Sonntag, 15. Mai 2016

Grüngürtel Duisburg-Nord

Eröffnung des „Parks vor der Haustür“

Am 17. Dezember 1891 wurde im Stahlwerk Bruckhausen, dem jetzigen Oxygenstahlwerk 1, in Gegenwart von Firmengründer August Thyssen der erste Stahl erschmolzen. Ab 1960 zogen vermehrt Gastarbeiter nach Bruckhausen, es entstand nach und nach ein äußerst multiethnisches Viertel. In Bruckhausen leben viele Bürger türkischer Herkunft, mit einem Ausländeranteil von über 50 % stellt Bruckhausen einen der ersten Stadtteile dar, in dem Deutsche zur Minderheit wurden. Traurige Bekanntheit erlangte Bruckhausen mit dem Buch „Ganz unten“ von Günter Wallraff, auch Teile der ARD-Fernsehreihe „Tatort“ mit Horst Schimanski wurden in Bruckhausen gedreht und verbreiteten das Bild des „schmuddeligen Ruhrgebiets“. Mit der Zeit kam es in Teilen von Bruckhausen und Beeck aufgrund der Nähe zur Industrie zum Fortzug von Teilen der Bevölkerung, was zum Wohnungsleerstand und gleichzeitigem Verfall der Wohngebäude führte. Daher wurde am 10. Dezember 2007 im Rat der Stadt Duisburg beschlossen, Teile der Wohngebäude zurückzubauen und das nicht unumstrittene Projekt Grüngürtel Duisburg-Nord zu starten.

„Schuhkunstprojekt“: „Gemeinsam zum Park!“

Die Mitfinanzierung des Projekts Grüngürtel Duisburg Nord durch thyssenkrupp Steel Europe stellt ein Novum in Deutschland dar. Ohne den Finanzierungsanteil von privater Seite wäre die Finanzierung der Sanierungsmaßnahme durch die Stadt als Haushaltsicherungskommune nicht durchführbar gewesen. Die Gesamtmaßnahme wird mit einem Volumen von 71,9 Mio. EUR geschätzt. Die Finanzierung erfolgte durch Fördermittel des Landes und der Europäischen Union und durch eine wesentliche Zuwendung durch die Stahlsparte von thyssenkrupp.

Grüngürtel Duisburg-Nord, alte Stadtansichten auf der Lärmschutzwand an der Kaiser-Wilhelm-Straße

Zur Umsetzung des Projektes mussten in den Stadtteilen Marxloh, Beeck und Bruckhausen insgesamt 127 von 169 Grundstücken privatrechtlich erworben werden. Bis auf ein Objekt konnten alle in das Eigentum der Stadt übertragen werden. Bis zum heutigen Tag wurden 161 Gebäude zurückgebaut, weitere vier Gebäude werden in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgerissen.

Grüngürtel Duisburg-Nord, alte Stadtansichten auf der Lärmschutzwand an der Kaiser-Wilhelm-Straße

Mit dem Baubeginn des Landschaftsbauwerkes im Mai 2014, welches von den Bewohnern und Bewohnerinnen auch „Unser Park vor der Haustür“ genannt wird, wurde der Planungs­ent­wurf des 1. Preisträgers des Landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs, dem Büro r+b Landschaft s architektur aus Dresden umgesetzt. Das Landschaftsbauwerk hat eine Gesamtfläche von rd. 8,3 ha und eine Höhe von bis zu 6,0 m. Die Wege sind barrierefrei und mit Ruhebereichen sowie mit Leuchten ausgestattet, Spielflächen runden das Angebot für alle Altersklassen ab.

Grüngürtel Duisburg-Nord, alte Stadtansichten auf der Lärmschutzwand an der Kaiser-Wilhelm-Straße

Am 14. Mai 2016 wurde der „Park vor der Haustür“ offiziell eröffnet, nun gut, das Wetter war nicht unbedingt „berauschend“, aber von übermäßigem Interesse seitens der Bevölkerung konnte am Nachmittag bereits nicht mehr die Rede sein. Womöglich waren die in der Umgebung ansässigen Bewohner zwei Stunden nach Beginn des Eröffnungsprogramms einfach schon wieder nach Hause gegangen.

Grüngürtel Duisburg-Nord

Grüngürtel Duisburg-Nord mit Blick auf die Hochofenanlage der thyssenkrupp Steel Europe

Grüngürtel Duisburg-Nord

Grüngürtel Duisburg-Nord mit Blick auf die Anlagen der thyssenkrupp Steel Europe

Dieselstraße

Kulturbunker an der Dieselstraße

Arnold-Overbeck-Strasse mit Blick auf Hochofen 8 der thyssenkrupp Steel Europe

Die unter den Bauherren Arnold und Wilhelm Overbeck errichtete, ehemalige Simons-Brotfabrik im Stadtteil Beeck steht seit 2011 unter Denkmalschutz.

Simsons-Brotfabrik, Wohnhaus, Arnold-Overbeck-Straße 58

Matenastraße

Der ebenfalls denkmalgeschützte Matenatunnel unter dem Gelände von thyssenkrupp Steel Europe wurde unter anderem als Drehort einiger Folgen der ARD-Fernsehreihe „Tatort“ mit Horst Schimanski bekannt. Er wurde 2013 endgültig gesperrt und die Eingänge sollen so verfüllt werden, dass jeder Zutritt ausgeschlossen ist. Doch was hilft ein Plan, ist er auch noch so schlau… Den sollten die Verantwortlichen IMHO lieber am Tag des offenen Denkmals für geführte Gruppen begehbar machen, wenn sie den Schlüssel nicht längst weggeworfen haben.

Matenatunnel unter dem Gelände von thyssenkrupp Steel Europe, Ostportal

Matenatunnel unter dem Gelände von thyssenkrupp Steel Europe

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