Mittwoch, 27. April 2016

Erneuerbare Energie aus dem Schacht

„Pumpspeicherkraftwerke unter Tage“

Das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop ist nach der Schließung der Zeche Auguste Victoria das letzte aktive Steinkohlen-Bergwerk im Ruhrgebiet. Rund 4.200 Mitarbeiter fördern im Verbund­berg­werk Prosper-Haniel im Jahr 3,0 Millionen Tonnen Kohle (Stand: Mai 2013), die hauptsächlich zur Strom­er­zeugung eingesetzt wird. Nach dem für das Jahr 2018 beschlossenen Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlenbergbau soll das Projekt „Pump­speicher­kraft­werke unter Tage“ stillgelegten Zechen eine wertvolle Perspektive bieten. Die heutige Veranstaltung im Rahmen der KLIMAWOCHEN RUHR 2016 wäre natürlich eine gute Gelegenheit gewesen, den interessierten Besuchern dieses Projekt näher zu erläutern, aber wie heißt es so schön, „erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“… Der Referent der Innovation City Management GmbH konnte den Termin krankheitsbedingt nicht wahrnehmen, so dass der Referent des Bergwerks Prosper-Haniel in die Bresche gesprungen ist und zumindest einige wenige Fakten zum Projekt „Pump­speicher­kraft­werke unter Tage“ präsentiert hat, die mich allerdings noch mehr an der Sinnhaftigkeit dieses Projekts zweifeln lassen als zuvor. Das ist natürlich nur meine persönliche, subjektive Meinung.

Schachtanlage Prosper II, Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst

Das Kulturhauptstadtprojekt „Zweite Stadt“ auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein war nicht nur aus finanziellen Gründen gescheitert, so dass es keine Möglichkeit gibt, im großen Rahmen Schächte des Steinkohlen-Bergbaus im Ruhrgebiet zu besichtigen. Doch hier war sie nun, die Gelegenheit, mit Geländewagen nach unter Tage zu fahren. Wen interssiert da ein Pumpspeicherkraftwerk unter Tage!? „Mit Geländewagen nach unter Tage fahren, wie soll das gehen“, wird sich der ein oder andere jetzt vielleicht fragen. Nun, ganz einfach: Auf der Schachtanlage Prosper II in Bottrop tritt der 3.653 Meter lange Förderberg zutage, in dem auf dem 7.520 Meter langen Fördergurt die gesamte Förderung des Bergwerks Prosper-Haniel zutage gefördert wird. Auf dem Untergurt gelangt das Bergematerial wieder in die Grube, wird auf Förderbändern zum Schacht Franz Haniel und dort mit Skipförderung wieder zutage gefördert und auf die Halde Schöttelheide in Bottrop-Grafenbusch aufgeschüttet. Der Fußpunkt des Förderbergs befindet sich unterhalb eines Unternehmens in Bottrop, das hauptsächlich im Bereich Fahrzeugtuning vor allem für Mercedes-Benz-Modelle tätig ist. Der Förderberg kann mit umgebauten, schlagwettergeschützten Mercedes-Geländewagen schnell und bequem befahren werden, was beides natürlich relativ ist. Das fühlt zwar nicht wie eine Seilfahrt an, bei der die Bergleute mit 8 bis 12 m/s senkrecht in die Tiefe „rauschen“, bei einer Steigung von 21 % müssten die Geländewagen mit 80 bis 120 km/h den Schrägschacht befahren, um 8 bis 12 Meter an Teufe pro Sekunde zu gewinnen. (Tatsächlich erreichen die Fahrzeuge eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 30 km/h.) Dafür hängt man auch nicht am Stahlseil und könnte das Bergwerk bei einer Autopanne notfalls zu Fuß wieder verlassen. Dabei dürften die mehr als 700 Meter Höhenunterschied dem ein oder anderen aufgrund der Wetter allerdings auch schwer zu schaffen machen. Würde man sich auf den Fördergurt legen, was natürlich nicht vorgesehen ist, käme man bereits nach 10 Minuten wieder in der Maschinenhalle an.

Schachtanlage Franz Haniel

Unter Tage darf nur schlagwettergeschützte Ausrüstung benutzt werden, weshalb es regelmäßig von solchen Ausflügen keine Fotos gibt. Egal, die persönliche Erinnerung kann einem niemand mehr nehmen, und wenn irgendwann womöglich auch der Förderberg verfüllt wird, so kann man jedenfalls sagen, dort früher einmal selbst gewesen zu sein. Zumindest bekommt man bei der Schrägschachtfahrt einen kleinen Einblick in die Welt unter Tage, und nicht nur das. Obendrein lernt man auch noch, wie Schwarz- und Weißkaue funktionieren, denn unter Tage fährt man natürlich in „richtiger“ Bergmannskleidung. Besser gesagt, man wird gefahren: „Harry, wir brauchen den Wagen, sofort!“ Nun dürfte der Reiz einer Seil- bzw. Schrägschachtfahrt zu einem nicht unerheblichen Teil darin bestehen, dass die Möglichkeiten, daran teilzunehmen, ziemlich begrenzt sind. Ich möchte an dieser Stelle niemanden der Illusion berauben, wie fantastisch es wohl unter Tage sein muss, Tatsache ist aber nun einmal, dass es dort bereits ziemlich warm ist, heute waren es knapp 30 °C, wer möchte da schon gern schwere körperliche Arbeit verrichten? Schließlich fahren die Bergleute nicht zu ihrem Vergnügen ein. Dennoch macht sich angesichts der Zechenschließung auch Wehmut breit, und irgendwie kommt das Gespräch früher oder später immer auf dieses Thema, zumal an der heutigen Schrägschachtfahrt auch einige ehemalige Kumpel teilgenommen haben.

Würde mich jemand nach meinem persönlichen Eindruck von der Veranstaltung fragen, so bekäme derjenige zur Antwort, dass der Innovation City Management GmbH hier wohl eine ideale Gelegenheit entgangen ist, den Besuchern das Projekt „Pump­speicher­kraft­werke unter Tage“ vor Ort zu vermitteln. Die Referenten des Bergwerks Prosper-Haniel und insbesondere auch die Kumpel haben sich alle nur erdenkliche Mühe gegeben, den Besuchern einen Einblick in den Bergbau auf Prosper-Haniel im Allgemeinen und den 1986 in Betrieb genommenen Förderberg im Besonderen zu geben. Bei der Schrägschachtfahrt konnte sich jeder auch vor Ort einen persönlichen Eindruck von den Verhältnissen verschaffen.

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