Donnerstag, 18. Februar 2016

Studenten der Westfälischen Hochschule bauen das weltweit billigste Elektroauto

Der Einstieg in das elektrische Autozeitalter krankt für viele Käufer auch an den hohen Preisen für Elektrofahrzeuge. Eine Studentengruppe der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen will jetzt beweisen, dass es auch billiger geht: Sie bauen das weltweit preiswerteste Elektroauto, so ihr Professor Dr. Guido Mihatsch. In einem praktischen Semesterprojekt modeln die fünf Master-Studenten des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen das indische Kleinstauto Tata Nano auf Elektroantrieb um und beweisen damit, dass sie sich sowohl in Automobiltechnik als auch in Wirtschaftlichkeitsüberlegungen auskennen. Beschafft hat das Auto der Student Marcel Preuss, als er in Indien ein Industriepraktikum machte. Matthias Hamm, Hayssam Siala, Vivek Yadav, Martin Pick und Marvin Schöppner sind für den Umbau verantwortlich. Eine Zulassung für den europäischen Straßenverkehr hat dieses Automobil nicht, jetzt aber die Lizenz für internationale, praxisorientierte Forschung und Entwicklung: Das Auto aus Indien, der Elektromotor aus China, das Know-how aus Recklinghausen.

Vom Benzin zum Strom. An der Hochschulabteilung Recklinghausen der Westfälischen Hochschule baut ein Studententeam einen Tata Nano zu einem Elektro-Auto um. Am Steuer (des rechtsgesteuerten indischen Autos): Teamleiter Prof. Dr. Guido Mihatsch, hinter ihm: Mitarbeiter Thorsten Most, am Heck: Vivek Yadav aus Neu-Delhi, am nicht mehr benötigten Tank: Hayssam Siala, an der Batterie: Matthias Hamm. Foto: WH/BL

Zunächst einmal wollen die Studenten beweisen, dass es technisch möglich ist, auf der Basis des Tata Nano ein Elektrofahrzeug zu bauen und zu betreiben. Wenn auch testweise zunächst nur auf dem Hochschulgelände oder auf dem Verkehrsübungsplatz. Und sie wollen beweisen, dass sie damit unter 7.000 Euro Gesamtkosten bleiben. „Sollte ein solches Auto mal in Serie gehen, kommt man unter 5.000 Euro Anschaffungspreis“, so Prof. Dr. Guido Mihatsch, der das Projektteam betreut. Ziel sei ein vor allem für die Stadt praktisches Fahrzeug, das mit maximal 100 Stunden­kilometern Spitzengeschwindigkeit aber auch auf die Autobahn darf, so dass es eigentlich das ideale Ruhrgebietsauto wird. Nach diesen Zielvorgaben richtete sich die Berechnung der erforderlichen Motorleistung und des Batteriebedarfs. Für die Batterien haben die Studenten eine Wanne konstruiert, die unten ins Auto kommt und so zugleich die Gewichtsbalance des Kleinstautos verbessert. Insgesamt wird die Batterieleistung für eine Reichweite von rund 80 Kilometern reichen. (Anmerkung: Ein „Ruhrgebietsauto“, mit dem man nicht einmal von Hamm nach Moers fahren kann, dürfte ebenso zum Scheitern verurteilt sein wie in den 1980er-Jahren der Pöhlmann EL, der neben hohen Anschaffungskosten ebenfalls an zu geringer Reichweite krankte. Immerhin sind 7.000 Euro Gesamtkosten eine gute Basis, auf der man aufbauen kann. Der Pöhlmann EL kostete fast 50.000 DM.)

Für das Projekt sehr praktisch stellte sich heraus, dass Student Vivek Yadav nicht nur aus Indien stammt, sondern auch so gute Verbindungen zu seinen Verwandten in Delhi hat, dass er von dort für nötiges Zubehör sorgte. Hayssam Siala arbeitet neben dem Studium beim Autolackierer „Identica Kahl“ in Oer-Erkenschwick, dessen Chef großzügig für eine schicke Lackierung in Hochschulgrün sorgte.

Noch tüfteln und bauen die Studenten in der hochschuleigenen Maschinenhalle an dem Tata Nano. Spätestens zum Ende des Sommersemesters wird er fertig sein. Auf die Straße darf er dann aber nicht mangels Zulassung. „Da das Auto für Europa gar keine Typzulassung hat, müssten wir nicht nur die Umbauten vom TÜV genehmigen lassen, sondern das ganze Fahrzeug, was wohl eher unwahrscheinlich ist“, erklärt Matthias Hamm das zukünftige Schicksal des kleinen grünen Autos. „Aber trotzdem soll es kein Stehzeug im Hochschulmuseum werden“, prognostiziert Guido Mihatsch, sondern es solle dann als Fahrzeug den nächsten Studentengruppen für Tests und Weiterentwicklungen zur Verfügung stehen.

Wer sicher näher über das Thema Elektromobilität informieren möchte, dem sei der Besuch der Ausstellung „Aufgeladen! Elektromobilität zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ empfohlen, die augenblicklich im LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen zu sehen ist.

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