Samstag, 30. April 2016

Oldtimertreffen im LVR-Industrie­museum Gesenkschmiede Hendrichs

Scheren, Schmiede und Oldtimer in Solingen-Merscheid

Eckfassade der Gesenkschmiede Hendrichs

„F. & W. Hendrichs – Scherenschlägerei u. Gesenkschmiede – Gegründet 1886“ – so steht es groß auf der markanten Eckfassade des LVR-Industriemuseums in Solingen. Das alte Fabrikensemble mit den Gebäuden aus roten Backsteinen, den typischen schrägen Sheddächern und den hohen Schorn­steinen hat sich kaum verändert. Von 1886 bis 1986 wurden hier Scherenrohlinge geschmiedet. Alle Maschinen, die Fallhämmer, Pressen und Fräsmaschinen, alle Werkzeuge, auch die Werkbänke für die Werkzeugmacher sind noch komplett vorhanden. Selbst der Umkleideraum mit den alten Spinden, der Waschraum mit der langen Reihe drehbarer Wasch­schüsseln, das Maschinenhaus oder das Kontor mit der klappernden Schreibmaschine, alles ist noch da. Auch die Firmenvilla der Unternehmerfamilie steht noch immer an ihrem Platz.

Oldtimertreffen im LVR-Industrie­museum Gesenkschmiede Hendrichs

Mit der Frühlingssonne beginnt auch die Oldtimer-Saison, und viele Besitzer älterer Fahrzeuge freuen sich auf die ersten Ausfahrten. Das LVR-Industriemuseum in der Gesenkschmiede Hendrichs lud am 30. April 2016 zum Zweiten Oldtimertreffen für historische PKW und Motorräder, etwa 50 historische Fahrzeuge bis Baujahr 1985 waren zu der Veranstaltung angemeldet. Nur mit der Frühlingssonne war es an diesem Tag Essig. Dem Vernehmen nach soll das Wetter auch schon beim ersten Oldtimertreffen am 25. April 2015 geschwächelt haben. Die Fahrzeuge konnten auf dem Besucherparkplatz abgestellt und in Augenschin genommen werden, der an diesem Tag für reguläre Besucher ohne Oldtimer gesperrt war.

Oldtimertreffen im LVR-Industrie­museum Gesenkschmiede Hendrichs

Buick Special Serie 40, Produktionszeitraum 1954 bis 1958

Chevrolet Corvette C3 „Stingray“, Baujahr 1976, V8, 5.700 cm³, ca. 206 PS

Citroën 11 CV Traction Avant, Baujahr 1953, 1.898 cm³, 56 PS

Drehleiter DL 30, Baujahr 1958, Fahrgestell Magirus Mercur 125, Hersteller Klöckner-Humboldt-Deutz AG, V6-Dieselmotor, 7.983 cm³, 125 PS

Drehleiter DL 30

Jaguar 340, Baujahr 1937, Sechszylinder-Reihenmotor, 3.442 cm³, 157 kW/213 PS, 190 km/h

Mercedes-Benz 170 S Cabriolet A, 1.767 cm³, 38 kW/52 PS, 120 km/h

Messerschmitt-Kabinenroller KR 200, Hersteller Fahrzeug- und Maschinenbau Regensburg, Baujahr 1959, 191 cm³, 7 kW/10,2 PS, 90 km/h

Morris Minor 1000 Kombi, Produktionszeitraum 1956 bis 1971

Wartburg 311, Baujahr 1958, Dreizylinder-Zweitakt-Vergasermotor, 900 cm³, 27 kW/37 PS, 115 km/h

Im Museum wurde an diesem Tag der wohl größte Motor auf dem Gelände in Betrieb genommen: der Herford Schiffsdiesel, mit dem ab 1956 als Ersatz für die Dampfmaschine die gesamte Maschinerie der Gesenkschmiede über eine Transmissionsanlage angetrieben wurde. Nachdem 1980 einer der beiden Zylinder gerissen war, wurde ein großer Teil der Produktionsmaschinen mit Elektromotoren versehen.

2-Zylinder Dieselmotor, Motorenfabrik Herford GmbH, Herford/Westfalen, Type GSB, Masch. Nr. 10042/43, Leistung 200 PS, Drehzahl 270 UPM, 1955. Der Dieselmotor trieb über eine Transmissionsanlage die Maschinen des gesamten Betriebes sowie zugleich einen Generator zur Stromerzeugung für den Lichtstrom an.

Fallhammer

Schmiedevorführung unter dem Fallhammer

Damastschmieden mit dem Bêché-Lufthammer

In der Schmiede wurde der schwere Bêché-Lufthammer (benannt nach seinem Erfinder Jean Bêché jr.) von einem Damastschmied in Betrieb genommen und die Herstellung von Damaszener Stahl demonstriert. Damaszener Stahl bezeichnet einen Werkstoff aus einer oder mehreren Eisen-/Stahlsorten, der in poliertem oder geätztem Zustand eine klare Struktur aus mehreren, sich abwechselnden Lagen unterschiedlichen Ausgangsmaterials erkennen lässt.

Damastschmieden mit dem Bêché-Lufthammer

Freitag, 29. April 2016

Theaterfest im Folkwang Theaterzentrum Bochum

„Werkstatt Musical“ mit dem dritten Jahrgang des Studiengangs Musical

Am 29. und 30. April 2016 findet im Theaterzentrum Bochum das diesjährige Theaterfest statt, doch heute kam dem geneigten Besucher der ein wenig abgewandelte Spruch „Stell’ Dir vor, die Folkwang Universität feiert Theaterfest und keiner geht hin“ in den Sinn: Bei der Veranstaltung „Werkstatt Musical“ mit dem dritten Jahrgang des Studiengangs Musical hatten sich doch tatsächlich 34 Zuhörer im Konzertsaal mit max. 420 Sitzplätzen eingefunden. Das ist bitter, insbesondere wenn man sich überlegt, dass die Studierenden und Lehrenden viel Zeit in die Vorbereitung einer solchen Veranstaltung investieren. IMHO ein klarer Beweis für schlechtes Marketing und PR. Ich habe selbst auch nur durch Zufall vor wenigen Tagen davon erfahren.

Folkwang Theaterzentrum

Für das etwa 75-minütige Konzert hatten Anneke Brunekreeft, Lina Gerlitz, Elias Krischke, Marvin Schütt und Sarah Wilken ein bunt gemischtes Programm mit Musicalmelodien und Chansons einstudiert und wurden dabei kongenial von Michael David Mills am Flügel begleitet. Im einzelnen sah das Programm wie folgt aus:
  • Ensemble: „Crazy Little Thing Called Love“ von Freddy Mercury
  • Lina Gerlitz: „Verrückt nach Verrückten“, Chanson von Gerhard Bronner und Peter Wehle
  • Marvin Schütt: „I’d Ratjer Be Sailing“ aus „A New Brain“ von William Finn
  • Anneke Brunekreeft: „Hopelessly Devoted To You“ aus „Grease“ von John Farrar und Warren Casey
  • Elias Krischke: „Ich trau mich nicht“, Chanson von Bodo Wartke
  • Sarah Wilken und Marvin Schütt: „Baby, It’s Cold Outside“ aus „Neptune’s Daughter“ von Frank Loesser
  • Lina Gerlitz: „Tell Me On A Sunday“ aus „Song And Dance“ von Andrew Lloyd Webber und Don Black
  • Elias Krischke: „Grateful“ von John Bucchino
  • Anneke Brunekreeft: „City Lights“ aus „The Act“ von John Kander und Fred Ebb
  • Ensemble: „Not A Day Goes By“ aus „Merrily We Roll Along“ von Stephen Sondheim
  • Marvin Schütt: „Stil und Dekor“ aus „Kiss Of The Spider Woman“ von John Kander und Fred Ebb
  • Sarah Wilken: „Stuff Like That There“ von Jay Livingston und Ray Evans
  • Anneke Brunekreeft: „Ich bin ein Vamp“ aus „100 Meter Glück“ von Mischa Spoliansky
  • Elias Krischke und Pascal Cremer (zweiter Jahrgang): „What Causes That“ aus „Crazy For You“ von George und Ira Gershwin
  • Lina Gerlitz: „Sooner or Later“ aus „Dick Tracy“ von Stephen Sondheim
  • Sarah Wilken: „Heiß geliebt“ aus „Wicked“ von Stephen Schwartz
  • Marvin Schütt: „Ich lass mir meinen Körper schwarz bepinseln“, Chanson von Friedrich Hollaender und Robert Liebmann
  • Anneke Brunekreeft und Lina Gerlitz: „Sisters“ aus „White Christmas“ von Irving Berlin
  • Elias Krischke: „Pinball Wizard“ aus „The Who’s Tommy“ von Pete Townshend
  • Ensemble: „I Sing The Body Electric“ aus „Fame“ von Steve Margoshes und Jaques Levy

Eindrucksvoll haben die Studierenden gesanglich, schauspielerisch und tänzerisch unter Beweis gestellt, was sie nach zweijähriger Ausbildung im Studiengang Musical zu leisten imstande sind. Ich möchte an dieser Stelle eigentlich niemanden explizit hervorheben, denn im Laufe des Programms konnte jeder seine Talente präsentieren, okay, dass Elias Krischke im vergangenen Jahr den zweiten Förderpreis im Junior­wett­bewerb des 44. Bundeswettbewerbs Gesang Berlin eingeheimst hat und das durchaus zu Recht, das wird sich der ein oder andere Zuschauer womöglich denken können, hat er doch genau seine Performance zu „Pinball Wizard“ aus „The Who’s Tommy“ von Pete Townshend auch in diesem Wettbewerb gezeigt. Aber auch der „Zickenkrieg“ der beiden „Schwestern“ Anneke Brunekreeft und Lina Gerlitz mit Stepp­tanz­choreografie, die Choreografie von Anneke Brunekreeft, Lina Gerlitz und Sarah Wilken bei Annekes „City Lights“ oder Marvins Performance zu „Stil und Dekor“ waren schön anzusehen und wurden vom Publikum heftig akklamiert. Auch 34 Zuschauer können eine Menge „Lärm“ machen. Wer die Aufführung verpasst hat, hat wirklich etwas verpasst.

Daher an dieser Stelle noch der Hinweis auf die morgige Preview mit Ausschnitten aus der diesjährigen Abschlussproduktion „Hello Again“ der Studierenden im Studiengang Musical der Folkwang Universität der Künste, die von 15 bis 16 Uhr im Raum 12 des Theaterzentrums Bochum stattfinden wird. Der Eintritt beim Theaterfest im Folkwang Theaterzentrum Bochum ist übrigens frei. „Hello Again“ wird ab 27. Juni 2016 im Theater im Rathaus Essen gezeigt, ein Interview mit dem Regisseur der Produktion, Gil Mehmert, ist hier zu finden.

Ach ja, da war doch noch was: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Zu dumm nur, dass die Folkwang Universität der Künste bei ihren Veranstaltungen keine Fotoaufnahmen gestattet und dafür um Verständnis bittet. Der „Mehrwert von Bildern gegenüber ausschließlichem Text“ scheint sich offensichtlich noch nicht überall herumgesprochen zu haben.

„Crazy Little Thing Called Love“: Anneke Brunekreeft, Lina Gerlitz, Elias Krischke, Marvin Schütt und Sarah Wilken

Vorschau: „Footloose“ beim Musical Sommer Amstetten 2016

„Footloose“ – nach dem gleichnamigen Film von Herbert Ross (1984); Musik: Tom Snow; Lyrics, Buch: Dean Pitchford; Additional Lyrics: Kenny Loggins; Buch: Walter Bobbie; Regie, Choreografie: Ramesh Nair; Bühne: Roswitha Wilding-Meisel; Kostüme: Monika Biegler; Licht: Michael Grundner; Ton: Andreas Frei; Musikalische Leitung: Christian Frank. Darsteller: Nathanaele Koll (Ren McCormack), Jana Werner (Ethel McCormack, seine Mutter), Patrick Imhof (Reverend Shaw Moore), Nicole Rößler (Vi Moore, seine Frau), Barbara Obermeier (Ariel Moore, ihre Tochter), Nina Tatzber (Lulu Warnicker, Rens Tante), Ramin Dustdar (Wes Warnicker, ihr Mann), Mischa Kiek (Coach Roger Dunbar), Katrin Mersch (Eleanor Dunbar, seine Frau), Annakathrin Naderer (Rusty), Katharina Gorgi (Urleen), Livia Wrede (Wendy Jo), Julian Looman (Chuck Cranston), André Haedicke (Willard Hewitt), Leon de Graaf, Michelle Catherine Härle, Erik van Hoof, Jan-Eike Majert, Jagoda Palecka, Niran Straub und Nico Stank. Uraufführung: 22. Oktober 1998 Richard Rodgers Theatre, New York City. Premiere: 20. Juli, Musical Sommer Amstetten, Pölz-Halle, Amstetten.



„Footloose“


Das Tanzmusical beim Musical Sommer Amstetten 2016


„Footloose“ basiert auf einer wahren Begebenheit: In Elmore City, einer Kleinstadt in Oklahoma, herrschte seit 1861 ein Tanzverbot. Erst 1980 wagten es die Jugendlichen der Stadt, öffentlich gegen dieses Gesetz aufzubegehren. Letztendlich wurde das Gesetz außer Kraft gesetzt. Als in Elmore City nach 120 Jahren wieder die erste Tanzveranstaltung stattfand, wurde in ganz Amerika darüber berichtet. Von dieser Geschichte inspiriert, fuhr Dean Pitchford nach Oklahoma, um sich Ideen für sein neues Theaterstück zu holen. Drei Jahre später wurde der Film „Footloose“ gedreht, der 1984 mit Kevin Bacon in der Rolle des Ren McCormack in die Kinos kam und alle Einspielrekorde brach. Der Soundtrack mit Titeln wie „Holding Out For A Hero“ (Bonnie Tyler) oder „Footloose“ (Kenny Loggins) eroberte weltweit die Charts. Aus dem Kino-Erfolg entstand, mit zusätzlichen Songs ausgestattet, das gleichnamige Musical, das am 22. Oktober 1998 im Richard Rodgers Theatre am Broadway Premiere feierte.

Julian Looman (Chuck Cranston), Barbara Obermeier (Ariel Moore), Nathanaele Koll (Ren McCormack) und Annakathrin Naderer (Rusty). © Musical Sommer Amstetten/Mag. Gerhard Sengstschmid

Die Story
Chicago. In einem Tanz-Club nehmen junge Leute Abschied von ihrem Freund Ren McCormack. Ren´s Vater hat die Familie verlassen, weswegen er und seine Mutter Ethel zu Onkel und Tante in die konservative Kleinstadt Bomont ziehen, die Reverend Shaw Moore mit uneingeschränkter Autorität zu führen scheint. Ein Mädchen fällt Ren sofort auf: Ariel, die Tochter des Pfarrers, die als einzige die Regeln ihres Vaters ignoriert. Sie ist mit dem stadtbekannten „Bad-Boy“ Chuck Cranston liiert. Und dann ist da noch Willard Hewitt, ein etwas tollpatschiger Mitschüler, in dem Ren schon bald einen guten Freund findet. Als Ren erfährt, dass der Reverend über die ganze Stadt ein Tanzverbot verhängt hat, wird die Situation für ihn, den Jungen aus der Großstadt, unerträglich. Von Ariels Freundinnen Rusty, Urleen und Wendy Jo wird Ren in das Geheimnis von Bomont eingeweiht: Vor fünf Jahren verunglückte der Sohn des Reverends auf dem Rückweg von einer Disco mit dem Auto tödlich. Ren will sich dem für ihn unsinnigen Verbot nicht beugen, kämpft dagegen an und wird immer mehr zum Außenseiter. Er kommt mit dem Gesetz in Konflikt, verliert seinen Nebenjob, und in der Schule misstrauen ihm die Lehrer. Als Ren sich dann auch noch – sehr zum Missfallen des Reverends – in Ariel verliebt, droht die Lage gänzlich zu eskalieren…

Julian Looman (Chuck Cranston), Barbara Obermeier (Ariel Moore), Nathanaele Koll (Ren McCormack) und Annakathrin Naderer (Rusty). © Musical Sommer Amstetten/Mag. Gerhard Sengstschmid

Heute wurde vom Musical Sommer Amstetten auch die Besetzung bekannt gegeben:
  • Nathanaele Koll als Ren McCormack,
  • Jana Werner als Ethel McCormack, seine Mutter,
  • Patrick Imhof als Reverend Shaw Moore,
  • Nicole Rößler als Vivian Moore, seine Frau,
  • Barbara Obermeier als Ariel Moore, ihre Tochter,
  • Nina Tatzber als Lulu Warnicker, Rens Tante,
  • Ramin Dustdar als Wes Warnicker, ihr Mann,
  • Mischa Kiek als Coach Roger Dunbar,
  • Katrin Mersch als Eleanor Dunbar, seine Frau,
  • Annakathrin Naderer als Rusty,
  • Katharina Gorgi als Urleen,
  • Livia Wrede als Wendy Jo,
  • Julian Looman als Chuck Cranston,
  • André Haedicke als Willard Hewitt,
  • Leon de Graaf,
  • Michelle Catherine Härle,
  • Erik van Hoof,
  • Jan-Eike Majert,
  • Jagoda Palecka,
  • Niran Straub und
  • Nico Stank.
Julian Looman (Chuck Cranston) und Annakathrin Naderer (Rusty). © Musical Sommer Amstetten/Mag. Gerhard Sengstschmid

Donnerstag, 28. April 2016

Frischer Wind am Wiesenbusch

Besichtigung der Windenergieanlage in Gladbeck im Rahmen der KLIMAWOCHEN RUHR 2016

Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch

Am 28. April 2016 bot die Volkshochschule Gladbeck in Kooperation mit der SL NaturEnergie GmbH im Rahmen der Klimawochen Ruhr 2016 eine Besichtigung der Ende 2015 in Betrieb genommenen Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch an. Wer den genauen Standort der Anlage in Google oder Bing sucht, wird nicht fündig, und schon gar nicht unter der im vom Regionalverband Ruhr heraus­gegebenen Programmbroschüre angegeben Anschrift Am Wiesenbusch. Kein Problem, wenn man die Bundes­auto­bahn 31 („Ostfriesenspieß“) vom Autobahndreieck Bottrop Richtung Norden fährt, sieht man die Anlage schon vor der ersten Ausfahrt auf der rechten Seite liegen. Also einfach mal an der Ausfahrt rechts halten und an der nächsten Möglichkeit in die „Pampa“ abbiegen, wird schon schiefgehen… und es ging schief. Auf den letzten Metern landete ich zu Fuß knöcheltief im Matsch, wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich Gummistiefel mitgebracht.

Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch

Bei der Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch handelt es sich um eine E-82 E2 des Auricher Herstellers Enercon mit einer Nennleistung von 2.300 kW. Sie verfügt über einen Rotordurchmesser von 82 Metern, die Nabenhöhe beträgt 108 Meter. Zum Vergleich: Der Kölner Dom hat eine Höhe von 157,38 Metern, ist also lediglich 8,38 Meter höher. Die seit 2006 in Serie gefertigte Windenergieanlage E-82 zählt zu den am häufigsten errichteten Windenergieanlagen in Deutschland.

Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch, Verschraubung der Beton-Halbschalen

Im Inneren der Anlage geht es – zumindest für Besucher – recht unspektakulär zu, man sieht nämlich eigentlich nichts. Man kann nicht einmal im Inneren bis nach oben schauen, denn ein Netz versperrt die Sicht nach oben. Von den elektrischen Anlagen bekommt man auch nichts zu sehen, auch nicht hinter einem Absperrgitter wie in der Umspannanlage Herkules in Essen.

Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch

Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch

Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch, Blick nach oben

Windenergieanlage Gladbeck-Wiesenbusch, Blick nach oben

Mittwoch, 27. April 2016

Vom Klärwerk zum Kraftwerk

Besichtigung im Rahmen der KLIMAWOCHEN RUHR 2016

Als eines der Leitprojekte der InnovationCity Ruhr/Modellstadt Bottrop baut die Emscher­genossen­schaft das Klärwerk in Bottrop zum Klärwerk der Zukunft um. Wie der Umbau des Emschersystems, der 1992 begann und 2020 abgeschlossen sein soll, war auch die Besichtigung der Kläranlage im Stadtteil Welheim ein längerfristiges Projekt: Auf die Möglichkeit, an der Besichtigung im Rahmen der Klima­wochen Ruhr 2016 teilzunehmen zu können, habe ich seit der Veranstaltung „Künstler vor Ort in der Welheimer Mark“ im Rahmen der EMSCHERKUNST.2010 beinahe sechs Jahre gewartet. Am 3. September 2010 war ich im Rahmen des Abend­spazier­gangs mit Florian Neuner auf die Anlage aufmerksam geworden, aber die Emscher­genossen­schaft bietet nur Gruppenführungen an. Wer also als Einzelperson die Anlage besichtigen möchte, muss sich entweder weitere Interessenten suchen und eine Gruppe zusammenstellen oder aber auf eine „offene“ Führung warten.

Kläranlage in Bottrop, im Vordergrund die Nachklärbecken

Das Emscherklärwerk in Bottrop ist eines von vier zentralen Klärwerken im Emschergebiet und gleichzeitig eine der größten Kläranlagen Deutschlands. Es wurde 1991 bis 1996 auf dem Gelände der früheren Emscherflußkläranlage errichtet, ist auf eine Kapazität von 1,34 Mio. so genannten Ein­wohner­gleich­werten ausgerichtet und reinigt bis zu 8.500 Liter Wasser pro Sekunde. Das Einzugsgebiet der Kläranlage umfasst 240 km² im Gebiet der Städte Bottrop, Bochum, Essen, Gelsenkirchen und Gladbeck. Der jährliche Strombedarf von über 30 Mio. kWh entspricht dem Bedarf einer Kleinstadt mit mehr als 20.000 Einwohnern. Im Klärwerk werden heute schon über 60 Prozent der benötigten elektrischen Energie an Ort und Stelle klimafreundlich erzeugt. Die Faulbehälter des Klärwerks werden zur Behandlung und Aufbereitung des Klärschlamms genutzt. Die typische Eiform eignet sich besonders gut für die Umwälzung des Klärschlamms, durch die eine gleichmäßige Temperaturverteilung gewährleistet und die Ablagerung des Klärschlamms verhindert wird. Die 190.000 Tonnen Klärschlamm, die am Standort Bottrop anfallen und die mehr als 25 Mio. Kubikmeter Klärgas, die entlang der Emscher entstehen, entsprechen hunderten von Millionen Kilowattstunden zur Wärmegewinnung und Stromerzeugung. Das methanhaltige Klärgas wird weiter genutzt, um über das eigene Block­heiz­kraft­werk Strom zu erzeugen. Teilmengen des Gases werden zudem weiter veredelt und für den Betrieb der hauseigenen Erdgasfahrzeuge verwendet. Die Stromerzeugung soll bis Mitte 2017 zu 100 Prozent durch die fünf verschiedenen erneuerbaren Energie­träger Solarenergie, Windkraft, Klärgas, Wasserkraft und Klärschlamm erfolgen.

Kläranlage in Bottrop, Nachklärbecken

Vor kurzem hat die Emschergenossenschaft einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer energieautarken Kläranlage erreicht: Die neue Windenergieanlage an der Emscher, die zukünftig das benachbarte Klärwerk mit Strom versorgen wird, ist offiziell in Betrieb genommen worden. Die Anlage leistet einen wichtigen Beitrag zu einer umweltgerechten und nachhaltigen Energieversorgung. Der Standort der Wind­energie­anlage befindet sich südlich der Emscher in einem sanierten Teilbereich eines ehemaligen Klärschlammbeckens. Die Anlage hat eine Turmhöhe von rund 100 Metern und einen Rotordurchmesser von rund 120 Metern. Der Generator hat eine Leistung von ca. 3.000 kW. Der durch die Anlage erzeugte Strom wird vollständig über eine rund 450 Meter lange Kabeltrasse in das interne Netz der benachbarten Kläranlage in der Welheimer Mark geleitet. Mitsamt der Windenergie werden sich im Schnitt 90 Prozent des Energiebedarfs decken lassen. Mit solarer Klär­schlamm­trocknung, der Erneuerung der Blockheizkraftwerke und einer Wasserkraftanlage am Auslauf der Kläranlage sollen später 100 Prozent des Energiebedarfs gedeckt werden.

Kläranlage in Bottrop, Schlammfaulung

Windenergieanlage an der Emscher

Die Klimawochen Ruhr 2016 sind ein Format des Regionalverbandes Ruhr (RVR). Es befasst sich als regionaler Kooperationspartner der Landesinitiative KlimaExpo.NRW mit Klimaschutz und Klimaanpassung. Die Klimametropole Ruhr 2022 soll die Mitmachkultur fördern, neue Impulse für Projekte setzen und als „regionales Schaufenster“ fungieren. Die Klimawochen Ruhr 2016 demonstrieren die Vielfalt und Breite des Engagements in der Metropole Ruhr. Sie lenken den Blick auf lokale und regionale Strategien, Projekte und Lösungsvorschläge. Es geht um neue Technologien, ressourcenschonende Produktionsweisen, aber auch um Lebensstile, gesellschaftliche Werte und kulturelle Impulse.

Kläranlage in Bottrop, Faultürme bei Nacht

Wer selbst an der Besichtigung der Kläranlage am 27. April 2016 teilgenommen hat, dem wird natürlich längst aufgefallen sein, dass die „Schönwetterfotos“ ganz offensichtlich an einem anderen Tag aufgenommen sein müssen, denn an diesem Mittwochnachmittag konnte man glücklich sein, wenn es einmal eine Stunde am Stück nicht geregnet hat. Aber bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung… Ein wenig ärgerlich ist es natürlich schon, da wartet man beinahe sechs Jahre auf die Möglichkeit, die Kläranlage zu besichtigen, und dann das. Unabhängig davon vermittelte die Führung einen guten Einblick, wie die Emschergenossenschaft mit dem Abwasser klarkommt, und einen guten Ausblick, wie dies zukünftig energieautark möglich sein wird.

Kläranlage in Bottrop, Wasserproben aus unterschiedlichen Stadien der Klärung

Kläranlage in Bottrop, Schneckenpumpe (archimedische Schraube)

Kläranlage in Bottrop

Kläranlage in Bottrop

Kläranlage in Bottrop, vollautomatische Überwachung der Wasserqualität

Kläranlage in Bottrop, Schlammfaulung

Kläranlage in Bottrop, Flammendurchschlagsicherung auf den Faultürmen

Kläranlage in Bottrop, Blick von den Faultürmen Richtung Müllheizkraftwerk Essen-Karnap

Kläranlage in Bottrop, Blick von den Faultürmen Richtung Müllheizkraftwerk Essen-Karnap

Kläranlage in Bottrop, Pilotprojekt EuWaK – Erdgas und Wasserstoff aus Kläranlagen

Kläranlage in Bottrop, Kunst im Bau

Blick von den Faultürmen Richtung Kokerei Prosper

Fast nur einen Steinwurf von der Kläranlage entfernt befindet sich die Kokerei Prosper, die seit Juni 2011 vom Stahlkonzern ArcelorMittal betrieben wird und dementsprechend nicht mit der Schließung des Bergwerks Prosper-Haniel ihren Betrieb einstellen wird. Bei schönem Wetter wirkt die Kulisse der Kokerei natürlich gleich ganz anders, und wer ein Faible für den herben Charme einer durch die Montanindustrie geprägten Landschaft hat, dem sei ein Spaziergang durch die Welheimer Mark und die Gartenstadt Welheim empfohlen.

Kokerei Prosper

Kokerei Prosper, Löschturm

EMD JT42CWR, DE 61 der Häfen und Güterverkehr Köln AG vor der Kokerei Prosper