger und Technologien, mit denen die Musik wahrgenommen wurde, das Equipment der Mischer und den Sound selbst und was er mit den Menschen machte, die Tanzstile und die Mode, die mit der Musik verbunden waren. Sie präsentiert die Musikindustrie und die Szenetreffs und Konzertbühnen, und sie eröffnet ein Kaleidoskop der unendlich vielen Bands des Ruhrgebiets.

Großtransparent „Rock und Pop im Pott“, Gestaltung: Uwe Loesch, © Ruhr Museum

Dabei hat die Ausstellung eine Innen- und eine Außenperspektive. Sie zeigt die berühmten Musiker, die im Ruhrgebiet aufgetreten sind, und sie offenbart die Musik und ihre hiesigen Interpreten, die hier groß geworden sind. Sie berichtet von den legendären Auftritten der Rolling Stones und der Beatles in der Grugahalle, von Frank Zappa bei den Essener Songtagen, von den Deutschlandpremieren von Deep Purple, Pink Floyd und Fleetwood Mac bei den Pop- und Bluesfestivals, von Rory Gallagher, The Kings und The Who im Rockpalast, aber sie erzählt auch von den unzähligen Gruppen und Musikern aus dem Ruhrgebiet, bis hin zu Nena und Herbert Grönemeyer, die zu den erfolgreichsten deutschen Interpreten überhaupt zählen.

„Rock und Pop im Pott“, Starparade – Musikidole des Ruhrgebiets, Herbert Grönemeyer, Nena und STOPPOK

Die Exponate der Ausstellung sind so vielfältig wie die Musik und die damit verbundene Bewegung selbst. Es handelt sich natürlich um die unzähligen Tonträger, die im Laufe der 60 Jahre Rock- und Popgeschichte im Ruhrgebiet entstanden sind, die Schallplatten, Tonbänder, Musikkassetten, CDs und DVDs. Ebenso zeigt die Ausstellung zahlreiche Fotos und Filme der Musiker und ihrer Auftritte, der Konzerthallen und der Festivals. Zudem werden Plakate und Eintrittskarten zu den Konzerten, Zeitungen und Zeitschriften, Promotion- und Marketingmaterial, Fan-Souvenirs wie Autogramme, Poster und Devotionalien, Instrumente und Bühnenkleidung, aber auch Kofferradios, Plattenspieler, Tonbandgeräte, Kassettenrekorder, Walkmans und HiFi-Anlagen präsentiert.

„Rock und Pop im Pott“, Starparade – Musikidole des Ruhrgebiets, Tic Tac Toe und Sasha

Die Gestaltung
Die Gestaltung der Ausstellung stammt vom Innenarchitekten Hannes Bierkämper, Planungsbüro südstudio in Stuttgart, der bereits für die Gestaltung der Ausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ verantwortlich war und an der Dauerausstellung „Natur, Kultur und Geschichte des Ruhrgebiets“ des Ruhr Museums mitgewirkt hat. Was die visuelle Grundhaltung der Ausstellung betrifft, lag es nahe, die Bildwelten derjenigen Kunstrichtungen näher zu untersuchen, die sich zeitgleich oder sogar als Begleiterscheinung zur Popmusik entwickelten: Die Pop-Art im Bereich der Bildenden Kunst und die neuartigen Konsum-Städte in der Architektur. „Learning from Pop“ sowie „Learning from Las Vegas“ Anfang der 1970er Jahre waren die programmatischen Titel der überaus einflussreichen Bücher von Denise Scott Brown und Robert Venturi, die die Einflüsse der extrem konsumorientierten Gesellschaft auf das Erscheinungsbild der Stadt und ihrer Gebäude darstellten. Das eigentliche Gebäude tritt in seiner ganzen Erscheinung in den Hintergrund, ist ein besserer Schuppen. Die Werbetafel (Billboard) an der Straße wird zum wichtigsten Zeichen, leuchtet, blinkt, schreit nach Aufmerksamkeit.

„Rock und Pop im Pott“, Aus der Reihe tanzen – Rock ’n’ Roll im Ruhrgebiet

Den riesigen Einfluss des Konsums auf alle Teile der Gesellschaft hatten schon zuvor die bildenden Künstler entdeckt und zum Thema gemacht. Ab Mitte der 1950er Jahre wandten sich die Pop-Art-Künstler radikal vom damals vorherrschenden Abstrakten Expressionismus ab und machten das scheinbar Triviale zum Sujet. Die dargestellten Objekte wurden dabei sehr häufig flächig, ohne Tiefe und in Primärfarben dargestellt. Typografie, bis dahin lediglich auf Werbeplakaten üblich, wurde in ihren Arbeiten großflächig eingesetzt. Auch Drucktechniken, die bis dahin nur in der Werbegrafik Einsatz gefunden hatten, wurden gerne von den Pop-Art-Künstlern verwandt.

„Rock und Pop im Pott“, Aus der Reihe tanzen – Rock ’n’ Roll im Ruhrgebiet, Kinokasse aus dem Union Filmtheater, Bochum, 1950er Jahre

Weil es einen unmittelbaren Zusammenhang gibt zwischen der damals neuen Stadt-Architektur, der Pop-Art und der Popmusik, erschien es folgerichtig, die Bildwelten und visuellen Prinzipien der Architektur und der Kunst jener Zeit für die Gestaltung der Ausstellung zu nutzen. In der Ausstellung werden deshalb bewusst einzelne Elemente der Hochphase des Pop zitiert. So gibt es eine in Primärfarben angelegte raumgreifende Bodengrafik, die gleich einem „Soundfloor“ die Elemente miteinander verbindet. Großtypografie, Kistensperrholz als Grundmaterial aller Einbauten sind Reminiszenzen an temporäre und improvisierte Bauten. Zum Einsatz kommen ferner Bildmotive, die farbig aufgerastert und verfremdet werden als Elemente der Pop-Art.

„Rock und Pop im Pott“, Aus der Reihe tanzen – Rock ’n’ Roll im Ruhrgebiet, Filmplakate

Im Parcours ist jedem Hauptthema ein sogenanntes Leitmotiv gewidmet. Stellvertretend für jedes Thema wurden Schlüsselobjekte ausgewählt. Diese werden immer vor einem großen Bildmotiv gezeigt, das für die jeweilige Zeit typisch ist und das in seiner grafischen Anmutung die Pop-Art zitiert. Dem Leitmotiv gegenüber erfolgt jeweils die Vertiefung des Themas. Hierfür sind Objektkästen vorgesehen, die so arrangiert sind, dass sie entfernt an Plakatwände erinnern, auf denen sich über die Jahre hinweg wilde Collagen von immer wieder übereinander geklebten Ankündigungen gebildet haben. Zusätzlich ist in jedem Thema eine Medieneinheit vorgesehen, die historische Filmdokumente zeigen, wobei die Filme bewusst als Exponate aufgefasst werden.

„Rock und Pop im Pott“, Aus der Reihe tanzen – Rock ’n’ Roll im Ruhrgebiet, Gesangsmikrofon Shure 55 SH, 1951

Der Rundgang durch die Ausstellung
Bereits auf ihrem Weg durch das Treppenhaus werden die Besucher mit einer musikalischen Ouvertüre auf das Ausstellungsthema eingestimmt: Kurze Song-Zitate werden als musikalische Teaser angespielt und auf die Bunkerwände des Treppenhauses projiziert. Auf der Ausstellungsebene wartet im Zentrum des Ausstellungsraumes die erste Abteilung Der Sound des Ruhrgebiets. Die Stars der Ruhrgebiets-Musikszene flankieren den Weg in den Soundraum, das Herz der Ausstellung. Eine eigens für die Ausstellung entwickelte Soundcollage spielt die Songs des Reviers, die in der kollektiven Erinnerung verhaftet sind. Begleitet wird die Musikcollage von Visuals der Essener Firma V2A.NET GmbH & Co. KG, die den Soundraum gemeinsam mit den TRESOHR STUDIOS aus Oberhausen erstellt haben.

„Rock und Pop im Pott“, Gitarre, Bass, Schlagzeug – Musikequipment, Mikrofone MD 50 und MD 20 der Firma Blackfield, 1960er Jahre

Nach diesem emotionalen Einstieg beginnt der inhaltliche Teil der Ausstellung mit dem Prolog – Bevor der Rock ins Ruhrgebiet kam, der die musikalischen Wurzeln der frühen Rockmusik aufzeigt. Danach folgt der chronologische Rundgang durch 60 Jahre Rock- und Popgeschichte im Ruhrgebiet, der in den Seitenkabinetten durch die Themen Musikequipment, Unterhaltungselektronik, Tanz, Mode, Schauplätze der Rock- und Popmusik, Produktion und Vermarktung sowie Die Bands des Ruhrgebiets inhaltlich vertieft wird.

„Rock und Pop im Pott“, Gitarre, Bass, Schlagzeug – Musikequipment, Gitarren-Verstärker „KEMPER-Profiler Power Head“, 2012

Im Bereich Aus der Reihe tanzen – Rock ’n’ Roll im Ruhrgebiet zeigt sich, dass das Ruhrgebiet als industrieller Ballungsraum ähnliche Voraussetzungen für die Entstehung und Ausbildung der Rockmusik bot wie die englischen Industriegebiete. 1956 spielten bei den so genannten „Jugendkrawallen“ während und nach Vorführungen des Bill Haley-Films „Rock Around The Clock“ die Städte des Ruhrgebiets eine herausragende Rolle, als sich tausende von „Halbstarken“ nach der Aufführung des Films, der in Deutschland „Außer Rand und Band“ hieß, rund um die Kinos versammelten und ihrem neuen rebellischen Lebensgefühl Ausdruck gaben.

„Rock und Pop im Pott“, Gitarre, Bass, Schlagzeug – Musikequipment, Akkordeon mit Tonabnehmer von Hans-Jürgen Mrak. Das Instrument wurde in der Band Reifrock gespielt.

Die folgende Abteilung The Beat goes on – Beatbands im deutschen Industrierevier widmet sich dem Beat. Mit dieser neuen Musikrichtung aus England, vor allem aus Liverpool, entstanden Anfang der 1960er Jahre im Ruhrgebiet Bands in großer Zahl, die ihren neuen Idolen nacheiferten. Beatbands schossen wie Pilze aus dem Boden. Und sie gaben fast jedes Wochenende Auftritte vor begeistertem Publikum. Im Revier, wo sich alles um Arbeit, Kohle und Stahl drehte, stieß der Beat wie in den Industrie- und Hafenstädten Englands auf Begeisterung. Recklinghausen galt Mitte der 1960er Jahre als das „deutsche Liverpool“. In der Vestlandhalle fanden regelmäßig Beatfestivals statt, die der Start für erste Karrieren mit eigenen Platten waren.

„Rock und Pop im Pott“, Gitarre, Bass, Schlagzeug – Musikequipment, Papp-Werbeaufsteller für das Album „A’schklar“ von STOPPOK, 1991, und Banjo von Stefan Stoppok, 1970er Jahre

Leben, Kämpfen, Solidarisieren – Musik und Politik zeigt, dass die Rockmusik Ausdruck von Rebellion wurde. Wie kein anderes Festival stehen die Essener Songtage in der Grugahalle 1968 auch für ein Musikgenre. Vor allem auf den politischen Veranstaltungen jener Zeit wie den Ostermärschen und den „UZ-Pressefesten“ hat der Protestsong für die Verbindung von Musik und gesellschaftlichem Protest eine wichtige Rolle gespielt. Liedermacher wie Frank Baier oder Fasia Jansen sangen Lieder gegen den Siedlungsabriss oder die Stilllegungen von Zechen und Stahlwerken. Legendär bleibt das Festival „AufRuhr“ im Februar 1988, auf dem die Größen der deutschen Rockmusik ein Solidaritätskonzert für die um ihre Arbeitsplätze kämpfenden Krupp-Arbeiter von Duisburg-Rheinhausen gaben.

„Rock und Pop im Pott“, Petticoats und Flohmarktcouture – Musik und Mode, Adbusting T-Shirt

Die Essener Songtage begründeten aber auch die Tradition der großen Festivals in der Grugahalle, wenn auch in kommerzieller Form. Weitere Festivals präsentiert die Abteilung Mythen und Menschenmassen – Rock- und Pop-Festivals mit dem „Internationalen Essener Pop- und Bluesfestival“, auf dem unter anderem Pink Floyd und Fleetwood Mac ihr Deutschlanddebüt gaben. Die Festivals fanden ihren Höhepunkt in den „Rockpalast-Nächten“, den vielleicht bedeutendsten Rockereignissen in Europa, die in den Jahren 1977 bis 1986 insgesamt 17 Mal stattfanden, live im WDR-Fernsehen und -Hörfunk übertragen wurden und das Who is Who der internationalen Rockmusik ins Ruhrgebiet holten.

„Rock und Pop im Pott“, Blick in die Ausstellung

Der Bereich Auch die Krauts rocken – Deutsch-Rock im Ruhrgebiet zeigt die Bedeutung der Universitätsgründungen für die Musikszene im Ruhrgebiet. Die neue studentische Jugend suchte und fand ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, zunächst im sogenannten „Krautrock“, der, technisch anspruchsvoll und mit psychedelischem und drogenerprobtem Hintergrund, die einfache Beatmusik ablöste. Er war eine intellektualistische und verinnerlichte Antwort auf die angelsächsischen Musikimporte, hatte mit Amon Düül in München, Tangerine Dream in Berlin, Guru Guru in Heidelberg und Can in Köln seine Stars, fand aber auch im Ruhrgebiet mit Bröselmaschine in Duisburg, Franz K. in Witten und Grobschnitt in Hagen bedeutende Vertreter. Die Krautrocker waren auch die ersten, die begannen, ihre Texte auf Deutsch zu singen.

„Rock und Pop im Pott“, The Beat goes on – Beatbands im deutschen Industrierevier

In den späten 1970er Jahren schwappte der Punk aus England ins Ruhrgebiet und fand mit seiner Endzeitvision im krisengeschüttelten Ruhrgebiet der späten 1970er Jahre auf dem Höhepunkt der Stahlkrise und des Strukturwandels einen fruchtbaren Boden, wie die folgende Abteilung Mach Dein Ding – Punk im Pott zeigt. Das Ruhrgebiet wurde zur Hochburg des Punks in Deutschland und ist es auch noch heute. Gruppen wie The Idiots, Die Lokalmatadore, Die Kassierer und die Upright Citizens existieren fast alle seit Anfang der 1980er Jahre und haben in ihrer über dreißigjährigen Geschichte überregionale Wahrnehmung erfahren und internationale Erfolge gefeiert.

„Rock und Pop im Pott“, Mythen und Menschenmassen – Rock- und Pop-Festivals

Ähnliches gilt für einen weiteren Musikstil, der sich in den 1970er Jahren aus dem Rock und dem Beat entwickelt hat und sich ebenso gut und erfolgreich mit der Industrieregion Ruhrgebiet verbindet – Heavy Metal. Die Abteilung Harter Rock im Industrierevier – Heavy Metal zeigt, dass das Ruhrgebiet bis heute eine Vorreiterrolle einnimmt, und das gilt nicht nur für die zahlreichen (Open Air-)Konzerte in Megastadien wie der Gelsenkirchener „Veltins Arena“, sondern auch für den, teilweise internationalen, Erfolg der Ruhrgebiet-Bands. Axxis, Kreator, Sodom, Rage oder Randalica sind internationale Stars der Szene und spielen vor zehntausenden von Metal-Fans nicht nur im Ruhrgebiet.

„Rock und Pop im Pott“, Auch die Krauts rocken – Deutsch-Rock im Ruhrgebiet

Die Abteilung Die Wüste lebt – Ruhr-Pop als Erfolgsrezept zeigt den Aufstieg der Neuen Deutschen Welle, die Anfang der 1980er Jahre zahlreiche Gruppen hervorbrachte, die Stücke in deutscher Sprache mit witzigen und provokativen Texten produzierten. Dabei lag der Ursprung dieser Bewegung weniger in den Ruhrgebietsmetropolen als in den Randstädten Gelsenkirchen (Salinos, Fred Banana Combo, Das Weltende), Hagen (The Stripes, The Ramblers, Extrabreit) oder Herne (Vorgruppe, Herne3), dann auch in Bochum (Geier Sturzflug, Fritz Brause) und Dortmund (Conditors). Die Neue Deutsche Welle im Ruhrgebiet brachte Nena und Herbert Grönemeyer hervor, die als Popstars aus dem Ruhrpott zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Sängern wurden, hatte aber auch Interpreten des New Wave, die sich an den Protagonisten der Düsseldorfer Szene um die Kunstakademie und den Ratinger Hof wie Kraftwerk, DAF oder Fehlfarben orientierten.

„Rock und Pop im Pott“, Harter Rock im Industrierevier – Heavy Metal

Die Abteilung Keine Love-Parade – Techno im Ruhrgebiet präsentiert die elektronische Musik des Reviers. Schon seit 1993 findet jährlich in der Dortmunder Westfalenhalle das „Mayday-Festival“ statt, und es gibt inzwischen eine Reihe weiterer Festivals wie die Dortmunder „Juicy Beats“ oder in Oberhausen „Ruhr in Love“. Populäre und international gefragte Techno-Discjockeys haben ihre Wurzeln im Ruhrgebiet und sind weltweit unterwegs. Moguai, ATB und Deniz Koyu sind Künstler, die an einem Abend in Essen auflegen, am nächsten in Las Vegas. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich die Veranstalter der Loveparade, des ehemals größten Events der Technoszene, nach deren Aus in Berlin zum Umzug ins Ruhrgebiet entschieden. Nach zwei Paraden 2007 in Essen und 2008 in Dortmund sowie einer Absage 2009 in Bochum fand die Loveparade dann 2010 im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 in Duisburg statt und endete tragisch. 21 Menschen starben inmitten einer in Panik geratenen, eingepferchten Menschenmenge, es gab mehr als 500 Verletzte.

„Rock und Pop im Pott“, Keine Love-Parade – Techno im Ruhrgebiet

In der letzten Abteilung der Ausstellung geht es um Musik in der Einwanderungsgesellschaft – Hip Hop und Gastarbeitersound. Viele der DJs der Techno- und Diskoszene des Ruhrgebiets haben einen Migrationshintergrund und spiegeln die Struktur der Einwanderungsgesellschaft. Lange wollte dies die Mehrheitsgesellschaft des Ruhrgebiets nicht wahrhaben und unterstützte in wohlgemeinter Absicht die Kultur der Migranten, auch ihre Musik, als Folklore, etwa auf dem seit 1974 stattfindenden Festival „Kemnade International“. Heute sind einige Migranten der zweiten und dritten Generation als Musiker internationale Stars auch in den Ländern ihrer Eltern und verarbeiten musikalisch ihre Situation in der neuen Heimat. Mit dem Hip Hop ist in den letzten Jahrzehnten eine Musikrichtung entstanden, die fast durchgängig von Migranten betrieben wird und dies mit großem Erfolg. Und es ist bezeichnend, dass die meisten Stücke, die sich mit dem Ruhrgebiet und seiner sozialen Realität beschäftigen, aus dem Hip Hop und von Migranten stammen, die sich hierin mit ihrer neuen und manchmal fremden Heimat kritisch, aber auch empathisch auseinandersetzen.

„Rock und Pop im Pott“, Die Wüste lebt – Ruhr-Pop als Erfolgsrezept

In der Musiksammlung Gruppenbild – Die Bands des Ruhrgebiets erwarten die Besucher über 700 Tonträger: Platten, Singles, CDs und Musikkassetten. Jeder Interpret und jede Band des Ruhrgebiets soll mit einem Tonträger in der Ausstellung vertreten sein. Falls Besucher selbst eine Platte gemacht haben oder den Tonträger einer Band, eines Interpreten oder einer Interpretin besitzen, die noch fehlt, können sie sich unter rockundpop@ruhrmuseum.de melden und dem Ruhr Museum den Tonträger für den Zeitraum der Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung stellen.

„Rock und Pop im Pott“, Blick in die Ausstellung

Am Ende der Chronologie wird der Zuschauer im Bereich Epilog – Rock und Pop forever von wichtigen Vertretern der Rock- und Popgeschichte des Ruhrgebiets verabschiedet. Dies geschieht mittels Zeitzeugen-Interviews, in denen Experten der Rock- und Popgeschichte des Ruhrgebiets über die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft der Rock- und Popmusik im Ruhrgebiet berichten.

„Rock und Pop im Pott“, Gruppenbild – Die Bands des Ruhrgebiets

„Rock und Pop im Pott“ ist vom 5. Mai 2016 bis 28. Februar 2017 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schüler- und Studierendengruppen im Rahmen von gebuchten Führungen haben freien Eintritt. Die Ausstellung wird von dem umfangreichsten Kultur- und Musikprogramm begleitet, das das Ruhr Museum bisher umgesetzt hat. Neben speziell konzipierten Führungen und Workshops in der Ausstellung warten Filme, Exkursionen, Vorträge und Gesprächsrunden auf Interessierte. Neu im Programm sind Workshops für Jugendliche und es findet auch zum ersten Mal eine eigene Konzertreihe statt. Das gesamte Programm ist im Veranstaltungsflyer zur Ausstellung und unter www.ruhrmuseum.de zu finden. Der Katalog zur Ausstellung „Rock und Pop im Pott“ ist im Klartext Verlag, Essen erschienen, ISBN 978-3-8375-1593-0. Er umfasst 280 Seiten mit über 300 Abbildungen und kostet 24,95 Euro.

„Rock und Pop im Pott“, Gruppenbild – Die Bands des Ruhrgebiets, Geier Sturzflug, „Runtergekommen“, 1981

STOPPOK. Foto: Rainer Rothenberg, © Ruhr Museum

STOPPOK, der bereits im Rahmen der Eröffnung des Ausstellung „Rock und Pop im Pott“ auf der Bühne zu erleben war, wird die vom Kreativ Werk Ruhr im Rahmen der ZOLLVEREIN® Konzerte und der Ausstellung „Rock und Pop im Pott“ im Ruhr Museum veranstalteten Konzertreihe am 18. Februar 2017 beschließen.

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