Sonntag, 6. März 2016

8. „Tag der Archive“ unter dem Motto „Mobilität im Wandel“

Der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. möchte mit dem „Tag der Archive“ die öffentliche Aufmerksamkeit auf die vielfältigen gesellschaftlichen Funktionen der Archive lenken und dazu beitragen, dass diese wichtigen Gedächtnisorte von Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von den politisch Verantwortlichen stärker wahrgenommen werden. Mit dem 8. „Tag der Archive“ unter dem Motto „Mobilität im Wandel“ soll die erfolgreiche Arbeit der bisherigen „Tage der Archive“ fortgesetzt werden.

„Mobilität“ ist mehr als einfach nur eine Bewegung von A nach B. Der Begriff hat soziale, politische, technische und wirtschaftliche Dimensionen, die einander im Laufe der Geschichte wechselseitig beeinflusst haben. Man betrachte etwa die Erfindung der Eisenbahn und den dadurch angestoßenen wirtschaftlichen und politischen Wandel im 19. Jahrhundert, der wiederum einen starken Impuls für Kunst und Literatur bot. Die Aktualität des Themas Mobilität zeigt sich auch auf gänzlich „untechnischen“ Gebieten – wie etwa beim Thema Migration, was sich in Völkerwanderungen, Flüchtlingsbewegungen oder Auswanderungswellen wiedererkennen lässt. Nicht zuletzt gibt es auch die „Soziale Mobilität“: Der Auf- und Abstieg von Menschen in der modernen Industriegesellschaft. All diese Themen haben ihren Niederschlag in Archiven gefunden.


Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv

Magazingebäude des Stadtarchivs mit COR-TEN-Stahlfassade

Das 2009 errichte Magazingebäude mit seiner prägnanten COR-TEN-Stahlfassade dient der dauerhaften Lagerung der Archivalien und erhielt Anerkennungen beim Architekturpreis der Stadt Essen 2010 und der Auszeichnung guter Bauten 2010 des BDA Essen, sowie eine Auszeichnung bei der Auszeichnung Vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2010 (Land NRW/Architektenkammer NRW). In die COR-TEN-Stahlfassade sind hohe Lüftungsöffnungen schräg eingelassen, die direkte Sonneneinstrahlung bei geöffneten Flügeln vermindern. Durch eine elektronische Steuerung der Querlüftung und Beheizung kann jede Etage des viergeschossigen Gebäudes separat auf konstant 18 °C temperiert und die relative Luftfeuchtigkeit bei 50% gehalten werden – so sollte es zumindest sein. Durch perforierte Böden kann die Luft auch durch die Regale zirkulieren. In den handbetriebenen Regalen mit 7,20 Meter Länge und 2,32 Meter Höhe können 17 Regalkilometer Archivalien untergebracht werden.

Neuzugang im Stadtarchiv: „Almanach 1919 der Vereinigten Stadttheater Essens“, Verlag Fredebeul & Koenen, Essen

Neben Führungen durch das 2009 errichte Magazingebäude, die am 15. Juni 2011 eröffnete Dauerausstellung „Essen – Geschichte einer Großstadt im 20. Jahrhundert“ und die Restaurierungswerkstatt haben auch die Essener Geschichts­initiativen am „Tag der Archive“ die Möglichkeit genutzt, ihre Arbeit im Haus der Essener Geschichte/Stadt­archiv zu präsentieren.

Lageplan der Gussstahlfabrik Fried. Krupp

Bei den Führungen durch das Magazingebäude werden jedoch bei jedem „Tag der Archive“ die gleichen Archivalien gezeigt, die Eintragungen vom 28. Juni 1934 in das historische „Stahlbuch“ der Stadt Essen, bei der als Erste Adolf Hitler und Hermann Göring unterschrieben haben, die älteste Archivalie des Stadtarchivs, eine Urkunde über einen Grund­stücks­ver­zicht in Essen-Schonnebeck aus dem Jahre 1272 usw. Auf die Frage, ob man denn auch eine Archivalie zum Thema „Mobilität im Wandel“, beispielweise eine Essener Straßenkarte aus dem 19. Jahrhundert zeigen könne, bekam ich zur Antwort, dass das Thema doch so speziell sei, dass man dieses an einem solchen Tag nicht berücksichtigen könne. Aha, das Motto „Mobilität im Wandel“ des 8. „Tages der Archive“ ist also so speziell, dass man es an diesem Tag nicht berücksichtigen kann? Keine weiteren Fragen…

Werbung für Krupp Schnellastwagen und Krupp Lokomotiven

Karte der Stadt Essen, 1910

Karte der Gemeinde Borbeck, 1904


Eisenbahnfreunde Witten e. V.

Witten Hauptbahnhof

Die Räumlichkeiten der Eisenbahnfreunde Witten e. V. im Obergeschoss des Wittener Hauptbahnhofes mögen vielleicht kein Archiv im herkömmlichen Sinn darstellen, aber auf alle Fälle lässt sich ein Bezug zum Motto „Mobilität im Wandel“ nicht verleugnen.

Anzeigender und schreibender Geschwindigkeitsmesser WR 7 für das Zugsicherungssystem „INDUSI I54“ der Deutschen Bundesbahn

Modell der DB-Baureihe 141

Neben diversen ausgestellten Gerätschaften aus vergangenen Tagen bei der Deutschen Bundesbahn beschäftigt man sich bei den Eisenbahnfreunden Witten intensiv mit dem Modellbahnbau, dementsprechend viele Modellbahnzüge sind dort ebenfalls zu sehen. Das Highlight dürfte jedoch der Ausbildungsfahrstand der DB-Baureihe E 41 sein, bei dessen Demonstration man eindrucksvoll erfährt, wie die E 41 zu dem Spitznamen „Knallfrosch“ gekommen ist.

Ausbildungsfahrstand der DB-Baureihe E 41

Ausbildungsfahrstand der DB-Baureihe E 41

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