Samstag, 16. April 2016

Technische Hochschule Georg Agricola feiert Jubiläum

200 Jahre Lehre und Forschung in Bochum

Am 17. März 1816 erteilte das Königlich Preußische Ober­berg­amt den Auftrag, in Bochum einen „bergmännisch wissenschaftlichen Unterricht“ einzurichten, um Fachkräfte für den Steinkohlenbergbau auszubilden. Die ersten 14 Schüler begannen am 15. April 1816 ihre Ausbildung an der Bochumer Bergschule. 1864 übernahm die Westfälische Berg­gewerk­schafts­kasse (WBK), an der alle Berg­werks­unternehmen des Ruhrgebiets beteiligt waren, die Trägerschaft der Bergschule. Die WBK betrieb zugleich eine intensive Forschung beispielsweise auf den Gebieten Bergbau, Geologie, Markscheidewesen, Verfahrenstechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Arbeitssicherheit.

Technische Hochschule Georg Agricola, Bochum

Im Jahr 1963 wurde die Bergschule zur „Ingenieurschule für Bergwesen“, die nun für akademische Berufsfelder ausbildete und ihre Absolventen als „graduierter Ingenieur (Ing. grad.)“ entließ. Im Zuge der Einführung der Hochschulform Fachhochschule Ende der 1970er-Jahre wurde aus der Ingenieur­schule für Bergwesen 1971 die „Fachhochschule Bergbau“. Mit der Erweiterung ihres Fächerspektrums auf weitere Rohstoffwissenschaften und andere Disziplinen wie Umwelt- und Energietechnik beteiligte sie sich aktiv am Strukturwandel im Revier. Ausdruck dessen war auch die Umbenennung von „Fachhochschule Bergbau“ in „Technische Fachhochschule Georg Agricola“ im Jahr 1995. Die TH Georg Agricola hat in Ihrer 200-jährigen Geschichte rund 50.000 Steiger, Ingenieurinnen und Ingenieure ausgebildet.

Schriftzug über dem Haupteingang der Technischen Hochschule Georg Agricola, Bochum

Im Jahr 2016 ist die TH Georg Agricola eine moderne Hochschule mit zukunftsorientierten Studiengängen: Die rund 2.300 Studierenden beschäftigen sich inzwischen mit Maschinenbau, Smart Energy oder Materialeffizienz. Doch auch den Bergbau-Wurzeln ist die Hochschule treu geblieben: Im Forschungszentrum Nachbergbau entstehen innovative Lösungen zum Grubenwasser in stillgelegten Zechen oder zur Sanierung belasteter Flächen. Wie man verantwortungsvoll mit den sogenannten Ewigkeitsaufgaben des Bergbaus umgeht, lernen Studierende im deutschlandweit einzigartigen Master-Studiengang Geoingenieurwesen und Nachbergbau an der TH. Viele Fächer können neben dem klassischen Vollzeitstudium auch in Teilzeit belegt werden. Kurse und Vorlesungen finden dann abends und an Wochenenden statt und ermöglichen es Job, Familie und Studium flexibel zu kombinieren.

Das neue Logo der Technischen Hochschule Georg Agricola, Bochum

Am Festakt anlässlich des Jubiläums am 15. April 2016 nahmen rund 400 Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens teil, darunter unter anderem Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, RAG-Stiftungsvorstand Dr. Werner Müller, Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die Landtagspräsidentin Carina Gödecke, NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin, der Regierungsvizepräsident der Bezirksregierung Arnsberg Volker Milk, Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch, der Vorstandsvorsitzende der RAG AG Bernd Tönjes und der Vorsitzende der Internationalen Society of Mining Professors, Prof. Dr. Vladislav Kecojevic von der West Virginia University (USA). Auch die Lehrenden, Beschäftigten und Studierenden der TH feierten das große Jubiläum ihrer Hochschule.

Technische Hochschule Georg Agricola, Plesiosaurus Guilelmi imperatoris Dames, Abguss eines im Jahr 1906 in Holzmaden (Württemberg) gefundenen erwachsenen Meersauriers im Treppenhaus

Technische Hochschule Georg Agricola, Treppenhaus

Technische Hochschule Georg Agricola, Bochum

„1816 – 2016: 200 Jahre Technische Hochschule Georg Agricola“, Dampfdruckindikator, undatiert, Hannover, Dreyer, Rosenkranz und Droop G.m.b.H.

Einen Blick hinter die Kulissen der ältesten Hochschule im Ruhrgebiet bietet die historische Ausstellung „1816 – 2016: 200 Jahre Technische Hochschule Georg Agricola“, die noch bis Ende des Jahres in der TH zu sehen sein wird: Alte Lehrmaterialien, geologische Fundstücke, Karten und Klassenfotos zeichnen den Weg von der Bergschule bis in die Gegenwart nach. Im historischen Klassenzimmer machen die Besucher eine kleine Zeitreise – mit interessanten und teils kuriosen Einblicken in den Lehralltag seit 1816. Das Gebäude der Technischen Hochschule Georg Agricola ist Montag bis Freitag (8.00 bis 18.00 Uhr) und Samstag (8.00 bis 16.00 Uhr) für Besucher offen. Der Eintritt ist frei.

„1816 – 2016: 200 Jahre Technische Hochschule Georg Agricola“, Theodolit, vermutl. 1926, Kassel, Fennel, und Theodolit Wild T2, vor 1995, Herrbrugg, Wild Heerbrugg

„1816 – 2016: 200 Jahre Technische Hochschule Georg Agricola“, historisches Klassenzimmer

Beim Familientag am 16. April 2016 stellte sich die Technische Hochschule Georg Agricola mit spannenden Rundgängen und Laborbesichtigungen vor: Schwimmt Beton? Kann ein Roboter den Führerschein machen? Und wie unterscheidet sich Grubenwasser von Mineralwasser? Das und vieles mehr erfuhren die Besucher in den verschiedenen Fachbereichen von Elektrotechnik bis Nachbergbau. Mit dem 3D-Drucker wurde die Herstellung von Einkaufschips als Beispiel für Rapid Prototyping demonstriert. Den ganzen Tag spielte außerdem die Big Band der RAG, und vom TH-Dach seilte sich die Bochumer Grubenwehr ab. Jeder Besucher sollte am Familientag eine Tasse mit dem neuen Hochschullogo erhalten. Bei mir hat sich jedoch keine solche Tasse eingefunden, macht aber auch nichts, wer will schon alle Tassen im Schrank haben.

Abseilen der Grubenwehr

Abseilen der Grubenwehr

Abseilen der Grubenwehr

Max, der Maulwurf

„Wie schwer ist das?“
Für diese Seilwaage in jedem Fall zu leicht

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